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Kognitive Biases bei Investitionsentscheidungen und Möglichkeiten der Fehlervermeidung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 16 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis ... II

1. Einleitung ... 1

2. Grundlagen der Investitionsentscheidung ... 1

3. Grundlagen der Ökonomie und kognitiven Psychologie ... 2

3.1 Neoklassische Theorie und Verhaltensökonomik ... 2

3.2 Kognitive Heuristiken und kognitive Verzerrungen (Biases) ... 3

3.3 Ausgewählte kognitive Verzerrungen (Biases): Framing Bias, Status-Quo Bias, Overconfidence Bias, Confirmation Bias ... 4

4. Analyse der kognitiven Biases bei Investitionsentscheidungen und mögliche Maßnahmen zur Fehlervermeidung ... 7

4.1 Das Problem der kognitiven Biases bei Investitionsentscheidungen ... 7

4.2 Maßnahmen zur Vermeidung kognitiver Biases bei Investitionsentscheidungen ... 9

5. Zusammenfassung ... 12

Literaturverzeichnis ... 13

Abkürzungsverzeichnis

bspw. beispielsweise

bzw. beziehungsweise

d.h. das heißt

u.a. unter anderem

s.o. siehe oben

sog. sogenannte

1. Einleitung

In den modernen Wirtschaftswissenschaften zeigt sich ein Wandel, der sich immer weiter von dem Modell des Homo Oeconomicus aus der neoklassischen Theorie entfernt und fortschreitet zu Modellen aus der Verhaltensökonomik, die u.a. das menschliche Verhalten betrachten.[1] Das Forschungsgebiet erstreckt sich bereits über alle Unternehmensbereiche, wodurch u.a. das Behavioral Controlling entstanden ist, welches das Verhalten von Controllern in allen Bereichen des Controlling-Prozesses erforscht.[2] Im Bereich des Investitions- und Projektcontrolling ist sich Martin Muhr, CFO zweier Tochtergesellschaften von RWE, jedoch sicher: „Es kommt auch auf das Verhalten der Manager an“[3]. Ziel dieser Arbeit ist es, das Verhalten von Entscheidern, also von Controllern und Managern, bei Investitionsentscheidungen zu analysieren und Maßnahmen zur Vermeidung von möglichen Fehlentscheidungen durch das Verhalten zu diskutieren.

Zuerst wird in Kapitel 2 eine für diese Arbeit grundlegende Definition des Begriffs Investitionsentscheidung festgelegt. In Kapitel 3.1 geht es dann um die Unterschiede zwischen dem neoklassischen Modell des Homo Oeconomicus und der neueren Sichtweise der Verhaltensökonomik. Daraufhin werden in Kapitel 3.2 die Begriffe kognitive Heuristik und kognitive Verzerrung (Bias) eingeführt, wobei letzteres die Ursache von Fehlentscheidungen ist. In Kapitel 3.3 werden vier Beispiele dieser kognitiven Verzerrungen beschrieben. Nachdem die Grundlagen erläutert wurden, werden in Kapitel 4, dem Hauptteil, zunächst in 4.1 die Probleme des Verhaltens von Entscheidern bei Investitionsentscheidungen analysiert und im zweiten Teil 4.2 Maßnahmen zur Vermeidung dieser Fehler beschrieben.

2. Grundlagen der Investitionsentscheidung

Der Begriff Investitionsentscheidung kann verschieden definiert werden. Aus diesem Grund wird er für ein einheitliches Verständnis wie folgt definiert: Der Begriff Investitionsentscheidung umfasst alle relevanten Entscheidungen während eines Investitionsprozesses. Der Investitionsprozess gliedert sich grundsätzlich in vier Phasen: die Planungsphase bzw. Entscheidungsphase, die Realisationsphase, die Kontrollphase und die Nachbesserungsphase.[4] Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Planungsphase, die mit der endgültigen Investitionsentscheidung für oder gegen die Realisation eines Investitionsvorhabens endet.

3. Grundlagen der Ökonomie und kognitiven Psychologie

3.1 Neoklassische Theorie und Verhaltensökonomik

Lange Zeit war in der Wirtschaftswissenschaft das neoklassische Modell des Homo Oeconomicus, der Entscheidungen völlig rational und aufgrund von Kosten-Nutzen-Analysen trifft, der Maßstab für menschliches Verhalten.[5] Das Modell beruht auf einem berechenbaren und kalkulierbaren Menschenbild. In der Psychologie war dagegen schon immer ein irrationaler und emotionaler Mensch im Mittelpunkt der Forschung. Erst mit der Forschung von Kahneman und Tversky entstand eine alternative Sichtweise zum Modell des Homo Oeconomicus, in der mehr Gewicht auf das Verhalten der Menschen gelegt wird. Das Ergebnis der Forschung war die Prospect Theory[6] (Neue Erwartungstheorie), die Teil der Verhaltensökonomik ist.

