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Migration und Bildungschancen. Werden Kinder mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem benachteiligt?

von Mascha Matri (Autor)

Hausarbeit 2014 10 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition: Migration

3. Bildungsbeteiligung von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit der gezielten Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften, die Ende der 1950er Jahre begann, hat sich Deutschland von einem sogenannten Gastarbeiterland zu einem der bedeutendsten Einwanderungsländer der modernen Welt entwickelt. Dieser Wandel macht sich besonders im Schulsystem infolge der steigenden Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund bemerkbar. (Lange 2007: 13) Laut des statistischen Bundesamtes weist mittlerweile jeder fünfte Schüler einen Migrationshintergrund auf. (Statistisches Bundesamt: 2012)

Doch seitdem internationale Vergleichsstudien wie PISA und IGLU die mangelnde Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungssystems empirisch belegt haben, werden von einigen Politikern vor allem Schüler(innen) mit Migrationshintergrund für dieses Ergebnis verantwortlich gemacht. (Auernheimer 2009: 7) In der Tat schneiden sie im deutschen Schulsystem zwar durchschnittlich schlechter ab als Schüler(innen) ohne Migrationshintergrund (Diefenbach 2010: 13), doch muss sich die Frage gestellt werden, was die Ursache für diese Disparität ist. Werden Kinder aufgrund ihres Migrationshintergrundes im deutschen Schulsystem benachteiligt?

In der vorliegenden Arbeit soll mit Hilfe von Literatur zu Migrantenkindern im deutschen Schulsystem der Grund für die unbefriedigenden Leistungen analysiert werden. Der Arbeit liegt der theoretische Ansatz zugrunde, dass Kinder mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem nicht dieselben Chancen für eine erfolgreiche Schulkarriere besitzen, wie Kinder ohne Migrationshintergrund. (ebd.) Ausgehend von dieser Theorie soll überprüft werden, ob sich diese Annahme bewahrheitet oder ob jedem Kind – unabhängig von seiner Herkunft – die gleiche Möglichkeit für einen aussichtsreichen Bildungsweg gegeben ist.

Die Hausarbeit beginnt mit der Einführung in die Thematik. Hierbei wird zunächst der für diese Arbeit relevante Begriff der Migration unter Berücksichtigung der Bezeichnung „Kind mit Migrationshintergrund“ definiert. Im Anschluss daran wird die Bildungsbeteiligung von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund thematisiert. Dabei werden die Schulleistungen beschrieben und ihre Verteilung auf verschiedene Schulformen dargestellt. Die Ergebnisse, die hieraus resultieren, werden ausschlaggebend sein, um die Forschungsfrage beantworten zu können. Abschließend wird eine Bilanz der Ergebnisse gezogen und ein Ausblick auf zukünftige Herausforderungen für das deutsche Bildungssystem gegeben.

2. Definition: Migration

Mit einer Population von 80,8 Millionen Einwohnern zählt Deutschland zum bevölkerungsreichsten Land Europas. (Statistisches Bundesamt: 2013) Zu dieser Statistik tragen nicht zuletzt die rund 16,3 Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund bei, denn aufgrund der jährlichen Zuwanderung steigt die Einwohnerzahl Deutschlands kontinuierlich an. (ebd.) Angesichts der Tatsache, dass Deutschland als Einwanderungsland unverzichtbar geworden ist, stellt sich die Frage, wie der Begriff „Migration“ definiert wird und wer als „Kind mit Migrationshintergrund“ gilt.

Der Begriff „Migration“ stammt vom dem lateinischen Wort migratio und bedeutet (Aus-)Wanderung. (Meinhardt 2006: 25) Aufgrund zahlreicher Definitionen differierender wissenschaftlicher Werke, konnte in den Sozialwissenschaften bislang keine einheitliche Definition formuliert werden. (Diefenbach 2010: 22) Grundlegend kann jedoch gesagt werden, dass es sich bei dem Begriff der Migration um Wanderungen von Individuen oder Gruppen von Individuen handelt, die alle das Ziel verfolgen, den Wohnort dauerhaft zu wechseln. (Han 2010: 6) Doch anhand welcher Kriterien weist ein Kind einen Migrationshintergrund auf?

Im Zentrum der Betrachtung steht die Zuwanderung nach Deutschland und damit der Wechsel der gesellschaftlichen Umgebung in eine andere. Demzufolge spricht man von einem Migrationshintergrund, wenn ein Kind im Ausland geboren wurde und im Laufe seines Lebens nach Deutschland gewandert ist. (Diefenbach 2010: 22) Darüber hinaus muss jedoch ein weiteres Kriterium beachtet werden. Abgesehen davon, dass man als „Kind mit Migrationshintergrund“ gilt, sofern man selbst nach Deutschland migriert ist, lässt sich diese Bezeichnung bei einem Kind mit mindestens ein im Ausland geborenen Elternteil ebenso vornehmen. In diesem Zusammenhang spielt das Geburtsland des Kindes für die Definition von „Migrationshintergrund“ keine weitere Rolle, da man diesen aufgrund der migrierten Eltern automatisch zugeschrieben bekommt. (ebd.ff.)

