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Wortbildung durch Komposition. Typen, Wortklassen und Ausblick auf die Jugendsprache

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Komposition?

3. Kompositatypen
3.1 Determinativkomposita
3.2 Kopulativkomposita
3.3 Possessivkomposita
3.4 Fugenelement
3.5 Weitere Kompositatypen

4. Wortklassen in der Komposition
4.1 Substantivkomposita
4.2 Adjektivkomposita
4.3 Verbkomposita

5. Jugendsprache

6. Komposition in der Jugendsprache
6.1 Beispiele aus Affengeil – Ein Lexikon der Jugendsprache
6.2 Beispiele aus PONS Wörterbuch der Jugendsprache

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon kleine Kinder ohne ausgeprägten Wortschatz machen sich das Prinzip der Wortbildung zunutze, indem sie neue Wörter an dem Punkt „erfinden“, an dem ihr Lexikon an seine Grenzen stößt (vgl. Klos 2011: 1). Aus diesem Grund ist es wenig verwunderlich, dass der Bedarf an Neuwörtern auch in der heutigen Zeit längst nicht gedeckt ist, „da die geistig-sprachliche Auseinandersetzung mit der vielseitigen und veränderlichen Wirklichkeit weitergeht“ (Erben 2006: 21). Bei der Wortbildung werden nicht direkt Fantasiewörter gebildet, sondern Neues aus vorhandenem Sprachmaterial zusammengesetzt (vgl. Lohde 2006: 13), um erst den individuellen und später auch den Gesamtdeutschen Wortschatz zu erweitern.

Für den Prozess der Bildung neuer Wörter stehen dem Sprecher fünf verschiedene Arten zur Verfügung: Komposition, Derivation, Kurzwortbildung, Neumotivierung und das Wortspiel, wobei Komposition und Derivation als produktivste Prozesse der Wortbildung gesehen werden (vgl. Roth 2014: 29).

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Wortbildungsprozess der Komposition. Dabei werden sowohl die verschiedenen Haupttypen als auch die wichtigsten Wortklassen behandelt, aus denen Komposita gebildet werden. Den Schluss bildet eine kurze Betrachtung der Jugendsprache.

2. Was ist Komposition?

Der Begriff Komposition stammt aus dem lateinischen (compositio) und bedeutet so viel wie Zusammenstellung (vgl. Donalies 2005:51). Nach Roth ist sie der zweite Hauptvertreter der kombinatorischen Begriffsbildung und damit einer der wichtigsten Prozesse der Wortbildung (vgl. Roth 2014: 29f.).

Diese Wortzusammenstellungen dienen in erster Linie der „Begriffsbildung, sie spezifizieren, kategorisieren und typisieren“ (Klos 2011: 17). Sie haben vor allem im Bereich der Fachsprache eine wichtige Bedeutung, kommen aber in fast allen sprachlichen Bereichen vor.

„Die Bedeutungsbeziehungen zwischen den Einheiten in Komposita müssen vom Hörerleser anhand verschiedener Indizien rekonstruiert werden“ (Donalies 2005: 62). Zu diesen Indizien gehören das Einordnen des Kompositums in den jeweiligen Kontext und die teilweise Abhängigkeit des Verständnisses durch das Weltwissen des Rezipienten. Daher werden manche Komposita in verschiedenen Teilen der Gesellschaft oder in anderen Ländern unterschiedlich interpretiert, was die reibungslose Kommunikation beeinträchtigen oder zu Missverständnissen führen kann (vgl. Barz/Schröder/Hämmer/Poethe 2004: 19). Ist ein Kompositum noch nicht konventionalisiert, beziehungsweise lexikalisiert, versucht der Rezipient in der Regel das erstmals gehörte Kompositum „aus der meistausgebauten semantischen Nische der Zusammensetzungen mit dem betreffenden Grundwort zu verstehen suchen“ (Erben 2006: 70), um der Konversation weiter folgen zu können. Das Kompositionalitätsprinzip besagt, „dass sich die Bedeutung eines komplexen sprachlichen Ausdrucks aus der Semantik seiner Bestandteile sowie der Art und Weise, wie diese miteinander kombiniert werden, errechnen lässt“ (Klos 2011: 2), was aber auf den ersten Blick nicht immer ganz einfach ist.

Typischerweise besteht ein Kompositum aus „zwei wortfähigen unmittelbaren Konstituenten“ (Fleischer/Barz 2012: 84) und ist ein komplexes Lexem, wobei auch Wortgruppen oder ganze Sätze in das Kompositum aufgenommen werden können (z.B. Kurzzeitgedächtnis) (vgl. Lohde 2006: 36). Dabei sind diese Konstituenten „ohne klare semantische Funktion verbunden“ (Eichinger/Meliss/Vázquez 2008: 338). Dennoch tragen Komposita häufig zur Erleichterung des Verständnisses bei, da sie nicht nur bestimmte Sachverhalte spezifizieren, sondern sie passen „sich dem dynamischen System unserer Sprache uneingeschränkt an“ (Klos 2011: 316). Die neu geschaffenen Benennungseinheiten können mit weiteren Einheiten des Systems in Beziehung gesetzt werden, um Inhalte prägnant zusammenzufassen oder zu verknüpfen.

