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Kapitalbeschaffung von Unternehmen. Überblick der Finanzierungsformen mit besonderer Betrachtung der Eigenfinanzierung

Hausarbeit 2016 22 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Überblick Finanzierungsarten

3. Innenfinanzierung
3.1 Finanzierung durch Umsatzerlöse
3.1.1 Selbstfinanzierung
3.1.1.1 Offene Selbstfinanzierung
3.1.1.2 Stille Selbstfinanzierung
3.1.1.3 Beurteilung
3.1.2 Finanzierung durch Abschreibungen
3.1.3 Finanzierung durch Pensionsrückstellungen
3.2 Finanzierung durch sonstige Kapitalfreisetzung

4. Außenfinanzierung
4.1 Finanzierungsphasen eines Unternehmens
4.2 Eigenfinanzierung
4.2.1 Beteiligungsfinanzierung
4.2.2 Beteiligungsfinanzierung Emissionsfähige Unternehmen
4.2.3 Nicht Emissionsfähige Unternehmen
4.2.3.1 Private Equity und Venture Capital

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht Finanzierungsarten

Abbildung 2: Beispielrechnung für den Gegenwert des Gutes

Abbildung 3: Phasen der Pensionsrückstellungen

Abbildung 4: Lebenszyklusphasen eines Unternehmens

1. Einleitung

Für die Umsetzung der Geschäftsidee eines Unternehmens werden finanzielle Mittel benötigt. Das heißt es wird Eigen- oder Fremdkapital benötig. Im weitesten Sinne wird Kapitalbeschaffung als „ die Bereitstellung von finanziellen Mitteln jeder Art einerseits zur Durchführung der betrieblichen Leistungserstellung und Leistungsverwertung andererseits zur Vornahme bestimmter außerordentlicher finanztechnischer Vorgänge wie z.B. die Gründung, Kapitalerhöhung, Börsengang, Fusion, Umwandlung, Sanierung und Liquidation“[1] bezeichnet.

Unternehmen können sich auf unterschiedlichsten Wegen Kapital beschaffen, dazu zählen die Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung aber auch die Finanzierung durch Sacheinlagen. Allerdings sollte bei der Auswahl der optimalen Finanzierungsinstrumente die Kapitalkosten sowie auch die Höhe des Kapitalbedarfs berücksichtig werden.[2]

Finanzierungsentscheidungen hängen auch von Kriterien wie Liquidität, Rentabilität, Sicherheit und Unabhängigkeit ab. So ist es einem Unternehmen wichtig genügend Liquidität zur Verfügung zu haben um derzeit bestehende und zukünftige Zahlungsverpflichtungen begleichen zu können. Auch ein sehr wichtiges Kriterium ist die Sicherheit, bedeutet das Unternehmen auch den Verschuldungsgrad bei der Wahl der Kapitalbeschaffung berücksichtigen müssen. Unabhängigkeit und Flexibilität spielen bei der Finanzierungswahl eine wichtige Rolle.[3]

In dieser Arbeit wird zunächst ein Überblick über die verschiedenen Finanzierungsformen gegeben, anschließen wird genauer auf die Innen- und Außenfinanzierung eingegangen. Augenmerk soll auf der Eigenfinanzierung liegen. Bedeutet wie beschafft sich ein Unternehme liquide Mittel ohne auf klassische Finanzierungsmöglichkeiten wie einen Kredit zurückgreifen zu müssen. Es soll ein breiter Überblick über die Finanzierungarten gegeben werden. Auch Vor- und Nachteile der jeweiligen Finanzierungsarten werden im Folgenden beschrieben.

