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Die wissenschaftliche Beobachtung als Methode der empirischen Sozialforschung

Seminararbeit 2015 12 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Prozess der Beobachtung

4. Formen der Beobachtung

5. Möglichkeiten und Grenzen der Beobachtung

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Übersicht wesentlicher Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Beobachtungen

1. Einleitung

Alltägliche Beobachtungen spielen seit jeher eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Menschheit.1 In gleicher Weise leisten wissenschaftliche Beobachtungen einen entscheidenden Beitrag, um insbesondere in zahlreichen Fragen der empirischen Sozialforschung Erkenntnisgewinne erzielen zu können und diese auf verwandte Wissenschaften, zu denen auch die Wirtschaftswissenschaften zählen, zu übertragen.2 Trotz dieser Gemeinsamkeit charakterisieren sich wissenschaftliche Beobachtungen im Gegensatz zu Alltagsbeobachtungen durch eine Reihe von klar definierten und systematischen Merkmalen, um als Instrument der Datenerhebung wissenschaftlichen Ansprüchen in der empirischen Sozialforschung zu genügen.

Die vorliegende Arbeit hat die Erläuterung der Besonderheiten von wissenschaftlichen Beobachtungen zum Ziel. Neben der Beleuchtung des Prozesses der Beobachtung stehen zudem die Beobachtungsformen sowie Möglichkeiten und Grenzen der Beobachtung im Vordergrund. Eine Zusammenfassung beschließt die Arbeit. Zunächst werden die zum Verständnis der Arbeit notwendigen Begriffe bestimmt

2. Begriffsbestimmung

In der Literatur liegen dem Begriff der empirischen Sozialforschung verschiedenartige Definitionen zu Grunde. Im Kern ist die empirische Sozialforschung durch eine systematische Datenerhebung im soziokulturellen Bereich mit Hilfe geeigneter Methoden sowie deren Interpretation gekennzeichnet.3 Dies dient dem übergeordneten Zweck unter Verwendung empirischer Methoden und Feldforschung menschliches Verhalten zu erforschen.4 Hierzu werden vor allem wissenschaftliche Beobachtungen eingesetzt. Die wissenschaftliche Beobachtung ist im Gegensatz zur unbewussten und passiven Alltagswahrnehmung ein anhand mehrerer Kriterien vorab geplanter Vorgang, mithilfe dessen unvoreingenommen, gezielt und systematisch dasjenige Verhalten registriert wird, das mit den menschlichen Sinnen wahrnehmbar und in einem bestimmten Forschungskontext relevant ist.5 Auf diese Weise werden durch die Beobachtung quantitative oder qualitative Daten erhoben, die vorrangig zur Überprüfung von Hypothesen aus dem jeweiligen Forschungszweck dienen und dementsprechend dokumentiert werden.6 Aus wissenschaftlicher Perspektive unterliegen Beobachtungen den allgemeinen wissenschaftlichen Gütekriterien der Objektivität, Reliabilität und Validität.7 Zudem sind wissenschaftliche Beobachtungen so durchzuführen, dass mit dem Bewusstsein des eingeschränkten Wahrnehmungsfeldes von Menschen die Ergebnisse ausgewertet werden können.8 Ferner gilt es bei wissenschaftlichen Beobachtungen die Modellierungsregeln der Selektion, Abstraktion, Systematisierung, Relativierung sowie Klassifikation zu beachten.9 Für den weiteren Verlauf dieser Arbeit wird der Begriff Beobachtung im Sinne dieser Begriffsbestimmung einer wissenschaftlichen Beobachtung verwendet. Dabei steht der qualitativ orientierte Aspekt der wissenschaftlichen Beobachtung im Fokus.10

3. Prozess der Beobachtung

Zur Gewährleistung wissenschaftlicher Ansprüche folgen Beobachtungen in ihrer zeitlichen Abfolge einem idealtypischen Ablauf, der sich in mehrere Schritte einteilen lässt.11 Beobachtungen werden in der Regel nicht aus einem Selbstzweck heraus durchgeführt, sondern vielmehr um konkreten Forschungsfragen nachzugehen. Der erste Schritt im Beobachtungsprozess besteht deshalb immer darin zu überprüfen, ob der Beobachtung eine konkret formulierte Forschungsfrage zu Grunde liegt, die hierzu erforderlichen Daten aus der Beobachtung heraus erzeugt werden können und die Zielsetzung der Beobachtung zur Generierung oder Überprüfung einer Hypothese eingesetzt wird.12 Im zweiten Schritt steht die Analyse und Festlegung der Beobachtungssituation im Vordergrund, die den Beobachtungsort, die Rolle und Integration des Beobachters sowie die Offenheit der Beobachtungssituation umfasst.13 Auf Basis dieser Analyseergebnisse und mehrerer Vorbeobachtungen wird im dritten Schritt ein genauer Beobachtungsplan erstellt, in dem Umfang und Tiefe der Beobachtung, die geeignete Beobachtungsform, die Stichprobenart, der Bedarf an technischen Hilfsmitteln sowie die durchzuführende Dokumentationsschritte festgelegt werden.14 Hierbei muss das Zusammenspiel von Beobachtungsumfeld, Beobachtungseinheiten, Beobachteten, und Beobachter berücksichtigt werden.15 Im Anschluss folgt der vierte Schritt, in welchem der tatsächliche Beobachtungsvorgang auf Basis der Erkenntnisse der vorangegangenen Schritte vorbereitet und durchgeführt wird.16 Der fünfte Schritt umfasst die strukturierte Auswertung der Daten, die im Zuge der Beobachtung erhoben wurden.17 Alle gewonnenen Erkenntnisse werden im letzten Schritt in verdichteter Form und unter Wahrung der Anonymität der beobachteten Personen in eine Ergebnispäsentation verarbeitet.18

