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Ein Dorf muss weichen! Konflikte und Hindernisse bei der Umsiedlung von Ortschaften am Beispiel Königshoven (Erdkunde, Klasse 11)

Unterrichtsentwurf 2015 25 Seiten

Didaktik - Geowissenschaften / Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Thema der Unterrichtsreihe

Thema der Unterrichtsstunde

Stundenziel

Teilziele

Tabellarische Darstellung der geplanten Unterrichtsreihe

Verlaufsplan

Begründung zentraler Aspekte der Unterrichtskonzeption

Quellenverzeichnis

Anhang

Thema der Unterrichtsreihe:

Fossile Energieträger als Motor für Entwicklung – Förderung und Nutzung fossiler Energieträger im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie.

Thema der Unterrichtstunde:

Ein Dorf muss weichen! Konflikte und Hindernisse bei der Umsiedlung von Ortschaften am Beispiel Königshoven.

Stundenziel:

Die Schülerinnen und Schüler kennen die unterschiedlichen Probleme und die Folgen, die bei einer Dorfumsiedelung durch den Braunkohleabbau entstehen und können diese erläutern.

Teilziele:

Die SuS sollen…

1. den Ablauf einer Dorfumsiedlung erkennen, indem sie am Beispiel Königshoven Daten des Umsiedlungsablaufs auswerten.
2. die Konflikte und Folgen einer Dorfumsiedlung für die Landwirte nachvollziehen können, indem sie in der Gruppe Diagramme und Karten miteinander vergleichen und Unterschiede zwischen altem und neuem Dorf nennen.
3. die Problematik einer Dorfumsiedlung für Hauseigentümer und Mieter erkennen, indem sie zu Texten und Grafiken verschiedene Fragen beantworten.
4. Hindernisse und Folgen bei einer Dorfumsiedlung für Gewerbetreibende und
Einzelhandelsbetriebe erkennen, indem sie einen Text und eine Tabelle in der Gruppe auswerten und Unterschiede zwischen altem und neuem Dorf erkennen.
5. sich für oder gegen Braunkohleabbau positionieren, indem sie die positiven und negativen Fakten der Braunkohleförderung miteinander abwägen.

Darstellung der Unterrichtsreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verlaufsplan

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Begründung zentraler Aspekte der Unterrichtskonzeption

Legitimiert wird die Auseinandersetzung mit dem Thema „Fossile Energieträger“ durch die Landesvorgaben Nordrhein-Westfalens. Darin ist das Thema im Inhaltsfeld 2 „Raumwirksamkeit von Energieträgern und Energienutzung“ enthalten.1

Das Vorhaben in dieser Stunde, den Ablauf und die Bedeutung einer Dorfumsiedlung für die unterschiedliche Bevölkerung herauszufinden, ist wichtig für die SuS, da eine Zwangsumsiedlung ein zentrales Erlebnis für die Bewohner darstellt und auch wirtschaftliche und soziale Folgen mit sich bringt. Um den Abbau von Braunkohle gänzlich zu erfassen ist es unabdingbar, neben dem Ablauf auch die Folgen und Auswirkungen von Dorfumsiedlungen zu analysieren. Besonders die unterschiedlichen Folgen für Landwirte, Gewerbetreibende und Hauseigentümer sollen in der Stunde erarbeitet werden.

