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Die Entwicklung der Muslimbruderschaft von Hasan al-Banna bis Sayyid Qutb

Hausarbeit 2015 10 Seiten

Theologie - Islamische Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Die Vorgeschichte der Muslimbruderschaft

3. Ḥasan al-Bannā und die Entstehung der Muslimbruderschaft

4. Sayyid Quṭb und seine Ideologie

5. Vergleich der Ideologien von al-Bannā und Quṭb

6. Literaturverzeichnis

Die Entwicklung der Muslimbruderschaft von Ḥasan al-Bannā bis Sayyid Quṭb „Allah ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Vorbild. Der Qurʼān ist unsere Verfassung. Der Ğihād ist unser Weg. Der Märtyrertod auf dem Pfad Gottes ist unsere größte Hoffnung.“- mit diesen fünf markanten Sätzen fasste Ḥasan al- Bannā die Grundüberzeugungen der Muslimbrüder zusammen. Die Muslimbruderschaft gilt heute als die älteste und einflussreichste Organisation des politischen Islam weltweit. Die wichtigsten Akteure und Ideologen der Muslimbruderschaft sind Ḥasan al-Bannā, der Gründer der Bruderschaft, und der islamische Denker Sayyid Quṭb. Während al-Bannā die Schaffung eines islamischen Staates als eine innergesellschaftliche Erziehungsaufgabe betrachtet, steht für Quṭb der revolutionäre Umsturz der bestehenden Regime und Staaten im Mittelpunkt. In der vorliegenden Arbeit wird die Geschichte der Muslimbruderschaft von ihrer Gründung im Jahr 1928 durch Ḥasan al-Bannā bis zu ihrer Entwicklung zu einer internationalen Organisation geschildert. Dabei werde ich das Leben und die Ideologie von al-Bannā und Quṭb beschreiben und darüber hinaus auf die Radikalisierung der Ideologie durch Sayyid Quṭb eingehen. Mit einem Vergleich der Ideen beider Ideologen werde ich meine Arbeit anschließend beenden.

Vorgeschichte der Muslimbruderschaft Um die Entstehung der Muslimbruderschaft zu verstehen, muss man die Geschichte der islamisch geprägten Länder ab Ende des 19. Jahrhunderts in Betracht ziehen. Die britische und französische Kolonialherrschaft über Ägypten und andere muslimische Gebiete und der Zusammenbruch des Osmanischen Reiches als auch die Abschaffung des Kalifats durch die modernistischen Bewegungen in der Türkei um Kemal Atatürk führten zu einer Identitätskrise unter den muslimischen Gelehrten.1 Die Muslime mussten sich dringend von der Fremdherrschaft befreien und sich für die Stärkung des Islams und der islamischen Gesellschaft einsetzen. Diese Zustände haben die Gründung der Muslimbruderschaft maßgeblich beeinflusst.

Ḥasan al-Bannā und die Entstehung der Muslimbruderschaft Ḥasan al-Bannā (1906-1949) wächst in traditionellen Verhältnissen in einem Dorf nordwestlich von Kairo auf. Sein Vater ist neben seiner Haupttätigkeit als Uhrmacher Lehrer und Vorbeter in der Moschee.2 Als al-Bannā im Jahr 1923 aufgrund eines Studiums nach Kairo reist, ist er zutiefst bestürzt von den Verhältnissen, die sich ihm offenbaren. Abgesehen davon, dass die Bevölkerung seiner Ansicht nach einem unislamischen Leben nachgeht, sind alle wichtigen politischen und wirtschaftlichen Positionen von Europäern oder ihnen nahestehenden Ägyptern besetzt. Diese bereichern sich hemmungslos auf dem Rücken einer riesigen, verarmten ägyptischen Bauernschaft.3 Um den verlorenen Stolz und die Unabhängigkeit zurück zu erobern, ist eine Befreiung von Kolonialismus, Rückständigkeit und westlicher Bevormundung dringend erforderlich. Demzufolge sieht er die Islamisierung der Gesellschaft als einzige Lösung für die Krise der arabischen Welt. Mit dieser Überzeugung tritt er 1927 seine erste Stelle als Dorfschullehrer in der Stadt ismāʿīliyya am Suezkanal an. Dort trifft al-Bannā nicht nur auf die größte Militärbasis in Ägypten und auf die ausländische Suez Canal Company, sondern auch auf die Stadt mit den größten europäischen Einflüssen in Ägypten. Selbst die Namen der Straßen und Moscheen sind in europäischen Sprachen verfasst. Überall in der Stadt spiegelt sich die Fremdherrschaft wieder. Es herrscht strikte Rassentrennung zwischen wohlhabenden Ausländern und verarmten Einheimischen. Ägypter werden in ihrem eigenen Land als Menschen zweiter Klasse behandelt, die Fremden dienen. Viele von ihnen haben sich mit der Fremdherrschaft abgefunden.4 Diese Zustände veranlassen al-Bannā, auf öffentlichen Plätzen gegen die sozialen Missstände zu predigen. Seine einfache Parole lautet: „Der Islam ist die Lösung.“5

[...]


1 Murtaza, Muhammad Sameer, 2011, S.27.

2 Vgl. Ulfkotte, Udo.K., Heiliger Krieg in Europa. Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht, Frankfurt am Main 2007, S.120.

3 Vgl. Aslan, Reza, 2006, S.257.

4 Vgl. Murtaza, Muhammad Sameer, 2011, S.37.

5 Aslan, Reza, 2006, S.258.

Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668147478
ISBN (Buch)
9783668147485
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315324
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Islamische Studien
Note
1,3
Schlagworte
Muslimbruderschaft Sayyid Qutb Muslimbrüder Hasan al-Banna Islam Geschichte Ägypten Radikalisierung

Autor

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Titel: Die Entwicklung der Muslimbruderschaft von Hasan al-Banna bis Sayyid Qutb