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Die Julikrise von 1914. Untersuchung der Rolle wichtiger deutscher Entscheidungsträger in Politik und Militär

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Gliederung

1. Vorwort

2. Der Auslöser der Julikrise

3. Die Rolle Bethmann Hollwegs und der Reichsregierung in der Julikrise 1914

4. Die Rolle des bzw. der Deutschen Militärs in der Julikrise 1914

5. Die Rolle von Wilhelm dem zweiten in der Julikrise 1914

6. Fazit

7. Verwendete Literatur

1. Vorwort

In dieser Hausarbeit werde ich versuchen die Deutschen Entscheidungen in der Julikrise von 1914 zu erläutern. Dabei möchte ich mich vor allem auf die wichtigsten Entscheidungsträger konzentrieren und die Gründe sowie die Auswirkungen ihres Handelns näher beleuchten.

2. Der Auslöser der Julikrise

Das sogenannte „Attentat von Sarajewo“ bildete den eigentlichen Auslöser der Julikrise von 1914 und ist somit gewissermaßen auch der Auslöser des ersten Weltkrieges.

Am 28. Juli 1914 besuchte das österreichische Thronfolgerpaar Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie die Serbische Hauptstadt Sarajewo, um einigen Militärmanövern beizuwohnen. Gleichzeitig wurde am 28. Juli ein serbischer Nationalfeiertag begangen, an dem einer Schlacht gegen die Osmanen gedacht wurde.

Während das österreichische Thronfolgerpaar mit einem Wagen durch die Stadt fuhr, wurden beide durch die Schüsse eines serbischen Nationalisten getötet. Drahtzieher dieses Attentats war eine nationalistisch gesinnte Serbische Geheimorganisation namens „Schwarze Hand“.

Auf Franz Ferdinand hatten es die Attentäter abgesehen, da dieser die Slawen als Gegengewicht zu den Ungarn zur Dritten Staatsnation erheben wollte. Damit hätte er den slawischen Nationalisten erheblich geschadet.

Anschläge auf hochstehende Politiker oder andere Persönlichkeiten waren zu dieser Zeit nichts außergewöhnliches und im Normalfall kein Grund an einen großen Krieg zu denken. Die Beziehungen zwischen den europäischen Großmächten waren allerdings zum Zeitpunkt dieses Attentats von Sarajewo sehr angespannt. Es hatten sich zwei große politische Blöcke gebildet. Zum einen die Mittelmächte, mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn, welche zudem mit Italien und dem Osmanischen Reich verbündet waren. Und zum anderen die Triple- Entente mit Russland, Frankreich und Großbritannien.

Von diesen Staaten wurden in der Julikrise 1914 nun die Entscheidungen gefällt, welche im Folgenden zum Ersten Weltkrieg führen sollten.

3. Die Rolle Bethmann Hollwegs und der Reichsregierung in der Julikrise 1914

Bethmann Hollweg war zur Zeit der Julikrise 1914 Kanzler des Deutschen Reiches. Verfassungsgemäß war er als Reichkanzler an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt.

Die wichtigste und folgenreichste Entscheidung Hollwegs ist zweifelsohne die Ausstellung des berühmten Blankoschecks. Dieser Blankoscheck sicherte Österreich-Ungarn die volle Unterstützung des Deutschen Reiches in Bezug auf eine Bestrafung Serbiens zu. Dies galt vor allem für ein Einschreiten Russlands oder einer anderen Großmacht, obwohl Bethmann Hollweg zu diesem Zeitpunkt nicht an ein solches Einschreiten glauben mochte. Mit der Ausstellung des Blankoschecks hatte das Deutsche Reich seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn formell absolute Handlungsfreiheit für den Umgang mit Serbien zugesichert. Im Enddefekt jedoch wurde über die Deutsche Botschaft in Wien und den dortigen Botschafter Tschirschky starker Druck auf die Entscheidungen des Bundesgenossen ausgeübt. Es sollten möglichst rasch Maßnahmen gegen Serbien ergriffen werden, da die Deutsche Reichsleitung den Zeitpunkt für günstig hielt. In den folgenden Wochen bis zum Kriegsausbruch diente Botschafter Tschirschky nun quasi als verlängerter Arm Bethmann Hollwegs und somit nahm er eine Schlüsselstellung in der Julikrise ein. Außerdem hatte diese Art der Politik den Vorteil, dass das Deutsche Reich somit nicht als Kriegshetzer gebrandmarkt werden konnte. Durch die Ausstellung des Blankoschecks wurde in Österreich auch der Wiederstand gegen drastische Maßnahmen zur Bestrafung Serbiens gebrochen und somit war der Deutsche Blankoscheck, an dem Bethmann Hollwegs maßgeblich beteiligt war, der Entscheidende Schritt in den Ersten Weltkrieg.