Braunkohle wird im Tageabbau gefördert, da die Braunkohlelagerstätten, die sogenannten Flözen, lediglich von lockeren Erdschichten überdeckt werden und sich somit dicht an der Erdoberfläche befinden.2 Liegen diese Flöze unter einer Dorfsiedlung muss das Dorf weichen, da sonst die Braunkohle nicht gefördert werden kann. Das Vorhaben einer solchen Dorfumsiedlung bedarf langer Planung. Von der Planung bis zum Abschluss dauert es ca. 15 Jahre.3 Im Rheinland wurden bereits über 50 Ortschaften und ca. 30.000 Menschen durch den Braunkohleabbau umgesiedelt. Es gibt verschiedene Arten von Umsiedlungen: Einzelumsiedlungen, Gruppenumsiedlungen in bestehende Orte, geschlossene Umsiedlungen mit Neugründung einer Ortschaft oder eines Ortsteils. Die letzte Möglichkeit ist die am häufigsten gewählte.4 Ein Beispiel dafür ist der Ort Königshoven, der den inhaltlichen Schwerpunkt der Stunde bilden wird. Die Umsiedlung erfolgte zwischen 1970 und 1986 und stellt die bisher größte Dorfumsiedlung im rheinischen Braunkohlerevier dar.5 Das Dorf muss wegen des Braunkohleabbaugebiets „Garzweiler I“ weichen und wird ca. 8 Kilometer südöstlich mit einem neuen Ortsteil an den bestehenden Ort Kaster geschlossen. Dieser wird in Königshoven umbenannt. Das alte Königshoven war von landwirtschaftlichen Betrieben geprägt. Insgesamt zählte das alte Königshoven 56 Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe. Im neuen Königshoven sind lediglich noch 27 Betriebe zu finden.6 Viele vor allem kleinere Betriebe haben nach Verlust des Hofes ihren Betrieb aufgegeben. Probleme stellen der Verlust des Gehöfts und auch das zu bewirtschaftende Land dar. Die im Rheinland verbreitete Realteilung führt dazu, dass der Pachtanteil des Landes ca. 45% beträgt. Dies bedeutet, dass nach Verlust dieses Landes neues ausreichendes Pachtland zur Verfügung gestellt werden muss, damit die landwirtschaftlichen Betriebe weiter bestehen können.7

Hof- und Hausbesitzer bekommen eine finanzielle Entschädigung in Höhe des aktuellen Verkehrswertes des Anwesens. Es werden weiterhin erschlossene Grundstücke im neuen Dorf angeboten und diese im Verhältnis 1:1 getauscht.8 Dennoch ist zu beachten, dass ein Neubau oftmals viel höhere Kosten mit sich bringt, als die Betroffenen durch ihr altes Haus an Entschädigung bekommen. Dies kann zu einer Verschuldung führen. Weitere Aspekte sind die Planung und der Stress, der durch einen Neubau entsteht und denen die Bewohner zwangsweise ausgesetzt sind. Aber nicht nur Haus- und Hofbesitzer, sondern auch Mieter haben mit den Folgen der Zwangsumsiedlung zu kämpfen. So bekommen die Mieter zwar eine Umzugsentschädigung, dennoch können sie nicht beeinflussen, was für neue Wohnungen zur Miete angeboten werden und wie hoch deren Mietpreise sind. Oftmals sind diese durch die gestiegene Nachfrage höher als die Mieten im alten Dorf.

Eine weitere Gruppe, die mit der Zwangsumsiedlung zu kämpfen hat, sind die der Gewerbe- und Einzelhandelstreibenden. Das Gewerbe wird aus seiner bestehenden Struktur gerissen und muss sich in das neue Dorfgefüge eingliedern. Während der Kundenkreis mit der Umsiedlung im alten Dorf immer kleiner wird, muss im neuen Dorf der Kundenstamm langsam wieder aufgebaut werden. Ein anderes Problem könnte die bereits ansässige Konkurrenz im neuen Dorf sein. Die Lage des Betriebs im Dorf ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium und kann zu Nachteilen führen. Auch ist es ein Problem, wenn der neue Ort näher an einer Stadt gelegen ist. Dies könnte dazu führen, dass die Kunden den nun kürzen Weg zur Stadt für ihre Einkäufe in Kauf nehmen und somit das kleine Geschäft im Ort meiden.9 Allgemein muss auch bedacht werden, dass es vor allem ältere Menschen, die bereits in dem Ort aufgewachsen sind und seitdem dort leben, schwer fallen wird, ihren Ort zu verlassen.

Durch die aktuelle Klimapolitik steht der Braunkohleabbau in Deutschland stark in der Kritik und aktuell wird darüber diskutiert, wie stark die Abbaufläche Garzweiler II ausgebaut wird und wie lange allgemein der Braunkohleabbau in Deutschland stattfinden wird.

Schwerpunkt der Stunde ist die Erarbeitung der Auswirkungen einer Dorfumsiedlung für die Bewohner.

