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Der Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM 2014 im Spiegel der italienischen Presse

Eine Textanalyse von italienischen Presseartikeln

von Francesca Cavaliere (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 22 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Nachrichtenwert der Artikel

3 Funktion und Aufbau der Artikel
3.1 Text A
3.2 Text B
3.3 Text C

4 Bezeichnungen der Teams und Einzelspieler

5 Isotopien und Metaphern

6 Bewertung des WM-Siegs der Deutschen

7 Schlussfolgerung

8 Bibliographie
8.1 Primärquellen
8.2 Sekundärquellen

9 Anhang: Textkorpus
9.1 Text A
9.2 Text B
9.3 Text C

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit sollen drei italienische Pressetexte, die jeweils über das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 13. Juli 2014 in Rio De Janeiro (Maracana) berichtet haben, vergleichend analysiert werden. Bei Text A handelt es sich um einen Presseartikel aus der „ Sport Mediaset “, deren Ausrichtung klar auf Sportberichterstattung spezialisiert ist. Text B ist einem Artikel aus der italienischen Tageszeitung „ Il fatto Quotidiano “ entnommen. Text C schließlich stammt aus dem Onlineportal Datasport, der Sportrubrik der Tageszeitung „ Il Messaggero “.

Ziel der Korpusuntersuchung ist es herauszufinden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich zwischen den einzelnen Artikeln hinsichtlich ihrer Funktion und der Darstellung der Ereignisse finden lassen. Dafür ist zu fragen, nach welchen Prinzipien die Nachrichten ausgewählt und aufgebaut sind? Welche Fakten werden fokussiert, welche bleiben unberücksichtigt? Handelt es sich dabei um eine unparteiische objektive Darstellung der Ereignisse oder wird eine subjektive Wertung vorgenommen?

Im ersten Teil der Arbeit (Punkt 1. – 2.) sollen dafür zunächst die formalen bzw. inhaltlichen Aspekte der Artikel untersucht werden. Dabei ist zu klären wie hoch der Nachrichtenwert des Ereignisses einzustufen ist und welchen Gliederungskriterien die Texte in ihrem Aufbau folgen. Im zweiten Teil (Punkt 3. – 4.) sollen ferner die sprachlichen Besonderheiten beider Texte untersucht werden. Hierfür sollen zunächst die unterschiedlichen Bezeichnungen für beide Fußballteams sowohl qualitativ als auch quantitativ ausgewertet werden. Ferner soll geschaut werden, welche Isotopie-Netze und wiederkehrenden Metaphern sich in den Korpora identifizieren lassen und welchen Einfluss diese auf die Darstellung der Ereignisse haben. Bevor die Erkenntnisse der Arbeit in der Schlussfolgerung zusammengefasst werden, soll unter Punkt Fünf geschaut werden, wie die Leistungen beider Mannschaften im Spiel, insbes. aber der Sieg der deutschen Mannschaft dargestellt werden und welche Rückschlüsse dies für das Deutschland- bzw. Argentinienbild der Autoren zulässt.

2 Nachrichtenwert der Artikel

Obwohl alle drei Artikel noch am selben Tag des Endspiels (13. Juli 2014) online veröffentlicht wurden, ist die Aktualitätskonkurrenz der Nachricht durch andere Medien wie Fernzehen, Rundfunk oder Live-Ticker im Internet als relativ hoch einzuschätzen. Ungeachtet dessen lässt sich der Nachrichtenwert der Artikel jedoch aus mehreren Gründen als relativ hoch einstufen. Dafür spricht neben der ohnehin hohen internationalen Brisanz eines WM - Finales, auch das hohe Prestige der teilnehmenden Nationalmannschaften, die beide unter den Top Ten der Fifa-Weltrangliste rangieren (vgl. Fifa).

