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Beratung psychisch Kranker und ihrer Angehörigen. Ausgewählte Ansätze in relevanten Beratungsfeldern

Hausarbeit 2016 21 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1.0.Einleitung

2.0. Sichtweise der Kinder und Partner

3. Beratung mit Hilfe ausgewählter Ansätze in den Beratungsfeldern
3.1 Psychoedukation
3.2. Berufliche Beratung bei psychischer Erkrankung unter Einbezug der Angehörigen
3.2.1 Warum ist berufliche Beratung für psychisch Erkrankte Menschen wie auch für derenAngehörige so besonders bedeutsam?
3.2.2. Optionen der Teilhabe am Arbeitsleben für psychisch erkrankte Menschen
3.2.3. Was zeichnet eine gelungene berufliche Beratung psychisch erkrankter Menschen und ihrer Angehörigen aus?

4.0. Quellen

1.0.Einleitung

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll zunächst auf die verschiedenen spezifischen Problemfelder, die sich für psychisch erkrankte Menschen und ihre Angehörigen im Alltag des Zusammenlebens ergeben können eingegangen werden, welche die Notwendigkeit von Beratung, als eine Unterstützungsleistung erzeugen und zwar sowohl für die Familien als auch für die psychisch erkrankten Betroffenen selbst. Im Anschluss daran möchte ich exemplarisch Beratungsansätze vorstellen, die der Rahmen der vorliegenden Arbeit zulässt und von denen ich aber auch denke, dass sie für die Beratung psychisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen, in den ausgewählten Beratungsfeldern auf die sich diese Arbeit ihres Umfanges wegen begrenzen wird, bedeutsam sind. Diese Beratungsansätze helfen meiner Ansicht nach insbesondere im psychiatrischen Kontext tätigen Berufsgruppen, erstens die Klienten sowie deren Angehörige und ihre Probleme im Alltag besser zu verstehen und führen am Ende des Beratungsprozesses in den meisten Fällen zu gemeinsamen, tragfähigen Lösungsansätzen für alle an der Beratung beteiligten Personen, was zweifelsfrei positiven Einfluss auf deren Lebensqualität hat. Der Umfang der hier behandelten Thematik ist mir erst während meiner Literaturrecherche bewusstgeworden, weshalb ich dem Leser im Rahmen dieser Arbeit nur einen fundierten Überblick geben kann und diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Aus Gründen der vereinfachten Lesbarkeit werden in dieser Arbeit männliche Sprachformen benutzt. Dies geschieht ausdrücklich nicht, um das weibliche Geschlecht herabzusetzen oder zu diskriminieren. Der Begriffe des Klienten oder des Betroffenen bezeichnen in dieser Arbeit in der Regel Menschen die von psychischen Erkrankungen betroffen sind, sofern nicht ausdrücklich anderes im Text erwähnt wird. Die Begriffe Behinderung, Erkrankung und Beeinträchtigung werden in dieser Arbeit synonym eingesetzt und beziehen sich in diesem Zusammenhang, sofern nichts Abweichendes im Text formuliert wurde in erster Linie auf psychische Gebrechen. Dies geschieht mit der Absicht des Autors, sprachlicher Monotonie im Rahmen der folgenden Ausführungen vorzubeugen.

