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Analyse der Erzählung „Vierzehn“ von Brigitte Kronauer aus dem Buch „Die Kleider der Frauen“

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse der Erzählung „Vierzehn“
2.1 Charakterisierung von Rita
2.2 Charakterisierung des vierzehnjährigen Jungen
2.3 Vergleich der Figuren: Warum sich ihre Ähnlichkeit im Titel der Erzählung wiederfindet
2.4 Analyse des Motivs des Schuhs
2.5 Der Mai in „Vierzehn“

3. Schlussteil

4. Quellenangaben

1. Einleitung

Diese Hausarbeit liegt einem literarischen Text zu Grunde. Es handelt sich bei diesem Text um die Erzählung „Vierzehn“ von Brigitte Kronauer aus dem Buch „Die Kleider der Frauen“. Das Thema dieser Arbeit lautet „Wie die Erzählung Vierzehn zu ihrem Titel kommt“. Wie die These bereits vermuten lässt, ist dies nämlich auf den ersten Blick für den Leser nicht auf Anhieb nachvollziehbar. Bevor nun die Gliederung der Hausarbeit vorgestellt wird, soll zunächst kurz der Inhalt der Erzählung beschrieben werden.

In der Erzählung steht die zwanzigjährige Studentin Rita im Mittelpunkt. Sie wohnt den Mai über bei einem älteren Ehepaar, um Diesem über den Verlust der eigenen Tochter hinweg zu helfen. Rita ist zu diesem Zeitpunkt ziemlich durcheinander und leidet darunter, mit zwanzig Jahren noch keine sexuellen Erfahrungen gemacht zu haben. Sie sitzt oft mit dem Ehepaar in deren Schrebergarten zusammen und häufig bekommen sie auch Besuch von einem vierzehnjährigen Jungen aus der Nachbarschaft. Dieser Junge ist in Rita verliebt und überfällt sie eines Tages mit einem Besuch Zuhause. Er bittet sie zu einem Gespräch unter vier Augen und hat sogar ein Geschenk für Rita dabei, wobei es sich um ein Paar verrückte Schuhe handelt. Bevor Rita aber etwas dazu sagen kann, wird der Vierzehnjährige von dem Fahrer seiner Eltern unsanft abgeholt – und mit ihm die Schuhe.

Im Hauptteil dieser Arbeit werden nacheinander erst Rita und dann der Vierzehnjährige charakterisiert. Anschließend soll eine Analyse der Beziehung der Beiden zeigen, wie maßgeblich Diese für die Titelwahl der Erzählung ist. Nach der Analyse der Figuren, widme ich mich dem Motiv der Schuhe. Die detaillierte Beschreibung der Schuhe in der Erzählung ist sehr auffällig und soll nun gedeutet werden. Außerdem möchte ich kurz erläutern, warum sich die Autorin der Erzählung dazu entschieden hat, die Erzählung im Mai stattfinden zu lassen. Im Schlussteil dieser Arbeit erfolgt ein abschließendes Fazit.

2. Analyse der Erzählung „Vierzehn“

In diesem Teil der Arbeit wird nun die Erzählung analysiert. Rita und der Vierzehnjährige werden vorgestellt und anschließend verglichen. Dies macht Sinn, da Rita die Hauptfigur der Erzählung ist und auch der Junge eine wichtige Rolle spielt. In einem Vergleich soll gezeigt werden, dass die Beiden doch mehr verbindet, als auf den ersten Blick scheint. Der Vergleich beantwortet auch die These dieser Arbeit. Abgeschlossen wird dieser Teil mit einer Analyse über das Motiv der Schuhe, welches das Wichtigste in der Erzählung ist und einer kurzen Vorstellung des Monats Mai.

