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Einfluss visueller Kontextinformationen auf motorische Leistung. Der Freiwurf im Basketball

von Tom Nachtigall (Autor)

Forschungsarbeit 2012 20 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Motivation und Forschungsstand

2. Methodik
2.1 Versuchspersonen und Material
2.2 Design und Ablauf
2.3 Datenanalyse

3. Ergebnisse
3.1 Trefferquoten
3.2 Wurftendenzen
3.3 Fazit

4. Diskussion

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

In dieser Studie untersuchten wir bei Basketballern unter anderem den Einfluss visueller Kontextinformationen und den Especial Skill Effect an der Freiwurflinie (4,23m). 12 Basketballer werfen aus fünf verschiedenen Positionen (Position 1: 3,63m; Position 2: 3,93m; Position 3: 4,23m; Position 4: 4,53m; Position 5: 4,83m) auf den Korb. Jeder Proband hat von jeder Position insgesamt 30 Würfe, wobei der erste Durchgang immer aus 6 Würfen an jeder Position besteht, und es insgesamt 5 Durchgänge gibt, sodass jeder auf 150 Würfe kommt. Wir bewerteten die Würfe nach dem 5-Punkte-System, notierten uns die Treffer und analysierten die Ergebnisse und Tendenzen der einzelnen Positionen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Wurftendenzen von der Position 1 (60cm vor der Freiwurflinie) bis zur Position 5 (60cm hinter der Freiwurflinie) negativer wurden, mit Ausnahme der Freiwurflinie. Somit kamen wir zu der Annahme, dass an der Freiwurflinie ein positiv abweichender/ auffallender Wert zustande kommt. Unsere Daten und Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Bewegungsausführung an einer bestimmten Position durch massives Üben und die Repräsentation verschiedener Gedächtnisstrukturen positiv hervortreten kann.

1.1 Fragestellung

In dieser Studie wollen wir die unterschiedlichen Trefferquoten von Basketballern bei zunehmender Entfernung zum Korb untersuchen. Dabei wollen wir herausstellen, ob es auf Höhe der Freiwurflinie einen abweichenden Wert geben könnte, aufgrund der Häufigkeit der Würfe, die ein Basketballer von dieser Position ausübt.

In unserer Hypothese behaupten wir, dass die Trefferquote der einzelnen Probanden mit zunehmender Entfernung sinkt, bis auf die Position der Freiwurflinie, an der der „Especial Skill Effect“ auftreten wird.

1.2 Motivation und Forschungsstand

Als Relevanz unserer Studie wollen wir den „Especial Skill Effect“ (Vgl. Keetch, Lee & Schmidt, 2008) bei Basketballern herausstellen. Darüber hinaus wollen wir uns mit der Relevanz der Linien im Basketball im Bezug auf die Trefferquote der Werfer beschäftigen, da sie einen konditionierten Reiz auslösen können (Vgl. Pearce & Hall, 1980).

Als ähnliches Experiment ist eine Studie von Stöckel und Fries über die Auswirkungen der veränderten Entfernung der Dreipunktelinie auf die Trefferquote der Basketballer aus dem „Journal Of Sports Science“ zu nennen. In der ersten Basketball Bundesliga wurde in der Saison 2011/2012 eine tiefgreifende Regeländerung vorgenommen, um sich an die NBA (nordamerikanische Profiliga) anzupassen. Die Entfernung der 3-Punkte-Linie zum Korb wurde von 6,25m auf 6,75m erhöht. Um den Einfluss der visuellen Kontextinformationen auf die motorische Leistung herauszustellen, wurden von Stöckel und Fries zwei

Versuchsgruppen gebildet. Die erste Versuchsgruppe, welche beim Experiment die alte und die neue 3-Punkte-Linie sehen konnte, wurde als OL-Gruppe bezeichnet. Für die zweite Gruppe, die NL-Gruppe, war nur die neue Linie sichtbar. Die Datenanalyse ergab, dass die OL-Gruppe im Gegensatz zur NL-Gruppe schneller adaptierte, welche eine starke Abnahme der Treffer bei einer Entfernung von 6,75m zeigte.