Als Einstieg wird den SuS ein „Achtung - Schild“ mit einem großen Braunkohlebagger und einem Haus gezeigt. Die SuS werden darauf kommen, dass es um Dorfumsiedlungen im Zuge des Braunkohleabbaus geht. Mit Hilfe des stummen Impulses sollen die SuS zunächst motiviert und ihr Vorwissen aktiviert werden. Sie sollen Vermutungen äußern, was das Schild darstellt. Es erfolgt dadurch zunächst eine Sensibilisierung für den Sachverhalt der Dorfumsiedlung und das Interesse wird geweckt. Anschließend wird die Fragestellung der Stunde an der Tafel notiert. Es erfolgt eine Einordnung von Königshoven anhand einer Karte. Die SuS sollen Hypothesen äußern, worin die Probleme bei Dorfumsiedlungen bestehen könnten. Diese Hypothesen werden an der Tafel gesammelt.10

Die Erarbeitungsphase wird in vier unterschiedlichen Gruppen geschehen.11 Wenn alle SuS anwesend sind wird es drei Vierer- und eine Fünfer Gruppe geben. Diese Gruppengröße ist die oberste Grenze, da ein effektives Arbeiten in größeren Gruppen oftmals nicht möglich ist, da sich schwächere und unmotivierte SuS gegebenenfalls aus dem Geschehen herausziehen und abschalten würden. Die Gruppen werden durch Ziehen von Spielkarten zufällig gebildet. Damit soll erreicht werden, dass neue Gruppen entstehen und SuS miteinander arbeiten, die sonst nicht viel miteinander zu tun haben, was die Sozialkompetenz fördert. Wenn die SuS die Gruppen selber bilden würden, käme es vermutlich dazu, dass die SuS die gleichen Aufgaben und Rollen einnehmen würden, die sie immer übernehmen. Dies würde dazu führen, dass manche SuS genau wüssten, dass sie sich auf die anderen verlassen können und selbst nur das Nötigste in der Erarbeitungsphase leisten würden. Aus diesen Gründen möchte ich die Gruppenbildung dem Zufall überlassen. Allgemein wurde sich für eine Gruppenarbeit entschieden, da in diesen die Sozialkompetenz und Teamfähigkeit gestärkt und durch den Austausch in der Gruppe kreatives und produktives Arbeiten gefördert wird, vor allem, wenn ein gemeinsames Endprodukt (in diesem Fall die Folie) erarbeitet wird.12 Gruppenarbeiten bieten ebenfalls den Vorteil, dass SuS in ihrer Gruppe in einem geschützten Raum sind und somit gegebenenfalls ihre Meinung und Überlegungen freier äußern als vor dem ganzen Plenum.13 Dieser Umstand ist bei dieser Lerngruppe auch gewährleistet, wenn die Gruppen zufällig zustande kommen. Dadurch wird eine aktivere Mitarbeit erhofft, vor allem von den stilleren SuS. Es soll erreicht werden, dass alle SuS in der Gruppe mitarbeiten und mitdenken. Um dies zu erreichen, wird ebenfalls der Zufall entscheiden, wer aus der Gruppe die Folie anschließend dem Plenum präsentiert. Somit muss jeder in der Lage sein, das Gruppenergebnis präsentieren zu können. Es kann dazu kommen, dass SuS die Ergebnisse präsentieren, die eher leistungsschwach sind. Somit könnten die Präsentationen schwächer ausfallen als im Normalfall, wenn die leistungsstärkere SuS präsentieren würden. Allerdings können die anderen Gruppenmitglieder ergänzen und unterstützen. Die Gruppenarbeit ist nach dem „Think-Pair-Share“- Prinzip aufgebaut.14 Die erste Phase beginnt damit, dass die SuS in Einzelarbeit die Textstelle und Grafiken lesen und verstehen, bevor sie in der Gruppe ihre Meinungen äußern und diskutieren. Dieser Dreischritt ist an das kooperative Lernen geknüpft. Somit stellt die Einzelarbeit die Think - Phase, die Gruppenarbeit die Pair - Phase und die Präsentation die Share - Phase dar.15

Die Gruppen haben unterschiedliche Erarbeitungsschwerpunkte. Die erste Gruppe beschäftigt sich mit dem Ablauf einer Dorfumsiedlung. Die anderen drei Gruppen erarbeiten für unterschiedliche Dorfbewohner die Folgen der Umsiedlung. Gruppe zwei setzt sich mit den Landwirten auseinander. Welche Probleme und Folgen hat diese Gruppe der Dorfbevölkerung zu ertragen? Die dritte Gruppe bearbeitet Probleme und Folgen für Hausbesitzer und Mieter. Wie erlangen diese ein neues Haus oder eine neue Wohnung in dem neuen Dorf? Welche Probleme könnten hier auftreten? Ebenfalls soll diese Gruppe die Umsiedlung aus Sicht von Senioren bearbeiten. Die letzte Gruppe setzt sich mit den Einzelhandels- und Gewerbetreibenden auseinander. Wie verläuft hierbei die Umsiedlung und welche Probleme treten auf?

