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Sexueller Missbrauch an Schutzbefohlenen. Allgemeines und Einzelfallhilfe

"Das Schweigen der Lämmer"

Seminararbeit 2014 15 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung - Sexueller Missbrauch

3. Allgemeines
3.1 Ursachen des Missbrauchs
3.2 Vorgehen der Täter
3.3 Belastungen für die Opfer- und ihr Schweigen
3.4 Folgen

4. Einzelfallhilfe
4.1 Begriffsklärung
4.2 Therapie
4.3 Schutzbefohlenen Wort geben
4.4 Was tun, wenn Kinder missbraucht werden?
4.5 Kontakt zum Täter
4.6 Wie sich alles ändert

5. Kritische Auseinandersetzung

6. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Seminararbeit im Fach Handlungsmethoden I habe ich das für mich allgegenwertige Thema „Sexueller Missbrauch an Schutzbefohlenen- Das Schweigen der Lämmer“ gewählt. Besonders der Aspekt, dass mir dieses Problem während meiner Praxisphasen begegnet, war Anregung mich mit dieser Materie näher auseinander zu setzen. So kann ich meinem Klientel gegenüber unter anderem professioneller auftreten und sie in dieser schwierigen Situation besser auffangen. Im Verlauf dieser Seminararbeit werden zunächst einmal die Begrifflichkeiten der Sexualität und des sexuellen Missbrauchs erläutert, um darauf hin auf die Spezifik des sexuellen Missbrauchs und anschließend auf die Einzelfallhilfe eingehen zu können. Es soll deutlich werden wie allgegenwertig dieses Thema in meinem Berufsfeld ist und wie wichtig die gezielte Hilfe für Betroffene ist. Hierbei stelle ich mir die Forschungsfrage: „Wie kann es sein, dass ein sexueller Missbrauch solange unentdeckt bleibt?“ Für diese Seminararbeit nutze ich ausschließlich die Methode des Literaturstudiums.

2. Begriffsklärung - Sexueller Missbrauch

Unter Sexualität wird der Geschlechtsverkehr, sowie Takt und Zärtlichkeit verstanden. Sexualität hat für jeden einen unterschiedlichen Stellenwert und muss von uns Menschen erst erlernt werden, obwohl wir von Geburt an Sexualwesen sind. Unsere Einstellung der Sexualität gegenüber ziehen wir aus verschiedenen Einflüssen, wie der Erziehung, Kultur, Gesellschaft oder Erfahrungen, welche wir mit anderem Menschen erlebt haben (Lexikonredaktion, 1997)[1].

