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Die Islamische Handelsschifffahrt und die Verbreitung des Islams im Indischen Ozean vom 8. Jahrhundert bis zum 15. Jahrhundert

Forschungsarbeit 2014 16 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Islamwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsangabe

I. Einleitung

II. Die Herausbildung islamischer Handelsverbindungen und Handelsniederlassungen in China.
a. Anfänge der Persischen und Arabischen Handelsbeziehungen mit China
b. Entwicklung der Handelsbeziehungen der Muslime mit China

III. Die Herausbildung islamischer Handelsverbindungen und Handels niederlassungen in Afrika und Indien.
a. Muslimischer Handel mit Afrika
b. Muslimischer Handel mit Indien und Südostasien

IV. Die Ausbreitung des Islams im Indischen Ozean
a. Die Wirtschaftlichen und Machtpolitischen Aspekte für die Ausbreitung des Islams
b. Der soziokulturelle Aspekt der Islamisierung

V. Schluss: Die europäische Expansion in den Indischen Ozean

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Im Indischen Ozean gibt es seit Jahrhunderten Bewegungen zwischen Indien, Afrika und der Arabischen Halbinsel. Es wurden auf dem Ozean nicht nur Handelsgütern transportiert, sondern auch schon immer Menschen und Ideen. Am deutlichsten ist das am Beispiel der Verbreitung des Islams in diesem Gebiet zu sehen. Bis zum 15. Jahrhundert existierten verschiedene Handelsmächte friedlich nebeneinander, jedoch war der Handel seit dem achten Jahrhundert vornehmlich unter der Kontrolle muslimischer Händler der arabischen Halbinsel und dem Indischen Subkontinent. Mit der ökonomischen Expansion ging auch die Verbreitung des Islam einher. Die Verbreitung des Islam an der gesamten ostafrikanischen Küste ab ca. 780 n.Chr. verdeutlicht besonders gut die frühe historische Vernetzung der Region des Indischen Ozeans und die intensiven Kulturkontakte zwischen den einzelnen Regionen. Die Verbindung von Handel und Islam ermöglichte somit eine enge Vernetzung der Region. Die Entdeckung des Seeweges nach Indien 1497/8 unter Umsegelung der Südspitze Afrikas Richtung Osten durch Vasco da Gama, markiert den Anfang der Kolonialisierung der östlichen Welt durch die Europäer. Sechs Jahre früher hatte Kolumbus mit dem Ziel, den Seeweg nach Indien zu finden, aber statt östlich, auf der Weltkugel in westlicher Richtung zu segeln, Amerika entdeckt. Somit hatten sich zwei neue koloniale Weltreiche etabliert: Spanien und Portugal. Der Einbruch der Portugiesen in den süd- und südostasiatischen Raum bedeutet für den südarabischen Raum die Zerstörung eines seit mehr als siebenhundert Jahre bestehenden Seehandelssystems, das bis China gereicht hatte. Die islamischen Anrainerregionen des Indischen Ozeans von Ostafrika bis Indonesien waren eine historische Region, in der muslimische Händler den Fernhandel mit chinesischem Porzellan, süd- und südostasiatischen Gewürzen und arabischem Kaffee dominierten. Die Portugiesen suchten den Seeweg nach Indien um die Zwischenhändler auszuschalten. Dies gelang ihnen und den nachfolgenden Holländern und Briten jedoch nur ansatzweise. Ziel dieser Hausarbeit ist es, die islamischen Netzwerke und die islamische Seefahrt im indischen Ozean bis zum Einbruch der Portugiesen näher zu untersuchen. Zuerst wird auf die Herausbildung der islamischen Handelsverbindungen und Niederlassungen eingegangen. Danach wird die Ausbreitung des Islams im Indischen Ozean näher betrachtet. Wobei zum Einen auf den wirtschaftlichen Aspekt, zum Anderen auf den soziokulturellen Aspekt eingegangen wird. Zum Schluß wird kurz auf die Expansion der Europäer in den Indischen Ozean eingegangen und somit aufgezeigt, dass der Indische Ozean nun nicht mehr ein „islamischer See“ war und die muslimischen Seefahrer den Handel dominierten, sondern die Christen.

I. Die Herausbildung islamischer Handelsverbindungen und Handelsniederlassungen in China.

Der Zusammenbruch des Persischen Reichs und die weitgehende Desintegration des Byzantinischen Reichs unter dem Ansturm der arabischen Heere im 7. Jahrhundert führte zunächst zu einem drastischen Rückgang des Fernhandels zwischen West und Ost. Erst als mit dem Kalifat der Umaiyaden, dann der Abbasiden, wieder geordnete politische Verhältnisse und noch dazu ein enormer einheitlicher Wirtschaftsraum entstanden war, wurden die alten Handelsverbindungen neu geknüpft und ein neues 'Welthandelsnetzwerk' geschaffen.

a. Anfänge der Persischen und Arabischen Handelsbeziehungen mit China.

