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Interkulturelle Herausforderungen bei der Zusammenarbeit von Unternehmern aus Japan und Deutschland. Geert Hofstedes Theorie der Kulturdimensionen

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung des Kulturbegriffs für das interkulturelle Management

3. Geert Hofstedes Theorie der Kulturdimensionen und ihre Anwendung auf Deutschland und Japan im Vergleich

4. Herausforderungen bei der Zusammenarbeit im Managementprozess zwischen Unternehmern aus Deutschland und Japan

5. Einflussfaktoren für Maßnahmen des Managements

1. Einleitung

Heutzutage treffen wir häufiger denn je auf Menschen fremder Kulturen, dessen jeweilige individuelle Ansichten einzigartige Perspektiven auf eine größere Realität ermöglichen.1 Das dadurch wachsende Wissen um kulturelle Unterschiede stellt eine Bereicherung für alle Beteiligten dar, jedoch können diese Unterschiede auch Kon- fliktsituationen bedingen. Die vorliegende Arbeit untersucht in Bezugnahme auf Geert Hofstedes Theorie der Kulturdimensionen die interkulturellen Herausforderungen im Managementprozess bei der Zusammenarbeit zwischen Unternehmern aus Japan und Deutschland. Ziel dabei ist es, entsprechende Managementmaßnahmen für eine gelingende Zusammenarbeit aus den gewonnenen Erkenntnissen abzuleiten.

Zunächst wird im ersten Kapitel der Kulturbegriff und seine Bedeutung für das Interkulturelle Management näher erläutert. Anschließend folgt eine Abhandlung über die Theorie der Kulturdimensionen nach Geert Hofstede sowie eine Anwendung dieser auf Deutschland und Japan. Die so geschaffene Grundlage dient im dritten Kapitel der Untersuchung der arbeitskulturellen Unterschiede beider Länder und daraus resultierender Herausforderungen im Managementprozess. In einem Fazit werden die zuvor gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und die Arbeit mit einer Ableitung der notwendigen Managementmaßnahmen für eine gelingende deutsch-japanische Zusammenarbeit beschlossen.

2. Die Bedeutung des Kulturbegriffs für das interkulturelle Management

Der Begriff „Kultur“, der sich vom lateinischen "colere“ (pflegen) bzw. "cultus" (Landbau, Bebauung) ableitet, ist ein sowohl im Alltag als auch im Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Gebrauch kontextspezifisch verwendeter Begriff, der eine breit gefächerte Definitionsauslegung ermöglicht. Im Laufe der Zeit wurde aus dieser eng gefassten, auf Praktiken des Landbaus bezogenen Bedeutung, durch eine metaphorische Erweiterung und Übertragung auf andere Bereiche eine Begriffsbedeutung, die sämtliche Formen der Kultivierung einer Gesellschaft umfasst.2 So kann Kultur laut der UNESCO „ in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schlie ß t nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen. “3

Der Kulturbegriff umfasst also im Gegensatz zu dem von der Natur Gegebenen, all das vom Menschen durch die Bearbeitung der Natur selbst Geschaffenen oder Erworbenen.4 Ihm kann also keine allgemeingültige spezifische Definition auferlegt werden, da er stets von der jeweiligen Zielsetzung der Begriffsanalyse abhängt und somit verschiedenste Kulturdefinitionen gelten können. Daher finden sich auch in der Wissenschaft viele unterschiedliche definitorische Ansätze des Kulturbegriffs.

