Lade Inhalt...

Das Fürstenportal des Bamberger Domes

Seminararbeit 2004 16 Seiten

Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Baugeschichte
2.1. Bauforschung und Datierungsprobleme
2.2. Restaurationsarbeiten

3. Aufbau des Portals
3.1. Die Portalskulpturen
3.1.1. Die Portalgewände
3.1.2. Das Tympanon
3.1.3. Ekklesia und Synagoge

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Dom St. Peter und Georg in Bamberg gilt als eines der wichtigsten sakralen Bauwerke des Mittelalters. In seiner architektonischen Konstruktion und seinen Bildwerken ist der Übergang von der Romanik zur Frühgotik ablesbar.[1] Insbesondere an dem hier zu besprechenden Bauteil, dem Fürstenportal, wird dieser Wechsel deutlich sichtbar. Ziel dieser Arbeit ist es, das eben genannte Portal in seiner Entwicklung darzustellen, gefolgt von einer detaillierten Beschreibung, Interpretation und zeitlichen Einordnung der skulptur-technischen Bestandteil. Dabei sollen besonders jene hervorgehoben werden, welche die Wende von Spätromanik zu Frühgotik sichtbar werden lassen. Weiterhin soll erörtert werden, welche Einflüsse auf die jüngere Skulptur des Portals wirkten, und somit den Bruch sichtbar machten. And Ende wird eine Zusammenfassung der hier zusammengetragenen Informationen folgen, gemeinsam mit einem Ausblick in die mögliche Zukunft des Fürstenportals des Bamberger Domes.

2. Baugeschichte

2.1. Baugforschung und Datierungsprobleme

Die Baugeschichte des Fürstenportals ist, wie die des Domes selbst, mit einigen Unklarheiten behaftet, da wenige zuverlässige Auszeichnungen über den Bau des Domes existieren. So gibt es in der Literatur immer wieder Unstimmigkeiten was die Datierung und Geschichte des Portals betrifft.

Nach neueren Erkenntnissen wurde das Fürstenportal in einer frühen Phase des Bauvorhabens angelegt, da es „in seiner gesamten ausgearbeiteten Form bei der Errichtung des nördlichen Seitenschiffes bereits mit versetzt worden sein muß, was im Rahmen der Gesamtbaugeschichte kaum nach 1225 geschehen sein kann.“[2] Erschwert wird die Frage nach der genauen Entstehungszeit durch die Tatsache, dass der plastische Schmuck des Portals mitunter deutliche Stilunterschiede aufweist. Diese Thematik soll allerdings nicht an dieser Stelle, sondern vielmehr in den entsprechenden Abschnitten zu den einzelnen Teilen des Portals näher erläutert werden.

Als gesichert gilt allerdings, dass an der Herstellung des plastischen Schmuckes des Fürstenportals zwei verschiedene Künstlerwerkstätten beteiligt waren, welche in der Literatur als ‚ältere’ und ‚jüngere’ Werkstatt bezeichnet werden. Auch wurde bei einigen der Figuren, welche wohl von der jüngeren Werkstatt gefertigt wurden, eine stilistische Abhängigkeit zur Kathedrale in Reims festgestellt.[3]

Davon abgesehen unterscheiden sich die Meinungen der Experten zur Baugeschichte des Portals zum Teil erheblich, wie Manfred Schuller in seiner Zusammenfassung der bis dahin erworbenen Erkenntnisse ausführt.[4] So erklärte Dethard von Winterfeld[5], dass das Fürstenportal gemeinsam mit der Seitenschiffmauer an der Nordseite errichtet worden sei. Auch sei der Großteil der Figuren, abgesehen von den später hinzugefügten Figuren der Synagoge und Ecclesia sowie Abraham und dem Posaunenengel, zu dieser Zeit angebracht worden, da Figuren und Portal „in unlösbarem Bauverband stünden...“[6]. Diese Ausführungen würden auf eine frühe Datierung des Portals um 1224/25 hindeuten, was aber laut Schuller problematisch sei, da in diesem Falle „die Abhängigkeit der Bamberger Skulptur von der in Reims nicht haltbar“[7] sei. Weiterhin existieren auch Zweifel an der Annahme, Portal und dessen Skulptur seien zur selben Zeit entstanden.[8]

Auch Willibald Sauerländer ist in Sachen Datierung zu nennen. In seinem Artikel Reims und Bamberg: Zu Art und Umfang der Übernahmen[9] verglich er ausführlich Figuren aus dem Tympanon des Fürstenportals, sowie den Engel am Kapitell der Ekklesia- Säule und eine der rechten Gewändefiguren mit Plastiken der Reimser Kathedrale, und wies dabei eindeutige Bezüge nach. Er vermutete daher, „dass die Bildhauer aus Reims nach Bamberg kamen, als in Reims zwischen 1233 und 1236 die Arbeiten an der Kathedrale [...] anscheinend völlig zum Erliegen kamen.“[10] Dies würde nun für eine spätere Datierung beziehungsweise Fertigstellung des Portals sprechen, oder aber für eine nachträgliche Anfügung eines Großteils des figürlichen Schmuckes.

