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Der Einfluss von Social Media auf politische Kommunikation in Indien

Essay 2013 10 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Die Wahlen in Indien für die 16.Parlamentswahlen (Lok Sabha), sind für den April 2014 angesetzt. Die größte existente Demokratie, wie Indien häufig angepriesen wird, sieht sich vor einem prognostizierten Regierungswechsel. Der India National Congress (INC), dessen zweite fünfjährige Wahlperiode dieses Jahr enden könnte, steht der wiedererstarkten Bharatiya Janata Party (BJP) Opposition gegenüber. Die BJP identifiziert sich stark mit dem Konzept des Hindunationalismus, welches im Hindu Rashtra verwurzelt ist und die Etablierung einer Hindu Nation anstrebt. Parteispitzenkandidat der BJP und Anwärter auf den Posten des Premierminister Narendra Modi, derzeitiger Ministerpräsident Gujarats, sorgte in der Vergangenheit auch weit über die Landesgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit. Abgesehen von seinem strittigen, weil passiven Verhalten in den antimuslimischen Ausschreitungen nach einem Zugunglück, besetzt mit hinduistischen Pilgern 2002 in Gujarat, hat es Modi mit seiner aktuellen Wahlkampagne geschafft, enormen Zuspruch in der Bevölkerung zu gewinnen. Zum einen durch die erfolgreiche Wirtschaftspolitik, die er als Regierungschef Gujarats in Gang setzte und aufgrund der Frustration über Korruption und Inflation, welche der amtierenden INC aus der Bevölkerung entgegenschlägt. Mittels Sozialer Netzwerke wie Twitter und Facebook konnte Modi eine hohe Anzahl von „Followern“ und „Likes“ für sich verzeichnen. Seine Internetpopularität sucht seinesgleichen in der indischen Politiklandschaft. Andreas M. Kaplan und Michael Haenlein definieren Social Media als „eine Gruppe von Internetanwendungen, die auf den technologischen und ideologischen Grundlagen des Web 2.0 aufbauen und die Herstellung und den Austausch von User Generated Content ermöglichen“.[1] Das Web 2.0 ermöglicht es den Nutzern, die im Internet veröffentlichten Inhalte mitzugestalten und selbst Inhalt, also User Generated Content zu produzieren. Es scheint als verstehe es Modi, die Vorteile der internetbasierten Kommunikationsmöglichkeiten für seine Zwecke zu nutzen. Nun stehen die konservative Agenda der hindunationalistischen BJP sowie auch der alternde Kandidat Modi in einem ambivalenten Spannungsverhältnis zu den modernen Kommunikationstechnologien, die das Web 2.0 bietet. Diese Entwicklung in der politischen Kommunikation der BJP deutet darauf hin, dass die konservativen Hindunationalisten die Innovationen der modernen Technologien nutzen, um somit einen Konservatismus im modernen Gewand zu kreieren.

Ziel meiner Arbeit ist es, die Vereinbarkeit dieser anscheinend auseinanderdriftenden Domänen zu untersuchen, so wie die Strategien, die sich Modi für seine Politikkampagnen zu Nutze macht. Am Ende steht die kritische Diskussion über den tatsächlichen Einfluss auf das Wahlergebnis beziehungsweise ob die Adressaten der Politkampagne tatsächlich die wahlentscheidende Gesellschaftsgruppe ausmachen werden. Denn obwohl die Fakten für steigenden Internetzugang sprechen, besteht weiterhin Konsens darüber, dass das Internet weitestgehend ein Phänomen des städtischen Raumes bleibt und viele ländliche Gegenden keinen Zugang haben oder gar ganz abgeschnitten vom Stromnetz sind. Die Entwicklung in der politischen Kommunikation, weniger herkömmliche Medien zu Wahlkampfzwecken zu nutzen, wie bisher Fernsehübertragungen, Radiobeiträge, Werbung in Printmedien oder das Aufhängen von Parteibannern, sondern die vermehrte Anwendung von SMS, Mass E-mailing, Website Auftritte, Blogs und Social Media Netzwerke, zeichnet sich schon seit einigen Jahren ab und begründet sich aus mehreren Einflussfaktoren. Die jünger werdende Bevölkerung Indiens verspricht den Parteien eine große Zahl an technikversierten Neuwählern, deren Gunst es zu gewinnen gilt. Von den rund 790 Millionen Wahlberechtigten Indiens befinden sich 120 Millionen Erstwähler im Alter zwischen 18 und 22 Jahren, wobei sich das Durchschnittsalter Indiens auf 25 Jahre beläuft.[2] So zielen die Politkampagnen der großen Parteien vorrangig auf die, in den Städten lebenden Erstwähler ab.[3] Auch die hohe Beteiligung junger Menschen an den Protesten im Zusammenhang mit dem Vergewaltigungsfall in Neu-Delhi im Dezember 2012 und zugunsten des Lokpal-Gesetzes gegen Korruption, hat die Politiker ebenfalls veranlasst, sich bei diesen Wahlen insbesondere um die Jungwähler zu bemühen. Eine Studie der IMAI (Internet and Mobile Association of India) prognostiziert für Dezember 2013 die Anzahl von Internetnutzern auf 213 Millionen, während sie sich im Oktober noch auf 205 Millionen belief. 137 Mio. Internetnutzer lebten davon im städtischen und 68 Mio. im ländlichen Raum.[4]

Desweiteren ergab eine Studie, die vom IMAI und der IRIS Knowledge Foundation durchgeführt wurde, dass 150 der insgesamt 542 Wahlkreisen Indiens von Facebook Usern bestimmt werden und somit eine ganz neue Wählerschaft Einfluss auf die zukünftige Politik Indiens nehmen könnte.[5]

[...]


[1] Andreas M. Kaplan and Michael Haenlein "Users of the world, unite! The challenges and opportunities of Social Media". Business Horizons, no.53 (2010): 61.

[2] Sanjay Kumar, „Indiens Jungwählerschaft und ihre Bedeutung für die Wahlen“Heinrich Böll Stiftung, 17.03.2014 accessed 02.04.2014, https://www.boell.de/de/2014/03/17/indiens-jungwaehlerschaft-und-ihre

bedeutung-fuer-die-wahlen-koennen-junge-waehler-bei.

[3] Gaurav Mishra, „India`s First Digital Elections“Global Voices Blog, 22.03.2009 accessed 02.04.2014 http://globalvoicesonline.org/2009/03/22/indias-first-digital-elections/.

[4] „Internet in India 2013“IAMAI and IMRB International, 07.11.2013 accessed 20.03.2014, http://www.iamai.in/rsh_pay.aspx?rid=0xVjWOWUhSU.

[5] „Social Media& Lok Sabha Elections“IMAI and IRIS Knowledge Foundation, 12.04.2013 accessed 25.03.2014, http://www.esocialsciences.org/General/A2013412184534_19.pdf.

Details

Seiten
10
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668127234
ISBN (Buch)
9783668127241
Dateigröße
799 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313920
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Asienwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
einfluss social media kommunikation indien

Autor

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