2.1 Charakterisierung von Rita

Die zwanzigjährige Studentin Rita ist die Hauptperson der Erzählung „Vierzehn“. Sie erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und ist zugleich Erzählendes und Erlebendes ich. Rita berichtet rückblickend über den Mai, den sie als Zwanzigjährige erlebt hat. Ihre Gefühlswelt ist zu diesem Zeitpunkt ziemlich durcheinander und Rita sehnt sich nach einem Partner. Sie ist nun eine junge Frau und neugierig, was die Liebe bereithält. Gerade deswegen leidet sie sehr darunter keinen Freund zu haben und fragt sich, ob etwas verkehrt mit ihr ist, da es ihr normal und an der Zeit erscheint mit Anfang zwanzig sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Diesen Eindruck bekommt der Leser, da Rita nachts vor Kummer mit den Zähnen knirscht und nicht versteht, was mit ihrem Liebesleben los ist[1]. Wenn sie jedoch die Aufmerksamkeit des vierzehnjährigen Jungen aus der Nachbarschaft bekommt, knirscht sie weniger mit den Zähnen.[2] Rita ist froh, dass sich wenigstens der Vierzehnjährige für sie interessiert. Die neugierigen Fragen von Bekannten verstärken ihr Unbehagen über ihre Jungfräulichkeit und setzen sie zudem unter Druck, da sie den Eindruck bekommt, dass etwas mit ihr nicht stimmen kann. Diese Vermutung lässt sich mit folgender Behauptung Ritas begründen: „Es mußte sich um ein Verbrechen gegen Natur und Zivilisation handeln, wenn man in diesem Alter keinen Liebhaber aufwies“[3]. Dass Rita die Neugier der Leute als „Zusatzstrafe“[4] ansieht, belegt ebenfalls, dass sie es als nervig empfindet, wenn sich andere Personen in ihr Intimleben einmischen. Dennoch macht auch sie sich Gedanken über ihr Liebesleben und der Leser lernt Rita als eine neugierige, aber auch langsam ungeduldig werdende Figur kennen, die alles von Tag zu Tag mehr empört[5]. Rita sieht den Monat Mai als guten Zeitpunkt an, um sich zu verlieben, da bei Vielen die Frühlingsgefühle sprießen und auch sie sich eine Liebschaft erhofft. Dies ist bisher jedoch leider erfolglos und Rita hat Angst, dass der Mai vorüber zieht, ohne dass sich etwas ereignet hat. Diese These wird durch ihren Ausruf „[b]ald würden die Kastanien blühen, die Kastanien!“[6] verstärkt. Rita befürchtet, dass sie im Herbst noch genauso unerfahren sein wird, wie gerade im Mai. Sie plagt die Sorge ihre besten Jahre, die Jugend, zu überspringen. Sie sieht die Jugend als eine Art Gegenstand an, den sich jeder außerhalb seiner selbst erst erobern muss[7]. Rita kann sich mit dem Begriff der Jugend nicht identifizieren, denn in ihren Augen reicht es nicht einfach aus „jung“ zu sein. Hinter dem Begriff der Jugend steckt ihrer Meinung nach viel mehr, u.A. auch die Sexualität, in dessen Bereich sie keine oder wenig Erfahrung gemacht hat. Des Weiteren spricht sie von einer „unsichtbare[n] Instanz [,] [die] befahl, die Trophäe nach Hause zu bringen“[8]. Die unsichtbare Instanz ist das Gefühl oder die innere Stimme, die Rita zuflüstert: Du bist zwanzig Jahre alt und hattest