Es stellt sich nun die Frage, aus welchen Beweggründen heraus Kanzler Hollweg dem Blankoscheck zustimmte. Welches Konzept bzw. welche Strategie steckte hinter dieser vorbehaltlosen Rückendeckung Österreich-Ungarns?

Einige Anhaltspunkte sprechen dafür, dass Bethmann Hollweg in der Julikrise 1914 eine Strategie des kalkulierten Risikos verfolgte.

Schon seit Anfang des Jahrhunderts entwickelte sich das Kräftegleichgewicht in Europa zu Ungunsten des Deutschen Reiches und seiner Bündnispartner.

Vor allem Russland konnte Machtverschiebungen zu seinen Gunsten erreichen und Bethmann Hollweg sah die Mittelmächte durch das Russische Reich stark gefährdet.1 Wie fest bei Hollweg diese Vorstellung verwurzelt war, zeigt eine Äußerung von ihm im Gutspark Hohenfinow, als er daran zweifelt, ob es noch Sinn habe neue Bäume zu pflanzen, denn in wenigen Jahren wären die Russen doch da.2

Nach dem Mord von Sarajewo setzte sich Hollweg nun für einen Österreich-Ungarischen Schlag gegen Serbien ein, da er meinte dies sei vielleicht die letzte Chance, um die Machtverhältnisse auf dem Balkan und damit auch in Europa zu Gunsten der Mittelmächte beeinflussen zu können. Vor allem die Großmachtposition von Österreich-Ungarn sollte gestärkt werden, damit dieses weiterhin als starker Bündnispartner des Deutschen Reiches fungieren konnte. Die Stärkung Österreichs hätte auch eine Stärkung des Deutschen Reiches bedeutet.

Dem Kanzler des Deutschen Reiches war klar, dass ein militärisches Vorgehen gegen Serbien einen großen Krieg auslösen könnte, aber er sah auch die Möglichkeit, dass die Russen einen begrenzten Schlag gegen Serbien grade noch so hinnehmen könnten. Auf dem Balkan sollten in einer schnellen Militäraktion vollendete Tatsachen geschaffen werden, um dann anschließend die Wogen auf Diplomatischen Wege zu glätten. Dem Zeitfaktor kommt bei dieser Kalkulation eine entscheidende Bedeutung zu, denn die diplomatischen Bemühungen mussten genau zum richtigen Zeitpunkt aufgenommen werden und sie mussten auch unbedingt den gewünschten Erfolg haben. Vor allem durch Verhandlungen mit England wollte man versuchen die Ententemächte zu beschwichtigen. Die Entscheidung über Krieg und Frieden hing allerdings vorrangig von der Reaktion Russlands ab.

Als Kanzler Bethmann Hollweg von der Absicht Österreich-Ungarns erfuhr, ein Ultimatum an Serbien zu richten, ging er davon aus dass es Krieg geben würde. Welche Ausmaße dieser Krieg annehmen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Hollweg wies Vizekanzler Delbrück allerdings an, alles zu unterlassen, was den Eindruck erwecken könne, Deutschland bereite sich auf einen Krieg vor. Dazu gehörte vor allem, dass die hochrangigen Politiker und Militärs des Deutschen Reiches trotz der aktuellen Krise weiterhin ihren Sommerurlaub fortführten. Dennoch wurde die Mobilmachung unauffällig von Delbrück vorbereitet.