Die Gliederung in drei Teile (Landwirtschaft / Hausbesitzer, Mieter und Senioren / Einzelhandels- und Gewerbetreibende) wurde gewählt, da anhand dieser verschiedenen Dorfgruppen die unterschiedlichen Probleme einer Umsiedlung aufgezeigt werden können. Diese erste Gruppe untersucht dabei nicht die Probleme der Umsiedlung, sondern erarbeitet den Ablauf einer Umsiedlung. Dies ist für das Grundverständnis ausschlaggebend.

Als Präsentationsmedium wurde sich für Folienabschnitte entschieden, da bei diesen der Vorteil besteht, Änderungen leicht vornehmen zu können und es kein großen Aufwand ist diese anzufertigen. Eine Visualisierung im Allgemeinen ist ungemein wichtig, da die Ergebnisse so für alle deutlich und zugänglich werden und durch die Overlaytechnik nach und nach ein umfassendes Bild der Probleme einer Umsiedelung auf Folie entsteht, welches für das Fazit unabdingbar ist.

Als Sicherung werden die SuS in der nächsten Unterrichtsstunde ein zusammenfassendes Arbeitsblatt bekommen, welches auf Basis der Folien aus der Gruppenarbeit erstellt wird.

Nach den Präsentationen werden im Unterrichtsgespräch die Ergebnisse zusammengefasst und es wird einen Rückbezug auf die zuvor formulierten Hypothesen geben. Können diese so beibehalten werden oder müssen sie umformuliert oder ergänzt werden? Anschließend wird ein finales Fazit an der Tafel formuliert.

Hier ist das Minimalziel erreicht. Falls noch Zeit vorhanden ist, wird anhand einer Karte das Fortschreiten des Tageabbaus Garzweiler gezeigt und die SuS bekommen aktuelle Informationen, über die politische Diskussion, Garzweiler II nur zum Teil auszubauen. Die SuS sollen nun die positiven und negativen Aspekte des Braunkohleabbaus, die in den letzten Stunden erarbeitet wurden, miteinbeziehen und sich im Raum für oder gegen Braunkohleabbau positionieren. Anschließend sollen einzelne SuS ihre Position rechtfertigen. Zum Abschluss gibt es einen Ausblick in die nächste Unterrichtsstunde. In dieser wird sich mit der Rekultivierung alter Braunkohleabbauflächen beschäftigt.

Eine mögliche Schwierigkeit der Unterrichtseinheit ist die zeitliche Knappheit, da die SuS sehr heterogen arbeiten und die Ergebnisse auch präsentiert werden. Entgegengewirkt wird dem dadurch, dass die SuS die Folien nicht mehr abschreiben und sichern müssen, da sie in der nächsten Unterrichtsstunde ein zusammenfassendes Blatt bekommen.

[...]


1 Vgl.: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen. (letzter Zugriff: 22.03.2015).

2 Vgl.: RWE Power AG: (letzter Zugriff: 23.03.2015).

3 Vgl.: Sonderdruck Geographische Rundschau 01/1989.

4 Vgl.: Geographie Mensch und Raum: 2014, S.124.

5 Vgl.: Braunkohle Tagebautechnik: 04/1986

6 Vgl.: Klahsen: 1990.

7 Ebd.

8 Ebd.

9 Vgl.: Klahsen: 1990.

10 Vgl.: Erwartete Ergebnisse im Anhang.

11 Vgl.: Arbeitsblätter im Anhang.

12 Vgl.: Bovet: 2011, S.99f.

13 Vgl.: Meyer: 1989, S.245.

14 Vgl.: Bönsch: 2002, S. 80-83.

15 Vgl.: ebd.

Details

Seiten
25
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668180253
ISBN (Buch)
9783668180260
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318335
Note
2
Schlagworte
dorf konflikte hindernisse umsiedlung ortschaften beispiel königshoven erdkunde klasse
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Titel: Ein Dorf muss weichen! Konflikte und Hindernisse bei der Umsiedlung von Ortschaften am Beispiel Königshoven (Erdkunde, Klasse 11)