In dieser Hinsicht weist Schuller noch auf einige Arbeiten von Robert Suckale hin, welcher von Winterfelds Annahme, die Figuren ständen in einem untrennbaren Bauverband, anzweifelte. So schreibt er: „Hinter die unbedingte Bindung der Gewändefiguren und insbesondere des Tympanons an die Architektur des Portalvorbaus setzt Suckale ein Fragezeichen.“[11] Schuller weist aber wenig später darauf hin, dass die Baugeschichte des Bamberger Domes dank Dethard von Winterfelds als geklärt gilt, da die Ausführungen in seiner Monographie etwaigen Überprüfungen zum Großteil standhalten können.[12] „So ergibt sich eine indirekte, aber zwingende Datierung des Fürstenportals und seiner Skulpturen [...]. Die Jahre 1224/25 scheinen hier gerechtfertigt eingesetzt, eine spätere Datierung würde nicht mehr mit dem weitgehend sicheren Bauablauf zusammengehen.“[13]

3.2. Restaurationsarbeiten

Da im vorrangegangenen Kapitel bereits die Baugeschichte des Fürstenportals besprochen wurden, soll an dieser Stelle nur noch kurz auf einige der Restaurierungsversuche eingegangen werden.

Die ersten bekannten Veränderungen am Fürstenportal fanden noch während des Dombaus statt, und wurden von der sogenannten jüngeren Werkstatt ausgeführt. Zum einen wurden dem Vorbau des Portals die Säulen der Ekklesia und Synagoge mit den dazugehörigen Säulen und Baldachinen vorgesetzt. Die Säulen wurden hierbei den bereits existierenden Gewändefiguren angepasst, und während des 18. bzw. 19. Jahrhunderts erneuert. Wann genau die Zusätze angebracht wurden, ist jedoch nicht bekannt.[14]

Im 19. Jahrhundert fand auch eine Erneuerung der Säulen des westlichen Gewändes statt, wobei die unteren Säulenschäfte sowie die Schaftringe ausgetauscht wurden. Weiterhin hatte das Fürstenportal im 18. Jahrhundert einen Dreiecksgiebel erhalten, welcher später im 19. Jahrhundert durch einen Walm ersetzt wurde.[15]

Eine weitere Restauration an den Skulpturen des Domes fand von 1832 bis 1838 unter Heideloff und Gärtner statt. Dabei wurden, unter anderem, die farbige Fassung der Bildwerke unkenntlich gemacht, sowie ein Großteil der (nach)mittelalterlichen Ausgestaltung zerstört.[16]

Im Jahre 1903 wurden erstmals auch die Gewändefiguren restauriert. Die Skulpturen wurden demnach „ausgebaut, in Gips gegossen, die Originale in den gerade erfundenen Fluorsilikaten getränkt und wieder eingebaut“[17]. Die letzte bedeutende Änderung, die hier erwähnt werden soll, betrifft die Figuren der Ekklesia und Synagoge, sowie des Abraham und des Posaunenengels. Letztere befanden sich einst in den Archivolten des Portals. Diese vier Figuren wurden 1936 in das südliche Seitenschiff des Domes verlegt, um sie vor negativen Umwelteinflüssen zu schützen.[18]

[...]


[1] Vgl. Lexikon der Kunst. Bd. 1: A – Cim. 1987, S. 392

[2] Schuller, a. a. O., S. 7.

[3] Ebenda, S. 19

[4] Ebenda, S. 19.

[5] Vgl. Winterfeld, Dethard von: Die Baugeschichte bis zur Vollendung im 13. Jahrhundert. Berlin : Mann. 1979.

[6] Schuller, a.a.O., S. 19.

[7] Ebenda, S. 19.

[8] Vgl. Ebenda, S. 19.

[9] Sauerländer, Willibald: Reims und Bamberg: Zu Art und Umfang der Übernahmen. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, 39, 1976, S. 167-192.

[10] Ebenda, S. 192.

[11] Schuller, a.a.O., S. 19.

[12] Ebenda, S. 59.

[13] Ebenda, S. 59.

[14] Vgl. Winterfeld, a. a. O., S. 93.

[15] Vg. Ebenda

[16] Vgl. Lexikon der Kunst, S. 393.

[17] Schuller, a.a.O. S. 40.

[18] Vgl. Ebenda, S. 43.

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638324793
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31480
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Kunsthistorisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Fürstenportal Bamberger Domes Mittelalterlichen Portalskulptur

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Das Fürstenportal des Bamberger Domes