2. Überblick Finanzierungsarten

Um eine Übersicht über die verschiedenen Finanzierungsarten zu bekommen, wird anhand von verschiedener Kriterien systematisiert. Gegliedert wird nach der Kapitalart also Eigen- oder Fremdkapital, eine Gliederung nach der Fristigkeit ist ebenso möglich (kurz-, mittel-, langfristig, unbefristet) oder nach unterschiedlichen Anlässen.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Übersicht Finanzierungsarten

Quelle: Anlehnung an Olfert Klaus, Christopher Reichel: Finanzierung, 14. Aufl., Ludwigsburg 2008, S.33

Folgende Arbeit baut auf der Systematisierung nach der Kapitalherkunft auf. In Abbildung 1 ist zu sehen, dass bei solch einer Einteilung unterschieden wird, ob das Kapital von außen (Außenfinanzierung) oder aus eigenen Kraft, also von innen zufließt (Innenfinanzierung). Zusätzlich muss zwischen Fremd- und Eigenfinanzierung unterschieden werden.[5]

Bei der Beteiligungsfinanzierung wird dem Unternehmen Liquidität von außen durch Eigentümer (Anteilseignern) zugeführt. Das Kapital steht unbefristet zur Verfügung und trägt auch zur Risikotragfähigkeit des Unternehmens bei. Räumt aber auch dem Kapitalgeber ein Mitspracherecht ein.

Bei der Innenfinanzierung stehen liquide Mittel, die aus der Geschäftsidee erwirtschaftet werden dem Unternehmen zur Verfügung. Die Selbstfinanzierung, die zur Finanzierung aus Umsatzerlösen gehört führt dem Unternehmen Eigenkapital zu. Pensionsrückstellungen allerdings werden zur Fremdfinanzierung gezählt, da die betroffenen Arbeitnehmer einen Anspruch auf Pensionsrückzahlungen haben. Abschreibungen und auch sonstige Kapitalfreisetzung können nicht exakt dem Fremd- oder Eigenkapital zugeordnet werden, da keine Änderung des Kapitalbereichs eintritt.

Um das zu vervollständigen wird die Mezzanine-Finanzierung die eine Mischform darstellt zur Außenfinanzierung gezählt. Jedoch ist aufgrund der besonderen Ausgestaltung die Zuordnung zu Eigen- oder Fremdkapital nicht eindeutig.[6]

3. Innenfinanzierung

Bei dieser Form der Finanzierung, wird dem Unternehmen Kapital über den betrieblichen Umsatzprozess zugeführt. Zwar fließt dieses Kapital „von außen zu, aber lediglich in Form des Rückflusses bereits einmal investierter Mittel bzw. in Form von Umsatzgewinnen.“[7] Man unterscheidet zwischen der Finanzierung durch Umsatzerlösen, durch nicht entnommene Gewinne wird hier Vermögen aufgebaut und der Vermögensumschichtung, hier wird gebundenes Kapital freigesetzt. Diese Form der Innenfinanzierung ist ein günstige Art liquide Mittel bereitzustellen, da Liquidität im Unternehmen bereits zur Verfügung steht und teurere Mittel von außen nicht aufgenommen werden müssen.

3.1 Finanzierung durch Umsatzerlöse

Diese Finanzierungsform ist die gängigste aller Innenfinanzierungen, auch bekannt unter den Begriffen Cashflow- oder Überschussfinanzierung. Einige Voraussetzungen müssen für die Durchführung der internen Kapitalbeschaffung erfüllt sein (siehe Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beispielrechnung für den Gegenwert des Gutes

Quelle: Vgl. Schäfer Henry, Unternehmensfinanzierung. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S.458

Gewinnmargen, Abschreibungen sowie Rückstellungen müssen in der Angebotskalkulation berücksichtig werden und diese Preise müssen auch vom Kunden akzeptiert und bezahlt werden. Dadurch fließt dem Unternehmen der kalkulierte Gegenwert der erstellten Leistung in Form von liquiden Mittel zu, welche zur Innenfinanzierung verzerrt werden können. Eine verlängerte Bilanz ist das Resultat dieser Form der Kapitalbeschaffung, da zusätzlich Kapital gebildet wird.[8]

3.1.1 Selbstfinanzierung

Bei der Selbstfinanzierung werden Gewinne einbehalten und nicht ausgeschüttet. Voraussetzung bei dieser Form der Kapitalbeschaffung ist, dass das Unternehmen auch Gewinne erwirtschaftet. Hierbei werden zwei Arten unterschieden, wird der einbehaltene Gewinn in der Bilanz ausgewiesen handelt es sich um eine offene Selbstfinanzierung umgekehrt spricht man von einer stillen Selbstfinanzierung.

