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Die Barbie-Puppe als Modell, Metapher, Exempel und Indiz in hermeneutischer Betrachtungsweise

Hausarbeit 2004 27 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Gliederung

1. Vorwort
Überblick über den Text

2. Spiel und Spielzeug: Vom Stein zur Barbie
2.1 Klärung der Begriffe Spiel und Spielzeug
2.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede: Jungenspielzeug / Mädchenspielzeug

3. Die Bild - Zeitung, Mattel und Barbie
3.1 Die Bild - Lilli
3.2 Die Firmengeschichte von Mattel und Barbie

4. Die hermeneutischen Verfahren
4.1 Was ist „Hermeneutik“?: Theoretische Ansätze
4.2. Die vier Untersuchungskategorien
4.2.1 Exempel
4.2.2 Modell
4.2.3 Metapher
4.2.4 Indizien

5. Die Praxis: Barbie und die vier Kategorien der Dinghermeneutik
5.1 Exempel: Die Barbie ist auch nur Puppe
5.1.1 Entwicklungsgeschichte der Puppe
5.1.2 Das „Neue“ an der Barbie
5.2 Modell: Die Barbie als Spiegel ihrer Zeit und als Vorbild
5.2.1 Barbies neue Kleider
5.2.2 Die Männer an Barbies
5.2.3 Die Barbie ist das Maß
5.3 Metapher: Die Barbie als Spiegel der Gesellschaft
5.3.1 Lebensstil und Lebensgefühl
5.3.2 Kritik an Barbie
5.3.3 Einflüsse auf das Sozial verhalten
5.3.4 Barbie und die eigenen Unzulänglichkeiten)
5.3.5 Die Kunst kritisiert Barbie
5.4 Indiz: Der Markt
5.4.1 Barbie´s Milliarden
5.4.2 Lizenz und Merchandise
5.4.3 Inspiration für Künstler

6. Stellungnahme: Eine Welt aus Plastik
Die Zukunft der Barbie: „My Scene“

7. Fazit: Auf die nächsten 45 Jahre)

Quellenangaben

1. Vorwort

Überblick über den Text

Eine Puppe. Blond. Aus Plastik. Bereits diese drei Eigenschaften genügen, um das erfolgreichste Produkt des amerikanischen Spielzeugherstellers Mattel eindeutig zu definieren. Wie keine andere Puppe zuvor hat die Barbie ihren Siegeszug durch die Kinderzimmer und die Herzen der Mädchen ( und sicher auch einiger Jungen ) dieser Welt geführt. Und dennoch ist dieses Kreation weit mehr als ein Stück Kunststoff zum Spielen. Barbie war und ist ( Pop- ) Kultur. Immer schon wollten Kinder wie Barbie sein. Immer schon hat Barbie den Geist ihrer Zeit reflektiert. Barbie steht für eine ganz bestimmte Sicht der Welt - und Barbie ist auch ein enormer Markt. Wie exakt lässt sich der Komplex „Barbie“ beschreiben? Um dies zu klären werden zunächst in Kapitel 2 die beiden grundlegenden Begriffe „Spiel“ und „Spielzeug“ umrissen und im Folgenden dritten Kapitel auf die Geschichte der Bild - Lilli, der deutschen „Vorgängerin“ der Barbie - Puppe, die von Mattel später beinahe unverändert übernommen wurde, und auf die Firmengeschichte von Mattel und Barbie eingegangen.

Im 4. Kapitel wird einleitend behandelt, wie der Begriff „Hermeneutik“ zu verstehen ist, und die hermeneutischen Kategorien Exempel, Modell, Metapher und Indiz werden in der Theorie erläutert.

Das 5. Kapitel Untersucht nun die Barbie in diesen vier Kategorien. Zunächst in 5.1 als Exempel für eine Puppe. Hierzu ist es nötig, einen kurzen geschichtlichen Abriss der Puppenentwicklung zu betrachten, um somit Gemeinsamkeiten mit anderen Puppen erkennen zu können, aber auch um das Einzigartige und Neue der Barbie zu dokumentieren, welches sie von anderen Puppen unterscheidet.

