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Der Comic als Medium für den Schulunterricht in der Sekundarstufe I

von Helena Bergquell (Autor)
Hausarbeit 2014 17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Beschreibung der Vorgehensweise ... 2

2. Der Einsatz im Unterricht ... 2
2.1 Die Zulassung von Comics als Lehrmittel in NRW ... 2
2.2 Erläuterung des Comics 3
2.2.1 Definition ... 4
2.2.2 Formale Aspekte ... 5
2.2.2.1 Bilder ... 5
2.2.2.2 Leserichtung ... 6
2.2.2.3 Zeit und Bewegung ... 6
2.2.2.4 Text ... 8
2.2.2.5 Die Einstellungsgrößen ... 8
2.2.2.6 Die Perspektiven ... 8
2.2.2.7 Bewegung innerhalb des Panels ... 9
2.2.2.8 Die Farbe ... 9
2.3 Didaktische Ziele ... 9
2.3.1 Der Einsatz im Geschichtsunterricht als Beispiel ... 12

3. Schlussbetrachtung ... 14

4. Literaturverzeichnis ... 16

1. Einleitung – Beschreibung der Vorgehensweise

In dieser Arbeit soll geklärt werden, ob der Comic als Hilfsmittel für den Schulunterricht eingesetzt werden kann und welche Details es hierbei zu beachten gibt. Dabei stellen sich die Fragen, ob der Comic den Schülern das Lernen erleichtern und neues Interesse bei ihnen wecken kann oder auch ob Lehrende in der Lage sind, Comics als Medium für den Unterricht zu verwenden.

Der Erlass des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder regelt die Zulassung von Lernmittel im Unterricht. Gemessen an dem Medium Comic, beginnt diese Arbeit mit einer Erläuterung über die Zulassung von Lernmittel der Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen.

Um ein besseres Verständnis über die Gattung des Comics zu bekommen, wird er in zwei Abschnitten erläutert. Zunächst gilt es, den Begriff zu definieren, wobei danach formale Aspekte aufgezeigt und erläutert werden. Darunter fallen Bilder, Leserichtung, sowie Zeit und Bewegung. Außerdem Einstellungsgrößen, Perspektive und Bewegung. Zum Schluss dieses Abschnittes soll das Thema Farbe behandelt werden.

Nicht alle Comics sind für den Schulunterricht geeignet. Darum sollen im Anschluss die didaktischen Ziele des Einsatzes von Comics in der Schule zu erarbeiten und Vor- und Nachteile zu beschreiben.

Zuletzt wird am Beispiel des Geschichtsunterricht gezeigt, in welcher Weise der Comic im Unterricht sinnvoll eingesetzt werden kann. Positive und negative Beispiele des Geschichtscomics werden genannt und erläutert.

2. Der Einsatz im Unterricht

2.1 Die Zulassung von Comics als Lehrmittel in NRW

Mit der Zeit haben sich viele verschiedene Medien im Schulunterricht etabliert. Schriftliche, grafische, visuelle, akustische und gegenständliche Medien haben sich durchgesetzt und erleichtern das Lehren und Lernen.1 Auch der Comic kann sinnvoll als literarisch-künstlerisches Unterrichtsmedium eingesetzt werden.2 Ob ein Lernmittel im Unterricht zugelassen ist, klärt der Erlass des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder. Pauschal zugelassen sind Atlanten, Formelsammlungen, Grammatiken, Wörterbücher, Lexika, Bibeln, Altes und Neues Testament, Katechismen, Gebetbücher, Liederbücher, Kochbücher und wissenschaftliche Literatur. Die einzelne Schule gestaltet den Unterricht im Rahmen der Richtlinien und Lehrpläne in eigener Verantwortung. Deshalb gelten auch ergän­zende Medien, die nur kurzfristig im Unterricht eingesetzt werden, als pauschal zugelassene Lernmittel. 'Kurzfristig' bedeutet für die Sekundarstufe I in NRW, dass die Lernmittel die Schülerinnen und Schü­ler keine vollen Schuljahre hindurch versorgen dürfen. Da der Comic nicht unter die pauschal zugelassenen Lernmittel fällt, könnte er als ergänzendes Medium für den Schulunterricht hinzugezogen werden. Der Zeitraum zur Nutzung des Comics als Medium bezieht sich dann für die Sekundarstufe I in NRW auf weniger als ein Schuljahr. Möchte der Lehrer einen Comic als Hauptlehrbuch nutzen, muss er einen Zulassungsantrag stellen. Diese Zulassung kann auf drei möglichen Wegen erfolgen. Lernmittel können pauschal, im vereinfachten Verfahren oder im Gutachterverfahren zugelassen werden. Das Ministerium legt für die verschiedenen Fächer den Zulassungsweg fest. Die Zuordnung der Zulassungswege zu den Fächern wird im Verzeichnis „Zulassung von Lernmitteln in NRW“ veröffentlicht.3