2.0. Sichtweise der Kinder und Partner

Die Bewältigung des Alltags bedeutet im Zusammenhang mit einer psychischen Behinderung eine besondere Herausforderung sowohl für psychisch Erkrankte selbst wie für deren Angehörige, die Respekt und Anerkennung verdient. Aus meiner Sicht macht es für mein Vorhaben bestimmte Beratungsfelder und Beratungsinhalte zu identifizieren Sinn, zwei Perspektiven näher zu beleuchten. Zum einen möchte ich daher auf die Perspektive der Kinder psychisch kranker Eltern und auf die Perspektive der Partner psychisch Erkrankter eingehen. Denn im belastenden Alltag der Familien, der Respekt und Anerkennung verdient, finden sich Hinweise auf Beratungsfelder und Inhalte, die als begleitende und stützende Maßnahmen in ein gutes multimodales stationäres Behandlungsprogramm und in die anschließende Nachsorge eingebettet sein müssen, damit den Betroffenen und ihren Familien möglichst wirksam geholfen werden kann. Lenz führte 2005 eine Untersuchung, bei der Kinder psychisch erkrankter Eltern im Alter von 7 bis 18 Jahren mit Hilfe von narrativen und offenen Interviews, einer Methode der Sozialforschung durch, die das Ziel hatte das Erleben der Kinder psychisch erkrankter Elternteile und ihre Erfahrungen im Zusammenleben mit ihnen zu explorieren und gleichzeitig ihr Wissen über die elterliche Erkrankung, sowie ihre Unterstützungs- bzw. Hilfewünsche zeitnah zur psychiatrischen Behandlung der Eltern zu rekonstruieren. Dabei wurde herausgefunden, dass Kinder mit folgenden Problemstellungen im familiären Alltag belastet sind: Ignorieren der eigenen Bedürfnisse und veränderter Tagesablauf zu Gunsten des psychisch erkrankten Elternteils, Ängste vor einem rezidivierenden Krankheitsverlauf bei den Eltern, der erneuten Einweisung in die Klinik und die damit verbundene Trennung von den Eltern, einem möglichen Suizid des erkrankten Elternteils, Angst vor Überlastung des erkrankten Elternteils und damit einen möglichen Rückfall in die psychische Krise des Elternteils. Aus diesen Ängsten resultieren bei Kindern wie bei Jugendlichen im Besonderen, durch ihren Drang zur Abgrenzung und Distanzierung, Schuldgefühle und das Gefühl für den psychisch erkrankten Elternteil Verantwortung übernehmen zu müssen, was in die Parentifizierung führt, wo Kinder verstärkt- auch nach Entlassung des erkrankten Elternteils aus der Klinik, sie eigentlich überfordernde Tätigkeiten des erkrankten Elternteils wahrnehmen, um nach Außen einen Schein von Normalität zu wahren und den erkrankten Elternteil zu schonen. Gleiches gilt in noch stärkerem und ausgeprägtem Maße für Jugendliche, die in elterliche Rollen schlüpfen um für ihre jüngeren Geschwister da sein zu können oder dem gesunden Elternteil den Partner zu ersetzen. Kinder fühlen sich auch aufgrund der psychischen Erkrankung eines Elternteils oft ohnmächtig, hilflos und wütend und vernachlässigt und ungeliebt. Vor Klinikeinweisung entstehen häufig Konflikte insbesondere im Rahmen eskalierender Krisensituationen. Bemerkenswert finde ich zudem das Lenz auch feststellt, dass eine Verlusterfahrung mit einschneidenden Alltagsveränderung für Kinder insbesondere dann vorliegt, wenn die psychische Behinderung bei der Mutter vorliegt. (vgl. Lenz /Jungbauer,2008:10-11). Ruppert liefert hierfür eine Erklärung mithilfe der Bindungstheorie nach Bowlby dessen theoretische Kernaussage ist, dass die Basis für eine gesunde Psyche beim Kind eine sichere Bindung zur Mutter sei. Der gesunde gelingende Wechsel zwischen Autonomie und Symbiose Bedürfnissen, also einerseits kindlichen Bedürfnissen nachdem etwas selbst tun und erfahren zu dürfen, den eigenen Willen zu äußern und umzusetzen, eigene Gefühle zu