Aus Sicht der Autoren Blom und Meier beispielsweise, kann dieser mit folgender Metapher charakterisiert werden: Kultur ist für den Menschen wie das Wasser für den Fisch. So wird dem Menschen meist erst außerhalb seiner gewohnten Umgebung das Selbstverständliche daran bewusst und er vermag zu erkennen, dass in der neuen Umgebung Denkmuster und Verhaltensweisen eine andere Gültigkeit besitzen, die eigenen dort als fremd betrachtet werden.5

Eine weitere Herangehensweise an den Kulturbegriff ist das Eisbergmodell, das auf die Arbeiten Sigmund Freuds zurückgeht und verdeutlichen soll, dass einige Kulturbereiche leicht erkennbar sind, während der vorwiegende Teil unterhalb der Oberfläche verborgen bleibt. Dieser ist für den Unwissenden nur schwer erkennbar, beeinflusst jedoch die sichtbaren Teile der Kultur stark und das Wissen um diesen ist daher für ein komplexes kulturelles Verständnis unabdingbar.6

Das sog. Zwiebelmodell von Geert Hofstede unterteilt Kultur in Symbole, Helden, Rituale und Werte, deren Inhalte je nach Nähe zur äußersten Zwiebelschale schneller beeinflussbar und veränderbar sind. Als innerster Kern und damit am schwersten für einen Kulturfremden erkennbar, sind hierbei die Werte definiert, die äußere Schale bilden die am einfachsten erkennbaren Symbole (s. Abb. 1).7 Die Vielschichtigkeit der Definitionen des Kulturbegriffs zeigt, welche Komplexität und welchen Stellenwert ein kulturelles Verständnis für alle Lebensbereiche und Wissenschaften einnimmt. Unter Kultur soll sodann im Folgenden grundsätzlich „ eine unbestimmte Anzahl expliziter Werte und Normen sowie implizierter Grundannahmen von Gesellschaften, Teilgesellschaften oder sozialen Gruppen verstanden {werden}, durch die diese sich nach au ß en abgrenzen und nach innen integrieren. “8 In unserer heutigen, durch Globalisierung geprägten Welt kommt es zu Überlagerungen, Vermischungen und folglich auch zu Veränderungen kultureller Merkmale, sodass die Kenntnis der Kulturen, gerade für Vorgänge innerhalb der Wirtschaft, eine immer größere Wichtigkeit erlangt.9 „ Seitdem kulturelles Wissen als entscheidender (Macht)-Faktor im Wettbewerb um Absatzm ä rkte, KundInnen und MitarbeiterInnen entdeckt wurde, erh ä lt das Wissen ü ber Kultur f ü r Unternehmen eine strategische Bedeutung. “ 10 Diese strategische Bedeutung gilt sowohl innerbetrieblich, zur Nutzung von Synergieeffekten sämtlicher Ressourcen, als auch außerbetrieblich, einerseits zur Optimierung der Interaktion mit Partnern, andererseits zur Optimierung der Kundenorientierung.11 Interkulturelles Management sodann ist von ausschlaggebender Bedeutung, um sich über das in wesentlichen Teilen kulturbeeinflusste menschliche Handeln im Klaren zu sein und infolge dessen, durch einen optimalen Einsatz von interkulturellen Kenntnissen und Kompetenzen, „ die F ä higkeit zu haben, auch in {anderen} kulturellen bzw. kultur ü bergreifenden Kontexten erfolgreich zu sein “.12

Ob der Kürze dieser Arbeit kann auf weitere einschlägige Kulturtheorien, wie beispielsweise von Trompenaars, Hall oder Pinto, nicht näher eingegangen werden. Ein Hauptaugenmerk soll indes im folgenden Kapitel auf die Theorie der Kulturdimensionen von zuvor erwähntem Geert Hofstede und der Anwendung dieser auf Deutschland und Japan gelegt werden.

