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Kulturelle Bildung für jeden dank Ganztagsschulen?

Essay 2015 9 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kulturelle Bildung in den Halbtagsschulen

3. Warum kulturelle Bildung?

4. Umsetzung kultureller Bildung in Ganztagsschulen

5. Nachteile von Ganztagsschulen für die kulturelle Bildung

6. Fazit

7. Bibliographie
7.1 Bücher/Magazine:
7.2 Internet:

1. Einleitung

Nachdem wir uns im Seminar unter anderem mit der kulturellen Bildung in der Grundschule befasst haben stellte sich für mich die Frage, inwiefern die Schüler auf den weiterführenden Schulen Zugang zu kultureller Bildung haben. Bei den ersten Recherchen fiel mir dabei relativ schnell die Bedeutung von Ganztagsschulen ins Auge. Hierauf richtete sich dann anschließend meine besondere Aufmerksamkeit. Im Folgenden werde ich zunächst kurz auf die Situation an den Halbtagsschulen eingehen und erklären wie es zu dem Entschluss kam, Ganztagsschulen zu bilden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Darstellung der Auswirkungen kultureller Bildung um zu verstehen, warum diese so wichtig ist und in das Schulsystem integriert werden soll. Anschließend werde ich die Vorteile und Ziele des Konzepts „Ganztagsschule“ in Bezug auf die kulturelle Bildung erläutern und ihre Absichten herausstellen. Abschließend stelle ich diesem die Nachteile gegenüber und ziehe mein persönliches Fazit zu der Ausgangsfrage.

2. Kulturelle Bildung in den Halbtagsschulen

Obwohl die kulturelle Bildung in der Schule, beginnend bei der Reformpädagogik, eine sehr lange Tradition hat, nahm sie bisher doch zumeist nur eine Randstellung ein. Hierbei wurde sie ganz traditionell vor allem in den künstlerischen Fächern wie Kunst-, Musik-, Textil- und Literaturunterricht sowie im Lernbereich „Darstellen und Gestalten“ der Gesamtschulen praktiziert. Des Weiteren wurden zwar vereinzelt noch weitere Wahlpflichtfächer im kulturellen Bereich angeboten, welche sich jedoch nicht sehr großer Nachfrage erfreuten. Der Kulturellen Bildung in der Halbtagsschule ebenfalls negativ gegenüber stehen zum einen der überproportional große Ausfall künstlerisch-musischer Unterrichtsfächer und zum anderen die allzu oft fachfremden Unterrichtsweisen. Außerdem ist es an vielen Schulen Standard, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Bildungsweges zwischen Musik und Kunst entscheiden zu müssen und nur eines dieser Fächer bis zu seinem Abschluss belegen zu können. Ein letzter jedoch sehr wichtiger Punkt ist der schulbezogene Unterschied im Zugang zu kultureller Bildung.

Forschungsergebnisse belegen, dass vor allem an Gymnasien und Gesamtschulen gute Voraussetzungen für kulturelle/musisch-ästhetische Angebote bestehen. Grund-, Haupt- und Realschulen liegen in diesen Werten deutlich zurück, was darauf schließen lässt, dass nicht allen Kindern der gleiche Zugang zu kultureller Bildung gewährleistet werden kann.[1]

Dies bestätigt sich auch im Hinblick auf die sozialen Schichten. Besonders den Kindern aus sozial schwächeren Schichten bleibt der Zugang zur kulturellen Bildung allzu oft verwehrt. Wo hier die Gründe liegen werde ich in diesem Essay leider nicht weiter ausführen können. Fakt ist jedoch, dass auch die PISA-Studie 2001 ein „gravierendes deutsches Bildungsproblem sozial selektiver Ungleichheit“[2] diagnostizierte.

Eine der politischen Konsequenzen dieses PISA-Schocks war die Bildung der Ganztagsschulen. Aufgrund der in Deutschland bestehenden Schulpflicht für alle Jugendlichen bis zu ihrem 16. Lebensjahr ist die Schule die einzige Einrichtung, die allen einen Zugang zu kultureller Bildung schaffen kann. Aufgrund der strengen Vorgaben in den Lehrplänen sowie knappen Zeitvorgaben für deren Umsetzung war es jedoch sehr schwer außerhalb der künstlerischen Fächer Raum dafür zu finden. Die immer häufiger werdenden Ganztagsschulen bieten jedoch ganz neue finanzielle Möglichkeiten und Zeitfenster für die Umsetzung kultureller Bildung.

