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Bildbesprechung des Werkes "Der Maler in der Werkstatt, nach dem Modell zeichnend" von Rembrandt Harmensz van Rijn

Hausarbeit 2015 8 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhalt

I. Allgemeine Informationen

II. Fakten

III. Das Blatt Der Maler in der Werkstatt, nach dem Modell zeichnend
Komposition
Linienführung und technische Beobachtungen
Wirkung

IV. Fazit

Literaturverzeichnis

I. Allgemeine Informationen

Titel : Der Maler in der Werkstatt, nach dem Modell zeichnend

(eng.: The artist drawing from the model , nl.: Het Beeldt van Pigmalion[1] )

Datierung: ca. 1639

Technik: Radierung und Kaltnadelradierung

Maße: 23,2 x 18,4 cm

Inv.Nr. München: 69168 D (2. Zustand)

II. Fakten

Das Blatt Der Maler in der Werkstatt, nach dem Modell zeichnend zeigt einen Künstler, der, umgeben von seinen Utensilien in seinem Atelier, ein vor ihm stehendes weibliches Modell abzeichnet, das dem Betrachter von der Rückseite gezeigt wird.

In der Zeit, in welcher Rembrandt diese Radierung anfertigte, wohnte er bereits in Amsterdam und konnte schon viele Erfolge im Bereich der Porträtmalerei feiern. Das angesehene Werk Die Anatomie des Dr. Tulp sicherte ihm viele nachfolgende Aufträge und hohe Preise für seine Gemälde und Radierungen. In dieser finanziell erfolgreichen Zeit begann die Zahl seiner Radierung nach einigen Jahren der Stagnation zu steigen.[2] Gleichzeitig beginnt Rembrandt mit dem Sammeln von Graphiken, Gemälden, Naturalien und anderen Kuriositäten, die ihm während der ganzen Jahre bis zu seinem Tod als Inspirationsquelle dienen sollten.[3] Seine – wahrscheinlich von seiner Sammlung angeregte – Motivwahl war sehr vielfältig: Landschaften, Altes und Neues Testament, Porträts und Genreszenen.[4] Aufgrund des Mangels an expliziter Literatur dieses Blatt betreffend, kann geschlussfolgert werden, dass dieser Radierung im Oeuvre Rembrandts keine große Bedeutung beigemessen wird.

Die vorliegende Radierung Der Maler in der Werkstatt, nach dem Modell zeichnend gehört weder zu einer Reihe noch ist bekannt ob es sich hierbei um eine Auftragsarbeit handelt.

Besondere Beachtung in der Forschung findet die Versatilität Rembrandts in Bezug auf seine Bildmotive, sowohl in der Malerei als auch in der Druckgraphik.[5] Bezüglich des vorliegenden Motivs herrscht eine gewisse Zwiespältigkeit: das Motiv eines Künstlers und seines Modells in seiner Werkstatt ist aus der Pygmalion Geschichte, die in den Metamorphosen Ovids überliefert wurde, in der Kunst sehr bekannt. Aus diesem Grund ist die in der Forschung aufgestellte Hypothese, auf dem vorliegenden Blatt seien Pygmalion und seine Elfenbeinskulptur Galatea in seinem Atelier dargestellt, nicht von der Hand zu weisen.[6] Die pro und contra Argumente in Bezug auf diese These werden im Kapitel IV erörtert. Es muss an dieser Stelle allerdings festgestellt werden, dass dieses Motiv in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhundert sehr ungewöhnlich ist.[7] Wenn Künstler in ihren Ateliers abgebildet wurden, waren dies meist andere Künstler wie Apelles oder Zeuxis.[8]

III. Das Blatt Der Maler in der Werkstatt, nach dem Modell zeichnend

Das Blatt zeigt einen Künstler mit einem Turban auf dem Kopf, der, umgeben von seinen Utensilien in seinem Atelier, ein vor ihm stehendes weibliches Modell abzeichnet. Die Radierung ist aufgeteilt in einem skizzenhaft ausgeführten Vordergrund und einem detailliert ausgearbeiteten Hintergrund.

Komposition

Im linken Vordergrund ist der Künstler sitzend mit einem angedeuteten Zeichenblock in seinen Händen zu sehen.[9] Direkt hinter ihm ist eine große unbemalte Leinwand auf einer Staffelei zu erkennen und über ihm hängen ein Schild, ein Schwert sowie ein mit Federn geschmückter Helm. Der Künstler blickt geradeaus, das unbekleidete weibliche Modell steht rechts von ihm und hat ihren Kopf nach links gedreht.[10] Das Modell steht auf einem Podest, hält ein langes Palmenblatt in der rechten Hand und weist einen am linken Arm herabhängenden drapierten Stoff auf. Die Palme ist in der Kunst ein Symbol für Ruhm und Sieg.[11]

Im Hintergrund ist in der rechten Ecke eine von unten angeleuchtete Büste vor einer Architektur aufgestellt, hinter ihr ist ein bedruckter Stoff platziert. Die Büste blickt nach links auf ein weiteres großes Palmenblatt. Wie oben schon erwähnt, setzt sich der dunkle fein ausgearbeitete Hintergrund von dem skizzenhaft ausgeführten Vordergrund deutlich ab. Das nackte Modell, das Schild und der Helm über dem Künstler greifen in den dunklen Hintergrund hinein und verbinden diesen mit dem hellen skizzenhaften Vordergrund.