Nachdem Hollweg bekannt wurde, dass das Ultimatum an Serbien unannehmbare Bedingungen enthalten sollte, setzten der Kanzler und die Regierung des Deutschen Reiches ihre Bemühungen um eine „Lokalisierung“ des von ihnen erwarteten Konflikts zwischen Serbien und Österreich fort. Dies meint vor allem die Bemühungen die übrigen Mächte zur Passivität zu bewegen, damit ein lokaler Krieg am Balkan überhaupt erst stattfinden konnte. Hauptansatzpunkt dafür waren Verhandlungen mit England, welche zum Ziel hatten das Entente-Bündnis aufzulockern.

Am 23.07.1914 wurde dann das Ultimatum an Serbien überreicht. Der deutsche Kanzler Hollweg und seine Regierung verstärken nun ihre Bemühungen um eine Lokalisierung des Krieges. Das Ultimatum wurde von Serbien in fast allen Punkten erfüllt, aber Teile des Ultimatums waren für den Balkanstaat unannehmbar. Am 25.07.1914 machte Serbien mobil und noch am gleichen Tag mobilisierte auch Österreich-Ungarn einen Teil seiner Armee gegen Serbien. Ein daraufhin erfolgter Schlichtungsvorschlag Englands scheitert an der Ablehnung Österreich-Ungarns. Auch Hollweg lehnte die Englische Vermittlung zu diesem Zeitpunkt noch ab, denn der Schlag gegen Serbien sollte zunächst sichtbare Erfolge aufweisen, damit es auch tatsächlich eine Machtverschiebung zugunsten der Mittelmächte gab. Erst am 29.07.1914 sah Bethmann Hollweg diese Erfolge als gegeben und wollte nun durch diplomatische Maßnahmen eine Steigerung der Krise abwenden. Man wendete sich an England, da es schien, dass dieses sich mit einer zeitweiligen Besetzung Serbiens durch Österreich abzufinden schien. Die Krise hatte sich allerdings so rasant entwickelt, dass Hollweg zu diesem Zeitpunkt kaum noch Handlungsspielraum zur Verfügung stand. Es gab bereits erste Berichte von Russischen Mobilmachungsmaßnahmen und dadurch wurden die terminabhängigen strategischen Planungen des Generalstabs zunehmend bedeutsamer. Vor allem gelang es Hollweg in der Kürze der Zeit nicht Österreich-Ungarn zu einem Abbruch des Angriffs auf Serbien und zur Aufnahme politischer Verhandlungen zu bringen. Dies stellte von je her einen kritischen Punkt in den Überlegungen des Reichskanzlers da.

Am 30.Juli musste Bethmann Hollweg dann eingestehen, „...es sei die Direktion verloren und der Stein ins Rollen geraten“.3

Russland hatte die Militäraktion von Österreich-Ungarn nicht auf sich beruhen lassen und die Teilmobilmachung Russlands ist somit der Auftakt zum Ersten Weltkrieg. Der Versuch einer rationalen Lenkung der Julikrise war Bethmann Hollweg und seiner Regierung nicht geglückt.

4. Die Rolle des bzw. der Deutschen Militärs in der Julikrise 1914

Schon vor dem Mord von Sarajewo, im Mai 1914, machte der Generalstabschef des deutschen Militärs Moltke die deutsche Reichsleitung auf die starken Rüstungen der Entente-Mächte aufmerksam. Er empfahl deshalb einen Präventivkrieg für den Juni 1914 um einem Angriff des gegnerischen Bündnisses zuvor zu kommen.

