Lade Inhalt...

"Bei Facebook wollen alle das Gleiche. Oder nicht?" Die Interessen unterschiedlicher Akteure des sozialen Netzwerks (Sozialwissenschaften, 8. Klasse)

Eine problemorientierte Erarbeitung

Unterrichtsentwurf 2014 20 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

1. Längerfristige Unterrichtszusammenhänge

1.1 Leitgedanken und Intentionen

Legitimation

Die Unterrichtsreihe zu Chancen und Risiken sozialer Netzwerke wird unter anderem durch die aktuellen Richtlinien und Lehrpläne für das Fach Sozialwissenschaften an Realschulen in Nordrhein-Westfalen legitimiert.

Als Lerninhalt für die Jahrgangsstufen sieben und acht wird unter dem Großpunkt Informationsgewinnung und Meinungsbildung der Aspekt der Bewusstwerdung positiver wie bedenklicher Wirkungen audivisueller Medien genannt.[1] Da das Fach Politik ein wichtiger Teilbereich des Faches Sozialwissenschaften darstellt, kann die vorliegende Unterrichtreihe auch durch den Kernlehrplan an Realschulen für das Fach Politik legitimiert werden. Dort wird für die Jahrgangsstufen sieben bis zehn, im Inhaltsfeld fünf die Rolle der Medien in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft als Unterrichtsthema genannt.[2] Unter dem Punkt Sachkompetenz wird dort die Bedeutung des Datenschutzes für Individuum und Gesellschaft genannt. Weiterhin wird unter dem Punkt Urteilskompetenz das Bewerten von Chancen und Risiken unterschiedlicher Mediennutzung genannt.[3] Beide Punkte sind Bestandteile der dargestellten Unterrichtsreihe und können daher zu ihrer Legitimierung genannt werden.

Weitere Legitimation erfährt dieses Thema durch den schulinternen Lehrplan für das Fach Sozialwissenschaften der XY Realschule. Dort wird für den Unterricht in den Jahrgangsstufen sieben und acht das Themenfeld Freizeit mit dem Unterpunkt Medien aufgeführt.[4] Konkreter Unterrichtinhalt sollen die Gefahren des Medienkonsums sein und diese Thematisierung ist im Fall dieser Unterrichtsreihe gegeben.

Neben den Lehrplänen legitimiert sich diese Unterrichtsreihe auch durch die Gegenwarts – und Zukunftsbedeutung des Themas für die Schülerinnen und Schüler. Das Internet ist mittlerweile das meist genutzte Medium bei Jugendlichen und soziale Netzwerke werden von den meisten Schülerinnen und Schülern dieser Klasse genutzt.

Die Thematik der Stunde ist somit eng mit ihrer Lebenswirklich verknüpft. Es gilt daher, die Schülerinnen und Schüler für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Netzwerken zu sensibilisieren, um sie vor den möglichen Gefahren durch deren Nutzung zu schützen.

Lernausgangslage

Der Wahlpflichtkurs der Jahrgangsstufe acht, im Fach Sozialwissenschaften, besteht aus 24 Schülerinnen und Schülern (18 Mädchen/6 Jungen) und lässt sich als insgesamt homogene Lerngruppe bezeichnen. Es gibt zwar durchaus, wie in jeder anderen Lerngruppe auch, leistungsstärkere und leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler, aber diese Ausprägungen bleiben im normalen Rahmen. Bezüglich des Sozialverhaltens bestehen in dieser Lerngruppe nur wenige Probleme und störendes Verhalten bleibt meist in einem überschaubaren Rahmen.

Die Schülerinnen und Schüler dieses Kurses sind grundsätzlich an kooperative Arbeitsformen gewöhnt. Es fällt jedoch auf, dass die Zusammenarbeit bisweilen etwas zögerlich ist, da sich der Kurs aus vier unterschiedlichen Klassen zusammensetzt die sozialen Bindungen untereinander nicht so stark sind wie in einer normalen Klassengemeinschaft. Inhaltlich wurde bereits eine Unterrichtsreihe zu den klassischen Medien wie Zeitung und Fernsehen durchgeführt, wobei vor allem Wert auf kritisches Denken bezüglich der Inhalte von Medien gelegt wurde. Eine gewisse Grundvorsicht in Bezug auf das Medium Internet sollte daher vorhanden sein.