Linienführung und technische Beobachtungen

Im ersten Zustand ist die Staffelei hinter dem Künstler noch weiß und die Schatten im Hintergrund sind deutlich sichtbarer. Des Weiteren ist eine kleine Presse zwischen dem Künstler und dem Modell zu sehen. Die Kaltnadellinien im linken Vordergrund sowie die Linien der Palme in der rechten Hand des Modells sind im Vergleich zu denen des Modells sehr dunkel und leicht verwischt.[12]

Im zweiten Zustand sind die Linien der Staffelei und des drapierten Stoffs am Arm des Modells deutlich dunkler. Der Hintergrund wurde merklich nachbearbeitet, die Büste und die sich dahinter befindende Architektur sind nun dunkler und das Schattenspiel ist nicht mehr sichtbar.[13] Unter dem Podest, auf dem sich das Modell befindet, ist nun ein Topf radiert worden. Das Podest selbst zeichnet sich im zweiten Zustand durch eine definiertere Linienführung aus. Die Presse zwischen den zwei Figuren ist entfernt worden, dieser Bereich ist nun genauer ausgearbeitet und das Ende eines auf dem Boden liegenden Teppichs ist nun sichtbar. Die unscharfen Schatten der Linien der Kaltnadel auf der linken Seite des Künstlers sind im zweiten Zustand größer als im ersten Zustand.

Im dritten Zustand sind die davor nur angedeuteten Linien in der linken oberen Ecke nun deutlich definierter.[14] Der Bereich zwischen Künstler und Modell ist feiner herausgearbeitet, sodass ein Rautenmuster zu erkennen ist. Zudem sind die Linien links vom Künstler überarbeitet worden: sie werfen keine unscharfen Schatten mehr, sondern sind sauber skizziert. Der Künstler selbst sowie das Palmenblatt in der rechten Hand des Modells sind weniger ausgearbeitet. Hinterding und Rutgers zufolge wurden bei diesem Zustand die Änderungen nicht durch Rembrandt selbst vorgenommen.[15]

Im vierten Zustand sind der Künstler und das Modell deutlich überarbeitet worden. Die Figur des Modells ist zum Teil verändert worden, vor allem die Beine und der Rücken.[16] Der gut ausgearbeitete obere Teil ist nun noch dunkler, sodass die Büste und die Architektur kaum noch zu erkennen sind. Der gesamte Bereich rechts vom Modell ist feiner ausgearbeitet, einschließlich des Palmenblatts in der rechten Hand des Modells – im Vergleich zum dritten Zustand ist dieses nun dunkler. Die Linien in der unteren Hälfte des linken Randes sind transparenter dargestellt.

Wirkung

Die Radierung wirkt auf den Betrachter unvollendet, ferner erzielt das Blatt die Wirkung einer Skizze für ein weiteres Werk. Der fein ausgearbeitete Hintergrund lässt jedoch erkennen, dass es sich hierbei keinesfalls um eine Skizze handelt. Die lockere, virtuose Linienführung in der unteren Hälfte des Blattes erweckt im Betrachter zusätzlich das Gefühl, dass es sich hierbei um eine Bleistiftzeichnung handelt.

[...]


[1] Hinterding, Erik/ Rutgers, Jaco: The new Hollstein. Dutch & Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts 1450-1700. (Band: Rembrandt, Text II, 1636-1665), Ouderkerk an der Ijssel 2013, S. 45.

[2] Hinterding, Erik: Rembrandt as an etcher.The practice of production and distribution. Ouderkerk an der Ijssel 2006, S. 97.

[3] Williams, Hilary: Rembrandt on paper, J P Getty Museum 2009, S. 13.

[4] Hinterding 2006, S. 97.

[5] Hinterding 2006, S. 97.

[6] Hinterding, Erik/ Rutgers, Jaco: The new Hollstein. Dutch & Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts 1450-1700. (Band: Rembrandt, Text II, 1636-1665), Ouderkerk an der Ijssel 2013, S. 45.

[7] Sluijter, Eric Jan: Rembrandt and the female nude, Amsterdam 2006, S. 280.

[8] Sluijter 2006, S. 280.

[9] Da kein Pinsel zu erkennen ist, folgt hieraus die Annahme, dass das Objekt in seinen Händen ein Zeichenblock darstellt.

[10] Die Annahme, dass das dargestellte Modell weiblich ist, beruht auf der angedeuteten Brust und auf demVerhältnis zwischen der Taille und der Hüfte der sich nach links drehenden Figur.

[11] Sluijter 2006, S. 281.

[12] Hinterding/ Rutgers 2013, S. 45.

[13] Hinterding/ Rutgers 2013, S. 45.

[14] Hinterding/ Rutgers 2013, S. 45.

[15] Hinterding/ Rutgers 2013, S. 45.

[16] Hinterding/ Rutgers 2013, S. 45.

Details

Seiten
8
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668199002
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320582
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Kunstgeschichte
Note
1,7
Schlagworte
bildbesprechung werkes maler werkstatt modell rembrandt harmensz rijn

Autor

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Titel: Bildbesprechung des Werkes "Der Maler in der Werkstatt, nach dem Modell zeichnend" von Rembrandt Harmensz van Rijn