Lade Inhalt...

Aspekte des Menschenbildes seit der Moderne

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 35 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. historisch – soziologische Einordnung: Moderne - Postmoderne

3. Zur Geschichte des Begriffs Körper

4. Bedeutung des Körpers als soziologischer Untersuchungsgegenstand

5. Aspekte des Körperbildes seit der Moderne
5.1 Körperdistanzierung
5.2 Körperaufwertung

6. Zusammenfassung

LITERATURVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Es ist kein Geheimnis, das seit mehr als zwei Jahrzehnten dem menschlichen Körper in unserer Kultur große Aufmerksamkeit geschenkt wird – denkt man nur an seine wachsende Präsens in jeglichen Medien, aber auch die Wissenschaft analysiert und erforscht ihn mit immer wachsender Begeisterung und teilweise fatalen (Er-)Folgen – denkt man nur einmal an die Technik des Klonens, dies sei hier aber nur als ein Extrembeispiel angeführt - , wie in der folgenden Belegarbeit noch näher dargestellt werden soll.

Alkemeyer, Boschert, Gebauer & Schmidt vermuten, dass „diese Sorge und Beschäftigung um den Körper allem Anschein nach mit tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen zu tun hat.“ (Alkemeyer, Boschert, Schmidt & Gebauer, 2003, S. 7).

Sie weisen auf die immer weiter führende wirtschaftliche Entwicklung von der Hand- auf die Kopfarbeit hin und geben den Wandel der Erwerbstätigenstrukturen in Richtung auf Dienstleistungen in einer zunehmend wissensbasierten Ökonomie zu bedenken. (vgl. Alkemeyer, Boschert, Gebauer & Schmidt, 2003, S. 7).

Bette, der sich 1989 bereits mit diesem Thema eingehender in seiner Arbeit Körperspuren beschäftigte, sagt:

„Der Körper wird gegenwärtig in der Architektur seiner Formen und in der Tiefe seiner Strukturen und Prozesse neu erkundet und definiert. Nie zuvor hat es so viele Spezialisten und selbsternannte Fachleute gegeben, die sich mit einzelnen Organen, Körperpartien und psychophysischen Befindlichkeiten auseinandersetzen oder den Anspruch auf ganzheitliche Einwirkungsmöglichkeiten stellen. Sie lauschen verzückt an der Epidermis, versuchen der „Weisheit des Körpers“ mit Emphase auf die Spur zu kommen, bringen ihn mit Fitnessformeln auf Trab, belasten ihn mit exklusiver Technik oder stellen ihn meditativ ruhig. Sie diagnostizieren, beraten und intervenieren in Gestalt von Therapie, Ernährung, Training oder auch Mode.“ (S. 1).

In diesem Zitat, wird schon ansatzweise deutlich worum es geht, wenn man sich mit dem aktuellen Körperbegriff näher beschäftigt.

Bette spricht hier das Neuerkunden des Körpers an, was auf ein Entdecken oder auch Wiederentdecken von Besonderheiten des menschlichen Körpers hinweist und er spricht von exclusiver Technik, was auf einen zweiten wichtigen Aspekt unserer Zeit hindeutet: auf die bis fast zur Perfektion getriebene immer fortschreitende Entwicklung von hochtechnologisierten Maschinen, die den Menschen, besonders in seiner Arbeitswelt, entlasten sollen und können.

Genau hier liegt aber auch die Gefahr, denn diese besagte Technik ist soweit entwickelt, daß es für den Menschen fast kritisch wird, hierzu aber näheres im weiteren Verlauf dieser Arbeit.

In den eben angesprochenen beiden Punkten liegt im wesentlichen die Problematik begründet der wir heute ausgesetzt sind, wenn es um die Betrachtung des menschlichen Körpers bzw. des Körperbildes in der Moderne geht.

Diese Belegarbeit mit dem Titel „Aspekte des Körperbildes seit der Moderne“ beschäftigt sich also mit der Frage, welche Besonderheiten zu beobachten sind, wenn man das Verhältnis der Gesellschaft, seit Beginn des Industriezeitalters und die darin beinhaltete zunehmende Weiterentwicklung in allen Lebensbereichen, in Bezug auf den menschlichen Körper und dessen Thematisierung und Behandlung innerhalb dieser Gesellschaft näher betrachtet.