Neben der gründlichen Vorbereitung aller Ablaufphasen bildet die adäquate Schulung des oder der Beobachtenden im Vorfeld ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor im gesamten Prozess einer objektivierten Beobachtung.19 Auf diese Weise wird zudem ermöglicht, dass die Wechselwirkungen und Rückkopplungseffekte der unterschiedlichen Prozessschritte zur Durchführung einer Beobachtung berücksichtigt werden.20

4. Formen der Beobachtung

Je nach Forschungsfrage und den darin zu untersuchenden Sachverhalten ist eine geeignete Form der Beobachtung zu wählen. Es lassen sich generell eine Reihe von Beobachtungsformen unterscheiden, wovon im Folgenden vier in der Wissenschaftspraxis bedeutsame Formen in ihren jeweils gegensätzlichen Dimensionsausprägungen näher erläutert werden:

Strukturierte versus unstrukturierte Beobachtung

Strukturierte Beobachtungen erfolgen anhand eines bestimmten Beobachtungsschemas, das vorab erstellt wurde.21 Dieses umfasst festgelegte Beobachtungskategorien als Rahmen für den inhaltlichen Umfang, zu beachtende Schwerpunkte bei der Beobachtung sowie Regeln zur Aufzeichnung der Beobachtung.22 Diese Standardisierung soll zum einen die Zuverlässigkeit und Objektivität erhöhen und zum anderen die Verzerrungseffekte der Wirklichkeit durch eine lediglich selektive Wahrnehmung des Beobachters minimieren.23 Gleichzeitig hängt die Aussagekraft der strukturierten Beobachtung maßgeblich von den festgelegten Beobachtungskriterien ab, die durchaus einschränkend oder unangemessen sein können.24 Eine unstrukturierte Beobachtung hingegen gewährleistet zwar ein offeneres Beobachtungsverfahren, führt jedoch zu unstrukturierten Daten, welche die Wiederholung derselben Beobachtungssituation und die Vergleichbarkeit von Daten erheblich erschweren.25

[...]


1 Vgl. Müller/David/Straatmann (2011), S. 315f.

2 Vgl. Müller/David/Straatmann (2011), S. 315

3 Vgl. Häder (2015), S. 12, 306

4 Vgl. Fuchs-Heinritz u. a. (1988), S. 186, 706; Häder (2015), S. 12

5 Vgl. Atteslander (2008), S. 67; Gniewosz (2011), S. 99f.; Häder (2015), S. 306; Müller/David/Straatmann (2011), S. 316

6 Vgl. Bortz/Döring (2007), S. 262f.; Friedrichs (1990), S. 269; Hussy/Schreier/Echterhoff (2013), S. 238ff.

7 Vgl. Flick (2014), S. 412f.; Häder (2015), S. 312f.

8 Vgl. Greve/Wentura (1997), S. 12f.

9 Vgl. Bortz/Döring (2007), S. 265ff.; Gniewosz (2011), S. 100f.; Häder (2015), S. 308f.

10 Vgl. Atteslander (2008), S. 70ff.

11 Vgl. Bortz/Döring (2007), S. 269ff.; Müller/David/Straatmann (2011), S. 320

12 Vgl. Müller/David/Straatmann (2011), S. 321f.; Thierbach/Petschick (2014), S. 857

13 Vgl. Müller/David/Straatmann (2011), S. 322ff.

14 Vgl. Bortz/Döring (2007), S. 269ff.; Friedrichs (1990), S. 269ff.; Müller/David/Straatmann (2011), S. 321ff.; Thierbach/Petschick (2014), S. 857f.

15 Vgl. Atteslander (2008), S. 73ff.

16 Vgl. Thierbach/Petschick (2014), S. 858

17 Vgl. Müller/David/Straatmann (2011), S. 325f.

18 Vgl. Müller/David/Straatmann (2011), S. 327

19 Vgl. Bortz/Döring (2007), S. 269; Friedrichs (1990), S. 269ff.

20 Vgl. Atteslander (2008), S. 90; Friedrichs (1990), S. 269ff.

21 Vgl. Atteslander (2008), S. 80

22 Vgl. Atteslander (2008), S. 80ff.; Friedrichs (1990), S. 271

23 Vgl. Diekmann (2000), S. 472f.; Friedrichs (1990), S. 271ff.

24 Vgl. Habermehl (1992), S. 202

25 Vgl. Atteslander (2008), S. 80ff.; Habermehl (1992), S. 202

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668177925
ISBN (Buch)
9783668177932
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318592
Institution / Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn – Wirtschaft
Note
1,3
Schlagworte
wissenschaftliche Beobachtung empirische Sozialforschung Prozess der Beobachtung Formen der Beobachtung Möglichkeiten und Grenzen der Beobachtung Strukturierte Beobachtung unstrukturierte Beobachtung Offene Beobachtung Verdeckte Beobachtung Teilnehmende Beobachtung nicht-teilnehmende Beobachtung Feldbeobachtung Laborbeobachtung Grenzen wissenschaftlicher Beobachtungen Möglichkeiten wissenschaftlicher Beobachtungen

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Titel: Die wissenschaftliche Beobachtung als Methode der empirischen Sozialforschung