Sexueller Missbrauch ist ein Sammelbegriff für sexuelle Handlungen, welche sich gegen Kinder, Jugendliche oder rechtlich benachteiligte Menschen richtet. Strafrechtlich wird unterschieden zwischen sexuellem Missbrauch von Kindern (§176 StGB)[2], Jugendlichen (§182 StGB), Schutzbefohlenen (§174 StGB), Amtsträgern (§174b StGB), Gefangenen und Kranken (§174a StGB) (Lexikonredaktion, 1997)1. Vom sexuellem Missbrauch ist dann die Rede, wenn der Täter das Opfer gezielt zur eigenen sexuellen Erregung und/oder Befriedung benutzt und gebraucht und an den Kindern Handlungen vorgenommen werden, welche das Kind ablehnt oder aufgrund von körperlichen, seelischen, geistigen oder sprachlichen Unterlegenheit unwissend zustimmt. Findet der Missbrauch an Kindern statt, dann sind diese ihrem Täter unterlegen, schenken diesen oftmals Vertrauen und/oder stehen in direkter Abhängigkeit zum Täter. Dadurch sind sie meist nicht in der Lage frei und wissend zu entscheiden und können nicht überblicken, dass sie durch diese Handlung in ihrer weiteren Entwicklung geschädigt werden. (Frei, 1997)[3] Das Bundeskriminalamt schätzt die Zahlen der Missbrauchsopfer auf 250.000 bis 300.000 Kinder jährlich, davon vorwiegend Mädchen. Zur Anzeige werden nur rund 16.000 Fälle gebracht (Lexikonredaktion, 1997)1. Dabei sind die Kinder zu 45% unter 10 Jahren alt, laut Bundesgesundheitsministerium (Frei, 1997)3. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Täter überwiegend aus dem näheren sozialen Umfeld der Familie stammen, sprich Vater, Stiefvater, Opa oder andere vertrauenswürdige Personen. Vielfach erlangen in betroffenen Familien weibliche Bezugspersonen Kenntnis über die Erniedrigungen der Kinder und werden stillschweigend zu Mittätern. Oftmals erliegen die Opfer jahrelangem Missbrauch. Umso eher dieser im Leben beginnt, desto länger dauert er an. Besonders fatal, die Täter verbünden sich mit Familienangehörigen und machen es dem Opfer so schier unmöglich sich jemanden anzuvertrauen, da sie unter dem seelischen Druck leiden, dass sie selbst daran schuld wären (Lexikonredaktion, 1997)1. Häufig handelt es sich bei Missbrauchstaten durch das familiäre Umfeld nicht um einmalige Ausrutscher, sondern um jahrelange Wiederholungstaten (Frei, 1997)3. Hierbei wird der kindliche Wille komplett missachtet. Durch den Missbrauch der Macht- und Autoritätsposition seitens des Täters, glauben die Opfer dem Täter, gehorchen ihm und stimmen wort- und widerstandslos zu (Deegener, 1998)[4]. Kinder und Jugendliche erleiden körperliche und seelische Folgen, wie zum Beispiel Abscheu vor allem Sexuellen, Entfremdung des eigenen Körpers, Essstörungen, psychosomatische Erkrankungen, Ängste, Schlafstörungen, mangelnde Selbstsicherheit und Misstrauen, Drogenabhängigkeit und Selbstmordgedanken (Lexikonredaktion, 1997)1.

„Dort, wo Kinder einen Schutzraum haben sollten und wo sie das größte Vertrauen haben- nämlich in ihrer Familie- dort kommt sexueller Missbrauch am häufigsten vor, besonders für Mädchen.“ (Frei, 1997)3

3. Allgemeines

3.1 Ursachen des Missbrauchs

Der Grund für diese Art des Missbrauchs wird in der inneren Zerrissenheit gesehen. Der Mensch bildet eine Einheit aus Körper, Geist und Seele, weißt diese ein Ungleichgewicht auf, so kann es zu sexuellem Übergriff kommen. Spaltet sich die Sexualität von den anderen Empfindungen ab, so spricht man hier von einem starken Mangel an Liebe. Diesen Menschen wurde ein negatives Bild der Sexualität vermittelt. Viele der Täter mussten in ihrer Kindheit selbst Gewalt, Vernachlässigung, Demütigung, Ohnmacht, oder sexuelle Gewalt erleben, weshalb sie unter anderem ihr Verhalten auf die Erziehung ihrer Kinder wiederspiegeln. Als einer der einfachsten Gründen wird genannt, dass Erwachsene mit Kindern tun können, was sie möchten und wozu Erwachsene nicht einwilligen würden. Desweitern liegt ein wichtiger Grund der Ursache für dieses Verhalten in dem Gefühl der Ganzheit. Während dem Akt des Missbrauchs wird die Ohnmacht des Täters, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, in Macht umgewandelt, meist ohne das Bewusstsein des Täters. In dieser Situation befinden sie sich nicht in der Lage die Gefühle des Opfers zu achten, sondern nehmen nur ihre eigenen egozentrischen Bedürfnisse wahr. Wären die Täter in dieser Situation dazu befähigt, sich in diese Situation hineinzuversetzen, so würden sie ihre Opfer nicht missbrauchen. Nach vollzogener Tat kommt er zur Verleugnung über die Täterschaft, Gefühle des Opfers, eigene Gefühle und es kommt zur Verleugnung über das Nachdenkens des Missbrauchs (Yasmin Bauernfeind, 1992)[5].