noch keinen Freund! Was ist los mit dir? Die Trophäe ist sowohl eine Metapher für den Akt der Entjungferung, als auch für den Freund, den man Zuhause den Eltern vorstellt. Neben den Blicken der Leute hat Rita sogar das Gefühl, dass die Maiglöckchen, die Blumen des Monats der Verliebten, sie auslachen und wenn sie die Blumen nachts schimmern sieht, kommen sie ihr vor wie Frauenkörper, die sich entblößen[9]. Ritas Verlangen nach Liebe ist so groß, dass sie sogar in Maiglöckchen Sexualität sieht und sie hat das Gefühl, dass auch die Blumen ihr etwas vorleben, was sie nicht haben kann, auch wenn sie es so gern möchte. Obwohl Rita das Gedränge und die Neugier von Bekannten nach ihrem Liebesleben verabscheut und sie auch selbst wütend darüber ist, dass die Liebe sich vor ihr versteckt, hat sie trotzdem eine eigene ganz wunderbare Vorstellung von der Liebe[10]. Während zu Beginn der Erzählung Ritas Unmut über ihr nicht vorhandenes Liebesleben überwiegt, erfährt der Leser später, dass Rita mit allen Sinnen die Liebe erfahren möchte und sich etwas Großartiges darunter vorstellt. Ihre bisher eher sparsamen Annäherungen sind für sie ein kleiner Vorgeschmack auf das, was sie von der Liebe erwartet, denn sie sagt: „Das Beste mußte noch kommen“[11]. Das Rita ein paar harmlose Berührungen erfahren hat, belegt folgende Aussage Ritas: „Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt keinen Geliebten besaß, kannte ich natürlich schon länger das Handgreifliche, die unbedeutende Plackerei, die war mir geläufig“[12]. Dass das „Beste“ aber noch kommen muss, macht Rita an ihrem eigenen Gefühl fest. Neben ihrer Unzufriedenheit partnerlos zu sein einerseits, ist sie andererseits auch erfüllt von Liebe, die ihren ganzen Körper durchdringt und sie beschreibt: „Die Liebe fuhr durch mich hindurch mit elektrischer Kraft und verband meine Nerven mit allen Gegenständen, die der Monat spielerisch hervorbrachte […]“[13]. Sie fühlt ebenfalls, dass der Mai etwas Besonderes ist und spürt das „Zucken der Luft“[14]. Der Mai ist wie bereits erwähnt der Monat der Verliebten und die Frühlingsgefühle spielen bei sehr vielen Menschen verrückt, so auch bei Rita. Der Winter geht zu Ende, man freut sich über die blühende Natur, alles sprießt und so auch die Gefühle. Rita fühlt sich, als „könnte sie Bäume raus reißen“ und nicht einmal eine dreckige Häuserwand bildet ein Hindernis für sie[15]. Sobald sie Männerschritte oder Männerstimmen hört, ist sie sexuell erregt und ihr Körper beginnt zu zittern[16]. Auf der anderen Seite hat sie aber wiederum das Gefühl, dass sie schreien möchte in der Hoffnung, dass es sie erleichtert und sie sich etwas von ihrem Kummer befreit fühlt. Rita weiß vor Jammer nichts mit sich anzufangen und sie läuft abends in der Stadt umher, um ihren Gedanken freien Lauf lassen zu können. Sie will allein sein, denn sie sucht sich die Zeit zum Spazieren gehen aus, wo „alle vor dem Fernsehen saßen“[17]. Wie schon erwähnt, hat Rita das Gefühl, dass sogar die