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Die Rolle der USA im Kontext des politischen Machtwechsels in Indonesien in den 1960er Jahren

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Südasienkunde, Südostasienkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bewegung 30. September und ihre Auswirkungen

3. Die Indonesienpolitik der USA in den 1950er und 1960er Jahren
3.1 Die Spaltung Indonesiens
3.2 Die Kollaboration mit dem indonesischen Militär
3.3 Die Zerschlagung der PKI

4. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

In den frühen Morgenstunden des 1. Oktobers 1965 kam es in Jakarta zu einem Putschversuch bei dem sechs Generale ermordet wurden. Die Verantwortlichen bezeichneten sich als Bewegung 30. September (Gerakan September Tiga Puluh, G30S) und hatten offiziell die Absicht, Präsident Sukarno vor einem bevorstehenden Coup d'État durch das Militär zu beschützen. Jedoch gelang es dem Militär unter der Führung von General Suharto die Bewegung innerhalb kürzester Zeit zu zerschlagen[1]. Dieser Putschversuch wurde der Kommunistischen Partei Indonesiens (Partai Komunis Indonesia, PKI) zugeschrieben und führte zu einer Kommunistenverfolgung bei der einige hunderttausend Menschen ums Leben kamen. Vor allem aufgrund der fatalen Auswirkungen von G30S ist es sonderbar, dass bis heute nicht vollständig geklärt werden konnte, inwiefern Teile der PKI-Führung oder des Militärs in diese Bewegung involviert waren[2].

Dieses einschneidende Ereignis leitete die Machtübernahme Suhartos und somit einen bedeutsamen politischen Wandel ein. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der amerikanischen Involvierung in innere Angelegenheiten Indonesiens in den 1950er und 1960er Jahren. Im Kontext des Kalten Kriegs war es für die USA von größter Bedeutung, die Entstehung eines kommunistischen Indonesiens zu verhindern, denn man ging davon aus, dass „eine Bindung Indonesiens als dem größten neutralen Land in Südostasien an einen der ideologischen Rivalen […] eine erhebliche Kräfteverschiebung“[3] bedeutet hätte. Im Laufe des Kalten Kriegs erlaubten es sich die Amerikaner mehrfach in innenpolitische Angelegenheiten anderer Länder einzugreifen, wobei Indonesien keine Ausnahme darstellte[4]. Die zu beantwortende Frage lautet daher: Welche Rolle spielten die Amerikaner bei dem politischen Machtwechsel der 1960er Jahre in Indonesien?

Diese Arbeit beschäftigt sich in einem ersten Teil mit dem Ablauf und den Konsequenzen des Putschversuchs vom 1. Oktober 1965. Im Anschluss wird der Grad der Involvierung der Amerikaner thematisiert, wobei diese Arbeit zwischen folgenden Phasen unterscheidet: die Spaltung Indonesiens, die Kollaboration mit dem indonesischen Militär und die Zerschlagung der PKI. Zuletzt schließt die Arbeit mit einem Fazit.

2. Die Bewegung 30. September und ihre Auswirkungen

In den Jahren vor G30S spitzte sich der Konflikt zwischen dem Militär und der PKI, den beiden mächtigsten Gruppen in Indonesien – neben Sukarno – immer weiter zu. Ursprünglich war das Militär der PKI überlegen, da es aufgrund eines Notstandsgesetzes über besondere Macht verfügte, doch mit der Aufhebung dieses Gesetzes im Jahre 1963 kam es zu einer Angleichung der Machtverhältnisse. Der Konflikt zwischen den beiden Mächten befand sich Mitte der 1960er Jahre auf einem Höhepunkt und war äußerst präsent in den Medien. Schließlich wurde die Bewegung 30. September zum Auslöser für eine offene Auseinandersetzung mit tragischen Folgen[5].

In der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober zogen bewaffnete Soldaten los, um die sieben Generale Nasution, Yani, Parman, Haryono, Suprapto, Soetojo und Panjaitan zu entführen. Hierbei töteten die Truppen bereits drei sich widersetzende Generäle und anstatt Nasution, der noch rechtzeitig fliehen konnte, wurde versehentlich ein Leutnant entführt. Daraufhin kehrten alle Truppen zum sogenannten Krokodil-Loch (Lubang Buaya) zurück, wo die überlebenden Generale getötet und alle sieben Leichen in das Krokodil-Loch geworfen wurden[6].

