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Gesellschaftliche Auswirkungen der New Economy

Hausarbeit (Hauptseminar) 2001 32 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Auswirkungen der informationstechnischen Revolution auf die gesellschaftlichen Bereiche Bildung und Politik
1. Auswirkungen auf den Bildungssektor
1.1 Neue Anforderungen an die (Aus-)Bildung
1.1.1 „Lebenslanges Lernen"
1.1.2 „Problemlosen statt Problemlösungen"
1.1.3 Medienkompetenz
1.2 Neue Möglichkeiten des Lernens und des Erwerbs von Wissen9
1.2.1 Der Computer als Lernmedium
1.2.2 Das Internet als Lernmedium
1.2.2.1 Direktes Lernen mit Hilfe des Internets
1.2.2.2 Indirektes Lernen mit Hilfe des Internets
2. Auswirkungen auf die Politik
2.1 Neue Herausforderungen für die Politik
2.1.1 Verhinderung einer gesellschaftlichen Spaltung
2.1.1.1 Förderung der Medienkompetenz
2.1.1.2Erleichterung des Zugangs zu den neuen Medien
2.1.2 Veränderte Bedeutung des Nationalstaates
2.2 Neue Möglichkeiten für die Politik
2.2.1 Stärkung demokratischer Strukturen
2.2.2 E-Government

III. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

I. Einführung

In den letzten 10 Jahren haben die Menschen in den westlichen Industrie­nationen etwas erlebt, was vom Ausmaß und der Bedeutung her mit der industriellen Revolution am Ende des 19. Jahrhunderts vergleichbar ist: Die rasante Entwicklung von neuartigen Informations- und Kommunikati­onstechnologien, die multimediale Durchdringung fast aller Lebensberei­che und die Entstehung neuer Lebens- und Arbeitswelten. Es gibt viele Bezeichnungen und Schlagworte, die versuchen, diese Entwicklung zu beschreiben. So spricht der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog von einer „informationstechnischen Revolution“ (BerliNews, 2001, Fit für die Informationsgesellschaft). Andere sehen vor allem den wirtschaftlichen Aspekt im Vordergrund und reden deshalb von der „New Economy“. Ein ebenfalls oft gebrauchtes Schlagwort lautet „digitales Zeitalter“. Alle diese Ausdrücke sind eigentlich Synonyme (und werden in dieser Arbeit auch synonym verwendet) und beinhalten die gleiche Aussage: unsere Gesell­schaft hat begonnen sich zu wandeln. Es wird eine neue Gesellschafts­form entstehen, in der Wissen und Informationen die bestimmenden Fak­toren sein werden: die Informations- oder Wissensgesellschaft. Das Medi­um, das diesen Fortschritt ausgelöst hat und auch weiter vorantreiben wird, ist das Internet (Tauss, 1999, S. 302-304).

Sicherlich stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung. Doch bereits jetzt lohnt es sich die Frage zu stellen, welche konkreten Änderungen in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft zu erwarten bzw. schon eingetreten sind. In dieser Hausarbeit werden für die Aspekte Bildung und Politik die möglichen Auswirkungen der informationstechnischen Revoluti­on untersucht und beschrieben. Es gibt noch sehr viele andere Aspekte dieses Themas. Einige davon (Fragen der (Daten-)Sicherheit, der „Abkehr von der Natur“ und der Umweltbelastung), werden in der Hausarbeit von Ralf Zimmermann erörtert. Auf weitere (z. B. veränderte Freizeitgestaltung oder Auswirkungen auf die Sprache) wird aus Platzgründen nicht einge­gangen.

II. Auswirkungen der informationstechnischen Revolution auf die gesellschaftlichen Berei­che Bildung und Politik

Im Hauptteil dieser Arbeit wird beschrieben, welche besonderen Verände­rungen sich in den Bereichen Bildung und Politik bereits ergeben haben bzw. noch zu erwarten sind. Dabei können prinzipiell zwei Aspekte unter­schieden werden. Zunächst ist immer die Frage, welche neuen Anforde­rungen sich aufgrund der informationstechnischen Revolution an den je­weiligen Lebensbereich stellen, welche Veränderungen dort also erforder­lich sein könnten. Gleichzeitig ergeben sich durch die „neuen Medien" a­ber immer auch zusätzliche und völlig neue Möglichkeiten, in dem ent­sprechenden Gebiet etwas zu gestalten und umzusetzen. Diese beiden Blickwinkel stellen den „roten Faden" bei den folgenden Ausführungen dar.

