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Arbeiten und studieren. Die Auswirkung von Erwerbstätigkeit auf die Studienleistung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 33 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Studienbedingungen
2.1 Allgemein
2.2 Finanzierung des Studiums
2.3 Studienbegleitende Berufstätigkeit
2.3.1 Auf die Berufstätigkeit einflussnehmende Faktoren
2.3.2 Art der Berufstätigkeit
2.3.3 Motive und Erwartungen

3. Theoretische Überlegungen zur Auswirkung von Erwerbstätigkeit
auf das Studium und die Studienleistung
3.1 Hypothesen
3.2 Durchführung

4. Ergebnisse

5. Diskussion

6. Anhang

7. Bibliographie:

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Viele der Schülerinnen und Schüler in Deutschland, die ihr Abitur gemacht haben, entscheiden sich für ein anschließendes Studium an einer deutschen Universität oder Fachhochschule. Die Erschwernis gegenüber denjenigen Schülerinnen und Schülern, die eine Berufsausbildung statt eines Studiums antreten liegt hier in der Finanzierung:

Während Azubis bereits schon während der Ausbildung – wenn auch nur ein geringes – Einkommen aufweisen können, bietet ein Studium lediglich ein „Einkommen“ in Form intellektueller und fachlicher Kompetenz und ist zudem sogar noch mit Kosten verbunden, weshalb viele Studierende auch einer Erwerbstätigkeit neben dem Studium nachgehen.

Aus diesem Grund widmet sich die hier vorliegenden Arbeit der Thematik von Erwerbstätigkeit neben dem Studium. Zu diesem Zweck ist zunächst ein kurzer Einblick in die derzeit allgemeinen Studienbedingungen und Finanzierungsquellen der Studierenden, sowie auch in die Motive und Erwartungen derselben hinsichtlich einer Erwerbstätigkeit neben dem Studium gegeben. In diesem Zusammenhang wird auch kurz auf die jeweilige Art der nachgegangenen Tätigkeit sowie das allgemeine Zeitmanagement der Studierenden mit Bezug auf verschiedene Studien eingegangen.

Im sich daran anschließenden zweiten Teil der Arbeit sind zunächst theoretische Überlegungen zur Auswirkung von Erwerbstätigkeit auf Studium und Studienleistungen im Allgemeinen zu finden. Es schließt sich eine genauere Untersuchung hinsichtlich dieser Theorie im vorletzten Kapitel, sowie eine Diskussion der empirischen Ergebnisse im letzten Kapitel an.

2. Studienbedingungen

Im Zuge der nach PISA aufgekommenen Bildungsdebatte und Forderung nach Umstrukturierung des deutschen Bildungssystems, liegt der Fokus nicht nur auf deutschen Schulen, sondern ebenso auf den Studienbedingungen an Universitäten und Fachhochschulen. „Steigende Studierendenzahlen sowie eine gestiegene anteilsmäßige Partizipation an tertiärer Bildung stellen Hochschulpolitik und Hochschulen vor neue Herausforderungen bezüglich der Strukturierung und Gestaltung von Studienangeboten“ (Mertens, S.34). In diesem Sinne tragen Hochschulen und Universitäten „die Verantwortung, ihre Studienangebote flexibler zu gestalten und damit den vielfältigen Anforderungen einer heterogenen Studierendenschaft gerecht zu werden“ (Ebd.).