Maiglöckchen sie auslachen und auch bei ihrem abendlichen Spaziergang fühlt sie sich wieder von den Pflanzen beobachtet[18]. Es scheint, dass Rita sich in ihr Selbstmitleid hineinsteigert, aber dennoch gibt sie zu, dass es ihr eigenes Problem ist und niemand etwas dafür kann. Rita findet den Mai zugleich schrecklich und schön. Schrecklich, da sie gerade zu dieser Jahreszeit allein ist und schön, weil Rita Lust hat zu lieben und ihr Körper von diesem Gefühl durchdrungen ist. Trotz ihrer gewissen Abscheu gegen diesen Monat gibt Rita zu: „Das Ungenügen lag nicht bei der Welt, sondern bei mir“[19]. Sie muss sich eingestehen, dass der Mai nicht auf sie wartet und er auch ohne sie der Monat der Verliebten bleiben wird. Sie muss selbst etwas dazu beitragen, nicht der Mai allein wird alles richten. Diese Vermutung entsteht, als Rita feststellt: „Die Liebesvorschrift jenes Frühjahrs war erbarmungslos und voller Tadel für mich“[20]. Ihre Aussage bekräftigen zudem die Blicke des älteren Paares, bei dem sie vorübergehend wohnt, als auch die Ameisenzüge auf den Laubenbrettern mit Donnerton[21]. Während für verliebte Paare die Sonne lacht, gibt es für Rita ein Gewitter, worauf das Wort „Donnerton“ hindeutet. Nach ihrem Ärger und Kummer darüber partnerlos zu sein, stellt Rita plötzlich fest: „Zur Liebe gehörte offensichtlich, daß man sich zufriedengab“[22]. Sie spricht lediglich von „zufriedengeben“, obwohl diese Wortwahl den Leser nach Ritas Gefühlsausbrüchen eher überrascht. Ihre Feststellung sagt aus, dass sie wohl denkt, sie habe eine zu hohe Erwartung von der Liebe. Sie sieht viele zufriedene Paare, ob Diese aber auch glücklich sind, weiß sie nicht. Sie verlangen nicht so viel von der Liebe wie Rita, sondern geben sich mit dem zufrieden, was sie haben. Diese These belegt folgendes Zitat: „Überall drückten sich ja die zurechtgemachten Bräute mit ihren netten Freunden herum. Sie alle wußten sich zu bescheiden“[23]. „Überall“ deutet darauf hin, dass Rita diesen Mai sehr viele Brautpaare sieht. Ihre Beschreibung der Freunde mit dem Adjektiv „nett“ klingt etwas ironisch. Rita möchte in einer Partnerschaft nicht einfach nur zufrieden sein, sondern glücklich. Allerdings zweifelt sie dennoch daran, ob ihre Vorstellung von der Liebe realistisch ist. Abschließend kann man auf Grund der Ergebnisse der Analyse sagen, dass Rita wie bereits erwähnt in diesem Mai sehr darunter leidet mit zwanzig Jahren noch keinen Freund zu haben und es ihr zunehmend schwerer fällt, ihre Begierde zu unterdrücken. Es ist offensichtlich, dass sie sich nach einer Beziehung sehnt und der Monat Mai ebenfalls dazu beiträgt, da er als Monat der Verliebten Frühlingsgefühle bei ihr auslöst. Der Leser fühlt zwar mit Rita mit und dennoch entsteht die Frage, warum sie den ganzen Mai im Schrebergarten verbringt, nicht gerade einem Ort, um Männerbekanntschaften zu schließen. Es entsteht der Eindruck, dass Rita sich in ihrem Selbstmitleid badet, statt ihr Glück in die Hand zu nehmen.