3. Geert Hofstedes Theorie der Kulturdimensionen und ihre Anwendung auf Deutschland und Japan im Vergleich

Der niederländische Professor Gerard Hendrik Hofstede, besser bekannt als Geert Hofstede, wurde am 2. Oktober 1928 im holländischen Haarlem geboren. Er ist einer der weltweit führenden Experten für Kultur- und Sozialwissenschaften bzw. Organisationspsychologie und gilt als Mitbegründer der Interkulturellen Management- forschung. Zunächst studierte Hofstede Maschinenbau, in welchem er mit einem Master abschloss. Während seiner Arbeit als Ingenieur und Manager in der nieder- ländischen Industrie promovierte er in Sozialpsychologie. Er gründete und leitete die Personalforschungsabteilung des Unternehmens IBM und gelangte, aufgrund seiner dortigen in den 60er und 70er Jahren durchgeführten Analyse der Mitarbeiter und Zu- sammenhänge zwischen nationalen Kulturen und Unternehmenskulturen sowie der daraus resultierenden Theorie der Kulturdimensionen, zu weltweiter Anerkennung.13 Denn aus diesen Befragungen entwickelte Hofstede ein Indexsystem, welches in fünf kulturellen Dimensionen, nämlich Power Distance Index/ PDI (Machtdistanz), Individualism vs. Collectivism/ IDV (Individualismus vs. Kollektivismus), Masculinity vs. Femininity/ MAS (Maskulinität vs. Feminität) Uncertainty Avoidance/ UAI (Unsicherheitsvermeidung) und Long-Term Orientation/ LTO (langfristige vs. kurz- fristige Orientierung) Wertorientierungen unterschiedlicher länderbezogener Kulturen identifiziert, misst und in Zahlenwerten abbildet. Für Hofstede gilt Kultur dabei als „ die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet. “14 Ein Individuum ist für ihn dabei durch seine mentale Programmierung gekennzeichnet, die sich pyramidal aus der menschlichen Natur, dem kulturellen Erlernen innerhalb des sozialen Umfeldes sowie der eigenen Persönlichkeit zusammensetzen (s. Abb. 2). Auch er sieht das Zwiebelmodell zur Manifestation von Kultur als sinnvoll an, jedoch stellen für Hofstede dabei nicht die Grundannahmen, sondern die Werte den Kern einer jeden kulturellen Ausprägung dar. Außerdem fügt er die sog. Praktiken als den, die Schalen verbindenden und nach außen hin sichtbar machenden Aspekt ein.15

[...]


1 Vgl. Peter M. Senge: Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation, Klett-Cotta:

2 Vgl. Ansgar Nünning: „Vielfalt der Kulturbegriffe“, http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/kulturelle- bildung/59917/kulturbegriffe?p=all (Stand: 17.11.2013).

3 Deutsche UNESCO-Kommission (Hg.), München: K. G. Saur 1983, UNESCO-Konferenzberichte Nr. 5, S.121, http://www.bak.admin.ch/themen/04117/index.html (Stand: 17.11.2013).

4 Vgl. Nünning: Vielfalt der Kulturbegriffe.

5 Vgl. Annett Reimer: „Die Bedeutung der Kulturtheorie von Geert Hofstede für das internationale Management“, http://www.wi.hs-wismar.de/~wdp/2005/0520Reimer.pdf (Stand: 17.11.2013).

6 Vgl. Institut für Interkulturelle Kompetenz und Didaktik, http://www.ikud.de/Eisbergmodell-von- Kultur.html (Stand: 18.11.2013).

7 Vgl. Geert Hofstede; Gert Jan Hofstede: Lokales Denken, globales Handeln. Interkulturelle Zusammenarbeit und globales Management, München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2006, S.7ff.

8 Eckart Koch: Interkulturelles Management, Konstanz und München: UVK 2012, S.54.

9 Vgl. Ebd.

10 Ulrike Schlamelcher: Kultur und Management. Theorie und Praxis der Interkulturellen Managementforschung, München: Rainer Hamp Verlag 2003, S.19.

11 Vgl. Ebd.

12 Koch: Interkulturelles Management, S.52.

13 Vgl. „Biographical information about Geert Hofstede“, http://geerthofstede.nl/geert.aspx (Stand: 14.12.2013).

14 Hofstede: Lokales Denken, globales Handeln, S.4.

15 Vgl. Ebd., S.7ff.

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668134034
ISBN (Buch)
9783668134041
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314259
Institution / Hochschule
AMD Akademie Mode & Design GmbH
Note
1,6
Schlagworte
interkulturelle herausforderungen zusammenarbeit unternehmern japan deutschland geert hofstedes theorie kulturdimensionen

Autor

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