Kapitel 5.2 beschäftigt sich mit der Rolle der Barbie als Modell. Der Mikrokosmos der Barbiewelt war stets ein exaktes Abbild der Mode - und ( Luxus ) - Lebenswelt des Menschen. Barbie hat durch ihr Erscheinungsbild und ihre Kleidung die aktuelle Mode über die Jahrzehnte hinweg widergespiegelt.

Kapitel 5.3 erschließt die metaphorische Dimension der Barbie. Der Begriff „Barbie“ war und ist auch stets Ausdruck eines in der Gesellschaft herrschenden Lebensgefühls und Ideals.

Abschließend unternimmt Kapitel 5.4 eine Betrachtung der Barbie als Indiz für einen 4 enormen Markt und für Möglichkeiten zur Maximierung von Umsätzen durch Merchandise und Lizenzen, gefolgt von einer kurzen persönlichen Stellungnahme in Kapitel 6. Hier wird ein Blick auf Mattels neueste Kreation geworfen und ebenso sollen einige kritische Gedanken zum Ausdruck kommen.

Im abschließenden Fazit Kapitel 7 wird noch auf die Ergebnisse der Untersuchung eingegangen.

Anmerkung: Wörtliche Zitate werden in Klammer direkt nach dem Zitat belegt, inhaltliche Quellen durch Fußnoten. Quellenangaben für Bilder aus dem Internet finden sich im Anhang unter der jeweiligen Abbildungsnummer.

2. Spielen und Spielzeug: Vom Stein zur Barbie

2.1 Klärung der Begriffe Spiel und Spielzeug

Spielen und Spielzeug - zwei Begriffe, die wir im Alltag ganz selbstverständlich gebrauchen. Um aber einen wissenschaftlichen Umgang mit diesen Worten und deren tieferer Bedeutung zu ermöglichen, ist es nötig, exakte Definitionen zu erstellen. Wie aber lässt sich ein vielschichtiger Begriff wie „Spiel“ exakt definieren und abgrenzen?

Versuchte man früher, eine eindeutige Definition des Begriffes „Spiel“ nach den klassischen Vorgaben zu erreichen, so werden heute nicht mehr bestimmte Einzelmerkmale herausgearbeitet, oder nach den Regeln des Definierens vorgegangen, um herauszufinden, wann ein Spiel eben Spiel ist und keine ernst gemeinte Handlung.1

Vielmehr wird versucht, das Spiel mit akzentuierten Angaben zu explizieren, es ist also das erwünschte Ziel, eine Beschreibung zu finden, um explizit feststellen zu können: „im Moment läuft ein Spiel ab“.

Huizinga lieferte 1956 einige entscheidende Bestimmungsstücke für das Spiel. Er stellt fest, wenn eine Handlung eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften aufzeigt, kann man von Spiel sprechen:

- es ist eine freiwillige Handlung
- es ist „nicht so gemeint“, ist ein Produkt der Phantasie des Spielenden
- das Ziel ist das Spiel selbst, es ist also reiner Selbstzweck
- es wird nach bindenden Regeln verrichtet
- es wird vom Gefühl der Spannung und Freude begleitet
- eine nichtspielerische Tätigkeit kann in Spiel umschlagen

Das Spielverhalten2 ist ein Verhalten ohne Ernstbezug. Es dient zur Sozialisation, denn beim Spielen können viele Aktivitäten eingeübt werden, und auch neue Handlungsvariationen gebildet werden. Und wer jemals Kinder beim Spielen beobachtet hat, wird bestätigen, dass Spiel meist unter hohem Energieaufwand betrieben wird. Doch nicht nur der Mensch ist in der Lage zu spielen, es ist eine Eigenschaft, die sowohl bei Säugern als auch bei Vögeln verbreitet ist. Und auch die Phase der „Kindheit“ ist keine dem Menschen vorbehaltene Periode. Auch die Kinder von Primaten durchleben diese Zeit vor dem Erwachsen sein.