Am 5.Juli 1914, also schon einige Tage nach dem Mord von Sarajewo, erfuhr Kriegsminister Falkenhayn durch Kaiser Wilhelm von den Österreichischen Anfragen bezüglich der Deutschen Haltung in dieser Sache. Auf Nachfragen des Kaisers bestätigte Falkenhayn, dass das Heer für alle Fälle bereit sei. Allerdings Unterschätzte Falkenhayn die Bedeutung des Deutschen Blankoschecks erheblich, wie aus einem Brief am Abend desselben Tages an Moltke hervorgeht. Er glaubte nicht, dass Österreich-Ungran sich zu einem energischen Vorgehen gegen Serbien entschließen könne. Vielmehr würde es wieder nur politische Konsequenzen geben, aber keine kriegerischen Handlungen gegen Serbien, welche Falkenhayn lieber gesehen hätte. Die nächsten Wochen würden nach Falkenhayns Ansicht keine Entscheidung bringen und daher brauche Moltke seine Badekur auch nicht abbrechen.4

Welche Meinung die Militärs von der Julikrise nach der Besprechung mit dem Kaiser am

5. Juli hatten zeigt uns auch eine Notiz des kaiserlichen Generaladjutanten von Plessen welche er in seinem Tagebuch notierte. Dort heißt es: „Bei uns herrscht die Ansicht, dass die Österreicher je früher je besser gegen Serbien losgehen und dass die Russen - obwohl Freunde Serbiens - doch nicht mitmachten.“5

Die Bedeutung der Vorgänge und die Ziele des Reichskanzlers wurden von den militärischen Teilnehmern der Konferenz des 5. Juli offenbar falsch eingeschätzt.

Am Abend des 8.Juli trat Falkenhayn eine Dienstreise an und begab sich anschließend für einen vierzehntägigen Urlaub nach Juist. Auch viele andere Militärs, sowie der Kaiser befanden sich zu dieser Zeit im Urlaub. Dass Falkenhayn und Moltke zu diesem Zeitpunkt nicht von einer unmittelbaren Kriegsgefahr ausgingen, zeigt auch die in diesen Tagen geführte Diskussion zwischen diesen beiden über Aufrüstungsschritte, die erst ab 1916 greifen sollten. Zudem hielt Falkenhayn die Deutsche Diplomatie spätestens seit der Marokkokrise für entschlussschwach und mutlos. Einen Krieg an sich jedoch wurde von ihm stark befürwortet, selbst wenn er keinen machtpolitischen Gewinn bringen sollte. Für ihn ging es darum, seine militärischen Fähigkeiten mit der Wirklichkeit zu messen. Nur schien es ihm eben nicht so, als ob er in naher Zukunft die Möglichkeit dazu bekommen sollte.

Am 24.Juli kehrte Falkenhayn aus Juist zurück und trat seinen Dienst wieder an. Zu diesem Zeitpunkt hatte Österreich schon die Serbische Antwort auf ein Ultimatum abgelehnt und eine Teilmobilmachung eingeleitet. Mit Blick auf die doch recht weitgreifenden Serbischen Zugeständnisse, welche aber dennoch von Österreich abgelehnt wurden, begriff Falkenhayn, dass die Donaumonarchie nun tatsächlich ernst machen wollte. Als deutlich wurde, dass die Entente-Mächte nicht unbedingt untätig bleiben würden, versuchte die Reichregierung einen eher mäßigenden Einfluss auf Österreich auszuüben. Von nun an waren es vor allem die Deutschen Militärs, welche auf eine Forcierung des Konflikts drängten.

[...]


1 Zu Bethmann Hollwegs Ansichten bezüglich Russland siehe auch: K.D. Erdmann: Zur Beurteilung Bethmann Hollwegs, S. 536

2 Egmont Zechlin: Deutschland zwischen Kabinetts- und Wirtschaftskrieg S. 400 (Nach Mitteilung des Sohnes des Kanzlers, Bethmann Hollweg)

3 Julikrise und Kriegsausbruch 1914. 2.Teil, Hannover 1964,S.373.

4 Quellen zur Entstehung des Ersten Weltkriegs, S. 308f

5 Deutschland im Ersten Weltkrieg, Castarius Ullrich, München 1982, S.220

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668126312
ISBN (Buch)
9783668126329
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313904
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
3
Schlagworte
Schlieffenplan Das Attentat von Sarajewo Die Julikrise 1914 Reichskanzler Bethmann Hollweg Kriegsminister Falkenhayn Blankoscheck Wilhelm der zweite Generalstabschef Moltke 1. WK Erster Weltkrieg 1. Weltkrieg Auslöser erster Weltkrieg Schwarze Hand Triple- Entente Mittelmächte

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