Lade Inhalt...

Tierleid in der Mode. Geschichte und Herstellung von Pelz

Seminararbeit 2015 12 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte und interkultureller Vergleich des Pelzes

3. Herkunft und Herstellung von Pelz

4. Tierleidfreie Alternativen

5. Schluss mit Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anlage

1. Einleitung

Seit meinem zehnten Lebensjahr sind für mich der Veganismus und die vegan-vegetarische Ernährungsweise von großer Bedeutung, für die Jahr für Jahr mehr Anhänger Begeisterung finden. Zum veganen Lebensstil zählt jedoch nicht nur der Aspekt der Ernährung, sondern innerhalb der gesamten Lebensweise und -einstellung einschließlich der Mode das Tierleid möglichst gering zu halten.

Da in dieser innerhalb der letzten Jahre – vor allem in der Wintermode – (Kunst-)Fellapplikationen sehr präsent waren, deckte eine Untersuchung des ndr falsche Etikettierungen auf: 'Alle gekauften Textilien sind mit echtem Pelz versehen: Statt 100% Polyester Kaninchenfell und „hundeähnliche“ Pelze.'[1] Auch wenn sich nur vier Prozent der Deutschen zum Tragen echter Pelze bekennen[2], sind offizielle Bezeichnungen der Felle auf Etiketten irreführend und es ist kaum nachvollziehbar, um welches Tier es sich handelt.[3] Dieses Verbraucher täuschende Ergebnis und meine persönliche Einstellung veranlassen mich dazu, meine Seminararbeit dem Thema 'Tierleid in der Mode' zu widmen. Innerhalb dieser gehe ich auf den geschichtlichen Aspekt des Pelzes ein, dessen historischer Nutzen der Überlebenssicherung heute jedoch weitgehend überflüssig ist. Außerdem möchte ich auf die Herstellung diesen leidvollen Textils aufklären und modische Alternativen aufzeigen, für die kein Tier sein Leben lassen musste.

2. Geschichte und interkultureller Vergleich des Pelzes

Das Tragen von Pelzen war schon seit der Steinzeit, wie bereits erwähnt, wichtig für das Überleben der Menschen. Der als „Ötzi“ bekannte Fund dieser Zeit aus dem Alpengebirge, der dies belegt, trug Felle verschiedener Tierarten an seinem Körper.[4]

Auch die Inuit machten sich die Tierfelle mit dem „Luft-Einschluss-Prinzip“ zunutze, die durch zwei Schichten Fellbekleidung der Kälteisolierung diente.[5] 'Hergestellt werden bis heute polartaugliche Kleidungsstücke aus winddichten Materialien wie Pelzen oder Leder, insbesondere von Robben- und Karibou-Fellen.'[6]

Erst im Mittelalter wurde das Tragen von Fellen zu einem Statussymbol, das per Gesetz nur dem Adel zugesprochen wurde und anderen Personen untersagt war.[7] Auch im Militärdienst Anfang des 17. Jahrhunderts dienten Pelzapplikationen dem Aufzeigen hierarchischer Strukturen, da 'aufwändiger gestaltete[n] Uniformen der Offiziere [...] ein[en] Ausdruck ihres militärischen Ranges'[8] darstellte.

Der erste modebewusste Schutz gegen Kälte im nordeurpäischen Klima war die (Winter-)Pelisse, ein Mantelkleid Ende des 18. Jahrhunderts, das 'häufig pelzgefüttert oder wattiert'[9] war. 'Auf schweren Wollstoffen waren Litzenbesatz und Pelzverbrämung im militärischen Stil en vogue.'[10]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1908-1914) versammelten sich einige Designer der verschiedensten Ländern in Paris, wo das Lampenschirmkleid in die Modewelt einkehrte. Durch den russischen Designer Bakst wurden auch Pelzverbrämungen wieder populär, mit denen er seine Modelle dieser Kleider verzierte.[11] Fast zeitgleich (1910-1914) trugen die Frauen auch den modischen Humpelrock, ein sehr enger bodenlanger Rock. Durch den Einfluss der Pariser Mode war die Pelzstola ein passendes Accessoire.[12] 'Pelzbordüren wurden sogar genutzt, um den unteren Rockteil an Sommerkleidern enger zu fassen.'[13]