3.1.1.1 Offene Selbstfinanzierung

Bei dieser Kapitalbeschaffungsart werden die in der Bilanz ausgewiesenen Gewinne nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet. Zu beachtet ist allerdings, dass Gewinne der Körperschafts- bzw. Einkommensteuer unterliegen. Somit steht die Größe nach Steuern für die Finanzierung zur Verfügung. Die Entscheidung über die Verwendung des Gewinns kann freiwillig oder durch gesetzliche Vorschriften erfolgen.[9]

Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften fließen die einbehaltenen Gewinne den Inhabern zu. Da bei diesen Rechtsformen Rücklagen nicht gesondert in der Bilanz ausgewiesen werden, resultiert daraus, dass diese Gewinnthesaurierung zu einer Eigenkapitalerhöhung führt.[10]

Kapitalgesellschaften mit fixem Nominalkapital sind an verschiedene gesetzliche Vorschriften zur Bildung von Rücklagen gebunden, dadurch soll verhindert werden das Gesellschafter den kompletten Jahresüberschuss ausschütten. Durch Rücklagenbildung wird der ausgeschüttete Betrag gesenkt und erzeugt so den Effekt das liquide Mittel zur Selbstfinanzierung für das Unternehmen zu Verfügung stehen.

Nach § 266 HGB gibt es folgende offenen Rücklagen:

- Gewinnrücklagen
- Kapitalrücklagen
- Rücklagen für eigene Anteile
- Gesetzliche Rücklagen
- Satzungsmäßige Rücklagen
- Andere Gewinnrücklagen

Keine Bedeutung haben die Kapitalrücklagen aus versteuertem Gewinn bei der Selbstfinanzierung, da hier Agiobeträge, die bei der Emission von Aktien, Options- oder Wandelanleihen erzielt werden, und Zuzahlungen von Gesellschafter, eingestellt werden.[11] Dies ist der Grund, dass hier nur auf die Gewinnrücklagen eingegangen wird.

Gesetzlich ist eine Rücklage nur bei der AG beziehungsweise der KGaA vorgeschrieben. Nach § 150 Abs. 2 AktG müssen 5 Prozent des um einen Verlustvortrag des Vorjahres geminderten Jahresabschluss einzustellen, bis die Kapitalrücklagen und die gesetzliche Rücklage addiert 10 Prozent, oder einen in der Satzung beschlossenen höheren Anteil des Grundkapitals erreichen. Laut § 150 Abs. 3 können die gesetzlichen Rücklagen unter bestimmten Voraussetzungen für die Finanzierung eingesetzt und aufgelöst werden.

Laut § 272 Abs. 4 HGB sind alle Kapitalgesellschaften verpflichtet Rücklagen zu bilden. Somit stellt diese Rücklage eine Ausschüttungssperre dar, die garantieren soll, dass der Kauf von eigenen Anteilen nicht zu Rückzahlungen von Stamm- und Grundkapital oder Rücklagen mit satzungsgemäßer Bindung führt. Diese Rücklage muss schon bei der Erstellung der Bilanz gebildet werden und kann aus frei verfügbaren, vorhandenen Gewinnrücklagen oder aus dem Jahresüberschuss entstehen. Die Rücklagenhöhe bemisst sich an der Bewertung der Aktiva und die darin enthaltenen eigenen Anteile. Aufgelöst werden darf nur, wenn die Anteile veräußert, ausgegeben oder eingezogen werden.[12]

Kapitalgesellschaften müssen Satzungsmäßige Rücklagen bilden, falls dies aufgrund der Satzungsbestimmungen dazu verpflichtet. Diese Rücklagen können für eine anstehende Investition wie z.B. Kauf einer Maschine im Anlagevermögen gebildet werden, können aber auch zweckfrei gebildet werden.