3. Warum kulturelle Bildung?

Aber warum ist kulturelle Bildung für Jugendliche eigentlich von so großer Bedeutung? Wieso wird ihr so ein großer Stellenwert zugemessen? Kulturelle Bildung hat nach Durchführung verschiedener Studien große Anteile an der Ausbildung sogenannter Schlüsselkompetenzen (Fähigkeiten, die wir brauchen um unser Leben erfolgreich zu bewältigen).[3] Hierzu gehören unter anderem das kreative Denken, Improvisationsvermögen, Ausdrucksfähigkeit, soziale Kompetenz und vieles mehr. Außerdem umfasst die kulturelle Bildung in großem Maße auch die Persönlichkeitsentwicklung. Man stärkt durch sie die Fähigkeit, mitreden und mitgestalten zu können. Diese Fähigkeiten und die Schlüsselkompetenzen sind heutzutage im Berufsleben von großer Bedeutung. Schon in den Stellenausschreibungen verschiedener Firmen werden genau diese gefordert und auch nach der Einstellung helfen sie ganz wesentlich bei der Ausführung der Arbeiten und erhöhen die Chancen für den beruflichen Aufstieg. Des Weiteren wird erst durch die kulturelle Bildung Teilhabe und Mitgestaltung ermöglicht, was Teil des Menschenrechts auf Bildung ist und somit kein Luxus sein darf. In diesem Zusammenhang möchte ich auch kurz auf die Inklusion eingehen. Vielfalt hat viele verschiedene Formen. Neben Religion, Nationalität, sozialem Status, Alter und Geschlecht gibt es auch Menschen mit den verschiedensten Beeinträchtigungen. Durch die kulturelle Bildung lernt man genau diese Vielfältigkeit kennen und vor allem damit umzugehen. Besonders in Schulen gibt es sehr heterogene Gruppen und das gemeinsame Handeln innerhalb dieser Gruppen wird zu den wichtigsten Schlüsselkompetenzen gezählt. Dies waren nur einige Argumente um den Stellenwert der kulturellen Bildung kurz darzustellen und dem Bemühen darum einen Hintergrund zu geben.

4. Umsetzung kultureller Bildung in Ganztagsschulen

Der deutlich gestiegene Stellenwert kultureller Bildung in der Bildungspolitik zeigt sich vor allem auch in der „Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung“, welche Anfang des Jahres 2007 verabschiedet wurde. Auch diese geht zunächst auf die Wichtigkeit kultureller Bildung ein und zeigt die Schule als geeignetsten Ort für den Zugang zur dieser für alle Kinder und Jugendlichen auf. Anschließend spricht sie von den Vorteilen der Ganztagsschulen und fordert diese auf, Kooperationen mit außerschulischen kulturellen Einrichtungen wie zum Beispiel Musikschulen, Theatern oder ähnlichem einzugehen. Ganztagsschulen haben nicht nur einen Bildungsauftrag, sondern aufgrund des erweiterten Zeitbudgets kommt ihnen auch ein gewisser Erziehungsauftrag zugute und die Aufgabe, einen Lebens- und Erfahrungsraum für die Schüler darzustellen.[4]

Für die Umsetzung kultureller Bildung an Ganztagsschulen wird eine gemeinsame Agenda gefordert. Eltern, Schule und außerschulische Aktivitäten sollen gemeinsam Verantwortung für das erfolgreiche Aufwachsen der Jugendlichen übernehmen. Schulen sollen hierbei mit den Trägern und Einrichtungen der außerschulischen kulturellen Bildung auf der Basis von Kooperationsvereinbarungen zusammenarbeiten. Die Zusammenarbeit sollte hierbei jedoch nicht lediglich auf die künstlerisch-musischen Fächer beschränkt sein, sondern sich auf alle Unterrichtsfächer beziehen. Ganztagsschulen bieten hier besondere Möglichkeiten zur Erweiterung des zeitlichen und curricularen Handlungsspielraums, insbesondere wenn der Unterricht und die außerunterrichtlichen Angebote konzeptionell miteinander verzahnt sind. Diese Kooperationen haben nicht nur für die Schulen sondern auch für die kooperierenden außerschulischen Einrichtungen große Vorteile. Auch diese beklagen sich immer lauter der mangelnden Nutzung ihrer Angebote und über einen Rückgang der Teilnehmerzahlen. Durch diese Kooperationen werden die Schüler auf ihre Angebote aufmerksam und können dies bei bestehendem Interesse auch außerhalb der Schule wahrnehmen. An diesem Punkt möchte ich kurz auf eine Initiative der Bundesvereinigung für Kulturelle Kinder- und Jugendbildung mit dem Namen „Kultur macht stark“ zu sprechen kommen, an der sich auch zahlreiche Ganztagsschulen beteiligen. In dieser Initiative engagieren sich zahlreiche außerschulische Einrichtungen für kulturelle Bildung in Ganztagsschulen um diese zu verändern und den Kindern neue Bildungshorizonte zu ermöglichen. Diese Initiative hat schon jetzt einen großen Anteil an der Umsetzung von Kulturschulen und leistet einen erheblichen Beitrag für den Zugang zur kulturellen Bildung für alle Schüler.

[...]


[1] Vgl. Rosa Scherer, Mareike Tarazona u.a., Kulturelle Bildung an den Schulen in Deutschland. Eine empirische Analyse schulart- und organisationsspezifischer Unterschiede, Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 2013, 162-165.

[2] Heike Ackermann, Michael Retzer u.a., KulturSchule. Kulturelle Bildung und Schulentwicklung, Wiesbaden 2015, 22.

[3] Vgl. http://www.kultur-macht-schule.de/index.php?id=19 (letzter Zugriff 07.03.2015).

[4] Vgl. http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/kulturelle-bildung/59965/kulturelle-bildung-in-der-schule?p=all (letzter Zugriff 07.03.2015)

Details

Seiten
9
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668134799
ISBN (Buch)
9783668134805
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314356
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Sportwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
kulturelle bildung ganztagsschulen
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