empfinden, eigene Wahrnehmungen und Gedanken zu haben und den Symbiose Bedürfnissen nach, Schutz, Wärme, Zuwendung und Geborgenheit, ist bei unsicher gewordener Bindung durch die Nichtverfügbarkeit der Mutter für das Kind nicht mehr gegeben wodurch eine psychische Erkrankung beim Kind, als Traumafolgesymptom wahrscheinlicher werden kann. Psychische Erkrankungen sind für Ruppert Folgesymptome von Traumata (vgl. Ruppert:2013, 63-73). Interessant an dieser These im Rahmen dieser Hausarbeit ist, dass für die psychische Erkrankung an sich nach Ruppert in den allermeisten Fällen eine traumatische Erfahrung ursächlich sei, denn dies deutet darauf hin, dass Kinder psychisch erkrankter Eltern sich auch mit den Traumatisierungen ihrer Eltern konfrontiert sehen und sich damit bewusst auseinandersetzen müssen, weil sie nach Ruppert, die Ursache der psychischen Erkrankung der Eltern darstellen. Nach seinem Ansatz, aus der mehrgenerationalen Psychotraumatologie heraus erklärt er dies wie folgt: ,,Für viele von uns ist die Erkenntnis schwer annehmbar, dass der Großteil dessen, was einem Menschen in seinem Leben an psychischen Problemen widerfährt, auf die traumatisierende Beziehung zu seiner Mutter zurückzuführen ist […]. Aus Existenz- und Verlusttraumata [der Mutter] können Symbiosetraumata [beim Kind der traumatisierten Mutter] resultieren welche wiederum in die Traumatisierung des gesamten [neu gegründeten] Bindungssystems [Familiensystems] hineinführen können [welches durch symbiosetraumatiserte Menschen erschaffen wurde]. Hat z.B. eine Mutter früh ein Kind verloren, kann sie in der Regel zu einem später geborenen Kind keine sichere Bindung aufbauen. Dieses Kind hat dann unter einem Symbiosetrauma zu leiden. Sucht sich dieses Kind später in seinem Leben einen Partner, der ebenfalls unter einem Symbiosetrauma leidet, so kann es dazu kommen, dass die Mutter ihr Kind vernachlässigt oder sogar ablehnt und sich dieses Kind dann in seiner symbiotischen Bedürftigkeit an seinen Vater wendet, der in seiner eigenen symbiotischen Bedürftigkeit möglicherweise die Situation ausnutzt und das Kind für sich vereinnahmt und gegebenfalls sogar sexuell missbraucht. […]. So entstehen über Generationen hinweg Bindungssysteme in denen alle Beziehungen von Traumata geprägt sind und immer wieder neue Traumata produzieren […]“ (Ruppert,2013: 114-130). Das wichtigste ist an dieser Stelle zu erkennen, dass nach Auffassung Rupperts sich die Traumatisierung der Mutter, aufgrund der sie nach Ruppert eine psychische Erkrankung hat, sich auf deren Kind insofern auswirken kann, als dass es unter einem Symbiosetrauma zu leiden hat, welches sich wiederrum auf das Familiensystem in dritter Generation traumatisierend auswirkt und es zu Bindungssystemtraumata kommen kann. Insofern ist anzunehmen, dass ein Kind mit psychisch erkrankten Eltern selbst traumatisiert ist und sich deshalb neben der Traumatisierung der Eltern als weiteres Problem für das Kind psychisch kranker Eltern, seine eigene Traumatisierung ergibt, die aus der Unfähigkeit der traumatisierten Mutter selbst resultiert, ihm eine sichere und verlässliche Bindung zu geben in der es Wärme, Nähe, Zuneigung und Geborgenheit erfahren könnte. Das Kind muss mithilfe seiner gesunden psychischen Strukturen, seine Traumaanteile integrieren, damit es sich nicht in Überlebensstrategien verrennt und später eine Familie gründen kann, die nicht durch traumatisierende Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder untereinander geprägt ist. Dazu gehört nach meiner Auffassung unter anderem auch ein umfassendes Wissen über die Erkrankung der eigenen Eltern, was auch Lenz in seiner 2005 durchgeführten Befragung als weiteres