Die Formulierung „ seit der Moderne “ wird verwendet, da es hier um die Betrachtung eines Prozesses geht, welcher in der Moderne begann, aber immer noch andauert, das heißt, die beobachteten Phänomene befinden sich noch in der Entwicklung und sind nicht abgeschlossen.

Desweiteren gibt es definitorisch und inhaltlich in der Literatur Differenzen, was die genaue Bezeichnung und Abgrenzung der Epoche Moderne bzw. der in der Gegenwart vorherrschenden Strömung gibt. Diese wird u.a. auch als Postmoderne bezeichnet.

Zu diesem Problem erfolgt eine genauere Thematisierung bzw. eine historische Einordnung des betrachteten Zeitabschnitts unter Darlegung der charakteristischen Merkmale im folgenden 2. Abschnitt.

Im Abschnitt 3 wird die begriffsgeschichtliche Seite des Wortes Körper etwas ausführlicher dargestellt mit dem Ziel einen historischen Ausblick auf vorhergehende Betrachtungsweisen zu erhalten und eine klare Festlegung zu geben, auf welche Semantik sich bei der Benutzung des Begriffs Körper in dieser Arbeit bezogen werden soll. Weiterhin geht es darum eine kurze Begründung zu geben, warum der Körper als soziologischer Untersuchungsgegenstand interessant ist, hier wird vorrangig die Absicht Bettes behandelt, da sich diese Belegarbeit, an seinen Erkenntnissen orientiert (Abschnitt 4).

Anschließend werden unter Punkt 5 nun die Aspekte des Körperbildes untersucht, dazu soll zunächst auf das Phänomen der Körperdistanzierung eingegangen werden und anschließend sollen einige Aspekte der Körperaufwertung diskutiert und an Hand von Beispielen verdeutlicht werden.

Abschließend erfolgt im Schlussteil eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten.

2. historisch – soziologische Einordnung: Moderne - Postmoderne

Die Moderne wurde geboren aus den vorangegangenen gesellschaftlichen Umbrüchen durch die Aufklärung und der "Entdeckung" des Menschen als Individuum. Der Begriff Moderne bezeichnet somit also die Epoche der Entwicklung und Etablierung einer subjektzentrierten Weltanschauung. Erste Anfänge dieser Entwicklung sind schon ab dem 16. Jahrhundert feststellbar.

Grob einzuordnen ist sie zwischen der europäischen Aufklärung und dem 1. Weltkrieg.

Man kann, was die Begriffsgeschichte angeht sehr deutlich einen rhetorischen Gebrauch der Antike und des Mittelalters erkennen.

Hier diente die Unterscheidung antiqui/moderni nur der Verteilung von Lob und Tadel, wobei die Streuung dem Autor und seinen rhetorischen Zielen überlassen blieb. Dass dies mit dem Buchdruck und mit einer deutlicheren Wahrnehmung gesellschaftlicher Veränderungen spätestens im 17. Jahrhundert anders wurde und die Unterscheidung seitdem auf die Gesellschaft oder wichtige ihrer Teilbereiche, vor allem Wissenschaften und Künste angewandt wurde, ist bekannt. Wenn die moderne Gesellschaft sich selbst als „modern“ tituliert, identifiziert sie also sich selbst mit Hilfe eines Differenzverhältnisses zur Vergangenheit (vgl. Luhmann, 1992, S. 14).

Kunsthistorisch betrachtet ist sie die Epoche, die im 19. Jahrhundert mit den revolutionären Werken der Suprematisten und Avantgardisten in Europa, zunächst in der Malerei, Bildhauerei und mit Theateraufführungen ihren Höhepunkt fand, und deren Ende in (zunächst West-)Europa durch das verheerende reaktionäre Wirken der Nationalsozialisten erzwungen wurde (vgl. Microsoft Encarta Lexikon, 2002).