2.2 Charakterisierung des vierzehnjährigen Jungen

Neben Rita tritt in der Erzählung noch eine weitere sehr wichtige Figur auf, die erheblich zum Titel der Erzählung beiträgt, worauf im Vergleich eingegangen wird. Es handelt sich um den vierzehnjährigen Jungen, der Rita und das ältere Ehepaar, bei dem sie wohnt, oft in deren Schrebergarten besucht und Schokolade aus der Schokoladenfabrik seines Vaters mitbringt[24]. Der Junge wird nicht beim Namen genannt und die einzigen Informationen, die der Leser über ihn erhält, sind sein Alter und eine minimale, äußere Beschreibung. Warum nicht der Name des Jungen, sondern viel mehr sein Alter eine wichtige Rolle spielt, soll im Vergleich erläutert werden. Der Vierzehnjährige befindet sich mitten in der Pubertät und Bartwuchs und Stimmbruch haben bereits eingesetzt[25]. Er ist Rita willkommen und scheint ein netter und lieber Gast zu sein, über dessen Aufmerksamkeit sie sich freut[26]. Der Junge hat sich ganz offensichtlich in Rita verguckt und auf die Frage der alten Dame, ob ihm Ritas Locken gefallen, entgegnet er: „Sie hat nicht die geringsten Locken. Locken gefallen mir nicht“[27]. Seine Antwort lässt darauf schließen, dass er Rita ganz genau betrachtet und es umso mehr für sie spricht, dass sie keine Locken hat, da er Wellen oder glatte Haare bevorzugt. Allein, dass die Dame ihm überhaupt diese Frage stellt zeigt, dass er Rita anschmachtet, was den Blicken der Dame nicht entgeht und er sie sehr bewundert. So bleibt es nicht aus, dass der Oma des Jungen auffällt, dass ihr Enkel sich verändert hat. Sie ruft die alte Dame an und berichtet ihr, dass [e]r überhaupt keine Schulaufgaben mehr [mache], sei kaum noch zugänglich“[28]. Diese Symptome sprechen für den Liebeskummer des Jungen, unter dem er wegen Rita leidet. Einerseits sind Frischverliebte oft beschwingt und überdreht, doch andererseits auch unglücklich und verschlossen, wenn sie ihre Chance als aussichtslos sehen oder die Liebe nicht erwidert wird. So schellt er eines Abends an Ritas Tür, um mit ihr zu reden. Zuvor hat er jedoch sehr lange und vergebens im Regen am Schrebergarten auf sie gewartet[29]. Diese Tatsache zeigt, wie sehr er sich gewünscht hat Rita zu sehen, sodass er sogar im strömenden Regen auf sie wartet. Als Rita nicht auftaucht, fährt er zu ihr nach Hause, um mit ihr zu sprechen. Er hat sich vorgenommen Rita heute zu sehen und ihr seine Gefühle zu gestehen, da ihn sonst an einem anderen Tag der Mut verlassen haben kann. Auf seinen Wunsch hin mit Rita allein zu sein, sitzen die beiden sich im Wohnzimmer gegenüber. Der Vierzehnjährige ist nervös und es kostet ihn Überwindung mit Rita zu sprechen. Seine Nervosität belegt das Zupfen „an seinem rührenden Flaum“[30]. Des Weiteren sieht er Rita „groß und eifrig“ an[31], was seine Bewunderung für sie ausdruckt. Er vergöttert Rita regelrecht. Er hat ihr ein Geschenk mitgebracht und als sie das Päckchen öffnet, hält er den Atem an und starrt sie an, gespannt was Rita über sein Geschenk sagt. Der Junge möchte ihr seine Zuneigung mit den Schuhen, die sich im Päckchen befinden, ausdrücken und ihr eine Freude machen[32]. Dieser Moment wird unterbrochen, als der Fahrer seiner Eltern plötzlich in den Raum tritt, um ihn abzuholen. Der Blick des Jungen wird als „unvergeßlich“ und voll von „wehrloser Glut“ beschrieben[33]. Der Vierzehnjährige kann nicht glauben, dass ihm dieser Moment, der ihn Überwindung und Mut gekostet hat, kaputt gemacht wird. Er ist wütend darüber, aber dennoch fügt er sich seinem Schicksal und wehrt sich nicht. Der Fahrer ist ein athletischer und kräftiger Mann[34] und dem Jungen ist bewusst, dass Protest zwecklos ist. Dennoch spricht die Glut in seinen Augen für die ungemeine Wut, die er angesichts der Störung empfindet. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der vierzehnjährige Junge einerseits als kindlich beschrieben wird, andererseits aber auch als in der Pubertät steckend. Er ist in Rita verliebt und auch bei ihm trägt der Mai dazu bei, dass er Frühlingsgefühle im Bauch hat. Der Junge himmelt Rita an und fasst den Mut, es ihr zu sagen. Leider kommt es nicht dazu, da er unsanft von dem Fahrer der Eltern abgeholt wird.

