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Die Jugend dient dem Führer? Eine handlungsorientierte Erarbeitung unterschiedlicher Denkweisen von Jugendlichen im Nationalsozialismus (Geschichte, 10. Klasse)

Unterrichtsentwurf 2014 27 Seiten

Geschichte - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Längerfristige Unterrichtszusammenhänge
1.1 Leitgedanken und Intentionen
Legitimation der Unterrichtsreihe
Lernausgangslage (Thematik/Reihe betreffend)
Sachanalyse, didaktische Reduktion
Konzeptionelle Anlage der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
Kompetenzförderung
1.2 Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
1.2.1 Tabellarische Darstellung der zugeordneten Unterrichtsreihe

2. Planung der Unterrichtsstunde
2.1 Legitimation
2.2 Lernvoraussetzungen
2.3 Lernaufgabe: Didaktische Überlegungen/ methodische Entscheidungen
2.3 Ziele der Unterrichtsstunde / Kompetenzzuwachs
2.4 Verlaufsplanung

3. Literaturangaben

4. Anlagen

1. Längerfristige Unterrichtszusammenhänge

1.1 Leitgedanken und Intentionen

Legitimation der Unterrichtsreihe

Die hier dargestellte Unterrichtsreihe wird unter anderem durch den aktuellen Kernlehrplan für das Fach Geschichte an Realschulen in Nordrhein-Westfalen legitimiert.

Das Inhaltsfeld acht „Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg“ beschäftigt sich explizit mit der Stabilisierung des NS-Systems und seinen Auswirkungen auf das Leben der Menschen.[1] Da die Idee der nationalsozialistischen[2] Volksgemeinschaft der Stabilisierung des NS-Systems diente und starke Auswirkungen auf das Leben der Jugend und der Frauen mit sich brachte, ist eine Legitimation der Unterrichtsreihe gegeben.

Somit wird auch der im Kernlehrplan genannte Punkt der Machtstabilisierung abgedeckt, welcher dort unter dem Gesichtspunkt der zu vermittelnden Sachkompetenz genannt wird.

Die Auswirkungen der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft auf das Leben der Menschen gilt es laut Kernlehrplan im Rahmen der Urteilskompetenz zu vermitteln.[3]

Der schulinterne Lehrplan der XY - Realschule greift die Vorgaben des Kernlehrplans auf und benennt für die Jahrgangsstufe zehn ebenfalls das Thema Machtstabilisierung sowie das Alltagsleben während des NS-Regimes als obligatorische Unterrichtsinhalte.[4]

Schülerinnen und Schüler stellen sich häufig die Frage, wie es zur Etablierung einer solch menschenverachtenden Diktatur wie dem NS-Regime in Deutschland kommen konnte.

Die vorliegende Unterrichtsreihe soll daher bei den Schülerinnen und Schülern ein vertieftes Verständnis für die Funktionsweise und die Umsetzung der nationalsozialistischen Weltanschauung schaffen. Durch das Betrachten von konkreten Auswirkungen auf das Alltagsleben von Frauen und Jugendlichen fällt es ihnen leichter, Tragweite, Funktionsweise und die Gefährlichkeit der nationalsozialistischen Ideologie nachzuvollziehen.

Der Lebensweltbezug dieser Reihe ergibt sich aus zwei Aspekten. Das Thema Nationalsozialismus ist in den Medien sehr präsent und hält auf diese Weise Einzug in die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen.

Darüber hinaus ist rechtsradikales Gedankengut auch heute noch in unterschiedlichen Ausprägungen in unserer Gesellschaft anzutreffen und Schülerinnen und Schüler können mit ihnen beispielsweise durch Wahlplakate der NPD, oder rechtsgesinnte Mitschüler, in Kontakt kommen. Die vorliegende Unterrichtreihe soll daher einen Beitrag dazu leisten, Manipulationen und Verführung durch rechte Kreise zu verhindern.

Lernausgangslage (Thematik/Reihe betreffend)

Im Rahmen des bedarfsdeckenden Unterrichts habe ich die Klasse 10A (26 SuS) während des gesamten Schuljahres 2013/2014 im Fach Geschichte unterrichtet.