2.1 Allgemein

Im Allgemeinen liegt die Bewertung der Studienbedingungen in diesem Zusammenhang durchschnittlich im guten Mittelfeld (Vgl.: Allenbachstudie, S.11). Die persönliche Einschätzung tatsächlich Studierender divergiert hier allerdings je nach studierter Fachrichtung und Studienort (Universität oder Fachhochschule). Als wichtigste Merkmale zur Bewertung der Studienbedingungen gelten zeitlicher Aufwand, Organisation und Studiengebühren. Hinzu kommen spezifischere Angaben wie fachliche Interessen, Kompetenzen der entsprechenden Dozenten, etc.; ebenso korreliert die „Bewertung der eigenen Studienbedingungen […] mit der Selbsteinschätzung der eigenen Studienleistungen“, so sind „Studierende, die sich als 'gute' Studenten einschätzen, […] mit ihren Studienbedingungen deutlich zufriedener als Studierende, die sich nach eigener Aussage beim Studium eher schwer tun“ (Ebd., S.17). In diesem Zusammenhang wird bspw. Überwiegend starker Verbesserungsbedarf hinsichtlich Struktur und Organisation sowie auch der „Vermittlung berufsrelevanter Schlüsselqualifikationen“ gesehen (CampusBarometer 2010).

Zu beachten ist, dass oben genannte Faktoren je nach Fachrichtung unterschiedlich stark ausgeprägt sind, was eine differente Einschätzung der Studienbedingungen durch Studierende divergenter Fächer erklärt; so sind Studierende der Geisteswissenschaften tendenziell unzufriedener, als bspw. Studierende der Wirtschaftswissenschaften, da sie sich etwa mehr Struktur im Studium wünschen (Vgl.: Ebd.). Zudem sehen Studentinnen und Studenten oftmals eine große Belastung in den zu entrichtenden Studiengebühren, die in einigen Bundesländern noch fortbestehen und sind daher oftmals unzufrieden mit ihrem Studium. Andererseits sehen Studierende an Universitäten ohne Studiengebühren einen Nachteil in den mit der Abschaffung derselbigen einhergehenden Verschlechterung universitärer Finanzierungen und damit zusammenhängenden organisatorischen Defiziten, wie Veranstaltungsangebote, Equipment, etc. Die Thematik von Studiengebühren ist jedoch eine andere Problematik. Die auf Grund der Komplexität hier nicht weiter erläutert werden soll.

2.2 Finanzierung des Studiums

Einer der wichtigsten Aspekte – wenn nicht sogar der Hauptaspekt – der Thematik der Studienbedingungen ist die Finanzierung des Studiums. Da wie bereits konstatiert ein Hochschulstudium keine Einkommensquelle darstellt, ist es oftmals schwierig dasselbige überhaupt zu finanzieren.

Überwiegende Haupt-Finanzierungsquelle ist für viele Studierende daher das Elternhaus, wobei der „Anteil an Studierenden, die […] ihr Studium [primär] über ihre Eltern finanzieren, […] in den letzten Jahren tendenziell zurückgegangen“ ist (Ramm/Multrus/Bargel/Schmidt, S.255). Zu beachten ist, dass auch hier Differenzen hinsichtlich der unterschiedlichen Studienfachrichtungen bestehen, so werden Bachelor-Studierende von ihren Eltern länger finanziell unterstützt als Master-Studierende, da der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit mit zunehmendem Alter oft wächst. Auffallend häufig werden dagegen Medizinstudenten von ihren Eltern finanziert, dicht gefolgt von Studierenden der Rechtswissenschaften (Vgl.: Ebd.). Auf BAföG und ähnliche Finanzierungsmittel im privaten Bereich (Studienkredit, etc.) greifen vergleichsweise wenig Studenten zurück; zweitwichtigste Einkommensquelle neben den Eltern ist die eigenständige Finanzierung durch studienbegleitende Berufstätigkeiten oder Nebenjobs, wobei dies oftmals parallel zur elterlichen Finanzierung läuft (Vgl.: Allenbachstudie, S.61).

Insgesamt sind dennoch mit ihrer finanziellen Situation unzufrieden und versuchen daher Studium und Erwerbstätigkeit „unter einen Hut zu bekommen“ (Vgl.: CampusBarometer 2010).