1. Auswirkungen auf den Bildungssektor

1.1 Neue Anforderungen an die (Aus-)Bildung

Unser traditionelles Bildungssystem in Deutschland hat den Anspruch, junge Menschen bestmöglich auf die beruflichen und sozialen Anforde­rungen ihres zukünftigen Lebens vorzubereiten. Es geht dabei von der Idee aus, daß die vermittelten Kenntnisse im Laufe einer Generation kei­nen allzu großen Veränderungen unterworfen sind. Doch inzwischen setzt sich immer mehr die Ansicht durch, daß genau dies nicht mehr zutrifft. Die technologischen Veränderungen haben mittlerweile eine solche Dynamik erreicht, daß eben niemand mehr sagen kann, wie die Lebens- und Ar­beitswelt eines Schulanfängers des Jahres 2001 nach Beendigung seines Studiums aussieht (Alflen, 1999, S. 16-17). Dieser Tatsache muß das Bil­dungssystem gerecht werden. Denn nach Roman Herzog wird es „auf lange Sicht zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb der Nationen wer­den" (Herzog, 1999, S. 52). Es ist also unbedingt nötig, das Bildungssys­ tem den Erfordernissen der informationstechnischen Revolution anzupas­sen, es muß modernisiert werden (ebd., S. 49).

Die im folgenden genannten Forderungen richten sich in erster Linie an den Staat, denn bei ihm bzw. den Landesregierungen liegt die Hoheit über das schulische Bildungssystem. Auch für die privaten und beruflichen Wei­terbildungsmöglichkeiten schafft er die Rahmenbedingungen. Insoweit kommt es zu Überschneidungen mit dem zweiten Teil dieser Hausarbeit „Auswirkungen auf die Politik".

1.1.1 Lebenslanges Lernen

Die eingangs erwähnte hohe Dynamik der technologischen Entwicklungen führt zu einer schnellen Alterung des vorhandenen Wissens. Das was heute als Standard gilt, kann morgen schon altmodisch und antiquiert sein. Zu denken ist dabei etwa an den Markt für Heim-PCs oder Mobilfunk­telefone.

Die neuen Technologien und das zum Umgang mit ihnen erforderliche Wissen beeinflussen aber auch in einem sehr hohen Maße die Anforde­rungen, die an viele Berufe gestellt werden. Einerseits werden die Informationstechnologien eingesetzt, um Arbeitsabläufe kostengünstiger, schneller und effizienter abwickeln zu können. Andererseits entstehen ü­berhaupt erst viele Berufe und Arbeitsplätze durch die Vermarktung und Einführung dieser neuen Technologien.

Vor diesem Hintergrund ist eine der wichtigsten Forderungen zur Moderni­sierung des Bildungssystems zu sehen, nämlich die Forderung nach le­benslangem Lernen. Nur wer bereit ist, sich immer wieder den innovativen Techniken zu stellen und den Umgang mit ihnen zu lernen, wird „in die Lage versetzt, mit dem raschen Wandel unseres Wissens, aber auch mit den sich ständig ändernden beruflichen Anforderungen Schritt zu halten" (BerliNews, 2001, Bildung und Existenzgründung). Es gibt sicherlich un­terschiedliche Möglichkeiten, die Bereitschaft der Menschen zu lebenslan­gem Lernen zu erhöhen. Die Arbeitgeber sind dazu genauso gefordert wie die Arbeitnehmer und die Gewerkschaften. Auch die berufliche und schuli­sche Ausbildung sollte diesem Aspekt unbedingt gerecht werden. Die Vor­schläge, wie eine konkrete Umsetzung der Forderung nach lebenslangem Lernen stattfinden kann, sind relativ vage. Es wird jedoch deutlich, daß hier Praxis und Forschung besonders eng zusammenarbeiten müssen.

Eine weitere neue Anforderung an das Bildungssystem ist, daß die Men­schen das Problemlösen statt nur das Wissen um Problemlösungen be­herrschen sollen. Was damit gemeint ist, wird im folgenden Abschnitt er­läutert.