Die 3-Punkte-Linie besitzt wichtige Informationen, um erfolgreich zu adaptieren, was verdeutlicht, dass visuelle Kontextinformationen eine bedeutende Rolle in der Kontrolle und Anpassung auf motorische Leistung spielen. Darüber hinaus stellt die 3-Punkte- Linie im Basketball durch jahrelanges üben eine Art Schlüsselreiz dar, welche eine automatisierte Bewegung hervorruft.

Auch Keetch et al. (2008) führten eine ähnliche Studie durch. Sie wollten nachweisen, dass durch vermehrtes Üben von Basketballern an der Freiwurflinie spezielle Gedächtnisstrukturen aufgerufen werden und sich somit an dieser Position ein positiv abweichender Wert erkennen lässt (Especial Skill). Auch hier spielt der visuelle Kontext eine bedeutende Rolle, da die Freiwurflinie sichtbar markiert ist und stets 4,23m im 90° vom Korb entfernt ist. In diesem Experiment sollten nun zehn Probandinnen aus unterschiedlichen Winkeln auf den Korb werfen, wobei der Abstand zum Korb immer gleich blieb. Auch bei dieser Studie zeigte sich ein positiv abweichender Wert bei 90° und der Especial Skill wurde bestätigt. Auch wurde bewiesen, dass der Einfluss visueller Kontextinformationen eine große Rolle spielt. Denn obwohl der Abstand immer gleich blieb, veränderte sich der Winkel zum Korb.

Sind gleiche Gegebenheiten vorhanden, so kann eine gute Quote erzielt werden (Erfolg). Sobald es eine minimale Änderung gibt, hat es negative Werte zur Folge und die Quote verschlechtert sich. (Jordan,1995 Park & Shea , 2005) Das Training ist somit sehr entscheidend und nur durch massives Üben können verschiedene spezielle Effekte produziert werden. Die Trainingsbedingungen sind oft nicht die gleichen wie im Spiel (aufgrund äußerer Parameter wie Wetter oder Hallenboden/ Rasen), daher sind andere Parameter wie der visuelle Kontext sehr hilfreich.

Laut Keetch, Lee & Schmidt (2005) muss ein Spieler die gelernten richtigen Techniken im Spiel aufrufen. Adams stellte 1971 die „closed loop“ Theorie auf, welche besagt, dass sich eine Technik oder Bewegung aneignet, die positiv oder negativ sein kann. Durch weiterführendes Lernen wird diese Technik automatisiert. Der Automatismus überwiegt egal gegenüber welcher Technik. Doch wie kommt es zur Umsetzung dieser Techniken in einen Bewegungsablauf. Dies wird mit dem Begriff „Motor Control“ bezeichnet, der bestimmt wie man zur Durchführung einer Bewegung kommt. Wenn man eine Bewegung durchführen möchte, kommt es zum Aufruf im zentralen Nervensystem, durch diese man sich an verschiedenen Möglichkeiten zur Ausführung erinnert.

In unserem Gehirn gibt es zwei generalisierte Gedächtnisstrukturen. Im GMP (generalisierte, motorische Programme) kommt es zu einem zielorientierten Aufruf zur Durchführung gleichartiger Aufträge, beispielsweise das Timing des Angriffes beim Volleyball. Dann kommt es zum 2. Prozess, dem Recall-Schema (second memory representation). Dies dient dem GMP, um es mit Details zu unterstützen (Bsp. Volleyball: Wie ist der Pass? → Ist er schnell? → Muss ich eher starten?).

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Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668150959
ISBN (Buch)
9783668150966
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v316157
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Sportwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Sportsoziologie Basketball Trefferquote Freiwurf

Autor

  • Tom Nachtigall (Autor)

    9 Titel veröffentlicht

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Titel: Einfluss visueller Kontextinformationen auf motorische Leistung. Der Freiwurf im Basketball