Zwar werden beim Prozess der Komposition verschiedene Komponenten zusammengesetzt, indem sich hintereinander geäußert werden, dennoch unterliegt dieser Prozess den morphologischen Regeln (vgl. Roth 2014: 32) und es existieren morphologische Kriterien zur Erkennung von Zusammenbildungen. Diese bestehen vorwiegend aus Fugenelementen, interner Flexion und Flexion im Allgemeinen (vgl. Roth 2014: 32). Dabei befindet sich die „Flexionsmarkierung am Kopf des Kompositums ganz rechts“ (Roth 2014: 45). Dieser ist nicht nur der strukturelle Kern, sondern auch der semantisch bestimmende Teil der Komposition (vgl. Eichinger 2000: 71). Im Deutschen lassen sich Komposita im Bereich des schriftlichen häufig an der „orthografischen Norm der Kompositazusammenschreibung“ (Roth 2014: 46) erkennen.

Auf den folgenden Seiten gehe ich auf die wichtigsten Kompositaformen ein, die es im Deutschen gibt.

3. Kompositatypen

Im Deutschen gibt es mehrere Formen von Komposita, die zum größten Teil im normalen Sprachgebrauch verwendet werden. Die unmittelbaren Konstituenten, aus denen das Kompositum besteht, können entweder in der Beziehung einer Subordination (Über-/ Unterordnung) oder einer Koordination (Gleichordnung) stehen (vgl. Fleisch/Barz 2012: 85). In der deutschen Gegenwartssprache wird zwischen usuellen, demotivierten und idiomatisierten Kompositabildungen unterschieden:

usuell: Zusammensetzungen, deren innere Struktur problemlos analysiert werden kann und deren Bestandteile aus synchroner Sicht noch immer gebräuchlich sind (Apfelbaum)

demotiviert: Besteht aus mindestens eine Konstituente, aufgrund derer die Bedeutung nicht mehr nicht mehr analysierbar ist (Werwolf)

idiomatisiert: Hat einen äußerst geringen Grad an Kompositionalität, denn das Wissen über die Bestandteile erlaubt keinerlei Rückschlüsse auf die Bedeutung des Ganzen (Reißzwecke) (vgl. Klos 2011: 60).

3.1 Determinativkomposita

Das Determinativkompositum spielt im Bereich der Wortbildung eine wichtige Rolle und wird häufig als die produktivste und häufigste Art in der Kompositabildung bezeichnet (vgl. Lohde 2006: 36). Im Sprachgebrauch wird es dazu genutzt, Dinge, Zustände, Farben, etc. näher zu bestimmen, wie beispielsweise in „bananengelb“. Der Gelbton wird durch den Zusatz „Banane“ spezifiziert, sodass der Rezipient eine genauere Vorstellung von der Farbe bekommt.

Diese Kompositaform ist binär strukturiert, allerdings haben die beiden Konstituenten nicht den gleichen Stellenwert.

Die „erste, subordinierte Konstituente determiniert die zweite übergeordnete Konstituente“ (Donalies 1996: 274) und sorgt für eine nähere Bestimmung (Haus-Holzhaus, also ein Haus, welches aus Holz besteht und durch den Zusatz Holz näher definiert wird). Das Zweitglied oder Grundwort legt dann „Genus und Wortart der gesamten Konstruktion fest“ (Lohde 2006: 37). Somit besteht das Determinativkompositum aus einem Determinans (erste Konstituente) und einem Determinarium (zweite Konstituente) (vgl. Eisenberg 2006: 226), die zusammen eine Spezifizierung eines Lexems bilden. Zu beachten ist, dass es durch die Referenznahme der Konstituenten nicht möglich ist, diese zu vertauschen, ohne dass eine Bedeutungsveränderung entsteht (vgl. Donalies 1996: 274).

In unserem Sprachgebrauch finden sich Determinativkomposita deren Konstituenten sowohl der gleichen, als auch verschiedenen Wortarten angehören, wobei die Form Substantiv+Substantiv „die wenigsten Bildungsbeschränkungen“ aufweist (Eisenberg 2006: 227). Dabei gehören die einzelnen Glieder in aller Regel „nicht derselben Bezeichnungsklasse an, sondern ein Grundwort wird vornehmlich mit Bestimmungen anderer semantischer Klassen verbunden (Erben 2006: 70). Dennoch gelingt die Kommunikation mit diesen artverschiedenen, zusammengesetzten Wörtern wie „Plastiktüte“ oder „tomatenrot“ problemlos, auch ohne den Kontext einer Unterhaltung, da sie als lexikalisiert gelten.