Um sich von anderen abzugrenzen, war der Dresscode für Frauen wohlhabender Schichten in den 1930er-Jahren das Pariser Kostüm. 'Zobel, Chinchilla, Nerz, Persianer und Silberfuchs wurden gerne verwendet, um den maßgeschneiderten Ensembles Eleganz zu verleihen.'[14] Als Cocktailpartys rund zwanzig Jahre später an zunehmender Beliebtheit erfuhren, etablierten sich die Etui-Kleider, wie z. B. das kleine Schwarze getragen von Audrey Hepburn im Film „Frühstück bei Tiffany“ im Jahre 1961.[15]

Während eine Frau dieser Zeit beim Tragen einer Pelzstola als „overdressed“ galt, wurde 'Pelz [für Männer 1967] zum Synonym für das verruchte Image der Rolling Stones.'[16] Über den dekorativen und ausgefallenen Hemden trugen z. B. Brian Jones und Keith Richards Pelze und Pelzmäntel vom Trödel.[17]

Tierrechtsorganisationen wie PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) deckten seit 1970 beispielsweise Grausamkeiten in den Pelzfarmen auf, wodurch besonders in den USA oder Großbritannien 'Pelzmode […] zu einem sehr sensiblem Thema geworden'[18] ist. 'In Europa [v. a. In Italien und Spanien] erlebt[e] der Pelz dagegen eine Art Renaissance [, seit Karl Lagerfeld 1965] für Fendi Pelze entwerfen sollte. […] In den letzten Jahren wurden die Pelze gefärbt und die Verarbeitung abgewandelt, sodass die Unterscheidung zwischen echt und falsch inzwischen schwerfällt.'[19] Heute sind Accessoires wie Pelzkrägen an Jacken oder Pelzbommel an Wollmützen vor allem aus Kunstfell sehr beliebt. Nicht selten kommt jedoch es vor, dass in diesen das Fell von Kaninchen oder Marderhunden verarbeitet und ohne Konsequenzen falsch etikettiert wurde, da diese von chinesischen Firmen sehr preiswert angeboten werden.[20] Etikettierte echte 'Pelze der Marderhunde aus China werden unter Decknamen wie Seefuchs, Enok oder chinesischer Racoon, verkauft. So wird vertuscht, dass sie Mitglieder der Hundefamilie sind'.[21] Obwohl in Deutschland kaum noch eine Herstellung echter Pelze stattfindet, steigt der Umsatz der Kürschner im Einzelhandel durch den Verkauf modischer und alltagstauglicher Fellapplikationen und -Accessoires anstelle des klassischen Pelzmantels.[22]

3. Herkunft und Herstellung von Pelz

Obwohl eine Studie ergab, dass rund 84 % der Deutschen das Tragen von Pelz ablehnen[23], werden schätzungsweise allein 'in China jährlich bis zu 70 Millionen Tiere für die Pelzindustrie getötet'[24], von denen über die Hälfte für den europäischen Markt importiert werden. Ca. 85 % der Felle der weltweiten Pelzindustrie stammen aus der Haltung von Pelzfarmen[25], während 15 % der Felle von den Tieren gewonnen wird, die aus freier Wildbahn gefangen wurden.[26]

Der weltweit größte Pelzexporteur ist China, aber auch Bangladesh, Skandinavien, Nordamerika, Russland, Polen und baltische Länder betreiben die Farmhaltung zur Züchtung der Tiere für ihre Felle.[27] Die strengen Gesetze in Deutschland führten dazu, dass die Pelzindustrie in Deutschland kaum noch betrieben wird.[28]

'Zu den Tieren, die am häufigsten auf Pelzfarmen gehalten werden, gehören Nerze, gefolgt von Füchsen. Doch auch Chinchillas, Luchse, Kaninchen, Hunde, Katzen und […] Hamster werden für den Pelzhandel gezüchtet.'[29] So werden beispielsweise jährlich 10 Millionen Marderhunde in China oder 70 Millionen Kaninchen in Frankreich ihren Felles wegen getötet.[30] Trotz des Handelverbots in Europa mit Hunde- und Katzenfellen seit 2009, verstecken diese sich häufig hinter bestimmten Tarnnamen.[31] (s. Anhang)

Tiere auf Pelzfarmen werden in kleinen Drahtgitterboxen mit Draht-, Beton- oder Gitterböden in der Größe eines Schuhkartons gehalten, bis sie auf dem Pelzgroßhandel verkauft bzw. umgebracht werden.[32] Es gibt verschiedene Tötungsmöglichkeiten, die hierbei angewendet werden. Diese richten sich jedoch nicht nach der Schonung des Tieres sondern des Felles, das für den Verkauf die bestmögliche Qualität besitzen muss.[33]