1.1.2 Problemlosen statt Problemlösungen

Diese Forderung bezieht sich vor allem auf die schulische Ausbildung. Die Inhalte und Techniken, die in der Schule vermittelt und gelehrt werden, werden vor allem durch die Lehrpläne vorgegeben. Die Qualität der Bil­dung, die ein Schulabgänger durch den Besuch seiner Schule erworben hat, hängt natürlich nicht nur von den Lehrplänen ab. Auch die techni­schen und personellen Möglichkeiten seiner Schule, die Zusammenset­zung, das Alter und die pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten so­wie die Qualifikation des Lehrerkollegiums spielen ein Rolle. Die über­geordnete Forderung nach einer Modernisierung des Bildungssystems setzt an allen diesen Punkten an, überall sind Reformen und Veränderun­gen nötig. Zugegeben, einige dieser Veränderungswünsche sind schon so alt wie die Institution Schule selbst und hängen weniger mit der informati­onstechnischen Revolution als vielmehr mit der „menschlichen Komponente“ zusammen. So waren vermutlich auch schon vor 100 Jah­ren viele Schüler mit den didaktischen Fähigkeiten einiger ihrer Lehrer nicht zufrieden. Doch an welchen der genannten Stellschrauben muß aufgrund der Entwicklung hin zur Informationsgesellschaft gedreht werden?

Die Forderung „Problemlösen statt Problemlösungen“ setzt vor allem an den Lehrinhalten, vorgegeben durch die Lehrpläne, an. Die Schüler wer­den nicht mehr mit fertigen „Rezepten“ (= Problemlösungen) ausgestattet, sondern sollen lernen, wie man selbst ein neues, unbekanntes Problem in den Griff bekommt und mit anderen Menschen darüber redet (Darnstädt, 2001, S. 68). Dieses Problemlösen zu beherrschen ist sicherlich sehr wichtig und sinnvoll in der Informationsgesellschaft. Denn diese zeichnet sich ja gerade durch ihre hohe Dynamik und damit durch das regelmäßige Entstehen völlig neuer Problemfelder aus, für die es noch keine fertigen Lösungsrezepte gibt. Um so besser junge Menschen auf diese Tatsache vorbereitet werden, um so besser stehen sie im internationalen Wettbe­werb - z. B. um Arbeitsplätze - da. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Lehrpläne dahingehend zu ändern, daß der Schwerpunkt nicht mehr auf Problemlösungen, sondern auf dem Problemlösen liegt.

Ansätze dazu gibt es bereits. So wird zur Zeit in Baden-Württemberg auf Initiative der Kultusministerin Annette Schavan der Lehrplan von Grund auf erneuert, wobei auch der hier behandelten Forderung ein hohes Ge­wicht zukommt. Das Motto dabei: „Von der Belehrungskultur zur Lernkul­tur“ (Darnstädt, 2001, S. 68). Die neuen Lehrpläne enthalten sehr viel we­niger Stoff und statt Lösungen werden Probleme gelehrt. So wird im Deutschunterricht nicht mehr „Faust I“ vorgegeben, sondern lediglich „Ge­nerationenkonflikte in der Literatur“. Im Mathematik-Unterricht wird auf die Vektorenrechnung verzichtet, dafür geht es z. B. um Untersuchungen über die Frage, wie Staus auf Autobahnen entstehen (Darnstädt, 2001, S. 84).

Ein weiterer Ansatz, der diese Problematik berücksichtigt, findet eine Ebe­ne höher statt. Es geht dabei um ein neues Bildungskonzept namens „Li­teracy“. Dieses wird im Auftrag der OECD am Max-Planck-Institut für Bil­dungsforschung in Berlin zusammen mit Wissenschaftlern aus aller Welt entworfen. Ziel ist es, einen „internationalen Codex für die Schulbildung der nächsten Generation“ (Darnstädt, 2001, S. 68) zu formulieren. Die Grundidee dabei ist eine outputorientierte Ausrichtung des Bildungswe­sens, also eben das Lehren vom Problemlösen statt von Problemlösungen (ebd.).

Eine andere Stellschraube, die die Qualität unseres Bildungssystems beeinflußt und aufgrund der informationstechnischen Revolution reform- bedürftig ist, ist die Qualifikation der Lehrer. Das entsprechende Schlag­wort heißt „Medienkompetenz“. Darum geht es im jetzt folgenden dritten Abschnitt.

1.1.3 Medienkompetenz

Hinter diesem griffigen Ausdruck verbergen sich eine ganze Reihe von Anforderungen, die ein zukunftsfähiger Bürger erfüllen sollte und zu deren Erwerb die Bildungseinrichtungen einen Beitrag leisten sollen. Allgemein gesagt bedeutet Medienkompetenz die Fähigkeit, mit den neuen Medien selbstbestimmt, kritisch und verantwortungsvoll umgehen zu können. Dar­in stecken zwei Dimensionen: eine technische und eine mehr geistige.