2.3 Studienbegleitende Berufstätigkeit

Wie bereits erwähnt ist eine Großzahl der Studierenden parallel zu ihrer universitären Ausbildung Berufstätig, die durchschnittliche Arbeitszeit variiert dabei je nach Alter, Studienfach, Semesterzahl, Motivation, etc.

Im Folgenden sind daher nun zunächst diejenigen Faktoren im Umfeld der Studierenden, die einen entscheidenden Einfluss auf das Arbeitsausmaß nehmen, genauer analysiert; zudem werden auch die Motive der Studentinnen und Studenten für eine Erwerbstätigkeit neben dem Studium und auch ihre Erwartungen an die Selbige, sowie auch divergierende Tätigkeitsarten der Studierenden untersucht.

Dies sei Grundlage für die sich anschließende theoretische Überlegung zur Auswirkung von Berufstätigkeit auf das Studium und die darauf folgende empirische Untersuchung mit nachfolgender Diskussion.

2.3.1 Auf die Berufstätigkeit einflussnehmende Faktoren

„Ob und in welchem Umfang Studierende neben dem Studium erwerbstätig sind, korreliert mit zahlreichen sozio-demographischen Merkmalen“ (Middendorff/ Apolinarski/Poskowsky/Kandulla/Netz, S.378). So steigt die Anzahl der erwerbstätigen Studierenden bspw. mit zunehmendem Alter und steigender Semesterzahl, da der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit wächst. Auch steht die Frage, ob „Studierende neben dem Studium erwerbstätig sind oder nicht […] in einem engen Zusammenhang mit Merkmalen ihres Hochschulzugangs sowie mit studienbezogenen Merkmalen“, so jobben Studentinnen und Studenten, „die eine allgemeine oder eine fachgebundene Hochschulreife erworben haben, […] seltener als Studierende, die mit einer Fachhochschulreife oder einer anderen Studienberechtigung an die Hochschule gelangt sind“ (Ebd., S.381). Unter den berufstätigen Hochschulbesuchern finden sich zudem v.a. diejenigen, die bereits vor Studiumsaufnahme eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Dies korreliert wiederum mit dem Aspekt des Alters, da diese Kandidaten bei Studienantritt durchschnittlich älter sind als ihre Kommilitonen. Gleiche Beobachtungen lassen sich auch bei Studierenden, die ihr Studium unterbrochen oder ihr Fach gewechselt haben, machen. Ebenfalls arbeiten unverheiratete Studierende im Vergleich zu den (wenigen) Verheirateten öfter, da Letztere sich mehr Zeit für den Partner wünschen (Vgl.: Middendorff, Isserstedt, Kandulla, S.31). Ebenso senkt das „Vorhandensein eines Kindes […] die Erwerbstätigkeit [, wenn auch] nur geringfügig“ (wobei hier auch ein Muster traditioneller Rollenverteilung zu erkennen ist) (Bacher/Wetzelhütter, S.121).

2.3.2 Art der Berufstätigkeit

Zu beachten ist, dass die oben genannten Faktoren nicht nur auf die Gewerbstätigkeit an sich, sondern ebenfalls auf die Arbeitszeit Einfluss nehmen (Vgl.: Ebd., S.118). In der Regel variiert der Arbeitsaufwand jedoch primär hinsichtlich der Finanzierungsnotwendigkeit, so arbeiten Studierende, die ihr Studium ohne Unterstützung primär selbst tragen, oftmals sowohl während der Vorlesungsfreien Zeit, als auch während des laufenden Semesters.

Auf Grund des alternierenden Zeitkontingents jobbt der Großteil der studierenden in einer Aushilfstätigkeit mit Teilzeitausmaß (Vgl.: Hofer/Pesendorfer, S.46).