Problem von Jugendlichen und Kindern psychisch kranker Eltern identifiziert hat, welches besteht, weil vielen Kindern und Jugendlichen die wahren Ursachen für die Erkrankung ihrer Eltern gar nicht bewusst sind. Hierzu trägt auch aus meiner Sicht der Versuch der Eltern bei einer Scheinrealität von einem normalen Alltag gegenüber Kindern und Jugendlichen aufrecht zu erhalten. Entsprechend haben Kinder und Jugendliche ein großes Informationsbedürfnis, dass aber innerfamiliär nur selten wahrheitsgemäß befriedigt wird. Sie haben den Wunsch zu erfahren, wie die Erkrankung verläuft, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, wie sie im Alltag unterstützen können und ob die Krankheit vererbbar ist, was insbesondere Jugendliche wissen möchten. Viele Jugendliche und Kinder neigen in einer belastenden familiären Situation, wie der Eskalation in einer psychischen Krise zu sozialem Rückzug fliehen in eine Fantasiewelt und ihr Bewältigungsverhalten ist defensiv (vgl. Lenz/Jungbauer, 2008: 10-12). Als nächstes wende ich mich der Perspektive der Partner psychisch kranker Menschen zu. Jungbauer und Lenz beziehen sich auf eine Studie von Angermeyer et.al (2002) in der 175 Ehe-und Lebenspartner psychiatrisch behandelter Patienten unterschiedlicher Diagnosegruppen interviewt wurden- unter anderem sind dabei in diesem Zusammenhang die Ergebnisse zu Alltagsbelastungen und den Veränderungen in der Paarbeziehung mit dem psychisch erkrankten Betroffenen relevant. Es bestehen nach den Ergebnissen der vorbezeichneten Studie verstärkte Ängste und Sorgen hinsichtlich der Erkrankung des Partners, wenn Episoden lange anhalten und Verschlechterungen eintreten. Darüber hinaus bestehen existentielle Zukunftsängste die Familie betreffend, z.B. wenn zu befürchten steht, dass der erkrankte Partner seine Berufstätigkeit aufgrund der Erkrankung nicht fortführen kann und als Versorger für die Familie wegfällt. Diese existentiellen Ängste können besonders im Zusammenhang mit Suizidversuchen des erkrankten Partners lange über die akute psychische Krise hinauswirken und zu einem Angespannt sein des gesunden Partners führen. Haben Partner Angststörungen wird die Chronifizierung der Erkrankung gefürchtet. Häufig bestehen Befürchtungen einer Verschlimmerung der Erkrankung beim betroffenen Partner. Persistierende Symptome bringen für den gesunden Partner zusätzliche Belastung ein und führen nicht selten zu einer kompletten Reorganisation und Umstrukturierung des Alltags, indem der gesunde Partner die Aufgaben des kranken Partners mitübernehmen muss, weil er sie nicht mehr ausführen kann. Diese Reorganisation des Alltags betrifft verschiedene Bereiche- dazu gehören die Erwerbstätigkeit, Kindererziehung, Haushalt. Der gesunde Partner muss lernen eigene Bedürfnisse zugunsten des kranken Partners zurückzustellen und sich dem Tagesablauf des erkrankten Partners anpassen, was wie oben bereits angedeutet für alle Familienmitglieder zutrifft. Die Persönlichkeitsveränderung des erkrankten Partners führt nicht selten zu dessen Entfremdung, was häufige Konflikte und Reibereien unter den Partnern bedingt und eine generell schlechte Stimmung im Familiensystem bewirkt.

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Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668164048
ISBN (Buch)
9783668164055
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317223
Institution / Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München – Katholische Stiftungsfachhochschule
Note
Teilnahme/keine Note
Schlagworte
Beratung psychisch Kranker und ihrer Familien Beratung psychisch Kranker und ihrer Angehörigen

Autor

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