Der technische Aspekt beinhaltet die Befähigung, die neuen Medien auf der technischen Ebene weitgehend zu beherrschen. D. h. zu wissen, wie ein Computer bedient wird, in welchen Fällen er Hilfe bietet und in wel­chen nicht. Welche Komponenten (z. B. Festplatte, CD-Rom-Laufwerk, Prozessor) er enthält und wie sie grob funktionieren. Auch die Beherr­schung und das Verständnis grundlegender Begriffe und Fachausdrücke gehört dazu, ebenso die Bedienung und Handhabung von Programmen, insb. Browsern, mit deren Hilfe man durch das Internet surfen und sich die vielfältigen Informationen zugänglich machen kann.

Die geistige Dimension umfaßt die Fähigkeit zur kritischen Reflexion. Also die Fähigkeit, die im Internet gefundenen Inhalte kritisch zu hinterfragen und nicht alles zu glauben, was dort verbreitet wird. Weiterhin ist darunter zu verstehen, daß der Nutzer in der Lage ist, gezielt Informationen zu fin­den und zu wissen, wie man z. B. Suchmaschinen bedient. Sehr wichtig ist auch der verantwortungsvolle Umgang mit dem Internet, z. B. beim Veröffentlichen eigener Inhalte, und die Kenntnis der Gefahren, die das Internet mit sich bringt, z. B. im Bereich des Datenschutzes.

Medienkompetenz ist also so etwas wie ein „’Führerschein’ für die Daten­autobahn“ (Ruprecht, 2000, S. 55). Es gibt viele Möglichkeiten, wo und

wie man so einen Führerschein „erwerben" kann. Auf der einen Seite steht dem Bürger ein großes öffentliches Weiterbildungsangebot in diesen Fra­gen, z. B. an den Volkshochschulen, zur Verfügung. Auch viele Unter­nehmen sorgen durch entsprechende Schulungen (oft sogar in Form von Online-Kursen) für eine Medienkompetenz ihrer Mitarbeiter (Kafsack, 2001). In den Schulen sollte die Ausbildung der Medienkompetenz eben­falls eine zentrale Rolle spielen. Dies wird bereits in vielen Schulen erfolg­reich praktiziert, ein Beispiel dazu findet sich bei Darnstädt, 2001, Seite 80. Voraussetzung dafür, die Medienkompetenz in der Schule zu lehren, ist, daß die Lehrer selbst medienkompetent sind. Aufgrund der Altersstruk­tur und der in diesem Punkt oft mangelhaften Qualifikation der Lehrer, gibt es hier noch Defizite. Nützlich sind dabei solche Aktivitäten wie z. B. die Aktion „Teach the Net", die gemeinsam von Siemens und IBM im Rahmen der Initiative „Fit fürs Informationszeitalter" von Roman Herzog durchge­führt wird. „Teach the net" schult Lehrer darin, das Internet für den Schul­unterricht zu nutzen (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, 2001, BMWi-lnfo2000). In diesem Kontext fällt auch oft das Schlagwort „Internet-Führerschein für Lehrer".

Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß die informationstechni­sche Revolution eine Modernisierung des Bildungswesens verlangt. Jeder Bürger muß sich auf lebenslanges Lernen einstellen und dabei eine ge­wisse Medienkompetenz erwerben. Bei der Ausbildung junger Menschen muß der Schwerpunkt von Fragen der Problemlösungen auf Fragen des Problemlösens verlagert werden. Wie eingangs schon angesprochen, ist von allen diesen Forderungen auch der Staat betroffen. Vor allem ist es seine Aufgabe, die Medienkompetenz breiter Bevölkerungsschichten si­cherzustellen und zu fördern. Darauf wird in Punkt 2.1.1 „Verhinderung einer gesellschaftlichen Spaltung" noch ausführlicher eingegangen.

Durch die informationstechnische Revolution werden aber nicht nur neue Anforderungen an das Bildungssystem und die Lernenden gestellt. Es ha­ben sich auch vielfältige neue Möglichkeiten des Lernens eröffnet. Diese werden nun beschrieben.

1.2 Neue Möglichkeiten des Lernens und des Erwerbs von Wissen

Lernen ist allgemein gesprochen der Vorgang der „Aufnahme, Speiche­rung und Verarbeitung nicht ererbter Informationen, die eine Veränderung des Verhaltens ermöglichen oder bewirken" (wissen.de, 2001). Die Vor­aussetzung für Lernen ist also die Verfügbarkeit von Informationen. Die Möglichkeiten des Lernens ändern sich somit, je mehr Informationen zur Verfügung stehen und je einfacher diese zugänglich sind. Genau das ist durch die informationstechnische Revolution eingetreten: die fast unbe­grenzte Verfügbarkeit von und der sehr einfache Zugang zu Informatio­nen. Die Informationsgesellschaft zeichnet sich durch eine vorher nie da­gewesene Fülle an Möglichkeiten aus, sich neues Wissen anzueignen. Dabei spielen vor allem der Computer als solcher und das Internet eine wichtige Rolle.