Die Lerngruppe ist mir gegenüber aufgeschlossen und das Sozialverhalten der Klasse ist durchaus als altersgemäß zu bezeichnen. Größere Disziplinprobleme sind während meines Unterrichts in dieser Klasse nicht aufgetreten. Auf der anderen Seite jedoch ist es teilweise auch recht schwierig eine gewisse Dynamik seitens der Schülerinnen und Schüler zu initiieren, da sich viele ruhigere Charaktere in der Klasse befinden. Die Klasse ist in der Regel fleißig, aber je nach Tagesform und Tageszeit auch schwierig zu begeistern.

Die Leistungsfähigkeit der Klasse 10A ist homogen, wobei natürlich auch in dieser Klasse Abweichungen in den oberen und unteren Leistungsbereichen zu finden sind. Allgemein lassen sich leichte Defizite feststellen, wenn es darum geht, Wissen zu transferieren, zu bündeln und Schlussfolgerungen zu ziehen. Auch beim Verfassen eigener Stellungnahmen zu bestimmten Themen sind bisweilen Schwierigkeiten aufgetreten.

Als Grundlage zum Verständnis der vorliegenden Unterrichtsreihe dienen die bereits durchgeführten Unterrichtsreihen zu den Themen Die Machtübernahme der Nationalsozialisten und Die Nationalsozialistische Weltanschauung. Vor allem die Kenntnisse und Kompetenzen bezüglich der Gleichschaltung und der Aspekte der NS-Ideologie helfen den Schülerinnen und Schülern bei der Decodierung von Zusammenhängen rund um das Thema Frauen und Jugend im Nationalsozialismus. Auch die zuvor durchgeführte Unterrichtsreihe zur Weimarer Republik trägt dazu bei, bestimmte Gesichtspunkte der dargestellten Unterrichtssequenz nachvollziehen zu können.

Methodisch sind die Schülerinnen und Schüler sowohl mit unterschiedlichen kooperativen Lernformen, als auch dem fachgerechten Umgang mit Sachtexten, Bildern und Quellentexten vertraut.

Sachanalyse, didaktische Reduktion

Von 1933 bis 1945 bestand in Deutschland eine nationalsozialistische Diktatur. Diese setzte Menschen- und Bürgerrechte außer Kraft und ging rücksichtslos gegen politische Gegner und Minderheiten vor. Vor allem Juden, aber auch Sinti und Roma, Behinderte und Homosexuelle wurden systematisch verfolgt und ermordet. Die NS-Diktatur brachte Krieg und Terror über ganz Europa und stürzte letztlich fast die ganze Welt in einen Krieg, welcher etwa 55 Millionen Menschen das Leben kostete. Grundlegend für diese Schreckensherrschaft war die Weltanschauung der Nationalsozialisten, welche neben Rassismus, Lebensraumprinzip und Führerkult auch den Begriff der Volksgemeinschaft beinhaltete. In der NS-Volksgemeinschaft sollten gesellschaftliche Unterschiede überwunden werden, jedoch galt dieses Gleichheitsideal nicht für Juden, Sinti und Roma, Regimegegner und Behinderte, denn diese waren von der Volksgemeinschaft ausgeschlossen.

Dass das Gemeinwohl immerzu über dem Wohl des Einzelnen stehen sollte, zeigt sich beispielhaft an der Rolle der Frau im Nationalsozialismus. Diese Rolle beschränkte sich auf Mutterschaft, Kindererziehung und Hausarbeit und wurde von Angehörigen aller Schichten, besonders aber von Männern befürwortet.[5] Persönliche Freiräume und Individualität von Mädchen und Frauen wurden stark eingeschränkt, um den Kinderreichtum der Nation zu gewährleisten. Auch die deutsche Jugend sollte im Geiste des Nationalsozialismus und zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft erzogen werden.[6] Um dieses Ziel zu erreichen, versuchte man durch die NS-Jugendorganisation Hitlerjugend (HJ) Einfluss auf die Jugendlichen auszuüben. Der Beitritt dorthin wurde ab 1936 für alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren erwartet und gleichzeitig wurden alle anderen Jugendorganisationen aufgelöst und verboten. Im Jahre 1939 wurde der Beitritt zur Hitlerjugend schließlich verpflichtend.[7] In der Hitlerjugend und ihren Unterorganisationen wie dem Bund Deutscher Mädel (BDM), wurden die Jugendlichen auf ihre späteren Aufgaben geistig und körperlich vorbereitet. Jungen sollten zu guten Soldaten und Mädchen zu Hausfrauen und Müttern erzogen werden. Getreu diesem Erziehungsziel stellten auch die Schulen ihren Unterricht um und rückten körperliche Ertüchtigung und das Bewusstsein für Rasse und Volk in den Vordergrund.