Epochengeschichtlich betrachtet ist Folgendes auszuführen:

Der Beginn der Moderne wird häufig auf die Französische Revolution gelegt. So betrachtet z.B. der US-amerikanische Soziologe Daniel Bell den Beginn der Moderne mit dem Jahr 1789. Andere sehen eher einen Prozess der Entstehung der Moderne, der sich allmählich nach 1789 im 19. Jahrhundert vollzieht.

Als wesentliche Elemente der Moderne werden die Säkularisierung als Folge der Aufklärung und die damit verbundene Hoffnung, eine Art Menschheitsreligion würde an die Stelle der institutionalisierten Religionen treten; die Industrialisierung, auch Industrielle Revolution genannt, insbesondere der Übergang von der manuellen, handwerklichen Fertigung zu Massenproduktion durch Maschinen, damit auch die Ablösung der feudalen Gesellschaft, das sog. Ancien régime durch Kapitalismus und Demokratie; der Fortschrittsglaube, d. h. die Vorstellung, dass die materiellen Errungenschaften des Menschen unbegrenzt wachsen könnten; die Rationalität, d. h. der Glaube an die Vernunft und die Vorherrschaft rationaler Überlegungen, der sog. Vernunftglaube, sowie die Autonomie gesellschaftlicher Bereiche, wie Ethik, Politik, Recht und Wirtschaft angesehen (vgl. Microsoft Encarta Lexikon, 2002).

Man muß sich zum Verständnis der Moderne deutlich machen, dass alle diese Elemente, die vielen von uns heute als selbstverständlich erscheinen, keineswegs immer und überall vorherrschende Überzeugungen waren und sind. Und darin liegt auch das in der Einleitung beschriebene Problem in Bezug auf die genaue Abgrenzung dieser Epoche.

Epochen lassen sich am besten dadurch kennzeichnen, was die Menschen dieser Epoche ohne Nachfragen als selbstverständliche "Wahrheiten" und Grundüberzeugungen akzeptieren. Diese Selbstverständlichkeiten ändern sich im Laufe der Zeit.

Die literarische und kunstgeschichtliche Moderne, auch die internationale Moderne bezeichnet, stand in anderen europäischen Ländern und in den USA im Gegensatz zu dem wiedererweckten Nationalismus und vielen fundamentalistischen Tendenzen (vgl. Microsoft Encarta Lexikon, 2002).

Man kann sagen, daß die Moderne etwa Mitte des 19. Jh. ihren Anfang hat, nämlich mit Beginn der Industrialisierung und der Demokratisierung. Ihr Ende ist nach dem 2. Weltkrieg in etwa festzulegen, die nachfolgende Zeit oder auch die Nachfolge-Epoche der Moderne nennt sich heute die Postmoderne oder auch postindustrielles Zeitalter.

Vor allem in den Wirtschaftswissenschaften gebräuchlich ist die Klassifizierung von Gesellschaften nach historischen Perioden, die einer bestimmten Wirtschaftsform zugerechnet werden. Historische und zeitgenössische Gesellschaften werden dabei in Agrargesellschaften, Industriegesellschaften und postindustrielle Gesellschaft, welche häufig als Informationsgesellschaften klassifiziert werden, unterteilt (vgl. Microsoft Encarta Lexikon, 2002).

Technische Neuerungen und politische Umwälzungen haben das Leben nach dem 2. Weltkrieg in vielen gesellschaftlichen Bereichen, wie Familie, Bildung, Beruf, Wirtschaft und Kultur, wie auch zwischen den einzelnen Menschen zum Teil erheblich verändert. Das Leben in dieser postmodernen komplexen pluralistischen Gesellschaft hat viele Facetten.

So genannte Bindestrich-Gesellschaften, wie z.B. Waren-Gesellschaft, Freizeit-Gesellschaft, Konsum- und Leistungs-, Wegwerf- und Wiederverwertungs-Gesellschaft, Informations-Gesellschaft oder auch Risiko-Gesellschaft sollen die verschiedenen, oftmals widersprüchlichen Aspekte unseres Alltags charakterisieren (vgl. Microsoft Encarta Lexikon, 2002).

[...]

Details

Seiten
35
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638324601
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31455
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Sportwissenschaft
Note
2
Schlagworte
Aspekte Menschenbildes Moderne Hauptseminar Sport Modernisierung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Aspekte des Menschenbildes seit der Moderne