Die aktivsten Händler dieser Subregion waren zum Perser und Araber, die naturgemäß am meisten von der Ausbreitung des Islams profitierten, die allmählich den gesamten Bereich von Nordafrika bis nach Asien hinein in einen großen, einheitlichen Wirtschaftsraum verwandelte. Unter den Arabern wiederum sticht vor allem das transregionale Netzwerk der Hadramīs ins Auge, die im Mittelalter im 13. bis 15. Jahrhundert in großer Zahl in die bedeutenden Handelsstädte dieser Zeit migrierten.1

Beim Tod Mohammeds im Jahr 632 umfasste der islamische Herrschaftsbereich bereits einen Großteil der Arabischen Halbinsel. Innerhalb eines halben Jahrhunderts dehnte sich das Kalifat seiner Nachfolger vom Iran bis Ägypten aus; etwa weitere 50 Jahre später reichte es sogar von Spanien bis Zentralasien. Damit entstand ein starker Zusammenschluss verschiedener Völker auf religiöser, politischer und wirtschaftlicher Ebene, durch dessen Verbreitung bis Ende des 13. Jahrhunderts auch die an den Indischen Ozean grenzenden Länder islamisch durchdrungen wurden. Die Verbreitung auf diesen Raum erfolgte aber, im Gegensatz zum Nahen Osten und Nordafrika, nicht auf militärischem Wege, sondern durch die Herausbildung islamischer Handelsverbindungen und Handelsniederlassungen von Kaufleuten an den Handelsposten der Handelswege nach Indien und China. Die Handelsverbindungen zwischen dem Mittelmeer und dem Indischen Ozean fanden mit der Gründung von Fustat (Alt-Kairo) im Jahr 641 einen aufstrebenden Umschlagplatz. Die zweite Handelsroute über den Persischen Golf ist mit der Gründung von Basra (um 638) und Bagdad (762) verknüpft. Der Kalif Al Mansur (Regierungszeit 754-775) soll hierzu gesagt haben: „Nun liegt kein Hindernis mehr zwischen uns und China.“.2 Muslime scheinen aber auch schon im frühen 7. Jahrhundert in Kontakt mit China gestanden zu haben. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die Muslime die vorislamische persische Tradition des Handels mit China kannten.3 Die Perser hatten schon seit Jahrhunderten gute Handelsbeziehung zu China. Im Jahre 106 v.Chr. gelangte die erste durchgehende Karawane über die Seidenstraße von China nach Persien. Dadurch erreichten nun Handelsgüter aus China und Innerasien in größerem Umfang den Mittelmeerraum. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten gab es dann ausgedehnte Handelsbeziehungen zwischen Persien und China. Persien hatte praktisch das Monopol im Chinahandel für den Transport und die Weitergabe der Waren nach dem Westen.

Mitte des 7. Jh. wurde Persien von den islamischen Heeren erobert. Im Jahre 651 wurde Yezgedird III. (632 - 651), der letzte Sasanidenherrscher, ermordet. Sein Reich wurde Teil des Umayyaden -Kalifats. Firuz, sein Sohn, kam 670 in die chinesische Hauptstadt Chang‘an, wo er Asyl erhielt.4 Chinesischen Quellen berichten, dass viele persische Familien nach dem Fall des Sasanidenreiches Zuflucht in China fanden. Aber auch bereits in früheren Jahrhunderten hatten sich persische Familien im Zuge der Handelsbeziehungen in Chang‘an angesiedelt. Auch nach der Islamisierung Persiens rissen die Kontakte zu China nicht ab.5 Sie wurden durch die zum Islam konvertierten Perser fortgesetzt. Mit diesen frühen Handelsbeziehungen gingen erste Siedlungen im süd- und südostasiatischen Raum einher. Nicht selten waren es religiöse Splittergruppen, die entlang dieser Handelsketten emigrierten. Die Araber, welche schon in der vorislamischen Zeit mit der indischen Malabarküste Handel getrieben hatten, beteiligten sich allmählich an diesem Handel.6 Wurde zuerst in chinesischen Quellen kategorisch zwischen Persern (Po-sse) und Arabern (Ta-shih) unterschieden, so überwogen letztere im Seehandel ab dem Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Abbasiden 750 und der Verlegung der Hauptstadt von Damaskus nach Bagdad am Tigris mit den nahe gelegenen Seehäfen al-Ubulla und Sīrāf.7

b. Entwicklung der Handelsbeziehungen der Muslime mit China.