Neben Aushilfsjobs als bspw. Kellner, etc., die eine gewisse temporale Freiheit gewähren, arbeiten fast ebenso viele Studenten innerhalb ihres Fachbereichs an der Universität als studentische Hilfskraft. Zudem gehen viele Studentinnen und Studenten ebenfalls auch einer weiteren Tätigkeit wie z.B. privater Nachhilfe oder sonstiger freiberuflicher Arbeiten nach (Vgl.: Middendorff/Apolinarski/Poskowsky/Kandulla/ Netz, S.395). Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass wenige „der regelmäßig erwerbstätigen Studierenden […] explizit angeben, die Form ihres Beschäftigungsverhältnisses [überhaupt] nicht zu kennen“ (Hofer/Pesendorfer, S.48).

Zu beachten ist, dass Aushilfstätigkeiten vorwiegend von Studentinnen und Studenten ohne abgeschlossene Berufsausbildung verübt werden, da diese oftmals einer Tätigkeit im bereits bekannten Bereich nachgehen (Vgl.: Middendorff/Isserstedt/Kandulla, S.33).

Zuletzt gibt es auch hier Divergenzen zwischen den einzelnen Fachrichtungen, die mit dem jeweiligen Arbeitsaufwand für das jeweilige Fach zusammenhängen[1].

2.3.3 Motive und Erwartungen

Als Gründe für die Erwerbstätigkeit neben dem Studium gibt der Großteil der Studierenden an, dass eine Tätigkeit zur Bestreitung ihres eigenen Lebensunterhalts zwingend notwendig sei, dicht gefolgt vom Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit von den Eltern (Vgl.: Middendorff/Apolinarski/Poskowsky/Kandulla/Netz, S.382). Zusätzlich ist es Hauptmotiv für viele Studierende, ihre finanzielle Situation und ihren Lebensstandard im Allgemeinen zu verbessern um „sich etwas mehr leisten zu können“ (Ebd., S.387). Ein weiteres genanntes Motiv ist der Wunsch nach mehr Praxiserfahrung, „die im späteren Beruf vielleicht von Nutzen“ sein können oder „um gegebenenfalls unabhängig vom Studienabschluss eine Beschäftigung“ erlangen zu können (Ebd., S.389f)[2].

Ein weiteres Motiv ist der Wunsch nach einem höheren Budgets für die Verwendung für einen – i.d.R. studienbezogenen oder vielleicht sogar vorgegebenen – Auslandsaufenthalt (Vgl.: CampusBarometer 2010), sowie auch Hoffnung auf Knüpfung von Kontakten für eine eventuelle spätere Beschäftigung bei einer Tätigkeit im studienfachbezogenen Bereich (Vgl.: Middendorff/Isserstedt/Kandulla, S.32).

„Insgesamt wird deutlich, dass Studierende, die wenige Stunden pro Woche neben dem Studium erwerbstätig sind, hauptsächlich arbeiten, um den Lebensstandard etwas zu erhöhen“ und dass diejenigen Studierenden, „die viel Zeit in den Job investieren (müssen), […] in den meisten Fällen“ primär „für den notwendigen Lebensunterhalt“ arbeiten (Middendorff/Apolinarski/Poskowsky/Kandulla/Netz, S.391), d.h., die „wirtschaftliche Notwendigkeit“ ist das Hauptmotiv von Studentinnen und Studenten, einer Tätigkeit parallel zum Studium nachzugehen (Mertens, S.42)[3].

3. Theoretische Überlegungen zur Auswirkung von Erwerbstätigkeit auf das Studium und die Studienleistung

„Verschiedene Studien skizzieren [bisher] einen Wandel vom klassischen 'akademischen Studierenden' hin zum 'flexiblen Studierenden', der sich nicht mehr nur vordergründig auf sein Studium konzentriert, um im Anschluss einer entsprechenden beruflichen Tätigkeit nachzugehen (Mertens, S.35): „Studierende differenzieren [sich] zunehmend stärker in Hinblick auf demographische Merkmale […] und damit auch in ihren Motiven, Bedürfnissen und Ansprüchen bezogen auf ein Studium“, wodurch auch die Anforderungen an Universitäten und Hochschulen deutlich gestiegen sind; „Studium und Erwerbstätigkeit“ sind in diesem Sinne als „weniger hintereinandergeschaltet zu betrachten […], sondern [stellen] bereits während des Studiums ein Ineinandergreifen von Hochschulstudium und verschiedener Formen der Erwerbstätigkeit“ dar (Ebd., S.35f).