2.2 Erläuterung des Comics

In den 50er Jahren wurde der Comic auf der pädagogischen und didaktischen Ebene größtenteils abgelehnt. Die Hauptgründe hierfür waren der angebliche Analphabetismus, den Kinder durch das Comiclesen bekämen, innere Verarmung, seelische Schäden und Kriminalität. In den 60er Jahren wurden einige dieser Vorurteile wissenschaftlich widerlegt, manche als unbeweisbar abgetan. Nach mehreren Untersuchungen des Comics wurde er als literarisches Genre betrachtet, das nur innerhalb der eigenen Grenzen wertend begriffen werden kann.

Wenn der Lehrende mit einem Comic im Unterricht arbeiten möchte, sollte er den Schülern das Medium Comic erläutern, damit diese den Comic auch korrekt lesen können.

Nur einen Haken hat die Sache: es kann nicht vorausgesetzt werden, dass alle Kinder Comics lesen. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass die allerwenigsten Erwachsenen regelmäßig Comics lesen und diese Lesefähigkeit somit auch gar nicht an ihre Kinder weitergeben könnten.4

Der Lehrende sollte demnach genug Wissen über dieses Medium vorweisen können, um dieses Wissen auch sinnvoll weitergeben zu können. Der positive Umgang des Lehrenden mit dem Medium Comic kann den Schülern neue Lernperspektiven eröffnen. Folgend wird eine tiefgreifendere Beschreibung des Comicgenres gegeben.

2.2.1 Definition

Zurzeit gibt es keine eindeutige literaturwissenschaftliche Definition für das Medium Comic. Dennoch wurden bereits unterschiedliche Beschreibungen zu verschiedenen Zeiten verfasst.5 In Definitionsansätzen dürfen zeitbedingte Formalia und inhaltliche Festlegungen nicht berücksichtigt werden. Hingegen sollte Allgemeingültigkeit auf formaler Ebene in einer passenden Definition angestrebt werden. Dennoch sollte die Grenze zum Cartoon oder zum Animationsfilm klar ersichtlich sein. Will Eisner prägte den Begriff 'sequential art', der von Scott McCloud weiter ausgearbeitet wurde.6

Zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/oder eine ästhetische Wirkung beim Betrachter erzeugen sollen.[7

2.2.2 Formale Aspekte

Comics sind längst nicht mehr nur für Kinder geeignet. Das Angebot ist groß, vielfältig und deckt alle Altersklassen ab. Demnach sind auch die Merkmale eines Comics erneut aufzugreifen.

2.2.2.1 Bilder

Bereits wenn zwei Bilder als Sequenzteile auftreten, werden sie als Comic bezeichnet. Die Bilder sind räumlich angeordnet und beinhalten bildliche oder andere Zeichen. Sie haben einen Rahmen als Begrenzung und werden Panels genannt. Darüber hinaus sind sie meist in viereckiger Form gehalten, können aber auch in ihrer Form variieren.8 Es gibt auch Panels ohne Begrenzungsrahmen, allerdings kann man hier auf unterschiedliche Hintergründe, Wiederholung von Figuren oder auch weiße Zwischenräume zurückgreifen, um Teilsequenzen erkennen zu können. Bei manchen Panels bildet die ganze Seite dessen Rahmen.9 Diese Seite wird Full Page Shot genannt. Ein Panel, welches sich über eine Doppelseite erstreckt, heißt Splash Page. Linien, Flächen, Formen, Farben, Kontraste, Perspektiven und Übergänge sind wichtige Gestaltungsmittel, die für die Narration eines Comics von Bedeutung sind. Die Wirkung dieser Gestaltungsmittel ist panelübergreifend, das heißt, dass die Wirkung eines Panels die vorherigen und die nachfolgenden Panels beeinflusst.10 Bedeutender ist die komplette Sequenz, die, im Gegensatz zu einem einzelnen Panel, eine zusammenhängende erzählerische Einheit bildet.11