Sachanalyse, didaktische Reduktion

Die Alltägliche Nutzung des Internets ist für Jugendliche heutzutage selbstverständlich. Im vergangen Jahrzehnt wurde das Fernsehen als beliebtestes Medium der Kinder und Jugendlichen vom Internet abgelöst. Gleichzeit vollzog sich auch innerhalb des Internets eine gravierende Veränderung. Vom reinen Konsumgut wandelte es sich in ein Mitmachnetz, welches heute unter dem Begriff Web 2.0 bekannt ist. Charakteristisch für diese neue Form des Internets ist die eigene Produktion von Inhalten, Ideen und Gedanken, um sie der Öffentlichkeit zu präsentieren.[5] Vor allem für Jugendliche ist das Internet in erster Linie eine Kommunikationsplattform. Digitale Netzwerke wie Facebook nehmen dabei eine zentrale Rolle ein und sind zentraler Bestandteil ihrer Kommunikationsgewohnheiten geworden. Laut JIM-Studie aus dem Jahr 2013 tauschen sich 83% der Jugendlichen zumindest gelegentlich über diese Plattformen aus und 80% aller Jugendlichen zwischen 14 und 15 Jahren nutzen dafür die Plattform Facebook.[6] Ein zentrales Element des sozialen Netzwerkes Facebook sind die Profilseiten und die Freundesliste. Dort stellen sich die Nutzer anhand persönlicher Informationen vor und halten Kontakt zu anderen Nutzern. Die beliebtesten Tätigkeiten von Jugendlichen innerhalb sozialer Netzwerke sind das Versenden von Nachrichten und das Chatten.[7] Die Vorteile von sozialen Netzwerken sind vielfältig. Man kann neue Menschen kennenlernen, oder Kontakt halten, sowie Videos, Fotos und Berichte einstellen und ansehen. Risiken von sozialen Netzwerken, werden von Jugendlichen zumeist als gering eingeschätzt. Dies zeigt vor allem der oftmals sehr sorglose Umgang mit persönlichen Daten und Bildern.

Konzeptionelle Anlage der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge

Die problemorientierte Unterrichtsreihe zu Chancen und Risiken sozialer Netzwerke umfasst insgesamt neun Unterrichtsstunden. Die Reihe ist induktiv angelegt und geht somit von den reichlich vorhanden Alltagserfahrung der Schülerinnen und Schüler mit sozialen Netzwerken aus, um letztlich auf das Allgemeine schließen zu können. Das Allgemeine sind in diesem Falle Verhaltensregeln für eine möglichst risikoarme Nutzung sozialer Netzwerke und eine kritische sowie reflektierte Bewertung ihrer Chancen und Risiken.

Grundsätzlich ist die Unterrichtsreihe nach der Problemstudie von Sybille Reinhardt aufgebaut[8] und beinhaltet die Schrittfolge Definition, Ursachen, Interessen, Lösungen, Konsequenzen und Entscheidungen.

Diese Schrittfolge stellt den Kern der Methode dar und darf nicht grundlegend verändert werden, um die Sinnhaftigkeit nicht zu verfälschen. Ich habe mich allerdings dazu entschlossen den Schritt der Interessen durch den Aspekt der Folgen zu ergänzen. Die Frage nach den Folgen eines Problems, wird in der von Gotthard Breit und Siegfried Frech entwickeln Schrittfolge einer Problemanalyse integriert.

Die Folgen einer unbedachten Nutzung von sozialen Netzwerken zu thematisieren halte ich für unbedingt notwendig, um den Schülerinnen und Schülern das Ausmaß des zu behandelnden Problems besser verdeutlichen zu können.

Die Unterrichtsreihe besteht aus zwei Teilstücken. In ihrem ersten Abschnitt wird das zu behandelnde Problem analysiert und unter verschiedenen Fragestellungen betrachtet. Dabei geht es zunächst um die Schaffung eines Problembewusstseins bzw. um die Definition des Problems. Anschließend werden Ursachen, Interessen und Folgen des erörterten Problems näher beleuchtet. Im Folgenden wird versucht eine Lösung des Problems zu finden und es soll gefolgert werden, welche Konsequenzen und Entscheidungen daraus erwachsen.

1.2 Tabellarische Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Richtlinien und Lehrpläne für das Fach Sozialwissenschaften an Realschulen in Nordrhein-Westfalen; Ritterbachverlag 1994; S. 53

[2] Kernlehrplan für das Fach Politik an Realschulen in Nordrhein-Westfalen, Ritterbach Verlag, Frechen 2011, S. 25

[3] Ebd.

[4] Schulinterner, vorläufiger Lehrplan des Faches Sozialwissenschaften, der XY-Realschule.

[5] Gugel, Günter, Entscheidungen im Unterricht, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2010, S. 6

[6] Vgl.: JIM-Studie 2013: http://www.mpfs.de/?id=613 S. 37

[7] Ebd. S. 38

[8] Politik Didaktik; Reinhardt Sibylle; Cornelsen Verlag; Berlin 2009; S. 93-104

Autor

Teilen

Zurück

Titel: "Bei Facebook wollen alle das Gleiche. Oder nicht?" Die Interessen unterschiedlicher Akteure des sozialen Netzwerks (Sozialwissenschaften, 8. Klasse)