Hinsichtlich der Leistungen vieler erwerbstätiger Studierender im Vergleich zu nicht parallel berufstätigen Studierenden, lässt sich ein Zusammenhang, der bereits von vielen Autoren und in einigen Studien untersucht wurde, vermuten, was nun auch im Folgenden thematisiert wird.

Wie bereits konstatiert sind viele Studentinnen und Studenten in Deutschland mit ihrer finanziellen Situation unzufrieden, möchten ihr Budget für das Aufrechterhalten eines bestimmten Lebensstandards aufstocken und/oder müssen ihre Studien- und Lebenshaltungskosten bewältigen und sind deshalb zusätzlich zum Studium berufstätig (Vgl.: CampusBarometer 2010). Hier ist es jedoch zunächst einmal wichtig, zwischen zwei Typen von Studierenden zu unterscheiden:

„Zum einen gibt es die Gruppe jener, die neben ihrem Studium einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Sie sehen sich selbst in erster Linie als Studierende, die nebenbei arbeiten. Der zweiten Gruppe gehören jene an, die fest in einem Beruf verankert sind und sich selbst als nebenberufliche Studentinnen [!] sehen“ (Ortner, S.248).

Ein grundlegender Unterschied zwischen den beiden Gruppen findet sich zunächst im Aspekt der Zeit; zwar stellt das zeitliche Kontingent für beide Gruppen ein Problem dar, doch sind die Prioritäten disparat:

Studierende der ersten Gruppe sehen sich mit der Problematik konfrontiert, neben ihrer Studienzeit, d.h., neben der Zeit, die sie aktiv in Seminaren und Vorlesungen an der Universität verbringen und der zusätzlichen Zeit, die sie für die Vor- und Nachbereitung und zum Lernen benötigen, einen Zeitrahmen für ihre Erwerbstätigkeit zu finden. Umgekehrt ist dies bei den Studierenden der zweiten Gruppe, die sowohl für ihre aktive Studien- als auch für die Lernzeit ein „Zeitfenster“ neben ihrem Berufsleben finden müssen. Beiden gemein ist jedoch der Aspekt des Privatlebens, den beide Gruppen bei ihrer Planung berücksichtigen müssen.

Zusammengefasst bedeutet dies, dass obwohl „Studierende versuchen […], ihr Studium möglichst zügig und ohne Unterbrechungen abzuschließen, […] eine Verlängerung der Studiendauer“ durch die zusätzliche „Zeitinvestition“, die eine „Erwerbstätigkeit neben dem Studium bedeutet“ und „die [somit] nicht für das Studium selbst zur Verfügung steht“ und die damit verbundenen „zusätzlich[...] laufende[n] Kosten“ in Kauf zu nehmen gezwungen sind (Mertens, S.37).

Im Zusammenhang des Zeitaspekts muss weiterhin die Organisation und Struktur verschiedener Studiengänge bedacht werden:

Durch weitgehend verbreitete Anwesenheitspflichten bei Veranstaltungen sowie teilweise strikten Vorgaben an zu absolvierenden Kursen und das oftmals hohe Pensum der zusätzlich zu erbringenden Leistungen, wird es teilweise fast schon unmöglich für Studierende genügend Zeit für ihre Erwerbstätigkeit aufbringen zu können. Kommen nun noch zusätzliche private Pflichten hinzu, scheint eine Alltagsbewältigung mit Studium, Beruf und Privatleben undenkbar:

„Die Bachelorstudien sind im Normalfall an den Universitäten […] nicht als berufsbegleitende Studiengänge konzipiert. […] Es wird somit erschwert bis verunmöglicht, neben einem Bachelorstudium einer Berufstätigkeit nachzugehen, von diversen zusätzlichen Betreuungspflichten von Kindern oder der Pflege von Angehörigen ganz zu schweigen“ (Ortner, S.252).

