Lade Inhalt...

Die filmische Adaption Oskar Schindlers

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Oskar Schindler im realen Leben

3.Charakterisierung und Entwicklung OskarSchindlersimFilm
3.1 Oskar Schindler in Krakau
3.2 Oskar Schindlers Wandlung
3.3 Oskar Schindler in Brünnlitz

4.Vergleich mit der Darstellung im Buch

5.Schlussbetrachtung

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In den Beschlüssen der Wannseekonferenz vom 20. Januar 19421 gipfelte die Ideologie des Nationalsozialismus mit ihrem Rassenwahn darin, alle Juden restlos in Konzentra­tionslagern zu vernichten. Damit begann das wohl dunkelste Kapitel des Zweiten Welt­krieges. Während dieser Zeit gab es Menschen, die zunächst dem nationalsozialistischen System zugewandt waren, jedoch mit voranschreitender Grausamkeit in Hinblick auf die Judenverfolgung und -Vernichtung ein Bewusstsein dafür entwickelten, aktiven so­wie verschleierten Widerstand zu leisten. Einer dieser wohl bekanntesten Helfer ist Oskar Schindler, welcher durch eine Rettungsaktion in Form einer Liste zahlreiche Juden vor dem sicheren Tod rettete.

„Eintausendachtundneunzig Juden hatten den Krieg vor allem dank seiner Bemühungen überlebt; außer ihnenjedoch wußten nur wenige Menschen von Schindlers Heldentaten.“2

In den Fokus der breiten Öffentlichkeit wurde dieser Retter durch das Buch von Thomas Keneally3 mit dem Titel Schindlers Liste und der gleichnamigen Verfilmung von Steven Spielberg4 gerückt. Der Kinofilm übertraf indes bei weitem das Buch „in offizieller Anerkennung und kommerziellem Erfolg“5. Hauptfigur beider Medien ist die eindrucksvolle Persönlichkeit Oskar Schindler. Die Problematik, die sich dabei zeigt, ist die, wie eine solche aufsehenerregende Figur, die sich im fürchterlichen Umfeld des Holocaust wiederfindet, in einem Film dargestellt wird oder werden kann. Eine schein­bare Lösung dafür gibt Stahlecker mit der folgenden Aussage vor:

„Der Protagonist Oskar Schindler entwickelt sich im Laufe des Filmes vom Täter in Gestalt eines Ausbeuters der Juden [...] zu ihrem Retter, was ihn als dynamisch konzipierte Figur kennzeichnet.“6

Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, die Frage zu klären, wie die Persönlichkeit Oskar Schindler im Film dargestellt wird und welche Entwicklung er dabei vollzieht? Es soll untersucht werden, wie die Figur im Film adaptiert wird. Dabei wird der Roman Schindlers Liste von Thomas Keneally zu einem Vergleich herangezogen. Um diese Zielstellung zu erfüllen, ist die Arbeit folgendermaßen gegliedert. Zunächst dient die Darstellung Oskar Schindlers im realen Leben als theoretischer Rahmen. Das darauffol­gende Kapitel analysiert die Charakterisierung und Entwicklung der Figur Oskar Schindler im Film, um die eingangs gestellte Fragestellung zu beantworten. Im An­schluss der filmischen Untersuchung soll ein kurzer Vergleich mit dem Buch hergestellt werden, um aufzuzeigen, ob und welche Differenzen in der Darstellung der Figur Oskar Schindlers zwischen Buch und Film vorliegen. Abschließend fasst eine Schlussbetrach­tung die wichtigsten Aspekte der Arbeit zusammen und dient zugleich der Rückführung zum Thema.

