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Erzählen und Erfinden von Märchen. Anwendungsmöglichkeiten im schulischen Kontext

Hausarbeit 2012 14 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Konzepte zur Erzähl - / Märchendidaktik
2.1. Merkmale fiktionalen Erzählens
2.2. Bedeutung des freien Erzählens
2.2.1. Erzählen von Märchen
2.2.2. Kinder erzählen Märchen
2.3. Kinder erfinden Märchen

3. Anwendung der Konzepte auf den schulischen Kontext
3.1. Märchen als Lernmodell für das Aneignen einer Erzählstruktur
3.2. Märchen zur Förderung von Kreativität
3.3. Märchen im produktionsorientierten Unterricht
3.4. Märchen zur Überwindung von sprachlich-kulturellen Grenzen

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

Märchen sind fester Bestandteil jeder Kindheit. Welcher Mensch erinnert sich nicht mit Wohlwollen an seine Erfahrungen mit Märchen zurück? Die Popularität der Massenmedien mit dem Wandel der Zeit lässt sich nicht leugnen, doch das Märchen hat bis heute hin überlebt. Dabei stellt sich mir die Frage, aus welchem Grund Märchen neben den ganzen anderen Kinderbüchern ein so besonderer Stellenwert zugeschrieben wird.

Darüber hinaus erinnert sich kaum jemand daran Märchen früher selber gelesen zu haben. Die meisten Kinder, sobald sie das Lesen gelernt haben, können es kaum erwarten ohne die Hilfe ihrer Eltern zu lesen. Doch denkt man an Märchen, so verbindet man direkt einen Märchenerzähler und den kindlichen Zuhörer damit. Zudem erzählt fast jeder Mensch direkt von seinem Lieblingsmärchen wenn man beginnt über Märchen zu sprechen. Somit müssen Märchen doch eine oder mehrere besondere Eigenschaften aufweisen, die sie so einmalig machen.

Im Folgenden werde ich mich mit der Bedeutung von Märchen für Kinder im Bezug auf Erzählen und Erfinden beschäftigen. Zu Beginn werde ich die allgemeinen Merkmale fiktionalen Erzählens erläutern. Sobald ich diese herausgestellt habe, wende ich mich der Bedeutung freien Erzählens zu. Hierbei ist es besonders wichtig was erzählt wird und von wem es erzählt wird. Somit werde ich mich insbesondere auf das Erzählen von Märchen und auf Kinder, die erzählen, konzentrieren. Der letzte Punkt des theoretischen Teils handelt von dem Erfinden von Märchen. Anschließend werde ich die theoretischen Konzepte auf den Unterricht anwenden und somit den didaktischen Aspekt dieser Hausarbeit unterstreichen. Dazu habe ich unterschiedliche Unterrichtsmethoden ausgewählt. Zuerst werde ich die Art und Weise untersuchen, wie das Märchen zu der Aneignung einer Erzählstruktur beitragen kann. Weiterhin hielt ich es sehr interessant auf den kreativen Aspekt, der durch Märchen gefördert wird, einzugehen. Anschließend zeige ich auf, wie sich Märchen im produktionsorientierten Unterricht bemerkbar machen und verweise zuletzt auf die Bedeutung von Märchen im Bezug auf sprachlich-kulturelle Grenzen. Diese vier Methoden habe ich ausgewählt um zu zeigen, wie vielfältig Märchen im Unterricht genutzt werden können. Abschließend werde ich in meinem Fazit die Ergebnisse zusammenfassen und sehen, inwiefern sich dadurch meine zu Beginn gestellten Fragestellungen beantworten lassen.

2. Theoretische Konzepte zur Erzähl - / Märchendidaktik

2.1. Merkmale fiktionalen Erzählens

[1] Zunächst ist es wichtig zu klären, welche Bedeutung der Begriff Erzählung hat. Simpel ausgedrückt ist eine Erzählung eine Art Rede, in der ein Geschehen vergegenwärtigt wird. Da es sich um eine Form der Rede handelt, wird ein Erzähler benötigt, der das Geschehen präsentiert. Bei der Modifizierung einer Erzähltheorie besteht jedoch auch durchaus die Möglichkeit sich auf die Verwendung des Wortes Erzählen zu beziehen. Unterschieden werden kann zwischen dem Realitätscharakter, das heißt dem, was erzählt wird und der Redesituation. Folglich gelangt man zu zwei verschiedenen Möglichkeiten der Verwendung. Zum Einen können die Vorgänge in der Erzählung erfunden oder real sein und zum Anderen kann die Erzählung im Rahmen alltäglicher Rede oder im Rahmen dichterischer Rede dargestellt werden. Kurz gefasst stehen sich hier die Merkmalspaare „<real vs. fiktiv> und <dichterisch vs. nichtdichterisch>“[2] gegenüber.

Als faktuale Erzählung bezeichnet man den Normalfall der nichtdichterischen Erzählung, in welcher ausschließlich reale Vorgänge vorkommen. Dem gegenüber steht die Erzählung im Rahmen eines Märchens, da es sich hierbei um erfundene Vorgänge, dargestellt in dichterischer Rede, handelt.