Weiterhin erschwert wird dies oftmals noch durch ähnlich strikte Vorgaben und Anforderungen von Seiten des Arbeitgebers.

Des Weiteren besteht eine andere Schwierigkeit wie bereits zuvor erwähnt in der Notwendigkeit der Studienfinanzierung: Zwar sind Studiengebühren nicht mehr in allen Bundesländern zu entrichten, allerdings muss dennoch ein gewisser – wenn auch im Vergleich wesentlich geringer ausfallender – Semesterbeitrag geleistet werden. Zudem hat dieses Changement in der Finanzierung von Universitäten „sowohl in Hinblick auf ihre Abhängigkeit von Drittmitteln als auch in Hinblick auf die Strukturen“ dazu geführt, dass sie „eng an die (Interessen der ) Wirtschaft gebunden“ sind (Ebd., S.255). In diesem Sinne ist der Versuch der Schaffung einer „Autonomie der Universitäten“ im Grunde eher „ein Euphemismus für Mangelverwaltung“ (Ebd.).

Hinzu kommen noch weitere Kosten für Materialien und gegebenenfalls vom Studiengang geforderte Auslandsaufenthalte. Die Studienzeit an sich ist in diesem Sinne „geprägt von 'Leistung und Effizienz', von Vereinbarungsproblemen mit Erwerbstätigkeit bzw. Betreuungspflichten sowie häufig von finanziellen Schwierigkeiten“ (Ebd., S.256).

3.1 Hypothesen

Auf Grund dieser oben genannten Tatsachen lassen sich bereits folgende grundlegende Hypothesen aufstellen:

Die Struktur der Studiengänge (u.a.) zwingt viele Studierende zu einer Erwerbstätigkeit neben dem Studium. Auf Grund stark bindender Vorgaben sowohl von Seiten der Universitäten, als auch von Seiten der Arbeitgeber wird eine (gute) Vereinbarkeit von Studium und Beruf erschwert, sodass sich

I. die Studienzeit bei Studierenden mit Nebenjob wesentlich verlängert, genauso wie sich

II. die Studienzeit verlängert, je mehr Zeit die Studierenden während des Studiums in ihre Nebenjob-Tätigkeit investieren.

Ebenfalls folgt daraus, dass,

III. die BA-Abschlussnote umso geringer ist, je höher die Zahl der jeweiligen Arbeitsstunden während des Semesters angelegt ist.

Zudem lässt sich als Hypothese festhalten, dass

IV. je mehr Studentinnen und Studenten parallel zu ihrem Studium (gezwungen sind zu) arbeiten, umso mehr empfinden sie ihre Nebenjob-Tätigkeit als Belastung oder gar Beeinträchtigung.

Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass wenn es nicht zu „organisatorischen, die die Vereinbarkeit von Studium und Beruf erleichtern, wie z.B. eine gesetzliche Verankerung eines Teilzeitstudiums“, kommt, „mit einer Verschärfung der Vereinbarkeitsprobleme zu rechnen“ sein muss (Bacher/Wetzelhütter, S.115), d.h., dass flexiblere universitäre- und auch Arbeitsbedingungen sich positiv auf die Wahrnehmung der Vereinbarungsmöglichkeit von Studium und Beruf auswirken würden (Vgl.: Mertens, S.39). Dies sei hier jedoch nicht als Hypothese aufgestellt, da sich diese Untersuchung primär auf die Frage nach der Auswirkung von Berufstätigkeit auf das Studium fokussiert.