Die grundlegenden Unterschiede zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund bestehen in den meisten Fällen in den sozioökonomischen und soziokulturellen Faktoren, wie der Mehrsprachigkeit und den Lebensformen. (Steinbach 2009: 25) Um erfassen zu können, ob diese Differenzen die Ursache für die schlechteren Leistungsergebnisse von Kindern mit Migrationshintergrund sind, bedarf der Befund einer näheren Betrachtung. Im Folgenden wird dies anhand der Bildungsbeteiligung von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund untersucht.

3. Bildungsbeteiligung von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund

In den vergangenen Jahren haben die internationalen Vergleichsstudien PISA und IGLU immer wieder auf die soziale Ungleichheit in Deutschlands Schulsystem aufmerksam gemacht. Dabei gerieten zunehmend Schüler(innen) mit Migrationshintergrund in den Fokus der Öffentlichkeit. (Diefenbach 2010: 13) Das unbefriedigende Leistungsergebnis im Vergleich zu ihren deutschen Mitschüler(inne)n entfachte eine Debatte über den Zusammenhang von sozialer und ethnischer Herkunft und dem Bildungserfolg. (Diefenbach 2008: 69) Nach Angaben der OECD hängen die schulischen Leistungen in keinem OECD- Land so sehr von der Herkunft ab, wie es in Deutschland der Fall ist. (OECD: 2003) Es liegt also nahe, dass die ungleichen Bildungschancen erhebliche Folgen für die Bildungsbeteiligung von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund haben.

Diese These wird bereits im Zuge der vorschulischen institutionellen Betreuung bestätigt. Auf Grundlage der Daten des Mikrozensus besuchen Kinder mit Migrationshintergrund eine vorschulische Betreuungseinrichtung seltener als deutsche Kinder (Diefenbach 2010: 53), wodurch sie in ihrem weiteren Bildungsweg massiven Nachteile ausgesetzt sind. Demnach sind rund 86,8% der Sechsjährigen, die keinen Migrationshintergrund aufweisen, in einer Kindertagesstätte repräsentiert. Im Vergleich dazu fällt der Anteil ihrer gleichaltrigen Spielgefährt(inn)en mit Migrationshintergrund deutlicher geringer aus. Hier besuchen lediglich 67,6% eine Kindertagesstätte. (ebd.) Dabei ist vielfach belegt worden, dass gerade Kinder aus zugewanderten Familien von einem möglichst frühen Kindergartenbesuch profitieren, denn ihre Chancen, später auf ein Gymnasium zu wechseln, erhöhen sich um ein Vielfaches. (Becker / Lauterbach 2010: 146)

Beim Eintritt in die Primarstufe verstärken sich die Unterschiede. Zum einen sinkt die Chance auf eine vorzeitige Einschulung bei Kindern mit Migrationshintergrund um ein Drittel und zum anderen ist die Zurückstellung in den Kindergarten doppelt so hoch wie bei Kindern ohne Migrationshintergrund. (Konsortium Bildungsberichterstattung 2006: 151) Insofern gibt es bereits während der Grundschulzeit eindeutige Kompetenzunterschiede: In der IGLU-Studien 2001 schneiden Kinder mit Migrationshintergrund bezüglich der Lese-, der mathematischen und der naturwissenschaftlichen Kompetenz wesentlich schlechter ab als ihre Mitschüler(innen) ohne Migrationshintergrund. (Schwippert et. al. 2004: 179f.) Die Gründe für dieses Ergebnis liegen dabei in der Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Das folgende Beispiel verdeutlicht dies: Im Rahmen der IGLU-Studie des Jahres 2006 im Bereich Lesen fiel es einem Viertel der Kinder, deren Eltern im Ausland geboren sind, äußerst schwer mit Texten umzugehen. Dabei waren hauptsächlich Kinder von prekär beschäftigten Eltern betroffen. (Schwippert et. al. 2007: 266ff.) Trotz der herkunftsbedingten Benachteiligung gibt es dennoch Schüler(innen), die auch mit guten Leistungen benachteiligt werden.

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Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668179127
ISBN (Buch)
9783668179134
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318725
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Schlagworte
migration bildungschancen werden kinder migrationshintergrund schulsystem

Autor

  • Mascha Matri (Autor)

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Titel: Migration und Bildungschancen. Werden Kinder mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem benachteiligt?