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Die Annahme von Feldern in topologischen Satzmodellen. Eine kritische Untersuchung

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das uniforme Modell nach Wöllstein (2014)
2.1. Grundlegende Annahmen und Ziele
2.2. Felder und Klammern
2.3. Die Satzklammer
2.4. Problematiken bei der Einordnung satzeinleitender Elemente
2.5. Die Problematik des obligatorisch leeren Vorfelds
2.6. Fazit zum Modell Wöllsteins

3. Das differente Modell nach Pafel (2011)
3.1. Grundlegende Annahmen und Ziele
3.2. Felder und Positionen
3.3. Kritik am Verbalkomplex
3.4. Ungereimtheiten der Complementizer-Position
3.5. Fazit zum Modell Pafels

4. Konklusion

Quellenverzeichnis

Abstract:

Diese Arbeit stellt zwei topologische Satzmodelle, das uniforme von Wöllstein (2014) sowie das differente von Pafel (2011), vor und untersucht sie auf ihre grundlegenden theoretischen Ziele und Annahmen hin, um davon ausgehend zu diskutieren inwiefern die Annahme und der Inhalt der topologischen Felder innerhalb der jeweiligen Theorie gut begründet und frei von Widersprüchen ist. Es wird gezeigt, dass Wöllsteins Ziel eines uniformen Modells, das sich leicht auf das generative Strukturmodell übertragen lässt, in einer unzureichenden Konzeption des Vorfelds resultiert. Dazu gehören zwei nicht ausreichend begründete Annahmen: das obligatorisch leere Vorfeld in V1-Sätzen sowie die Einordnung von w / d- Phrasen in das Vorfeld. Im Bezug auf Pafels Modell lässt sich feststellen, dass er angibt in erster Linie einen deskriptiven Ansatz zu verfolgen und dass er Sätze in Abhängigkeit der Stellung des finiten Verbs analysiert. Des Weiteren versucht er Felder so zu konzipieren, dass eine größtmögliche Generalisierung gegeben ist. Diese Ziele und die Tatsache, dass er teils doch von einer rein deskriptiven Ebene abweicht, führen zu einer unklaren Konzeption des Verbalkomplex und der Complementizer-Position.

1. Einleitung

Damit Sätze im Deutschen grammatisch sind müssen sie eine bestimmte lineare Abfolge aufweisen. Dabei gibt es Regeln, die die möglichen Abfolgen von Wörtern beschreiben. Um diese Regeln beschreiben zu können, sind zuerst Methoden nötig, mit deren Hilfe die Struktur von Sätzen dargestellt und untersucht werden kann. Eine mögliche Methode ist die topologische Analyse, deren zentrale Annahme die Möglichkeit der Einteilung von Sätzen in mehrere aufeinanderfolgende Bereiche, die topologische Felder genannt werden, ist (Meibauer et al. 2007: 121ff.; Wöllstein 2014: 27).

Meibauer et al. (2007: 124) betonen, dass „wenn man annimmt, dass Sätze aus solchen Feldern bestehen, […] man gute Gründe dafür haben [sollte]“. Bei der Betrachtung unterschiedlicher topologischer Modelle lässt sich schnell feststellen, dass sie sich unter anderem hinsichtlich der Felder, die sie annehmen, unterscheiden. Damit zeigt sich, dass es unterschiedliche Gründe zur Annahme von topologischen Feldern geben muss.

Diese Arbeit wird sich mit ebendiesen Gründen beschäftigen. Um dies zu untersuchen, werde ich aus zwei verschiedenen topologischen Modellen herausarbeiten, welche theoretischen Annahmen und Ziele der Annahme ihrer Felder zugrunde liegen. Diese zwei Modelle sind das Topologische Satzmodell von Wöllstein (2014) und das von Pafel (2011). Diese Modelle sollen desweitern dahingehend untersucht werden, ob sie in der Begründung ihrer Annahme von Feldern frei von Widersprüchen sind. Es soll kritisch geprüft werden ob alle angenommenen Felder in Hinblick auf die Theorie des Modells gut begründet sind oder ob überflüssige oder widersprüchliche Annahmen gemacht werden.

Die beiden Theorien habe ich deshalb zur Untersuchung ausgewählt, weil sie sich in einem wesentlichen Punkt unterscheiden. Wöllstein (2014: 21) vertritt ein uniformes Modell und Pafel (2011: 54) im Gegensatz dazu ein Differentes. Uniforme Modelle sind darum bemüht ein einheitliches Muster an Feldern für alle grammatischen Sätze des Deutschen aufzustellen (Wöllstein 2014: 22). Differente Modelle hingegen stellen verschiede Muster auf, mit denen Sätze abhängig von der Stellung des finiten Verbs untersucht werden können (Wöllstein 2014: 22). Welche unterschiedlichen Ziele und Annahmen zu dieser unterschiedlichen Herangehensweise führen, werden die folgenden Kapitel erläutern.

