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Los Angeles School of Urbanism. Charakteristische Prozesse der Umstrukturierung postmoderner Städte

Seminararbeit 2009 10 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Allgemeines, Grundlagen

Leseprobe

Inhalt

1. Versuch einer Definition des Begriffs „Postmoderne“

2. Sechs Restrukturierungsprozesse postmoderner Städte
2.1 Restrukturierung I: Die Entstehung von Expolis
2.2 Restrukturierung II: Die Einführung einer neuen Industriegeographie
2.3 Restrukturierung III: Die Formation von Weltstädten
2.4 Restrukturierung IV: Die repolarisierte Metropole
2.5 Restrukturierung V: Die kerkerhafte Stadt
2.6 Restrukturierung VI: simulacrum – Das Trugbild Stadt

3. Stadtmodell der Los Angeles School of Urbanism

4. Blick in die Zukunft

Literaturverzeichnis

1. Versuch einer Definition des Begriffs „Postmoderne“

Postmoderne wird definiert als „(gegenwärtige) Zeit, die der Moderne folgt u. sich durch Vielfältigkeit im künstlerischen, kulturellen, wirtschaftlichen sowie wissenschaftlichen Bereich auszeichnet“ (Die aktuelle deutsche Rechtschreibung 1996, S. 899).

Unklar bleibt allerdings, ob es sich bei der Postmoderne nicht einfach um eine Weiterentwicklung der Moderne handelt oder, ob man wirklich von einer neuen Kulturepoche sprechen kann. Aber auch die Stadtforschung hat sich mit diesem Thema auseinander gesetzt, obwohl es bislang keine hinreichende Definition des Begriffs gibt. Vor allem die Los Angeles School of Urbanism um den Geographen Edward Soja hat sich Mitte der 1980er Jahre mit der postmodernen Stadt beschäftigt (Dear 2005).

2. Sechs Restrukturierungsprozesse postmoderner Städte

Am Beispiel von Los Angeles, dessen Stadtentwicklung bis dahin als sonderliche Ausnahme angesehen wurde, wurden „sechs Geographien“, besser gesagt Umstrukturierungsprozesse, die charakteristisch für postmoderne Städte sind, bestimmt, die im Anschluss erläutert werden (Schmid 2005).

2.1 Restrukturierung I: Die Entstehung von Expolis

Die Einteilung in Stadtkern und Peripherie wird der heutigen Stadtstruktur nicht mehr gerecht. Soja hat diesen Restrukturierungsprozess Expolis genannt. Damit beschreibt er die postmoderne Stadt als Stadt „ohne“ Außenstadt. Das bedeutet, dass die Vorstädte, die wir uns vorstellen nicht länger „vor“-städtisch sind, sondern dass diese Agglomerationen geschlossen und eigenständig sind (Soja 1993). „Die neue Stadt ist weder städtisch noch ländlich noch vorstädtisch – sie besitzt all diese Elemente gleichzeitig und entzieht sich damit der konventionellen Terminologie der Stadtplaner wie der Historiker“ (Fishman 1991, S. 75).

Diese, im urbanen Umland entstandenen Agglomerationen werden als Edge City bezeichnet. Sie entstehen bevorzugt da, wo sich die Stadtautobahn kreuzt (Dear 2005). Edge Citys sind vollkommen selbstständig. Es gibt dort Arbeitsplätze, Einkaufsparadise und Freizeiteinrichtungen. Diese Suburbanisierung war vor allem politisch bedingt. Einerseits hat die Wohnungsbaupolitik Neubauten gegenüber der Erhaltung älterer Bausubstanz stärker gefördert. Andererseits hat auch die Steuerpolitik, die es erlaubte die Hypothekenzinsen steuerlich vom Gehalt abzusetzen, zu der raschen Suburbanisierung beigetragen. Ausschlaggebend war aber auch die private Motorisierung und der Ausbau des Autobahnnetzes, das vor allem von den Steuerzahlern finanziert wurde (Diercke).

Mittlerweile kann man mindestens vier dieser Außen-Städte im Umland von Los Angeles benennen.

Diese Stadtgebiete haben sich in den letzten 30 Jahren so rasend schnell entwickelt, sodass es nicht mehr angebracht erscheint sie als „vorstädtisch“ zu deklarieren.

Die wohl bekannteste ist Orange County mit mehr als 2,5 Mio. Einwohner, die sich auf ca. 50 Städte verteilen.

Die zweite mit ca. gleich vielen Einwohnern wird meist nur als „The Valley“ bezeichnet und schließt das halbe Gebiet der City von Los Angeles und mehrere Gemeinden in Richtung Ventura County ein.

Das dritte Gebiet umfasst die Küstenregion von Malibu bis nach Long Beach, dessen Mittelpunkt der internationale Flughafen von Los Angeles bildet. Diese Region wird außerdem manchmal als „Aerospace Alley“ bezeichnet, weil dort die Militärindustrie einen großen Standort hat.

Jedoch hat die postmoderne Stadtentwicklung auch seine Schattenseiten, wie die vierte Außenstadt, die das östliche Gebiet von Los Angeles einschließt und bis nach San Bernardino und Riverside County reicht, zeigt. Aufgrund des Erfolgs in Orange County und in Erwartung eines ähnlichen Beschäftigungswachstums, wuchs das Siedlungsgebiet in Moreno Valley rasant. Doch die erhoffte Entwicklung postmoderner Industriezweige blieb in diesem Gebiet aus. Aus dem Fehlen der Steuereinnahmen der Industrie resultieren dramatische Folgen für die Einwohner von Moreno Valley. Überbelegte Schulen, mangelhafte öffentliche Dienstleistungen und das stundenlange Pendeln zur Arbeitsstelle sind nur einige Beispiele dafür, worunter die Menschen in diesem Gebiet zu leiden haben (Soja 1993).