2. Oskar Schindler im realen Leben

Geboren wurde Oskar Schindler, welcher deutscher Abstammung war, am 28. April 1908 in Zwittau im Sudetenland. Sein trinksüchtiger und frauenliebhabender Vater Johann Schindler führte eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen und war verhei­ratet mit Franziska Schindler. In seiner schulischen Laufbahn trat Oskar Schindler nicht durch überragende Leistungen hervor und erreichte statt eines Abiturs somit nur die mittlere Reife. Danach besuchte er diverse Gewerbeschulen und absolvierte technische Prüfungen, um anschließend im Betrieb seines Vaters zu arbeiten. 1928 ehelichte er seine Frau Emilie in Zwittau und zog zusammen mit ihr in sein Elternhaus. Bereits zu dieser Zeit war Schindler oft auswärts, da ihn der Motorsport fesselte. Seine Zeit nach der Eheschließung war gekennzeichnet durch Arbeitsplatzwechsel, den Wehrdienst sowie ein Jahr Arbeitslosigkeit. Auch verfiel er dem Trinken und geriet unter anderem dadurch in geringfügigere Schwierigkeiten mit der Polizei, welche sich in den Jahren zwischen 1932 bis 1938 häuften. Trotz solcher Verstöße gegen das Gesetz anerkannte seine Frau jedoch seine „Freundlichkeit und seine Bereitschaft, anderen zu helfen“7. Doch er verfiel nicht nur dem Alkoholismus. Auch seine Vorliebe zu außerehelichen Vergnügungen - in annähender Analogie zu seinem Vater - kristallisierte sich bereits wenige Jahre nach seiner Heirat heraus. So pflegte er Affären mit anderen Frauen und zeugte auch uneheliche Kinder. 1935 trat Schindler der Sudetendeutschen Partei bei und nahm Verbindungen zum militärischen Geheimdienst des Deutschen Reiches auf. Er wagte somit erste Schritte in politische Kreise. Seine anfangs zaghaften politischen Be­rührungen gipfelten schließlich im Jahre 1939 in dem Beitritt zurNSDAP.8

Wie bereits oben erwähnt, zeigen sich bei Oskar Schindler Parallelen zu den Gewohnheiten und Vorlieben seines Vaters. Auch in unternehmerischer Hinsicht trat Schindler in dessen Fußspuren. Nachdem Deutschland 1939 Polen besetzt hatte, machte sich auch Schindler auf den Weg nach Krakau, um seine geschäftliche Karriere voran­zutreiben.9 Er verfügte dabei über den notwendigen „Ehrgeiz und Durchsetzungsver­mögen“10, Charaktereigenschaften, die neben Kontakten erforderlich waren, um ein geschäftliches Unternehmen im besetzten Polen zu gründen. 1939 pachtete er die Firma Rekord, die von dreijüdisehen Kaufleuten aufgebaut wurde und im Sommer 1939 Kon­kurs anmeldete.11 Schließlich führte Schindler in Krakau drei Betriebe, zu denen unter anderen die kriegswichtige Deutsche Emailwaren Fabrik12 gehörte. Neben polnischen Arbeitern bestand der Großteil der Beschäftigten aus jüdischen Häftlingen, die er später bewusst vor der Deportation bewahrte.13

„Während seiner ersten Jahre in Krakau hatte Schindler kein größeres Inte­resse als Geld zu verdienen; dieses Ziel forderte unvermeidlich moralische und wirtschaftliche Kompromisse. Doch mit dem Fortgang von Krieg und Judenvemichtung hat Oskar Schindler einen Wandel durchgemacht.“14

Aus seiner anfänglichen Profitgier, welche sich beispielsweise durch Schwarz­marktgeschäfte äußerte, entwickelte sich das Bedürfnis zu helfen. Damit er seine jüdi­schen Arbeiter vor der Unmenschlichkeit und Willkür in Amon Göths Zwangsarbeitsla­ger Plaszöw bewahren konnte, nutzte er seine Beziehungen zu höheren deutschen Be­amten in der Rüstungsverwaltung dazu, um 1943 ein Nebenlager auf dem Firmengelän­de der Emalia zu errichten. Er wurde zum Beschützer der Juden, weil er damit für ihre Gesundheit und angemessene Ernährung sorgte. Als im Herbst 1944 die rote Armee nach Westen vorrückte und viele Unternehmer samt ihres Gewinns in das Deutsche Reich zurückkehrten, entschied sich Schindler dafür, in Brünnlitz erneut eine Fabrik einschließlich eines Nebenlagers zu eröffnen. Dort beschäftigte er über 1000 Juden, von denen die meisten den Holocaust dank seiner Bemühungen überlebten.15 Mietek Pemper äußert sich als Zeitzeuge über ihn folgendermaßen:

„Ohne Oskar Schindlers Mut und ohne seinen kontinuierlichen Einsatz für uns Juden in Krakau-Plaszów, später in Brünnlitz und auch anderswo hätten wir nicht überleben können. Schindler gab mir den Mut zum Widerstand, denn er half, wo immer er konnte. [...] Er zeigte in allen Situationen ent­schlossene Tatkraft und tiefe Menschlichkeit, die darin ihren Ausdruck fand, daß er „seinen Juden“ um jeden Preis helfen und sie am Leben erhalten wollte.“16

Nach der Befreiung durch die Alliierten ließen sich Oskar und seine Frau in Re­gensburg nieder, bis sie 1949 nach Argentinien auswanderten.17 Nach erfolglosen Ver­suchen, die Selbstständigkeit als Unternehmer wiederzuerlangen - sowohl in Argentini­en als auch nach der Rückkehr in Westdeutschland -, lebte er zurückgezogen. „Sein Leben in den 1960er Jahren war bestimmt durch finanzielle und gesundheitliche Probleme“18. Seit dieser Zeit bis zu seinem Tod19 1974 wurde er emotional und finanzi­ell von den Schindlerjuden unterstützt.20

3. Charakterisierung und Entwicklung Oskar Schindlers im Film

„Angesichts der miterlebten Vernichtungsspirale von Menschenverachtung, Mordwillkür und Todestransporten wandelt er sich unter Sterns Einfluss langsam vom opportunistischen Kriegsgewinnler zum listigen Retter seiner jüdischen Arbeiter, der dafür sein gesamtes zuvor zusammengerafftes Ver­mögen einsetzt und [...] in dieser Wende zum Guten zugleich vom Salon­löwen und Frauenhelden geläutert zu seiner verlassenen Ehefrau zurückfin-det 21

[...]


1 Vgl.: Hermann Kinder; Werner Hilgemann: dtv - Atlas Weltgeschichte. München: Deutscher Taschen­buch Verlag 1991, Bd. 2, S. 483.

2 David Crowe: Oskar Schindler. Die Biographie. Frankfurt am Main: Eichbom Verlag 2005, S. 13.

3 Vgl.: Thomas Keneally: Schindlers Liste. München: Bertelsmann Verlag 1994.

4 Vgl.: Schindlers Liste (USA 1993). Oscar Edition. Hamburg: Universal Pictures Germany GmbH 2006.

5 Helmut Korte: Hollywoodästhetik und die deutsche Geschichte. Schindlers Liste (Spielberg 1993). In: Einführung in die systematische Filmanalyse. Ein Arbeitsbuch. Hg. v. Helmut Korte. Berlin: Erich Schmidt Verlag 2010, S. 168.

6 Markus F. Stahlecker: Steven Spielbergs „Schindlers Liste“. Eine Filmanalyse. Aachen: Shaker Verlag 1999, S. 35.

7 David Crowe (2005): S. 22.

8 Vgl. ebd.: S. 14-24.

9 Vgl. ebd.: S. 90.

10 Ebd.: S. 115.

11 Vgl. ebd.

12 In der Deutschen Emailwaren Fabrik (DEF) wurden Schüsseln, Töpfe, Pfannen und Kessel für die Wehrmacht angefertigt. Vgl.: Mietek Pemper: Der Rettende Weg. Schindlers Liste - die wahre Geschich­te. Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 2005, S. 99.

13 Vgl.: David Crowe (2005): S. 164.

14 Ebd.: S. 159.

15 Vgl. ebd.: S. 167-168.

16 Mietek Pemper(2005): S. 111.

17 Vgl. David Crowe (2005): S. 533.

18 Ebd.: S. 599.

19 Seine Verbundenheit mit den Juden zeigt sich besonders darin, dass er auf dem lateinischen Friedhof am Zionsberg in Jerusalem beerdigt wurde. Vgl. ebd.: S. 653.

20 Vgl. ebd.: S. 599.

21 Helmut Korte (2010): S. 168.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668149113
ISBN (Buch)
9783668149120
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Germanistik
Erscheinungsdatum
2016 (Februar)
Note
2,3
Schlagworte
Oskar Schindler Charakterisierung Schindler

Autor

Zurück

Titel: Die filmische Adaption Oskar Schindlers