2.2.2.2 Leserichtung

Comics werden normalerweise von links nach rechts und von oben nach unten gelesen. In japanischen Comics hingegen, wie zum Beispiel den Mangas, liest man von unten nach oben und von rechts nach links.12

Zuerst wird die ganze Seite mit dem Auge erfasst, dann die Bildsequenzen und danach das einzelne Bild. Im Bild wird dann der Vordergrund vor dem Hintergrund und die größeren Elemente werden vor den Kleineren wahrgenommen. Beim Betrachten der einzelnen Bilder geht der Blick des Lesers kontinuierlich vor und zurück, um Bild und Text zu erfassen und aufeinander beziehen zu können.13

2.2.2.3 Zeit und Bewegung

Die Größe der Panels spielt in der Wirkung auf den Leser eine wichtige Rolle. Große und detailreiche Panels werden eingesetzt, um eine Zeitverzögerung in der Erzählung darzustellen. Das Auge des Lesers ruht hier länger, um alles erfassen zu können.

Bild und Text zusammen ergeben die Narration des Comics, sind aber nicht allein für sie zuständig. Ein Element fließt hier noch mit ein, der Hiatus. Als Hiatus wird

der Raum zwischen zwei Panels bezeichnet, indem Zeit vergeht und die Erzählung weiter voranschreitet, ohne dass dies für das Auge des Lesers ersichtlich ist.14

Der Leser füllt diesen Leerraum mithilfe seiner Fantasie und verbindet beide Panels zu einer durchgehenden Erzählung.15

Diese Induktionsleistung ist ein primäres Mittel im Comic, um Zeit und Bewegung darzustellen. Die Übergänge verlangen unterschiedliche Induktionsleistungen vom Leser. Hierbei kommt es darauf an, ob die Panels von Augenblick zu Augenblick, von Handlung zu Handlung, von Gegenstand zu Gegenstand oder von Szene zu Szene dargestellt werden. Bei der Darstellung von Augenblick zu Augenblick wird nur eine geringe Induktionsleistung verlangt, wohingegen die Übergänge von Szene zu Szene eine große Induktionsleistung verlangen.

[...]


[1] Vgl. Hans-Jürgen Pandel: „Comics. Gezeichnete Narrativität und gedeutete Geschichte“. In: Ders./Gerhard Schneider (Hg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht. 5., überarb. u. erw. Aufl. Schwalbach/Ts. 2010. S. 349 - S. 374, hier S. 349.

[2] Vgl. Eckart Sackmann: „Comic. Kommentierte Definition (Bibliographisches Institut GmbH & F.A. Brockhaus GmbH 2008)“. http://www.comicforschung.de/pdf/dc10_6-9.pdf (23.10.2013).

[3] Vgl. http://www.schulministerium.nrw.de/docs/Schulsystem/Unterricht/Lernmittel/index.html (15.12.2013).

[4] Sebastian Broskwa: „Comics im Unterricht (Ausgabe 2/2013, 19.06.2013)“. http://www.medienimpulse.at/pdf/Medienimpulse_Comics_im_Unterricht_Broskwa_20130515.pdf (15.12.2013).

[5] Vgl. Sackmann: „Comic.“ http://www.comicforschung.de/pdf/dc10_6-9.pdf

[6] Vgl. Oliver Näpel: Auschwitz im Comic – Die Abbildung unvorstellbarer Zeitgeschichte. Münster 1998. S. 9.

[7] Scott McCloud: Comics richtig lesen. Hamburg 2001. S. 17.

[8] Vgl. Pandel: „Comics“. S. 352.

[9] Vgl. Jakob F. Dittmar: Comic-Analyse. Konstanz 2008. S. 57f.

[10] Vgl. Dittmar: Analyse. S. 68f.

[11] Vgl. Pandel: „Comics“. S. 352.

[12] Vgl. Dittmar: Analyse. S. 76.

[13] Vgl. Oliver Näpel: Das Fremde als Argument. Identität und Alterität durch Fremdbilder und Geschichtsstereotype von der Antike bis zum Holocaust und 9/11 im Comic . Frankfurt 2011. S. 49.

[14] Vgl. Pandel: „Comics“ S. 353.

[15] Vgl. McCloud: Comics. S. 74f.

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668171961
ISBN (Buch)
9783668171978
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317906
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,5
Schlagworte
Comic Graphic Novel

Autor

  • Helena Bergquell (Autor)

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