2.2 Restrukturierung II: Die Einführung einer neuen Industriegeographie

In dieser Sektion wird besonderes Augenmerk auf den Wandel fordistischer, auf Massenanfertigung ausgerichteter Produktion, wie zum Beispiel der Reifenindustrie, hin zu postfordistischen Mechanismen gelegt. Die ursprüngliche fordistische Produktion von Eisen oder Stahl wurde fast vollkommen eingestellt (Diercke).

Unter Postfordismus versteht man die Herstellung vor allem kleinerer Serien- und Stückzahlen , die in Zusammenarbeit kleinerer und mittlerer Betriebe produziert werden. Diese flexiblen Produktionsweisen haben das schnelle Wachstum der Außen-Städte ermöglicht (Dear 2005).

Besonders stark zeigt sich dieser Wandel in den „Technopolen“ von Los Angeles. Das sind hoch technologisch entwickelte Unternehmen, die sich zu Industrieparks zusammen schließen (Heineberg 2006). Es waren elektronische Produkte, die den „Technopolen“ Südkaliforniens weltweite Anerkennung verschafft haben.

Standorte für diese neuen Produktionsmechanismen lagen nun außerhalb der gewöhnlichen Gewerbegebiete (Soja 1993).

Neben diesen „Technopolen“ hat die postfordistische Arbeitsweise noch das Entstehen zweier weiterer neuartiger Industriegebiete begünstigt. Einerseits gibt es die Produktionsstätten, die davon profitieren, dass viele kleiner Betriebe räumlich gesehen nahe zusammen sind, sodass sie voneinander profitieren und zusammen arbeiten können. Diese meist handwerklichen oder gewerblichen Unternehmen sind so in der Lage flexibel zu produzieren, das heißt also auf die Trends der Weltmärkte zu reagieren.

Auf der anderen Seite sind auch Industriegebiete dort entstanden, wo besondere steuerliche Vergünstigungen gelockt haben und der Kommunikations- und Informationssektor gut ausgebaut war. Diese Art von Betrieben entstanden aber vermehrt in den innerstädtischen Zentren.

Aber auch der Stadtkern von Los Angeles hat nicht aufgehört sich zu wandeln. Vor allem der Finanzsektor, der sehr schnell gewachsen ist, kann mit anderen finanzstarken Städten, wie New York, Tokio oder London Schritt halten (Soja 1993).

2.3 Restrukturierung III: Die Formation von Weltstädten

Der Tatsache, dass sich Los Angeles zu einer Weltstadt entwickelt hat, liegen vor allem die globalen Investitionen und der enorme Zufluss an billigen Arbeitskräften, insbesondere aus Lateinamerika und Asien stammend, zu Grunde. Während sich nun das Geschäftszentrum mit Hilfe ausländischer Investoren doch noch stark entwickelte, entstand um die downtown herum ein Kreis der verschiedensten Kulturen weltweit. Einige Beispiele hierfür sind die größte koreanische Siedlung außerhalb Koreas oder das sich sehr schnell entwickelte lateinamerikanische „barrio“, indem nahezu 95 % der Bewohner lateinamerikanisch sind, das ehemals aber ein Gebiet war, in dem fast nur Weiße lebten.

Los Angeles ist also eine Weltstadt des weltweiten Kapitals, das vor allem aus Japan, Kanada und Europa floss. Der Erfolg von Los Angeles muss also in globaler Zusammenarbeit gesehen werden (Soja 1993). Los Angeles wird aber auch als „Dritte-Welt-Stadt“ bezeichnet, weil sich viele Elendsviertel gebildet haben (Heineberg 2006).

„[...] die (wohl) heterogenste Stadt der Welt“ (Dear 2005, S. 31) birgt aber auch ein großes Konfliktpotential in sich. Einige Analysten sind der Meinung, dass diese Mixtur von verschiedenen Kulturen zu Rassismus und sozialem Ungleichgewicht führt. Andere verstehen diese Situation sogar als Chance (Dear 2005).

Ein anderer Aspekt betrifft beispielsweise die starke internationale Position, die Los Angeles im weltweiten Verkehrsnetz hat. Der Flughafen von Los Angeles, kurz LAX, fertigt pro Jahr ungefähr 60 Millionen Menschen ab und ist somit einer der größten Flughäfen weltweit (KLM). Auch wenn die Zahl der umgesetzten Container sinkt, belegt Los Angeles 2007 mit seinem Hafen immer noch einen Platz im Mittelfeld der weltweit 20 größten Häfen (Nordcapital).

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Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668144705
ISBN (Buch)
9783668144712
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315043
Institution / Hochschule
Universität Passau – Lehrstuhl für Anthropogeographie
Note
2
Schlagworte
Los Angeles School of Urbanism Postmoderne postmoderne Stadtplanung postmoderne Stadtforschung Los Angeles

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Titel: Los Angeles School of Urbanism. Charakteristische Prozesse der Umstrukturierung postmoderner Städte