In die anderen Gewinnrücklagen werden sämtliche Rücklagen eingeteilt, die in keiner anderen Kategorie aufgezeichnet wurden. Hier tritt das Recht ein, dass mindestens über einen Teil des erwirtschafteten Jahresabschlusses entschieden werden darf, ob er ausgeschüttet oder einbehalten wird. Die Gliederung in andere Rücklagen wird bei der AG bzw. KGaA nach § 58 AktG genau geregelt.[13]

3.1.1.2 Stille Selbstfinanzierung

„Die stille Selbstfinanzierung erfolgt durch Einbehaltung nicht ausgewiesenen Gewinns. Der Gewinnausweis wird durch bewusste bilanzpolitische Maßnahmen verringer, wodurch stille Reserven entstehen. Da die stillen Reserven erst bei ihrer Auflösung der Ertrags- bzw. Körperschaftssteuer unterliegen, erfolgt die stille Selbstfinanzierung aus noch unversteuertem Gewinn.“[14]

Entstehen können solche stillen Reserven durch Unterbewertung der Verbindlichkeiten auf der Passiva oder durch eine Überbewertung der Vermögensgegenständer auf der Aktiva. Dies kann zum Beispiel dadurch erfolgen, dass auf Anlagevermögen zu hohe Abschreibungen vorgenommen werden oder das Umlaufvermögen mit zu niedrigen Herstellungskostet bewertet werden. Zusätzlich können auch auf der Passiva bewusste stille Reserven durch Rechnungsrückstellungsposten oder zu hohe Rückstellungen gebildet werden.[15]

[...]


[1] Wöhe Günter, Jürgen Bilstein, Dietmar Ernst, Joachim Häcker: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 10. Aufl., München 2009, S.5.

[2] Vgl. Perridon Louis, Steiner Manfred, Rathgeber Andreas: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14 Aufl., München 2007, S.8.

[3] Vgl. Perridon Louis, Steiner Manfred, Rathgeber Andreas: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14 Aufl., München 2007, S.9.

[4] Vgl. Olfert Klaus, Christopher Reichel: Finanzierung, 14. Aufl., Ludwigsburg 2008, S.31.

[5] Vgl. Atzmüller Andreas, Gaedke Klaus, Gyenge Emmerich, Kropf Martin: Innovative Finanzierung im Klein- & Mittelbetrieb, Graz, Wien 2004, S.17ff.

[6] Vgl. Wöhe Günter, Jürgen Bilstein, Dietmar Ernst, Joachim Häcker: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 10. Aufl., München 2009, S.22f.

[7] Wöhe Günter, Jürgen Bilstein, Dietmar Ernst, Joachim Häcker: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 10. Aufl., München 2009, S.17

[8] Vgl. Schäfer Henry, Unternehmensfinanzierung. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S.457 f.

[9] Vgl. Perridon Louis, Steiner Manfred, Rathgeber Andreas: Finanzwirtschaft der Unternehmung,14 Aufl., München 2007, S.465

[10] Vgl. Schäfer Henry, Unternehmensfinanzierung. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S.461

[11] Vgl. Perridon Louis, Steiner Manfred, Rathgeber Andreas: Finanzwirtschaft der Unternehmung,14 Aufl., München 2007, S.465

[12] Vgl. Schäfer Henry, Unternehmensfinanzierung. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S.464

[13] Vgl. Schäfer Henry, Unternehmensfinanzierung. Grundzüge in Theorie und Management, 2. Aufl., Heidelberg 2002, S.464

[14] Vgl. Perridon Louis, Steiner Manfred, Rathgeber Andreas: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14 Aufl., München 2007, S.466

[15] Vgl. Perridon Louis, Steiner Manfred, Rathgeber Andreas: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 14 Aufl., München 2007, S.467

Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668163928
ISBN (Buch)
9783668163935
Dateigröße
720 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317102
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
1,3
Schlagworte
Finanzierung Innenfinanzierung Aussenfinanzierung Eigenfinanzierung Selbstfinanzierung

Autor

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Titel: Kapitalbeschaffung von Unternehmen. Überblick der Finanzierungsformen mit besonderer Betrachtung der Eigenfinanzierung