Um das Fell nicht zu beschädigen, werden die Farmtiere mit Knüppeln erschlagen oder in manchen Ländern auch mit einem Elektroschock ums Leben gebracht. Bei Chinchillas wird teilweise ein Genickbruch angewandt und bei Nerzen wird häufig die Tötung durch ungefilterte Auspuffgase aus LKW-Motoren bevorzugt. Anschließend wird die Häutung beginnend an den Beinen vollzogen, wobei 'bei manchen Tieren […] das Herz noch 5 bis 10 Minuten [schlägt,] nachdem ihnen die Haut abgezogen wurde.'[34]

Ebenso werden Tiere aus freier Wildbahn für ihr Fell gefangen, darunter u. a. 'Bisam, Waschbär, Coyote, Opossum, Nutria, Rotfuchs, Wildkanin, Hamster, Wiesel, Biber, Feh, Luchskatze, Zobel und (erwachsene) Robben'.[35] Zum Fang wild lebender Tiere gehört 'der umstrittene Fallenfang […], weil etwa nachtaktiven Tieren nur so beizukommen ist.'[36] Hierzu werden verschiedene Fangmethoden eingesetzt, die aber in Teilen der EU oder der USA verboten sind. Tellereisen auf dem Boden oder Stangenfallen auf Bäumen werden zum Zuschnappen am Bein des Tiers aufgestellt. Weitere Methoden sind Unterwasserfallen, die zum Ertrinken von beispielsweise Bibern oder Bisamratten führen, aber auch sogenannte Conibear-Fallen, die das Genick der Tiere mit mehr als 6 Bar zertrümmern.[37]

[...]


[1] Burgschat, M., Schmickler, B. (2014)

[2] Vgl. Statistik echte Pelze

[3] Vgl. Bezeichnungen der Pelzbranche und ihre Bedeutung

[4] Vgl. König, S. (o. J.)

[5] Vgl. Bertels, U., Bußmann, C. (2013), S. 133 f.

[6] Bertels, U., Bußmann, C. (2013). S. 133

[7] Vgl. König, S. (o.J.)

[8] König, S. (o. J.)

[9] Stevenson, N. (2011). S. 18

[10] Stevenson, N. (2011). S. 19

[11] Vgl. Stevenson, N. (2011). S. 78

[12] Vgl. Stevenson, N. (2011). S. 82.

[13] Stevenson, N. (2011). S. 83

[14] Stevenson, N. (2011). S. 111

[15] Vgl. Stevenson, N. (2011). S. 160f.

[16] Stevenson, N. (2011). S. 190.

[17] Vgl. Stevenson, N. (2011). S. 190 f.

[18] Tucker, A., Kingswell, T. (2000). S. 114.

[19] Tucker, A., Kingswell, T. (2000). S. 115.

[20] Vgl. Burgschat, M., Schmickler, B. (2014)

[21] Grimm, K. (2014)

[22] Vgl. Weisskopf, L. (2013)

[23] Vgl. Körting, O. (2015)

[24] Grimm, K. (2014)

[25] Vgl. Hintergrundwissen Pelz

[26] Vgl. Fellherkunft und Gewinnung

[27] Vgl. Quelle der Felle

[28] Vgl. Grimm, K. (2014)

[29] Hintergrundwissen Pelz

[30] Vgl. Körtig, O. (2015)

[31] Vgl. Bezeichnung der Pelzbranche und ihre Bedeutung

[32] Vgl. Grimm, K. (2014)

[33] Vgl. Burgschat, M., Schmickler, B. (2014)

[34] Hintergrundwissen Pelz

[35] Fellherkunft und Gewinnung

[36] Felle aus Schadensbegrenzung

[37] Vgl. Hintergrundwissen Pelz

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668146044
ISBN (Buch)
9783668146051
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314890
Note
1,3
Schlagworte
Mode Tierleid in der Mode Pelz Tierleid Pelzapplikationen Modeindustrie kultureller Vergleich Herstellung Herkunft Tierleidfreie Alternativen

Teilen

Zurück

Titel: Tierleid in der Mode. Geschichte und Herstellung von Pelz