Wenig später offenbarten sich die Putschisten via Radio als Bewegung 30. September unter der Führung von Oberstleutnant Untung und erläuterten, dass sie den Präsidenten vor einem bevorstehenden Staatsstreich durch einen sogenannten Rat der Generale beschützt hätten und er sich nun unter ihrer Obhut befinden würde. Außerdem erklärte die Bewegung, dass die Bildung eines Revolutionsrates mit 45 Mitgliedern beabsichtigt sei, in dem Sukarno jedoch nicht vertreten sein sollte. Währenddessen versammelten sich die Anhänger von G30S auf Jakartas Merdeka-Platz und Suharto bereitete seine Truppen darauf vor, diese Demonstration und die Bewegung zu zerschlagen. Noch am Abend des 1. Oktobers glückte Suharto sein Vorhaben und setzte dem Putschversuch ein Ende[7].

Im Anschluss wurde „das Pressewesen […] in die Kampagne gegen die PKI eingeschaltet, kommunistische Zeitungen bereits am 1. Oktober 1965 verboten“[8]. Sogar das beliebte Staatsoberhaupt Sukarno hatte keine Möglichkeit die eskalierende Situation zu entschärfen und so kam es zu einer fatalen Hetzjagd gegen Kommunisten, die enorm viele Opfer forderte. Es existieren stark abweichende Angaben bezüglich der Anzahl der Menschen, die in Folge der Kommunistenverfolgung im Zeitraum von Oktober 1965 bis Anfang 1966 getötet wurden und so schwanken die Schätzungen zwischen 500.000 und einer Million Opfern[9].

Der große Gewinner dieser Entwicklungen war Suharto, denn aufgrund der Unruhen erteilte ihm Präsident Sukarno am 11. März 1966 vorübergehende Autorität, 1967 fungierte er als Regierungschef, 1968 löste er offiziell Sukarno in seinem Amt als Präsident ab und somit begann die Ära der Neuen Ordnung (Orde Baru)[10].

3. Die Indonesienpolitik der USA in den 1950er und 1960er Jahren

3.1 Die Spaltung Indonesiens

Für die Eisenhower Regierung galten nationalistische Staatsoberhäupter von Dritte-Welt-Ländern, die eine neutrale Position im Kalten Krieg einnahmen, als Komplizen des Kommunismus. Aus eben diesem Grund war auch Sukarno für die USA ein Dorn im Auge, der am besten komplett von der politischen Bühne verschwinden sollte[11]. Gegen Ende der 50er Jahre stand sogar die Ermordung des indonesischen Präsidenten zur Debatte, wobei bereits ein Agent der Central Intelligence Agency (CIA) für den Auftrag ausgewählt wurde[12]. Obwohl dieser Auftrag letzten Endes nicht durchgeführt wurde, so versuchte die CIA dennoch auf unterschiedlichste Art und Weise, dem Ansehen Sukarnos zu schaden. Eines von vielen Beispielen hierfür ist der für die CIA produzierte Pornofilm „Happy Days“, der einen Sukarno-Doppelgänger mit einer Spionin der UdSSR zeigt[13].

Da der indonesische Präsident von den USA als nicht vertrauenswürdig und empfänglich für die kommunistische Ideologie eingestuft wurde und man sich der Bedeutung Indonesiens im Kontext des Kalten Kriegs durchaus bewusst war, entschloss sich die amerikanische Regierung dazu die Ereignisse vor Ort zu beeinflussen[14]. Aufgrund der zunehmenden Popularität der PKI auf Java, entschied man sich in Washington für eine gängige Strategie, um die Verbreitung des Kommunismus in Asien zu stoppen. Korea und Vietnam wurden bereits in eine nördliche und eine südliche Hälfte unterteilt und so sollte auch der Inselstaat Indonesien in mehrere Staaten aufgeteilt werden[15].

Die gewünschte Spaltung Indonesiens wollten die USA mit Hilfe von Rebellen auf Sumatra und Sulawesi erlangen. Dort ergriffen Aufständische die Macht und forderten eine unabhängigere Politik von der Zentralregierung in Jakarta sowie die Rückkehr von Muhammad Hatta in sein Amt als Vizepräsident, von dem der aus Sumatra stammende Politiker Ende 1956 zurückgetreten war. Sukarno war ursprünglich empfänglich für einige Forderungen der Rebellen, doch die USA bestanden darauf, dass sie sich nicht auf einen Kompromiss mit Sukarno einließen[16]. Die USA schrieben diesen Bewegungen einen hohen Stellenwert zu und ermutigten die Rebellen dazu, sich gegen die Regierung in Jakarta zu stellen. Im Gegenzug kümmerte sich das amerikanische Militär um die Ausbildung der Rebellen, die US Luftwaffe errichtete eine eigene Luftwaffe für die Aufständischen und große Teile der siebten Flotte der US Marine waren vor Ort im Einsatz[17]. Folgender Textauszug verdeutlicht außerdem den amerikanischen Einfluss auf die Forderungen der Aufständischen:

Although these rebellions did not begin with the intention of overthrowing the Jakarta government, they acquired that intention by early 1958, largely because of the influence of the U.S. Government. The colonels, flush with dollars and guns from the CIA, became more ambitious. On February 15, 1958, Colonel Husein announced a new national government, the Revolutionary Government of the Republic of Indonesia (shortened to its initials, PRRI)[18]

Sukarno sah sich gezwungen, dieser Unabhängigkeitsbewegung ein Ende zu setzen und so kam es zu Militäreinsätzen gegen die Rebellen auf Sumatra. Da die Rebellen dem indonesischen Militär unterlegen waren und weil einige Truppen nicht gegen die indonesische Armee kämpfen wollten, fand PRRI im Mai 1958 ein jähes Ende. Ein weitaus größeres Problem stellte die Situation im östlichen Teil Indonesiens dar, weil diese Rebellen von der CIA mit einer Flotte von Kampfflugzeugen unterstützt wurden und es somit auch zu nennenswerten Verlusten auf Seiten des indonesischen Militärs kam. Dieser Konflikt löste sich allerdings schlagartig, als im Mai 1958 eines der Kampfflugzeuge abgeschossen wurde und der amerikanische Pilot Allen Pope festgenommen wurde[19].

Eisenhower hatte zuvor bei einer Pressekonferenz ausdrücklich dargelegt, dass die Rebellen in keinster Weise unterstützt wurden oder werden und somit war die Inhaftierung des CIA-Angestellten Pope besonders peinlich für den amerikanischen Präsidenten, der nun öffentlich als Lügner dastand[20]. Abgesehen davon musste man sich in Washington eingestehen, dass man nicht kontraproduktiver hätte vorgehen können, denn man spielte lediglich anti-kommunistische Offiziere gegeneinander aus. Außerdem schadete die Inhaftierung Popes und der Fund von amerikanischen Waffen in Sumatra dem Image Amerikas, da nun erkennbar wurde, dass die USA tatsächlich versuchten den Inselstaat aufzuspalten. Hinzu kam, dass diese Ereignisse dem eigentlichen Feind, nämlich der PKI zu noch mehr Popularität verhalfen, da sich das von ihnen verbreitete Bild vom amerikanischen Imperialismus bestätigte[21]. Allein wegen dieser arroganten Vorgehensweise der Amerikaner ist es nachvollziehbar, dass sich das indonesisch-amerikanische Verhältnis unter Sukarno zunehmend verschlechterte.

[...]


[1] John Roosa , Pretext for Mass Murder: The September 30th Movement and Suharto’s Coup d’État in Indonesia (Madison: The University of Wisconsin Press, 2006), 3-4.

[2] Heinrich Wilhelm Nöbel, Heer und Politik in Indonesien: Zielsetzung und Zielverwirklichung einer militärischen Organisation 1945-1967 (Boppard am Rhein: Harald Boldt Verlag, 1975), 162–163.

[3] Ebd., 115.

[4] Geoff Simons, Indonesia: The Long Oppression (Houndsmill: Macmillan Press, 2000), 165.

[5] Colin Brown, A Short History of Indonesia: The Unlikely Nation? (Crows Nest: Allen & Unwin, 2003), 197–198.

[6] Roosa, Pretext for Mass Murder, 36-37.

[7] Armin Wertz, Sie sind viele, sie sind eins: Eine Einführung in die Geschichte Indonesiens (Frankfurt am Main: Glaré Verlag, 2009), 203-204.

[8] Nöbel, Heer und Politik in Indonesien, 175.

[9] Simons, Indonesia, 177-178.

[10] Brown, A Short History of Indonesia, 199.

[11] Roosa, Pretext for Mass Murder, 178.

[12] Simons, Indonesia, 165.

[13] Ebd., 169.

[14] Ebd., 170-171.

[15] Roosa, Pretext for Mass Murder, 179.

[16] Ebd., 179.

[17] Simons, Indonesia, 165-166.

[18] Roosa, Pretext for Mass Murder, 180.

[19] Ebd., 181.

[20] Simons, Indonesia, 167.

[21] Roosa, Pretext for Mass Murder, 181.

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668181441
ISBN (Buch)
9783668181458
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v319008
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Ostasiatische Philologien
Note
1,0
Schlagworte
Indonesien Kalter Krieg Machtwechsel Putschversuch USA Amerika Politik

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