3.2 Vorgehen der Täter

Es wird davon ausgegangen, dass die Täter meist alles planen und sich auch ihre Opfer gezielt nach Alter, Geschlecht, Körperbau, Größe und ähnlichen Kritikpunkten aussuchen. Dabei wählen sie vorwiegend schüchterne, ängstliche, sich ungeliebt fühlende, in sich gekehrte Kinder um deren Bedürfnis und Drang nach Zuwendung zu beanspruchen. Dies nutzen die Täter aus, bis sie das Kind so stark emotional an sich binden, bis diese schon fast abhängig vom Täter werden. Ist dann ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut, so nimmt der körperliche Kontakt zunehmend zu, bis hin zum Missbrauch. Oft werden Kindern falsche Normen vorgegaukelt und ihnen Drohungen ausgesprochen, welche sie daran hindern von den Taten zu erzählen. Viele Missbrauchsopfer werden ihrem Peiniger so unterlegen gemacht, dass sie über die Tat nur positiv sprechen können. Exemplarisch der Satz: „Zu dieser Zeit brauchte ich wirklich Liebe, und er liebte mich und sagte mir das. Er ließ mich fühlen, daß ich wirklich wichtig für ihn war.“ (Deegener, 1998, S. 141)4. Vor allem bei kleineren Kindern werden die Handlungen beschönigt und verschleiert dargestellt, sodass diese anfangs nicht bemerken um was es sich handelt, wenn die Sexualisierung schrittweise erfolgt. Deutlich wird dies durch folgenden Satz: „Ich wußte nicht, daß daran irgend etwas schlecht wäre, weil ich erst später merkte, daß es Mißbrauch ist. Ich dachte, er zeigt mir seine Zuneigung.“ (Deegener, 1998, S. 143)4 Täter appellieren an das Gewissen der Kinder und reden ihnen ein, sie wären schlechte Menschen, wenn sie nicht mitmachen würden oder jemandem etwas berichten würden (Deegener, 1998)4.

3.3 Belastungen für die Opfer- und ihr Schweigen

Bei Babys oder Kleinstkindern werden Signale, welche sich in Form von Angstreaktionen oder Abwehrreaktionen mit dem gesamten Körper oder durch Schreie herauskristallisieren, oftmals nicht richtig gedeutet. In diesem Alter sind diese Reaktionen die einzige Form der Verständigung, welche kaum Beachtung finden, da sexueller Missbrauch in diesem Alter nicht denkbar scheint. Die Kinder unterliegen ihren Tätern, da sie von ihnen keine bösen Absichten vermuten würden. Sie ordnen den Akt als besondere Art der Liebe und Zuneigung zu, weil sie dies entweder nicht besser einordnen können oder ihnen jegliches Wissen über die Sexualität fehlt und aufgrund dessen nicht reagieren können. Durch Sätze wie: „Das tut doch nicht weh! Also brauchst du auch nicht zu heulen!“ (Frei, 1997, S. 33)3 werden Kinder bereits durch ihre Eltern zum Beispiel bei kleinen Spielunfällen sensibilisiert, weshalb sie bei Missbrauchssituationen nicht in der Lage sind ihren unguten Gefühlen Gehör zu schenken. Sie werden nicht zuletzt durch die Worte des Täters in die Lage versetzt, dass ihnen nichts Schlimmes passiert. In einigen Fällen des Missbrauchs stellen sich Betroffene vor, dass sie während dem Akt woanders sind und nur ihr Körper vom Täter benutzt wird. Ist dieser fertig kehrt auch die Seele der Opfer zurück in den Körper. So verdrängen sie das Erlebte und können sich in einigen Fällen auch nicht mehr daran erinnern.

[...]


[1] Lexikonredaktion, M. (1997). Sexualität. Mannheim: Brockhaus AG.

[2] StGB= Strafgesetzbuch

[3] Frei, K. (1997). Sexueller Missbrauch- Schutz durch Aufklärung. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag.

[4] Deegener, G. (1998). Kindesmißbrauch erkennen, helfen, vorbeugen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

[5] Yasmin Bauernfeind, M. S. (1992). Die gestohlene Kindheit. München: Droemersche Verlangsanstalt Th. Knaur

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668197725
ISBN (Buch)
9783668197732
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320507
Institution / Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Breitenbrunn
Note
1,7
Schlagworte
sexueller missbrauch schutzbefohlenen allgemeines einzelfallhilfe schweigen lämmer

Autor

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Titel: Sexueller Missbrauch an Schutzbefohlenen. Allgemeines und Einzelfallhilfe