2.3 Vergleich der Figuren: Warum sich ihre Ähnlichkeit im Titel der Erzählung wiederfindet

Die in der Hausarbeit zu analysierende Erzählung trägt einen sehr kurzen Titel – er besteht aus nur einem Wort: „Vierzehn“. Auch die Erzählung an sich ist nicht lang und umfasst lediglich fünf Seiten. Beim Lesen der Erzählung tritt bis zur dritten Seite kein Indiz auf, was ein Anhaltspunkt für den Titel der Erzählung sein könnte. Die Hauptfigur der Geschichte ist Rita, die zwanzig Jahre alt ist, was auf der ersten Seite der Erzählung sehr oft erwähnt wird[35]. Ritas Alter ist insofern wichtig für die Handlung, da sie darunter leidet in diesem Alter noch Jungfrau zu sein. Doch warum heißt Brigitte Kronauers Erzählung dann nicht „Zwanzig“, sondern „Vierzehn“, obwohl Ritas Alter eine maßgebliche Rolle spielt? Am Ende der dritten Seite von „Vierzehn“ wird dem Leser plötzlich noch eine weitere, interessante Figur vorgestellt. Es handelt sich um den vierzehnjährigen Jungen, der Rita und das ältere Ehepaar oft besucht. Der Name des Jungen wird dem Leser nicht mitgeteilt, dennoch wird sein Alter in den Vordergrund gerückt. Da der Junge vierzehn Jahre alt ist, ist nun mehr oder weniger offensichtlich, woher die Benennung der Erzählung kommt. Doch ist dies auch sinnvoll und für den Leser nachvollziehbar? Warum ist die Erzählung nach dem Alter des Jungen benannt? Die Tatsache, dass der Vierzehnjährige während der ganzen Handlung namenlos bleibt, verstärkt die Annahme, dass sein Alter eine wichtige Rolle spielt. Im Folgenden soll auf die Beziehung zwischen Rita und dem Vierzehnjährigen eingegangen werden und auch so die Benennung der Erzählung geklärt werden. Es treten zwei Hauptfiguren in „Vierzehn“ auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite befindet sich Rita, die sich mit ihren zwanzig Jahren sehr nach Zärtlichkeit sehnt und es bedauert solo zu sein. Auf der anderen Seite steht der vierzehnjährige Junge, der gerade die Pubertät durchläuft, in Rita verliebt und ebenfalls neugierig ist. Der Junge durchlebt wie Rita einen turbulenten Mai und steckt in Mitten eines Gefühlschaos. Er ist unglücklich in Rita verliebt und leidet unter Liebeskummer. Rita geht es ähnlich – zwar fühlt sie sich nicht wegen einer bestimmten Person schlecht, aber dennoch ist auch sie allgemein unglücklich. Rita und der Junge befinden sich also beide in einer ähnlichen Lage, was ihre Gefühle betrifft. Rita ahnt, dass der Vierzehnjährige etwas für sie empfindet und fühlt sich in der Tat geschmeichelt[36]. Sie sieht den Jungen jedoch als Kind an. Dennoch bemerkt sie, dass er sich langsam zu einem jungen Mann entwickelt und realisiert seinen Bartwuchs und das Krächzen in der Stimme[37]. Allerdings überwiegt das Kindliche das Männliche und Rita spricht von ihm als „zutraulicher kleiner Kerl“[38], dem Kleinen[39] und dem Kind[40]. Eine Beschreibung Ritas aus der Sicht des Vierzehnjährigen kommt in der Erzählung nicht vor. Der Leser bekommt aber den Eindruck vermittelt, dass er sie sehr bewundert und gerne anschmachtet[41]. Es ist festzuhalten, dass sowohl Rita, als auch der Junge noch keine sexuellen Erfahrungen gemacht haben. Diese Feststellung ist neben dem Gefühlschaos eine weitere Gemeinsamkeit der Beiden und auch die plausible Erklärung für den Titel der Erzählung. Rita und der Junge befinden sich beide auf demselben Stand, was ihre Sexualität betrifft. Sie sind beide unerfahren, neugierig und sehnen sich nach Liebe. Bei dem Jungen ist diese Unerfahrenheit mit seinem Alter zu rechtfertigen. Rita hingegen ist sechs Jahre älter und befindet sich auf dem gleichen Level wie er. Sie hatte noch keine sexuelle Beziehung und unterscheidet sich dadurch möglicherweise von vielen ihrer Altersgenossen. Rita befindet sich, was die Sexualität betrifft nicht auf dem Stand einer Zwanzigjährigen, sondern auf dem einer Vierzehnjährigen. Die Autorin lässt den Vierzehnjährigen in der Geschichte auftreten, damit der Leser einen Vergleich zwischen ihm und Rita ziehen kann und anschließend schlussfolgern kann: Rita hat bisher genauso wenig sexuelle Erfahrungen gemacht wie der Vierzehnjährige. Es kann also zusammenfassend gesagt werden, dass die Autorin den Titel „Vierzehn“ nicht nur auf das Alter des Jungen bezieht, sondern viel mehr auf den Stand, auf welchem sich Rita befindet, wenn es zum Thema Liebe kommt.