Der Nachrichtenwert der Artikel ist nicht zuletzt auch abhängig von ihrer anvisierten Leserschaft. Allen drei Autoren ist gemein, dass sie sich an ein vorrangig italienischstämmiges Lesepublikum wenden. Dafür spricht zunächst die Tatsache, dass die Artikel in italienischer Sprache verfasst und bei italienischen Zeitungverlagen publiziert wurden. Aus italienischer Perspektive dürften vor allem die folgenden drei Aspekte die Relevanz der Partie und damit auch ihrer Berichterstattung steigern:

1. Der Schiedsrichter Rizzoli ist Italiener.
2. Beide Teams (Deutschland und Argentinien) standen sich letztmalig im WM-Finale 1990 in Italien gegenüber. Das Endergebnis war damals identisch: 1:0 für Deutschland.
3. Die deutsche Mannschaft hat mit dem Sieg die gleiche Anzahl an WM-Titeln wie Italien erlangt

Besonderen Wert bekommt die Nachricht darüber hinaus durch die historische Erstmaligkeit des Ereignisses. So wird in allen drei Artikeln die Tatsache betont, dass Deutschland als erste europäische Mannschaft einen Weltmeistertitel auf südamerikanischem Boden geholt hat:

Text A: “Lo ha fatto scrivendo la storia e conquistando il Sudamerica come novita assoluta: mai prima d'ora una squadra europea aveva trionfato Oltreoceano.
Text B: „Oltre al quarto titolo, infatti, portano a casa un altro primato: sono la prima squadra europea a vincere un Mondiale in Sudamerica“
Text C: “entrano nella storia: sono la prima Nazionale europea ad alzare la Coppa in Sudamerica.”

3 Funktion und Aufbau der Artikel

Titel und Vorspann aller drei Artikel sind typographisch durch größere Schriftgröße, Fettdruck und Lehrzeile vom Hauptteil abgesetzt. Die Hauptteile der Artikel sind in je 5 Absätze (Text A), 4 Absätze (Text B) und 3 Absätze (Text C) untergliedert. Ihr Aufbau folgt mehrheitlich der Hierarchie harter Nachrichten, wonach die wichtigsten Informationen zuerst genannt werden. Je unwichtiger und detaillierter die Information, desto weiter hinten im Text befindet sie sich. Im Vorspann werden deshalb bereits die wichtigsten W-Fragen (Wer?, Wo?, Wann? etc.) komprimiert beantwortet. Eine Ausnahme dazu bildet hier allerdings der Vorspann zu Text B (vgl. Weischenberg, 2001: 84).

Auch in der Sprache zeigen sich in allen drei Artikeln Abweichungen von dem typischen Sprachstil harter Nachrichten. Zudem werden die Fakten nicht wertneutral präsentiert wie u.a. der Gebrauch zahlreicher Adverbien belegt. Es handelt sich bei den vorliegenden Texten daher um Hybrid-Formen zwischen harten und weichen Nachrichten, wofür sich der englische Begriff Feature eingebürgert hat. Laut Weischenberg (177) liegt die Funktion von Features darin: „ mit Informationen auch zu unterhalten, hinter die Fakten schauen zu lassen, zu erklären und einzuordnen, Interpretations-und Orientierungshilfen zu geben, zu thematisieren und zu generalisieren“. Im Folgenden soll deshalb dargelegt werden, inwiefern diese Funktion in den Einzeltexten sichtbar wird.

3.1 Text A

In Text A aus „Sport Mediaset“ werden bereits in der Überschrift grob der Ort und die Zeit des Geschehens benannt: „ Brasile 2014 “. Zudem wird an dieser Stelle bereits die Frage nach der Art des Wettkampfs und dem Sieger beantwortet: „ Germania campione del mondo per la quarta volta “.

Im Unterschied zu den beiden anderen Texten wird hier auch die Anzahl der WM-Titel Deutschlands angegeben. Der Gegner: „ Argentina “ wird erst im Vorspann namentlich erwähnt. Außerdem erfährt der Leser hier sowohl den finalen Spielstand: „1-0 “ als auch Schütze und Zeitpunkt des Siegtores: „ decide Goetze al 113 '“.

Der erste Absatz enthält dagegen kaum neue Informationen, sondern wiederholt vielmehr die bereits bekannten Fakten in ausformulierter Form. So z.B. die Anzahl der deutschen Weltmeistertitel und die genaue Zeitangabe des Siegtores. Auch die Information, dass das Spiel erst in der Nachspielzeit entschieden wurde, ist überflüssig, da der Leser dies bereits aus der Information zum Zeitpunkt des Tores (113. Minute) ableiten kann.

Im zweiten Absatz wird die Nachricht in einen größeren sporthistorischen Kontext eingeordnet, indem der Autor Parallelen zwischen dem aktuellen Ereignis und dem letzten WM-Sieg der deutschen Mannschaft 1990 in Rom zieht. In diesem Zusammenhang wird auch auf die historische Erstmaligkeit des Ereignisses hingewiesen.