Im Jahre 758 nahmen die Ta-shih und Po-sse Kanton ein, was kurzfristig zu einem Stopp des Handelsverkehrs führte.8

Kanton (arab. Khānfū) in Südchina wurde über Jahrhunderte als wichtigster östlicher Punkt einer Handelskette beschrieben, die sich vom Mittelmeerraum in den asiatischen Raum hin erstreckte. Zwar war den Händlern auch die Küste nördlich Kantons bekannt, und Muslime kamen bis Korea (arab. as-Sīla oder ash-Shīla), Khānfū aber war das wichtigste Handelszentrum im Osten. Die muslimische Handelsgemeinde (neben anderen) war so groß, dass ihr von der chinesischen Verwaltung ein eigener Qādhī zugestanden wurde. Auf dem Weg nach Kanton konnten diverse indische Häfen, die Malediven und Ceylon angelaufen werden. Danach wurde die Straße von Malakka (arab. Salāt) durchfahren, bevor an der Küste Indochinas erneut gestoppt wurde: Die Häfen Champas (arab. Sanf) und Hanoi (arab. Lūqīn) waren wichtige Stationen auf der Reise nach China. Für die ganze, nach den Monsunwinden geplante Reise inklusive kürzerer Zwischenaufenthalte berechnet Hourani mindestens ein halbes Jahr.9 Es gab sehr viele Muslimische Kolonien in Handelsstützpunkten entlang des indonesischen Archipels. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts kam es zu einem abrupten Ende des Handels zwischen Sīrāf bzw. al-Ubulla und Kanton, herbeigeführt durch politische Veränderungen in beiden Regionen. In China ging die Zeit der T´ang-Dynastie ihrem Ende zu. Auf der arabischen Seite verlagerte sich der Handelsschwerpunkt vom Persischen Golf auf den Süden der Halbinsel, begünstigt durch die wachsende Vormachtstellung der Fatimiden in Ägypten, mit Aydhāb als Sammelort an der ostafrikanischen Küste und Aden als „gateway“ to China. Der Seehandel aber ging auch nach dem 10. Jhdt. weiter. Arabische und chinesische Schiffe trafen sich im Hafen von Kalāh an der Westküste der Halbinsel von Malakka.10

Den Terminus des arabischen und persischen Handels bildete im 14. und 15. Jahrhundert die Hafenstadt Quanzhou. Obwohl die Stadt bereits im 6. Jahr-hundert Erwähnung findet, erlebt sie ihren Höhepunkt erst während der Sung-Dynastie, der Yüan-Dynastie und der MingDynastie, also zwischen dem 10. und dem 15. Jahrhundert. Genauso wie Kanton ist Quanzhou bereits Heimat einer kosmopolitischen Händlerdiaspora, was die Stadt zu einer sprudelnden Einnahmequelle, aber auch zu einem Hort potentieller Unruhen macht.11

Die Bedeutung Quanzhous erschließt sich beispielhaft aus einigen Textpassagen aus dem 13. und dem 14. Jahrhundert.

[...]


1 Siehe dazu: Freitag, Ulrike : Islamische Netzwerke im Indischen Ozean, in: Der Indische Ozean, Rothermund, Dietmar/Schwiedrzik, Susanne Weigelin (Hg.), Wien 2004. S. 61 f.

2 Conermann, Stephan: Der Indische Ozean in historischer Perspektive, Hamburg 1998, S. 153.

3 Freitag, Ulrike, 2004, S. 62 f.

4 Conermann, Stephan: Der Indische Ozean in historischer Perspektive, Hamburg 1998 S. 163 f.

5 Lehr, Peter: Region Indischer Ozean - Illusion oder Realität? Heidelberg, 2004, S.49.

6 Siehe dazu: Freitag, Ulrike, 2004, S. 63.

7 Hourani,George F.: Arab Seafaring in the Indian Ocean in Ancient and Early Mediaval Times. Princeton, N.J. 1995, S. 62.

8 Hourani, George, 1995, 62 ff.

9 Ebd., S. 62 ff.

10 Ebd., S. 75.

11 Lehr, Peter, 2004, S. 50.

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668154322
ISBN (Buch)
9783668154339
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315593
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Südasien Institut Heidelberg
Note
1.0
Schlagworte
Islam Indien Schifffahrt Handel Ummayaden

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Titel: Die Islamische Handelsschifffahrt  und die Verbreitung des Islams im Indischen Ozean vom 8. Jahrhundert bis zum 15. Jahrhundert