2.4 Analyse des Motivs des Schuhs

Das wichtigste Motiv, welches in der Erzählung „Vierzehn“ vorkommt, ist das Paar Schuhe, das der vierzehnjährige Junge Rita schenkt. Der Leser beschäftigt sich mit der Frage, was der Junge mit diesem ungewöhnlichen Geschenk sagen möchte. Warum wählt er ein verrücktes Paar Schuhe und zeigt Rita seine Zuneigung nicht durch ein „gängigeres“ Geschenk, wie z.B. Blumen? Im Folgenden wird das Motiv des Schuhs analysiert und kann somit die Frage beantworten. Als Erstes ist anzumerken, wie detailliert die Erzählerin das Aussehen der Schuhe beschreibt. Auf Grund dieser kleinschrittigen Beschreibung ist der Leser in der Lage, sich ein imaginäres Bild von dem Schuh zu machen. Auffällig ist, dass der Schuh auf der einen Seite als sehr hochwertig beschrieben wird, welches die Adjektive „hinreißend“, „gold“, „kostbar“ und „luxuriös“ ausmachen[42]. Auf der anderen Seite wird der Schuh aber auch sehr weiblich beschrieben und so sind Wörter wie „weich“ und „Kurve“ auch Eigenschaften eines Frauenkörpers. Das Wortfeld des Luxus‘ deutet darauf hin, für wie wertvoll und bezaubernd der Junge Rita hält. Er sieht sie in einem ganz anderen Licht, als sie sich selbst. Rita sagt nämlich über die Schuhe: „Vermutlich existierten irgendwo sogar Wesen, die darin ein paar Schritte machen konnten“[43]. Diese Aussage zeigt, dass Rita sich mit diesem Schuh nicht identifiziert, der Junge sich jedoch gut vorstellen kann, dass sie sie trägt. Der Vierzehnjährige vergöttert sie nahe zu und stellt sie auf den „goldenen Sockel“. Der goldene Sockel ist eine Metapher für den Absatz des Schuhs und soll ausdrücken, dass er Rita so sehr bewundert, dass er sie auf einen Podest stellen möchte. Es kann zusammenfassend gesagt werden, dass der Schuh zu diesem Zeitpunkt für den Jungen mehr eine Bedeutung hat, als für Rita. Er hat sich bewusst für dieses Geschenk entschieden. Der Schuh drückt seine hohe Meinung und sein herrliches Bild von Rita aus. Rita hingegen kann nicht viel mit dem Schuh anfangen und sieht sich nicht in diesem Paar herum laufen.

[...]


[1] Vgl. Kronauer, Brigitte, Vierzehn, in: Die Tricks der Diva/ Die Kleider der Frauen, Phillip Reclam Junior GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2010, S.145

[2] Vgl. Kronauer S.148

[3] Kronauer S.146

[4] Kronauer S.145

[5] Vgl. Kronauer S.145

[6] Kronauer S.145

[7] Vgl. Kronauer S.146

[8] Kronauer S.146

[9] Vgl. Kronauer S.146

[10] Vgl. Kronauer S.146

[11] Kronauer S.146

[12] Kronauer S.146

[13] Kronauer S.146

[14] Kronauer S.146

[15] Vgl. Kronauer S.146

[16] Vgl. Kronauer S.147

[17] Kronauer S.147

[18] Vgl. Kronauer S.147

[19] Kronauer S.147

[20] Kronauer S.147

[21] Vgl. Kronauer S.147

[22] Kronauer S.147

[23] Kronauer S.147

[24] Vgl. Kronauer S.147

[25] Vgl. Kronauer S.147

[26] Vgl. Kronauer S.148

[27] Kronauer S.148

[28] Kronauer S.148

[29] Vgl. Kronauer S.148

[30] Kronauer S.148

[31] Kronauer S.148

[32] Vgl. Kronauer S.149

[33] Kronauer S.149

[34] Vgl. Kronauer S.149

[35] Vgl. Kronauer S.145

[36] Vgl. Kronauer S.148

[37] Vgl. Kronauer S.147

[38] Kronauer S.147

[39] Vgl. Kronauer S.148

[40] Vgl. Kronauer S.149

[41] Vgl. Kronauer S.148

[42] Vgl. Kronauer S.149

[43] Kronauer S.149

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668189454
ISBN (Buch)
9783668189461
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v319747
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,3
Schlagworte
Exemplarische Textanalyse Brigitte Kronauer Mai Vierzehn Erzählung

Autor

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Titel: Analyse der Erzählung „Vierzehn“ von Brigitte Kronauer aus dem Buch „Die Kleider der Frauen“