Im dritten Absatz werden vorwiegend die Stärken und Schwächen beider Mannschaften gegenübergestellt. Ähnlich wie schon in Absatz II unternimmt der Autor hier einen kurzen Exkurs zur Fußballgeschichte beider Teams. Dabei bezieht er sich im Besonderen auf die Begegnungen beider Teams im WM-Finale von 1986 in Mexiko (Sieger: Argentinien) und 1990 in Italien (Sieger: Deutschland).

Erst im vierten Absatz folgt schließlich ein ausführlicher Bericht des Finalspiels bis zum Ende der 1. Halbzeit. Dabei wird vor allem die Favoritenrolle Deutschlands diskutiert. Der Leser erhält hier auch Hintergrundinformationen, die als bereits bekannt vorausgesetzt werden, wie die Vereinszugehörigkeit einiger deutscher Spieler zu: „ Bayern“.

Diese Art der Berichterstattung setzt sich auch im fünften und letzten Absatz fort. Die hier beschriebenen Ereignisse beziehen sich jedoch ausschließlich auf das Spiel nach der Halbzeitpause bis zum entscheidenden Siegtreffer in der Nachspielzeit.

3.2 Text B

Anders als bei Text A und C wird bei Text B in der Überschrift bereits als Vorwissen vorausgesetzt, dass es sich hier um das Fußball- WM Finale 2014 in Brasilien handelt. Zwar werden auch hier die beteiligten Ländernamen schon in der Überschrift genannt: „ Germania-Argentina “, jedoch ohne konkreten Bezug auf das damit verbundene Ereignis. Statt der Angabe von Ort, Zeit oder Spielstand wird hier zunächst nur die freudige Reaktion der deutschen Bundeskanzlerin und der brasilianischen Politikerin „ Rousself “ geschildert: „ Merkel gongola, Rousseff anche “. Auch wird die deutsche Mannschaft als Sieger des Spiels nicht eindeutig benannt. Diese Information kann der Leser lediglich aus der metaphorischen Beschreibung : „ tedeschi sul tetto del mondo “ ableiten.

Der Vorspann fällt im Vergleich zu Text A und C sehr viel wortreicher aus. Zwar erhält der Leser auch hier zunächst einige harte Fakten wie den Namen des Torschützen und den Zeitpunkt des Siegtores, im Unterschied zu Text A und B verzichtet er aber auf die Angabe des finalen Spielstandes. Stattdessen erhält der Leser eine subjektive Einschätzung des Ergebnisses. So wird die deutsche Mannschaft als „ la squadra migliore di Brasile 2014 “ gerühmt. Gleichzeitig wird auf die Stimmung der Anhänger Argentiniens nach dem Spiel verwiesen: „ festa rovinata per 100mila argentini a Rio e per Lionel Messi“.

Der erste der vier Absätze beginnt, wo Text A aufgehört hat, nämlich kurz vor Ende des Spiels, unmittelbar nach dem der eigentliche Entscheidungstreffer von Goetze schon gefallen ist. Der Autor beschreibt die letzte bedeutende Aktion des Spielers Messi und nimmt hier die Perspektive der argentinischen Fans ein: „ è l’ultima speranza “. Die Enttäuschung des Verlierers wird durch die Hervorhebung, dessen, was hätte sein können noch verstärkt: „L’Albiceleste si ferma a un passo della storia“. Im weiteren Verlauf des Absatzes wird die Stimmung unter den argentinischen Fans vor und nach dem Spiel gegenübergestellt. Anschließend beschreibt der Autor die Schadenfreude der Brasilianischen Fans über die Niederlage der Argentinier: „ gli odiatissimi rivali non alzeranno la Coppa del mondo in casa loro.“.

Der zweite Absatz beschreibt schließlich die Stimmung unter den Anhängern der deutschen Mannschaft, bevor der Autor im 3. Absatz mit seiner Einschätzung zu den Reaktionen der prominenten Tribünengäste: Bundeskanzlerin Merkel und Brasiliens Präsidentin Rousseff fortfährt. Dabei schätzt er, mit Verweis auf den Wahlkampf der brasilianischen Präsidentin Rousseff, auch die potentiellen politischen Folgen eines anderen Endergebnisses ein. Die abschätzige Haltung des Autors dazu wird in dem eher umgangssprachlichen Stil der Formulierung erkennbar: „roba da perdere dieci punti percentuali negli exit poll“. Im Weiteren unternimmt der Autor einen Exkurs zur Fußballgeschichte Südamerikas und fasst schließlich die unterschiedlichen Stimmungen zwischen Argentiniern, Deutschen und Brasilianern zusammen.