Trotz aller Bemühungen ließen sich nicht alle Jugendlichen freiwillig vom NS-Staat erfassen und schlossen sich teilweise zu oppositionellen Jugendgruppen wie den Edelweißpiraten, oder der Swing-Jugend zusammen.

In der vorliegenden Unterrichtseinheit Frauen und Jugend im Nationalsozialismus wird schwerpunktmäßig die Umsetzung der NS-Ideologie und deren konkrete Auswirkungen auf den Alltag von Frauen und Jugendliche thematisiert. Themen wie die nationalsozialistische Familienförderung, eine genauere Einzelbetrachtung oppositioneller Jugendgruppen, oder der NS-Eliteschulen werden aus Gründen der didaktischen Reduktion außen vor gelassen.

Konzeptionelle Anlage der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge

Die vorliegende Unterrichtsreihe ist nach dem Prinzip des Epochenquerschnitts aufgebaut.[8] Die Zeit der NS-Diktatur in Deutschland wird unter dem Gesichtspunkt der Auswirkungen ihrer Ideologie auf das Leben von Frauen und Jugendlichen untersucht. Diese Vorgehensweise soll den Schülerinnen und Schülern helfen, die Tragweite der zuvor erarbeiteten Aspekte der NS-Weltanschauung zu verdeutlichen. Innerhalb der Reihe finden zwei diachrone Vergleiche statt.[9] Frauenrolle und Schulleben der NS-Zeit werden mit der heutigen Zeit verglichen, um einen Gegenwartsbezug herzustellen und um Urteilsfähigkeit sowie Geschichtsbewusstsein durch diesen Vergleich zu schulen.

Der Aufbau der Reihe hat zum Ziel, einen Erkenntnisprozess in Gang zu setzen. Dazu wird den Schülerinnen und Schülern zunächst der Begriff der Volksgemeinschaft näher gebracht. Anschließend werden Frauen und schwerpunktmäßig die Jugend, als Bestandteile dieser Volksgemeinschaft näher betrachtet. Dabei werden immer zunächst die Ziele und Aufgaben erarbeitet, welche die Nationalsozialisten für die jeweilige Bevölkerungsgruppe vorgesehen hatten. Anschließend wird die Umsetzung dieser Ziele und die dadurch entstandenen Auswirkungen für Frauen bzw. für Jugendliche beleuchtet. Die Beschäftigung mit dem Alltagsleben der Menschen bringt den Schülerinnen und Schülern den Unterrichtsgegenstand näher und macht Geschichte für sie begreifbar.

Mit Hilfe der vorliegenden Unterrichtsreihe soll aufgezeigt werden, auf welche Weise die Nationalsozialisten versucht haben, das Denken und Handeln der Menschen zu beeinflussen und welche wesentliche Rolle die Erziehung dafür spielte. Außerdem sollen sie ein Verständnis dafür entwickeln, warum sich so viele Menschen in ihre Rolle einfügten und warum der Widerstand gegen das NS-Regime zwar sehr schwierig, aber dennoch möglich und auch vorhanden war. Zu diesem Zweck werden oppositionelle Denkweisen von Frauen und von Jugendlichen an verschiedenen Stellen der Reihe thematisiert.

Insgesamt soll die Auseinandersetzung mit der Reihenthematik die Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, extreme Weltanschauungen zu erkennen und falls sie mit ihnen in Kontakt kommen, adäquat auf diese zu reagieren.

Kompetenzförderung

Im Rahmen der erwarteten Sachkompetenz erlangen die Schülerinnen und Schüler in der vorliegenden Unterrichtsreihe Kenntnisse über das Konzept der NS-Volksgemeinschaft und basierend darauf auch Kenntnisse über die besonderen Erwartungen welche an Frauen und Jugendliche gerichtet wurden. Weiterhin kennen sie konkrete Auswirkungen dieser Erwartungen auf das Leben dieser Bevölkerungsgruppen. In Bezug auf Frauen ist dies die Einschränkung ihres Wirkungskreises auf das häusliche Leben und somit auf ihre Aufgabe als Mutter und Hausfrau. Bezogen auf die Jugendlichen kennen sie die wichtigsten NS-Jugendorganisationen und die damit verbundenen Aktivitäten, sowie die angestrebten Erziehungsziele für Jungen und Mädchen. Darüber hinaus sollen Schülerinnen und Schüler oppositionelle Denkweisen von Frauen und Jugendlichen kennen und deren Gründe erläutern können.