Auf der anderen Seite lässt sich jedoch auch annehmen, dass nicht jede Erwerbstätigkeit neben dem Studium zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Studienleistung führt, so liegt bspw. Die Vermutung nahe, dass studienfachbezogene Tätigkeiten den Lernprozess sogar unterstützen und so eventuell auch die benötigte Semesterzahl reduzieren können, wodurch sich die letzten beiden Hypothesen aufstellen lassen:

V. Je fachbezogener die Erwerbstätigkeit, desto besser die Studienleistungen.

VI. Je fachbezogener die Erwerbstätigkeit, desto kürzer die Studiendauer.

3.2 Durchführung

Die im vorigen Kapitel aufgestellten Hypothesen sollten nun durch eine empirische Studie verifiziert, bzw. falsifiziert werden. Im Folgenden werden daher sowohl das Design der Studie, als auch die entsprechenden Instrumenten und die Stichprobe deskribiert. Im Anschluss daran findet sich die Repräsentation der Ergebnisse so wie auch eine Diskussion derselbigen.

Bei der durchgeführten Untersuchung handelt es sich um eine Korrelationsstudie, bei der ein Fragebogen auf der Internetplattform soscisurvey.de über einen Zeitraum von sechs Wochen zur Beantwortung online gestellt wurde. Die Verteilung erfolgte über Mitglieder des Seminars, in dem der Fragebogen entwickelt wurde, so wie über soziale Netzwerke wie Facebook, etc. Zum Einen wurden mit Hilfe des Fragebogens demographische Angaben und zum Anderen Aussagen über das jeweilige Arbeitsverhalten der Befragten ermittelt; insgesamt setzte sich der Fragebogen aus 19 Fragen zusammen.

Die Stichprobe besteht in toto aus 114 Probanden, davon 41 männliche und 73 weibliche Studierende, differenter Fachrichtungen. Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war ein bereits abgeschlossenes Bachelor-Studium. Die relative Breite der Teilnehmer soll ein nach Möglichkeit repräsentatives Ergebnis gewährleisten.

Der Fragebogen erfasste mehrere Variablen: Die Befragten sollten u.a. angeben, welchen Studiengang sie aktuell belegten und zu welcher Fachrichtung dieser zählt, wobei auch Mehrfachnennungen möglich waren. Weiterhin sollten ebenfalls Angaben zum bereits absolvierten Bachelor-Studium gemacht werden, so sollten die Beteiligten bspw. Ihre Bachelor-Abschlussnote – und auch ihre vorherige Abitur-Note – sowie die insgesamt benötigte Semesterzahl und ihr aktuelles Fachsemester im Vergleich zur jeweiligen für ihr Studienfach vorgesehenen Regelstudienzeit nennen. Hinzu kamen Fragen nach einer eventuellen Nebenjob-Tätigkeit und der Art und weise der Finanzierung des Studiums. Abgesehen davon sollten ebenfalls Angaben über die Art des Tätigkeitsbereichs sowie über das jeweilige Arbeitsausmaß und das dadurch zur Verfügung stehende Budget gemacht werden. Zuletzt wurden dir Probanden gefragt, inwieweit sie neben des Bachelor-Studiums das Gefühl hatten, von ihrer Nebenjobtätigkeit beeinflusst zu werden und ob sie auf Grund dessen über einen Studienabbruch nachgedacht hatten.

Die ausgewerteten Ergebnisse der Befragung werden im folgenden Kapitel näher analysiert.

[...]


[1] Siehe Abbildung 1 im Anhang.

[2] Siehe Abbildung 2 im Anhang.

[3] Siehe Abbildung 3 im Anhang.

Details

Seiten
33
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668135925
ISBN (Buch)
9783668135932
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314338
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Erziehungswissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
Erwerbstätigkeit Studium Nebenjob Studienleistung

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Titel: Arbeiten und studieren. Die Auswirkung von Erwerbstätigkeit auf die Studienleistung