Für eine genaue Unterscheidung der Theorien ist es notwendig, sich die Grundannahmen genauer anzuschauen. Im neoklassischen Modell des Homo Oeconomicus wird die unbegrenzte Rationalität angenommen, welche voraussetzt, dass alle relevanten Informationen jederzeit frei zugänglich sind (vollkommene Informationen).[7] Menschen kennen den Nutzen aller Optionen und treffen auf dieser Basis die optimale Entscheidung, die den Nutzen maximiert.[8] In der Verhaltensökonomik wird die begrenzte Rationalität[9] angenommen, welche mit unvollkommenen Informationen arbeitet und menschliches Verhalten mit wenig Zeit und Wissen erklärt.[10] Menschen haben also kognitive Beschränkungen („Könnensdefizite“) und handeln, beziehungsweise entscheiden nach dieser Auffassung durch eine begrenzte Aufnahmefähigkeit von Informationen und komplexen Situationsbedingungen bei Unsicherheit nicht immer rational, wodurch unter Umständen Fehlentscheidungen entstehen können.[11] Die Folge der begrenzten Rationalität ist die unbewusste Anwendung von Vereinfachungsstrategien in Entscheidungssituationen, den sogenannten kognitiven Heuristiken. Kommt es bei der Anwendung dieser Strategien zu Fehlentscheidungen, wird in der Literatur von kognitiven Verzerrungen (Biases)[12] gesprochen.

3.2 Kognitive Heuristiken und kognitive Verzerrungen (Biases)

Kognitive Heuristiken sind bestimmte Verhaltensmuster und Denkvorgänge, die in der Evolution der Menschen entstanden sind, um unseren Alltag in bestimmten Situationen zu erleichtern.[13] Kognitive Heuristiken nutzen Menschen schon ab der frühen Kindheit und wenden sie unbewusst an. Sie lassen dabei Wahrscheinlichkeiten und Nutzen außer Acht und ignorieren die Gesetze der Statistik, trotzdem lassen sich mit ihnen gute, wenn auch keine optimalen Lösungen finden.[14] Kognitive Heuristiken schaffen eine vereinfachte Abbildung eines komplexen und unstrukturierten Problems bei Unsicherheit.[15] Zusammenfassend kann eine Heuristik also wie folgt definiert werden: eine einfache, sparsame, robuste Verfahrensregel, die umwelt- und situationsabhängig zu guten Lösungen führt.[16] Werden diese Heuristiken allerdings in falschen Situationen eingesetzt, so kann es zu Fehlern (kognitiven Verzerrungen) kommen, die das Ziel verfehlen.[17]

Kognitive Verzerrungen (Biases) sind systematische Fehler, die Menschen immer wieder machen.[18] Auch Experten und Wissenschaftler unterliegen diesen kognitiven Verzerrungen. Sie entstehen bei der fehlerhaften Anwendung von kognitiven Heuristiken, welche zu irrationalen Entscheidungen führen.[19]

[…]


[1] Vgl. Schäffer/Weber (2013), S. 1 f.; Vgl. Aschenbrücker et al. (2013), S. 11; Vgl. Gehrig/Breu (2013).

[2] Vgl. Aschenbrücker et al. (2013), S. 4 f.; Vgl. Schäffer/Weber (2013), S. 1 f..

[3] Muhr/Weber (2015), S. 41.

[4] Vgl. hier und folgend Adam (2000), S. 11-14.

[5] Vgl. hier und folgend Krunic (2012); Vgl. hier und folgend Beck (2014), S. 1.; Vgl. hier und folgend Ariely (2008), S. 285.

[6] „Diese beschreibt das Verhalten unter Bedingungen von begrenzter Rationalität und Ungewissheit bei Zeit- und Informationsmangel – also in unübersichtlichen Situationen […].“ Krunic (2012); Vgl. Kahneman/Tversky (1979); Vgl. Kahneman (2012), S. 22.

[7] Vgl. Gigerenzer/Gaissmaier (2006), S. 1-7; Vgl. Beck (2014), S. 1 f..

[8] Vgl. Aschenbrücker et al. (2013), S. 10 f.; Vgl. Beck (2014), S. 1 f..

[9] Vgl. zum Begriff „begrenzte Rationalität“ Simon (1955,1956).

[10] Vgl. Gigerenzer/Gaissmaier (2006), S. 1-7; Vgl. Beck (2014), S. 1 f..

[11] Vgl. hier und folgend Aschenbrücker et al. (2013), S. 4 f., 10 f., 25; Vgl. Gigerenzer/Gaissmaier (2006), S. 1-7; Vgl. hier und folgend Beck (2014), S. 1 f..

[12] Vgl. zum Begriff „cognitive baises“ Kahneman/Tversky (1974).

[13] Vgl. hier und folgend Frey/Frey (2009) S. 12 f., 23; Vgl. Scherpereel/Gaul/Muhr (2015), S. 32-38; Vgl. Gigerenzer (2007), S. 26.

[14] Vgl. Gigerenzer/Gaissmaier (2006), S. 1 f.; Vgl. Beck (2014), S. 25 f..

[15] Vgl. Aschenbrücker et al. (2013), S. 4 f., 10 f., 25; Vgl. hier und folgend Aschenbrücker/Horváth/Michel (2012), S. 49-56; Vgl. hier und folgend Beck (2014), S. 1 f., 25 f..

[16] Vgl. Gigerenzer/Gaissmaier (2006), S. 1 f.; Vgl. Kahneman (2012), S. 115.

[17] Vgl. Frey/Frey (2009) S. 12 f., 23; Vgl. Beck (2014), S. 1 f., 25 f..

[18] Vgl. hier und folgend Frey/Frey (2009) S. 8, 11; Vgl. Beck (2014), S. 1 f., 25 f.; Vgl. hier und folgend Ariely (2008), S. 12, 18, 21, 285-286; Vgl. Kahneman (2012), S. 13 f., 19-23.

[19] Vgl. Aschenbrücker et al. (2013), S. 4 f., 10 f., 25; Vgl. hier und folgend Aschenbrücker/Horváth/Michel (2012), S. 49-56; Vgl. Ariely (2008), S. 12, 18, 21, 285-286.

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