1.2.1 Der Computer als Lernmedium

Ein Computer besitzt einige Eigenschaften, die ihn geradezu als Lernin­strument prädestinieren. So verfügt er über eine hohe Speicherkapazität, ist programmierbar, kann sehr schnell und mit großer Genauigkeit kompli­zierte Rechnungen durchführen und ist außerdem fähig zur Darstellung von Bildern und Text sowie zur Wiedergabe von Musik und Sprache. Durch Verknüpfung dieser Eigenschaften bietet ein Computer vielfältige Lernmöglichkeiten. Zum einen können große Mengen an Informationen auf ihm gespeichert werden. Diese können dann dem Lernwilligen in un­terhaltsamer und einprägsamer Weise (z. B. durch den Einsatz von Vi­deosequenzen und Bildern) präsentiert werden. Diese angenehme Eigen­schaft haben Bücher bspw. nicht zu bieten. Außerdem kann sich der Nut­zer bestimmte Lernabschnitte beliebig oft zu Gemüte führen. Ein Vorteil gegenüber einem menschlichen Lehrer, dessen Worte man meist nur nachlesen kann. Auch zur Überprüfung von vorhandenem Wissen kann ein Computer gute Hilfestellung leisten, etwa im Bereich des Sprachenler­ nens als elektronische Vokabelabfrage. Inzwischen gibt es einen sehr großen Markt für solche Lernsoftware, der Computer scheint also als Lernmedium heutzutage sehr oft zum Einsatz zu kommen.

Doch an dieser Stelle ist auch Vorsicht geboten. Denn bei aller evtl. vor­handenen Euphorie, muß doch festgehalten werden, daß ein Computer niemals einen menschlichen Lehrer vollständig ersetzten kann. Ich denke, daß ein Lehrer nicht bloß dadurch lehrt und etwas „rüberbringt“, indem er Fakten herunterbetet, sondern immer auch durch seine Persönlichkeit, seine Ausstrahlung, seine Art zu reden und zu erzählen. Diese menschli­che Komponente kann ein Computer als Maschine nicht erfüllen. Auch Bücher sind nach meiner Ansicht nicht vollständig durch Computer ersetz­bar. Denn auch sie entwickeln während des Lesens so etwas wie eine „Persönlichkeit“. Dadurch, daß die Seiten mit der Zeit abgegriffen, wichtige Stellen markiert und mit Notizen versehen sind, wird ein Buch auf gewisse Weise zu etwas persönlichem und eigenem. Oft verbindet man ja mit Bü­chern auch bestimmte Lebensabschnitte (z. B. die Zeit der Abiturvorberei­tung), so daß ihnen häufig ein Wert wie einem Fotoalbum zukommt. All dies könnte ein Computer niemals bieten.

Völlig unbestritten ist aber, daß er als ergänzendes Lernmedium hervorra­gend geeignet ist. So sieht es auch ein Lateinlehrer eines Münchener Gymnasiums, wo Computer im Unterricht eingesetzt werden. Er äußert, „der Unterricht am Computer könne den ,Kreidestaubunterricht’ nicht er­setzten“ (Darnstädt, 2001, S. 81), nur er „und nicht der PC könne den Kin­dern den (...) Akkusativ mit Infinitiv erklären. Zum Üben aber sei die Tech­nik von ungeahntem Vorteil“ (ebd.).

Das Internet ist ein weiteres Medium, das den Wissenserwerb verändert hat und verändern wird. Die Grundlage für dieses weltweite Netz bilden zwar Computer, doch kann das Internet durchaus als eigenes Medium betrachtet werden.

1.2.2 Das Internet als Lernmedium

Lernen ist mit Hilfe des Internets im Grunde genommen auf zweierlei Wei­se möglich. Einmal direkt, indem konkret neue Informationen und neues Wissen zugänglich gemacht werden. Zum anderen indirekt, indem ein Lernwilliger bspw. Informationen über Lernangebote erhält oder sich mit Gleichgesinnten austauschen kann.

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Details

Seiten
32
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638119238
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3172
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Statistik und empirische Wirtschaftsforschung
Note
1,0
Schlagworte
Gesellschaftliche Auswirkungen Economy Hauptseminar Fach Statistik

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