Die Förderung der Urteilskompetenz ist ein wesentlicher Bestandteil der Unterrichtsreihe. Diese ist in ihrer Struktur so angelegt, dass am Ende der Reihe die umfassende Einflussnahme der NS-Ideologie auf den Alltag der Menschen beurteilt werden kann. Um dies zu erreichen wird an verschiedenen Stellen mit zeitgenössischen Quellen und Zeitzeugenberichten gearbeitet, damit Schülerinnen und Schüler sich in die Situation der damals handelnden Personen hineinversetzen können. Durch Arbeitsmethoden wie dem fiktiven Interview und einem Rollenspiel, soll dieser Prozess unterstützt werden. Zum Abschluss der Reihe soll der Versuch gewagt werden eine Einschätzung vorzunehmen, wie sie sich damals gegenüber den NS-Jugendorganisationen verhalten hätten.

Die vorliegende Unterrichtsreihe fördert den Aufbau von Handlungskompetenz durch unterschiedliche Lernarrangements. Dazu gehört das Erstellen von verschiedenen Lernprodukten wie dem Interview, einem Rollenspiel und Arbeitsergebnisse aus kooperativen Lernphasen. Ebenso dient das Einnehmen der Lehrerrolle während eines Partnerbriefings der Förderung von Handlungskompetenz.

Die Förderung von Methodenkompetenz vollzieht sich durch das Üben im Umgang mit unterschiedlichen Informationsquellen, wie Sachtexten und Filmausschnitten, sowie Text- und Bildquellen. Auch das Aufbereiten dieser Informationen in unterschiedlichen Darstellungsformen und das Durchführen einer Plenumsdiskussion ist Teil dieses Prozesses.

Sozialkompetenz wird in dieser Unterrichtsreihe vor allem durch den Einsatz von kooperativen Arbeitsmethoden gefördert. Die Schülerinnen und Schüler trainieren somit den respektvollen Umgang miteinander, um während der Arbeitsphasen erfolgreich arbeiten zu können. Das Übernehmen von Verantwortung für den Lernerfolg anderer Mitschüler und das Respektieren anderer Meinungen ist wichtiger Bestandteil der Förderung von Sozialkompetenz im Rahmen der Unterrichtsreihe.

1.2 Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge

Die vorliegende Unterrichtsreihe ist Teil des längerfristigen Unterrichtsvorhabens Die NS-Diktatur in Deutschland. Aufgrund ihres Umfanges werde ich die zugehörigen Unterrichtsreihen kurz nennen und nur die Reihe detaillierter beschreiben, welcher die vorliegende Unterrichtsstunde zuzuordnen ist.

Das Unterrichtsvorhaben Die NS-Diktatur in Deutschland setzt sich aus folgenden Sequenzen bzw. Teilreihen zusammen:

1. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten
2. Die nationalsozialistische Weltanschauung
3. Frauen und Jugend im Nationalsozialismus
4. Die Verfolgung der Juden und weiterer Bevölkerungsgruppen
5. Widerstand gegen die Nationalsozialisten

1.2.1 Tabellarische Darstellung der zugeordneten Unterrichtsreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Planung der Unterrichtsstunde

2.1 Legitimation

Die vorliegende Unterrichtsstunde „ Die Jugend dient dem Führer?“ stellt eine handlungsorientierte Vertiefung der zuvor erarbeiteten Unterrichtsinhalte dar. Daher entspricht die Legitimation dieser Stunde auch der der Reihe.[10] Darüber hinaus legitimiert sich diese Stunde auch über ihre Bedeutung im Kontext der Unterrichtsreihe. Durch das Erarbeiten unterschiedlicher Denkweisen und dem Hineinversetzen in das Leben von Jugendlichen zur Zeit des Nationalsozialismus tauchen die Schülerinnen und Schüler tiefer in die Thematik ein. Sie betrachten die historische Situation aus verschiedenen Blickwinkeln (Multiperspektivität)[11] und können so die Denkweisen der Jugendlichen besser nachvollziehen. Somit entwickeln sie ein besseres Verständnis für die Wirkungsweise und die Umsetzung der NS-Ideologie.