Ein weiterer Ansatz ist die These von Karl Bühler, die den Begriff „Funktionslust“ geprägt hat. Sie besagt, dass der reibungslose Ablauf einer Funktion bereits als solcher „lustvoll“ ist, unabhängig vom Erreichen eines Zieles. Ein Kind, dass spielt, verfolgt damit kein außerhalb seiner Tätigkeit liegendes Ziel, sondern die im Spiel tätigen Funktionen selbst bereiten ihm Lust, und um eben dieser „Funktionlust“ willen spielt es. Es geht dem Kind dabei also nicht um ein sachliches Ziel, sondern um Erhaltung oder Steigerung eines psychischen Lustzustandes.3

Spielen bedeutet aber auch immer das „Spielen mit etwas“, wie es Günther Bittner4 beschreibt - entweder mit einem Partner, einem Tier oder mit einem Ding. Dieses „Ding“ kann jegliche Erscheinungsform haben - ein flacher Stein, der über das Wasser geschnellt wird, Papier, Holz usw. Was im Allgemeinen als „Spielzeug“ definiert ist, bildet bei den Spieldingen eine eigene Gruppe. So lässt sich über Spielzeug sagen, dass es

- ausschließlich zum Spielen dient
- eigens handwerklich oder industriell hergestellt wurde
- von einer Person oder vom Kind selbst zum Spielen erworben wird

Hinzu kommt, dass die Dingeigenschaften des Spielzeugs ganz gezielt auf die Spielqualität zugeschnitten sind, dass man also ein Spielzeug eben ( fast immer ) nur zum Spiel verwenden kann.

2.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede: Jungenspielzeug / Mädchenspielzeug

Mädchen spielen mit Puppen. An dieser Aussage hat sich seit Jahrhunderten nur sehr wenig verändert. Die Puppe ist wichtiges Element im Rollenspiel der Mädchen. Sie wird umsorgt, gepflegt, die Mutter - Kind Beziehung wird mit ihr nachgespielt. In einer bekannten Spieltheorie finden wir die Erklärung dieses Phänomens in dem Hinweis auf die Bedeutung des Spiels als „Vorübung“ jener Rollen, die das Kind später als Erwachsener in der Gesellschaft spielen wird. Das Puppenspiel des Mädchens ist die Vorwegnahme der späteren Hausfrauen- und Mutterrolle.“5

Und wenn es einen Wandel im „typischen“ Jungenspielzeug vom Mittelalterlichen Windrad, Steckenpferd, Pfeil und Bogen hin zu den „...pädotropen Mittel die Modellhaft die Welt der Technik und des Verkehrs abbilden oder in sie einführen...“ ( Vgl. Retter (1973), S.18 ) vollzogen hat, so ist dies für das Mädchen - Spielzeug in diesem Maße nicht zu sagen: Die Puppe war und ist das typische Spielzeug für Mädchen geblieben. Aus einer im gleichen Buch vorgestellten Untersuchung geht hervor, dass 99% aller Mädchen Puppen besitzen und nur etwa 47% der Jungen. Die Mädchen benutzen die Puppen dann auch zu 53,9% „sehr häufig“, Jungen nur zu 11,6% ( zum Vergleich: Spielzeugautos: Besitz Jungen: 99,2% / Mädchen 82,5%)

[...]


1 Vgl. Einsiedler ( 1999), S. 9 ff

2 Vgl. Microsoft Encarta Professional (2002), Stichwort: Spielverhalten)

3 Vgl. Scheuerl in Flitner (1978), S.221 ff

4 Vgl. Bittner in Flitner (1978) S.228 ff

5 Vgl. Retter (1973), S.18 ff

Details

Seiten
27
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638327817
ISBN (Buch)
9783638651561
Dateigröße
715 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31906
Institution / Hochschule
University of Sheffield
Note
1,3
Schlagworte
Barbie-Puppe Modell Metapher Exempel Indiz Betrachtungsweise Pädagogische Hermeneutik

Autor

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