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Viehwirtschaft und Klimawandel

Eine kurze Analyse

Essay 2016 8 Seiten

Umweltwissenschaften

Leseprobe

Viehwirtschaft und Klimawandel. Eine kurze Analyse

„Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.“ (Aldous Huxley)

Die Diskussion um den anthropogenen, also vom Menschen verursachten Klimawandel, ist seit vielen Jahren in aller Munde. Unzählige wissenschaftliche Studien beschreiben unermüdlich Ursachen und Folgen dieses Phänomens. Die Hauptursache liegt in der Zunahme der Treibhausgase sowie dem natürlichen Treibhauseffekt. Durch Verbrennen fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl), Rodungen riesiger Waldflächen sowie durch Produktionsprozesse innerhalb der Land- und Viehwirtschaft gelangen Gase wie Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Distickstoffmonoxid (Lachgas, N2O) in die Atmosphäre.1 Darunter zählen auch Treibhausgase wie Wasserdampf, Ozon, Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) sowie einige andere. Obwohl sich das Klima auf Erden schon immer geändert hat, soll und kann in dieser kurzen Analyse nicht endgültig geklärt werden, ob der Klimawandel menschengemacht ist oder andere Ursachen wie der natürlicher Wasserdampf, die Intensität der Sonneneinstrahlung oder Vulkanausbrüche eine bzw. die entscheidende Rolle einnehmen. Fakt ist, dass grundsätzlich ein Leben auf Erden ohne natürlich vorkommende Treibhausgase nicht möglich wäre und der Mensch seit Beginn des industriellen Zeitalters den wohl größten Einfluss auf das Klima genommen hat. Ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt wäre die Erde vereist und hätte eine mittlere Temperatur von -18 Grad Celsius statt der vorherrschenden Mitteltemperatur von circa 15 Grad Celsius.2 Ein weiterer Anstieg der Treibhausgase würde somit den Treibhauseffekt verstärken und eine steigende Erdtemperatur bedeuten. Doch in welchem wirtschaftlichen Segment verursacht der Mensch in seinem sozio-ökonomischen Handeln den größten Anstieg und welches Treibhausgas hat dabei den größten Einfluss?

Nach Angaben der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) verursachen Tierhaltung und Fleischkonsum 18 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen, gefolgt vom Transportverkehr (Autos, Bahn, Schiffe und Flugzeuge) mit 13 Prozent.3 Soweit die offiziellen Zahlen aus 2006. Die Autoren Robert Goodland und Jeff Anhang - zwei Umweltexperten der Weltbank - veröffentlichten diesbezüglich mit Hilfe des Worldwatch Institute (WWI) 2009 ganz andere Zahlen. Nach ihren Angaben verursachen Fleischproduktion und Lebensmittel tierischen Ursprungs weltweit ca. 51 Prozent aller Treibhausgasemissionen.4 Doch wie kommt es zu diesem großen Unterschied? Die Zahlen der FAO sind noch immer gängig, doch bei näherer Betrachtung verbergen sie allerhand blinder Flecken.

So wurden beispielsweise Fischzuchten in Aquakulturen, die Entstehung von Treibhausgasen bei der Bereitstellung von Gebäuden für die Aufzucht der Tiere, die benötigte Energie für die Kühlung und Verarbeitung von Fleisch, Emissionen von tierischen Abfällen sowie die Abholzung von Regenwäldern nicht berücksichtigt. Die Berechnungen der FAO beziehen sich zudem auf Daten aus dem Jahre 2002, doch die Zahl der weltweit gezüchteten Nutztiere ist heute wesentlich höher. 65 Milliarden Nutztiere wurden im Jahr 2012 weltweit geschlachtet, verkauft und vom Menschen verzehrt. Was übrig bleibt, wird weggeworfen. Auch die Milliarden Meerestiere und erjagten Tiere sind noch nicht eingerechnet. Etwaige Produktionsobergrenzen der globalen Fleischproduktion sind noch nicht abzusehen. Der Pro-Kopf-Verbrauch beim Fleischverzehr liegt in den Industrieländern bei 79 Kilo und 33 Kilo in den Entwicklungsländern. Auch bei der Milchproduktion ist laut Welternährungsorganisation (FAO Food Outlook 2013) noch immer kein Ende in Sicht. Industrieländer verbrauchen jährlich 237 Kilo Milch und Entwicklungsländer 74 Kilo. Doch was hat nun Viehwirtschaft, Fleischkonsum und Milchproduktion mit der globalen Erderwärmung zu tun?

Bei den Treibhausgasen nimmt CO2 mit ca. 60 Prozent den größten Teil ein, gefolgt von Methan zu 20 Prozent, Fluorchlorkohlenwasserstoffe zu zehn und Lachgas zu sechs Prozent, und obwohl CO2 in diesem Zusammenhang immer wieder als Antreiber des anthropogenen Klimawandels dargestellt wird, gilt die Wirksamkeit in Wissenschaft und Medien oft als überschätzt. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die weltumfassende Entwaldung gelten dabei als die Hauptursachen. Denn nicht nur, dass durch Entwaldung viele Bäume als CO2-Speicher vernichtet werden, es werden auch Unmengen CO 2 freigesetzt und in den wenigsten Fällen wird wieder nachhaltig aufgeforstet. Doch wozu brauchen wir all die Energie und diese gigantischen Flächen? Für die Produktion von Nahrungsmitteln und der damit einhergehenden Ernährung der Menschheit?

Wenn das der Fall wäre, sollte dringend die Art und Weise der globalen Nahrungsmittelherstellung und -verteilung in Frage gestellt werden. Auch die Frage „wie“ wir uns zukünftig ernähren sollten, muss gestellt werden. Allein im Milchviehbetrieb beträgt der Anteil an Methan (CH4) 50 Prozent und der Anteil von Lachgas (N2O) 30 Prozent, der restliche Anteil ist Kohlenstoffdioxid (CO2).5 Rindfleisch gilt nicht nur in Deutschland in erster Linie als Nebenprodukt der Milchproduktion. Treibhausgase fallen dabei so gut wie bei jedem Schritt der Fleisch- und Milchproduktion an.

[...]


[1] Vgl. Umweltbundesamt, 2016.

[2] Vgl. Umweltbundesamt, 2016.

[3] Vgl. Worldwatch Institute, 2009, S.11.

[4] Vgl. Dhur, 2013.

[5] Vgl. Verband der Deutschen Milchwirtschaft e. V., 2013, S.26.

Details

Seiten
8
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668285583
Dateigröße
675 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318958
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Katholisch-Theologische Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Klimawandel Viehwirtschaft Fleischkonsum Fleisch CO² Kohlenstoffdioxid Methan Lachgas Wasser Milch Milchkonsum

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Titel: Viehwirtschaft und Klimawandel