Fiktionale Texte hingegen sind komplexer als faktuale Texte, denn hier sind zwei Kommunikationssituationen der Ausgangspunkt. Dadurch, dass fiktionale Texte von einem realen Autor für einen realen Leser verfasst werden, sind sie Teil einer realen Kommunikationssituation. Betrachtet man nun den Inhalt der Erzählung, gelangt man zu der zweiten, imaginären Kommunikationssituation. Zwar handelt es sich hierbei um authentische Sätze, da der Autor diese verfasst hat, jedoch ist der Inhalt erfunden und stammt somit nicht vom Autor selbst, sondern vom Erzähler. Dem Verfasser bieten sich bei der letzteren Kommunikationssituation freie Gestaltungsmöglichkeiten bezüglich des Verfassens der Erzählung und dem Erzählten selbst. Der Leser bekommt nur über die gegebenen Informationen im Text selbst Zugang zur erzählten Welt. Dennoch ist es wichtig zwischen dem vermittelten Inhalt und der Art und Weise, wie er erzählt wird, zu unterscheiden.

2.2. Bedeutung des freien Erzählens

„Geschichten sind nichts Endgültiges und Fixiertes […], sondern etwas grundsätzlich Veränderbares.“[3] In diesem Kontext ist es wichtig, sich erst einmal auf den Erzähler zu konzentrieren. Ein Erzähler kann dieselbe Geschichte mehrmals erzählen und dennoch ist sie jedes Mal ein wenig anders, denn er teilt nicht nur den Inhalt der Geschichte mit, sondern auch immer ein Stück von sich selbst. So variieren die Geschichten je nach Befinden des Erzählers und so können immer neue Sichtweisen, Zusammenhänge und Orientierungsmöglichkeiten entstehen.

Für Kinder ist es enorm wichtig, dass sie schon vor der Schule mit mündlich erzählten Geschichten in Kontakt kommen, denn für sie bieten sich vielfältige Lernmöglichkeiten. Durch das aktive Zuhören beginnen sie nicht nur selber das Erzählen nachahmend zu lernen, sondern können auch ihre eigenen Sprachfähigkeiten entwickeln und festigen. Wenn Kinder Interesse an mündlichem Erzählen zeigen, drückt das zugleich ihre Lernbereitschaft und Eigeninitiative aus, denn oftmals müssen sie Erwachsene zum erzählen überreden.[4]

2.2.1. Erzählen von Märchen

„Da Kinder Märchen lieben, da sie nicht müde werden, sie immer wieder zu hören, müssen die Märchen doch wichtige Bedürfnisse befriedigen“[5]. Bereits ein einzelnes Märchen kann eine bemerkenswerte Wirkung auf ein Kind haben, denn bei Kindern findet eine besondere Verarbeitung von Märchenelementen statt. Es kommt nicht selten vor, dass sie die Geschichte verändern und eine andere Version im Gedächtnis behalten oder sogar eigene Elemente hinzufügen. Dennoch übermittelt das Märchen einen Sinn, welcher für das Kind verständlich ist. Ein besonderer Aspekt hierbei ist die Bildsprache, welcher sich das Märchen bedient. Durch die bilderreiche Sprache werden dem Kind nicht nur Identifikationsmöglichkeiten geboten, sondern dadurch können sie zudem noch mögliche Lösungswege von Problemen finden.[6]

[...]


[1] Als Grundlage für diesen Aspekt dient Martinez/Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie. 8.Auflage. München 2009, S.9ff.

[2] Martinez/Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie. 8.Auflage. München 2009, S.10

[3] Oehlmann, Christel Gisela: Einfach erzählen. Ein Übungsbuch zum Erlernen des freien und des gestalteten mündlichen Erzählens. Paderborn 2001, S.110

[4] Vgl. Oehlmann, Christel Gisela: Einfach erzählen. Ein Übungsbuch zum Erlernen des freien und des gestalteten mündlichen Erzählens. Paderborn 2001, S.105ff.

[5] Zitat Bruno Bettelheim in Hetmann, Frederik: Traumgesicht und Zauberspur. Märchenforschung, Märchenkunde, Märchendiskussion. Frankfurt am Main 1982, S. 88

[6] Vgl. Bettelheim, Bruno: Kinder brauchen Märchen. 30. Auflage. München 2011, S.142ff.

Zusammenfassung

Im Folgenden werde ich mich mit dem Einfluss von Märchen auf die Kompetenzen Erzählen und Erfinden von Kindern beschäftigen.

Zunächst werde ich die allgemeinen Merkmale fiktionalen Erzählens erläutern. Sobald diese herausgestellt sind, wende ich mich der Bedeutung freien Erzählens zu. Hierbei ist besonders wichtig, was erzählt wird und von wem es erzählt wird. Somit werde ich mich insbesondere auf das Erzählen von Märchen und auf Kinder als Erzähler konzentrieren. Der letzte Punkt des theoretischen Teils handelt von dem Erfinden von Märchen.

Anschließend wende ich die theoretischen Konzepte auf den Unterricht an und leite somit zum didaktischen Aspekt dieser Hausarbeit über. Dazu habe ich unterschiedliche Unterrichtsmethoden ausgewählt. Zuerst werde ich die Art und Weise untersuchen, wie das Märchen zu der Aneignung einer Erzählstruktur beitragen kann. Weiterhin hielt ich es sehr interessant, auf den kreativen Aspekt, der durch Märchen gefördert wird, einzugehen. Anschließend zeige ich auf, wie sich Märchen im produktionsorientierten Unterricht bemerkbar machen und verweise zuletzt auf die Bedeutung von Märchen in Bezug auf sprachlich-kulturelle Grenzen. Diese vier Methoden habe ich ausgewählt, um zu zeigen wie vielfältig Märchen im Unterricht genutzt werden können.

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668174603
ISBN (Buch)
9783668174610
Dateigröße
717 KB
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (März)
Note
2,3
Schlagworte
Märchen Kinder Kreativität Erzählung Unterrichtsmethoden sprachlich-kulturell

Autor

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