2.2 Lernvoraussetzungen

Durch die bereits gehaltenen Unterrichtsstunden in der vorliegenden Unterrichtsreihe, verfügen die Schülerinnen und Schüler über Sachkenntnisse bezüglich der nationalsozialistischen Erziehungsziele in Bezug auf Jungen und Mädchen. Die unterschiedlichen NS-Jugendorganisationen und die dort durchgeführten Aktivitäten sind ebenso bekannt, wie die Abneigung einiger oppositioneller Jugendlicher. Weithin wurde thematisiert, dass seitens der NSDAP enormer Druck auf die Familien ausgeübt wurde, um Jugendliche zum Beitritt in die Jugendorganisationen zu bewegen.

Die Arbeitsmethode des Rollenspiels ist den Schülerinnen und Schülern der Klasse 10A bekannt. Allerdings scheuen sich einige von ihnen ein Rollenspiel vor der Klasse zu zeigen, da sie einen eher ruhigeren Charakter haben.

2.3 Lernaufgabe: Didaktische Überlegungen/ methodische Entscheidungen

Die vorliegende Unterrichtsstunde widmet sich der Erarbeitung von unterschiedlichen Denkweisen und Einstellungen von Jugendlichen während des Nationalsozialismus bezogen auf die NS-Jugendorganisationen.

Die gedankliche Klammer der Stunde bildet die Frage, ob alle Jugendlichen gleichermaßen von Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel begeistert waren. Diese Frage wird zu Beginn der Stunde aufgeworfen und am Ende der Stunde geben die Schülerinnen und Schüler dazu eine begründete Stellungsnahme ab.

Der Einstieg in die Stunde erfolgt zunächst über eine kurze Befragung. Diese soll dazu dienen zu verdeutlichen, dass Jugendliche zu einem Thema unterschiedliche Meinungen haben, auch wenn eine Denkweise (wie beispielsweise die Begeisterung für die Hitlerjugend) besonders dominierend ist. Es soll deutlich werden, dass es unrealistisch wäre anzunehmen, dass ausnahmslos alle Jugendlichen mit Begeisterung Mitglied in einer der NS-Jugendorganisationen wurden. Weiterhin werden in der Einstiegsphase je ein Bild der Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädel gezeigt. Dies gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit ihre bereits aufgebauten Kompetenzen zu reaktivieren und hilft ihnen somit auch bei der Ausgestaltung der Rollen während der Arbeitsphase.

Durch das Einfügen einer Denkblase, und der Frage ob sich diese Denkweise auch auf alle anderen Jugendlichen auf dem Bild übertragen lässt, wird zum Stundenthema übergeleitet.

Die Lernaufgabe der Unterrichtsstunde besteht darin, ein Rollenspiel zu entwickeln, in welchem ein Gespräch zum Thema NS-Jugendorganisationen dargestellt wird, welches Jugendliche im Jahre 1936 geführt haben könnten.

Dabei sollen unterschiedliche Überzeugungsniveaus der Jugendlichen zu Ausdruck gebracht werden. Es soll deutlich werden, dass die Mehrheit der Jugendlichen durchaus von Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel begeistert war, es aber auch Jugendliche gab, welche diese Euphorie weniger oder gar nicht teilten. Die als Impulse dienenden Rollenkarten spiegeln dieses Meinungsspektrum wieder.

[...]


[1] Kernlehrplan für die Realschule in Nordrhein-Westfalen im Fach Geschichte vom 01.08.2011; S. 17

[2] Die Bezeichnung „nationalsozialistischen bzw. nationalsozialistisch wird im Folgenden falls passend mit NS abgekürzt.

[3] Kernlehrplan für die Realschule in Nordrhein-Westfalen im Fach Geschichte vom 01.08.2011, S. 30

[4] Schulinterner Lehrplan der XY – Realschule für das Fach Geschichte S. 59

[5] Vgl.: Berger, Thomas, Der Nationalsozialismus, Cornelsen Verlag, Berlin 1986, S. 45

[6] Vgl.: Hofer, Walter, Der Nationalsozialismus, Dokumente 1933-1945, Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2011, S. 88

[7] Vgl.: http://www.jugend1918-1945.de/thema.aspx?s=5322&m=3447&open=5322

[8] Vgl.: Sauer, M., Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik. 10. Aufl., Seelze 2012, S. 61.

[9] Vgl.: Ebd. S. 63.

[10] Siehe 1.1 Legitimation

[11] Vgl.: Mayer, Ulrich/Pandel, Hans-Jürgen/Schneider, Gerhard/Schönemann, Bernd, Wörterbuch Geschichtsdidaktik, Wochenschau Verlag, Schwalbach 2006, S. 128

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