Bei der Beschreibung der Struktur deutscher Sätze zeigen sich drei verschiedene Verbstellungstypen, die sich hinsichtlich der Position des finiten Verbs unterscheiden. Diese Unterscheidung spielt auch in der topologischen Analyse eine große Rolle und wird daher im weiteren Verlauf dieser Arbeit wiederholt Erwähnung finden. Deshalb werde ich die Verbstellungstypen kurz beschreiben: In Verberstsätzen (V1) steht das Verb an erster Stelle im Satz. In Verbzweitsätzen (V2) steht genau eine Konstituente vor dem finiten Verb. Steht das finite Verb am Ende des Satzes handelt es sich schließlich um einen Verbendsatz (VE), hierbei ist jedoch zu beachten, dass es auch in VE-Sätzen nach dem Verb eine weitere Position gibt (Meibauer et al. 2007. 121ff.; Pafel 2011: S.53; Wöllstein 2014: 3ff.).

In Kapitel 2 wird zunächst das uniforme Modell nach Wöllstein (2014) vorgestellt und kritisch in Hinblick auf die Annahme von Feldern untersucht. Dann wird in Kapitel 3 ebenso mit dem differenten Modell von Pafel (2011) verfahren. Zum Schluss werde ich einige abschließende Worte zu der Annahme von Feldern in topologischen Satzmodellen äußeren.

2. Das uniforme Modell nach Wöllstein (2014)

2.1. Grundlegende Annahmen und Ziele

Wie bereits oben erwähnt handelt es sich bei Wöllsteins topologischem Satzmodell um ein uniformes Modell (Wöllstein 2014: 21). Dem liegt die Uniformitätshypothese (Wöllstein 2014: 83), dass alle Sätze des Deutschen dieselbe grundlegende Struktur aufweisen und damit in ein gleiches Schema einordbar sind, zugrunde, was dazu führt, dass für alle Sätze, unabhängig vom Verbstellungstyp dieselben Felder angenommen werden.

Des Weiteren möchte Wöllstein ein lineares Satzmodell vorstellen, das sich leicht in andere syntaktische Strukturmodelle übertragen lässt. Dabei erwähnt sie besonders das hierarchisch generative Strukturmodell, das klassische Satzbaumodell, das durch Chomskys Government & Binding Theory entstanden ist (Wöllstein 2014: 21; 82f.). Dass dies Folgen für die Annahme und Füllung der Felder hat und welche Komplikationen sich daraus ergeben werde ich in diesem Kapitel zeigen.

Nachdem ich diese Felder kurz vorstelle, werde ich darauf eingehen welche Probleme und Unstimmigkeiten sich dabei durch die oben genannten zentralen Ziele Wöllsteins ergeben.

2.2. Felder und Klammern

Wöllsteins (2014: 21) Grundmodell geht von fünf Positionen aus, die für alle Satztypen dieselben sind. Auf die Erweiterungen des Modells einzugehen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Bei diesen Positionen unterscheidet sie zwischen Feldern und Klammern. Zur Vereinfachung werde ich im Folgenden diese Unterscheidung in meiner Wortwahl weitgehend vernachlässigen. Bei der Beschreibung der Füllung der Felder und Klammern werde ich mich an dieser Stelle sehr kurz halten, da ich auf einige Punkte im weiteren Verlauf dieses Kapitels genauer eingehen werde. Wöllstein (2014: 22ff.) geht von folgenden Feldern und Klammern aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das VF kann genau eine Konstituente enthalten. Zuerst bezeichnet Wöllstein (2014: 22) dieses Feld als „Feld vor dem Finitum“, diese Beschreibung ist allerdings sehr unzureichend, denn dies gilt nur für V2-Sätze und allenfalls noch für V1-Sätze, in denen das VF zwar obligatorisch leer ist, aber dennoch als Feld vor dem Finitum beschrieben werden kann. In VE-Sätzen, in denen das finite Verb ja am Ende des Satzes ist, ist das VF am Anfang des Satzes eben nicht unmittelbar vor dem Finitum.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668131903
ISBN (Buch)
9783668131910
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314121
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Fachbereich 05: Deutsches Institut
Note
1,3
Schlagworte
topologisches Modell Wöllstein Pafel topologische Felder topologische Analyse uniformes Modell differentes Modell lineares Satzmodell syntaktisches Strukturmodell

Autor

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Titel: Die Annahme von Feldern in topologischen Satzmodellen. Eine kritische Untersuchung