Der 4. und letzte Absatz schließlich illustriert die Stimmung nach dem Finalspiel in 4 verschiedenen Momentaufnahmen: der Sonnenuntergang über dem Stadion, die Freude von A. Merkel und der Neid von Djlma Rousseff. Der Autor verweist zudem auf die Tribünengäste Joseph Blatter und Vladimir Putin und gibt dabei bereits einen Ausblick auf die nächste Fußball-WM 2018 in Russland. Der letzte Kommentar ist schließlich dem Spieler Messi und seinem gesenkten Blick gewidmet.

3.3 Text C

Ebenso wie in Text A erfolgt auch hier schon in der Überschrift die Einordnung des Geschehens durch die Vorgabe des Kontextes: „Brasile 2014“. Nach dem Doppelpunkt folgt im telegrammartigen Nominalstil die indirekte Benennung des Siegschützen: „ capolavoro Goetze“ und des WM-Siegers: „ Germania campione del mondo “.

Im Vorspann erhält der Leser neben dem finalen Spielstand zusätzliche Informationen wie die Vereinszugehörigkeit und Spielposition des Siegtorschützen Goetzes: „ attacante del Bayern.“ und den Namen des deutschen Bundestrainers: „la squadra di Loew“.

Im 1. Absatz erfolgt ähnlich wie schon im 1. Absatz von Text A eine Zusammenfassung des gesamten Spiels. Hierbei werden bereits bekannte Informationen (finaler Spielstand, Name des Torschützen, Gesamtanzahl der dt. WM-Titel) wiederholt. Anders als bei Text A werden aber auch neue Informationen gegeben: Name des Stadions, 1. WM-Titel einer europäischen Mannschaft in Südamerika. Darüber hinaus greift der Autor, ähnlich wie schon in Text B die Stimmung des Verliererteams auf: „piange l’Argentina di Sabella“, eine Anspielung auf das weltbekannten Lied: „ Don’t cry for me Argentina “ aus dem Muscial Evita. In diesem Zusammenhang verweist der Autor auch auf das WM-Finale von 1990 in Rom mit gleichem Endergebnis.

Im weiteren Verlauf folgt eine ausführliche Berichterstattung der spielrelevanten Ereignisse in chronologischer Reihenfolge. Der 2. Absatz setzt zur 1. Halbzeit mit Details zu einzelnen Spielzügen, Ein-und Auswechslung, Verletzungen etc. ein. Auch hier werden wieder Hintergrundinformationen zu den Spielern als Vorwissen der Leser vorausgesetzt. So dient die Paraphrase: „L‘ attacante di Napoli “ als referenzidentische Bezeichnung und thematische Wiederaufnahme des zuvor erwähnten argentinischen Spielers Higuain. Die subjektive Bewertung des Spielgeschehens durch den Autor wird dabei insbes. durch den häufigen Gebrauch von Adverbien ausgedrückt: „ ma sbaglia incredibilmente, calciando malissimo “ (C).

Ebenso wie auch der letzte Absatz in Text A setzt auch hier der 3. Absatz nach der Halbzeitpause ein. Dies ist der einzige Text, indem auch die Leistung des Schiedsrichters bewertet wird: „ Rizzoli, non impeccabile stasera“. Im Gegensatz zu Text A und B erhält der Leser hier zudem detaillierte Informationen zur letzten wichtigen Spielaktion Messis nach dem entscheidenden Tor von Götze. Keine Erwähnung dagegen findet die Stimmung nach dem Spiel.

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Details

Seiten
22
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668181526
ISBN (Buch)
9783668181533
Dateigröße
833 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v319020
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Romansitik
Note
1,0
Schlagworte
Fußball WM Inhaltsanalyse Textanalyse Zeitungsartiekl Artikel WM 2014 Nachrichten Presse Fußball-Weltmeisterschaft

Autor

  • Francesca Cavaliere (Autor)

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