3.2 Kopulativkomposita

Nach dem Determinativkompositum ist das Kopulativkompositum die zweithäufigste Form der Kompositabildung, aber dennoch wesentlich seltener und „vornehmlich in Berufs- und Fachsprachen, sowie bei Namensbezeichnungen“ (Lohde 2006: 38) zu finden. Anders als beim Determinativkompositum sind die Konstituenten in dieser Art der Zusammenbildung gleichgestellt und können somit – theoretisch – vertauscht werden, ohne dass die Bedeutung davon beeinflusst wird (vgl. Klos 2011: 14). Allerdings findet die Vertauschung nur selten statt, da eine bestimmte Reihenfolge in den Sprachgebrauch eingegangen ist und kaum Bedarf besteht, die konventionalisierten Formen zu tauschen. Ein Beispiel für die mögliche Vertauschung ist die Farbbezeichnung „schwarz-weiß“ für die Bezeichnung eines Schachbretts oder eines Zebras. Ohne dass sich hier die Bedeutung verändern würde, kann man stattdessen auch „weiß-schwarz“ sagen und wird trotzdem von den Rezipienten verstanden. Durch diese „syntaktische Gleichrangigkeit“ (Roth 2014: 40) entsteht eine „einfache „und“- Relation“ (Klos 2011: 15), sodass auch die Schreibweise „schwarz und weiß“ möglich ist.

Da auf keiner der Konstituenten das „semantische Hauptgewicht“ (Donalies 1996: 274) liegt, ist es möglich, dass sich das Kopulativkompositum aus mehr als zwei Konstituenten zusammensetzt und nicht-binäre Strukturen bildet. Vor allem bei Farbbezeichnungen tritt dieser Fall ein. Ein Beispiel für ein Kopulativkompositum aus mehr als zwei Konstituenten ist die Farbenfolge „schwarz-rot-gold“ der deutschen Flagge. Diese Reihenfolge kann beliebig verändert werden, die genannte Abfolge ist allerdings die konventionalisierte Form.

Im Gegensatz zum Determinativkompositum, welches sowohl aus gleichen als auch als verschiedenen Wortarten bestehen kann, muss ein Kopulativkompositum zwangsläufig aus Lexemen der gleichen Wortart bestehen und eine „Zugehörigkeit zur gleichen Beziehungsklasse“ (Donalies 1996: 275) aufweisen, da es sich um gleichgestellte Konstituenten handelt. In der Regel werden Kopulativkomposita durch einen Bindestrich verknüpft. Dadurch kann es in seltenen Fällen schwerfallen, ein Kopulativkompositum tatsächliches als solches einzuordnen, sollte die Bindestrichschreibweise einmal fehlen. Auch trotz eines Bindestrichs ist es teilweise möglich, ein Kompositum auf zwei Lesarten, der kopulativen und der determinativen, zu verstehen (vgl. Eichinger/Meliss/Vázquez 2008: 24f), wobei sich oft eine Lesart im Laufe der Zeit „durchgesetzt“ hat.

3.3 Possessivkomposita

Das Possessivkompositum bezeichnet einen Sonderfall des Determinativkompositums. Zwischen den unmittelbaren Konstituenten besteht dabei zwar ein determinierendes Verhältnis, allerdings bezieht sich das Grundwort auf eine außenstehende Einheit (vgl. Lohde 2006: 37). Diese bezeichnet in der Regel eine Person, eine Pflanze oder ein Tier, „wobei das Zweitglied meist einen Kopferteil bezeichnet“ (Fleischer/Barz 2012: 178). und gibt dabei Eigenschaften dieses Lebewesens ohne explizite Nennung an. Beispiele dafür sind „Hasenfuß“ und „Rotkehlchen“. Ersteres bezeichnet keinen Fuß im herkömmlichen Sinne, genauso wenig wie letzteres ein Kehlchen bezeichnet. Wie beim Determinativkompositum wird auch hier das Zweitglied durch das Erstglied spezifiziert. Das Zweitglied ist somit der Kopf des Kompositums, „der die grammatischen Kategorien […] festlegt, doch der semantische Kern liegt außerhalb des Wortbildungsprodukts“ (Klos 2011: 14). Dass das Possessivkompositum einen Sonderfall des Determinativkompositums bezeichnet lässt sich auch daran erkennen, dass das Zweitglied keinen Oberbegriff bildet, „unter den sich das Denotat einordnen lässt“ (Fleischer/Barz 2012: 178).

Der Zahn im Possessivkompositum „Löwenzahn“ hat nichts mit dem Zahn aus dem Mund zu tun und kann somit im Kontext des Löwenzahns auch kein Oberbegriff für einen „echten“ Zahn sein.

Häufig wird die Erstkonstituente durch ein Adjektiv besetzt (Rotkehlchen), möglich sind aber auch Substantive (Hasenfuß) und Verben (Schlafmütze) (vgl. Klos 2011: 14).

3.4 Fugenelement

Das Fugenelement wird auch als Kompositionsfuge bezeichnet und dient zum „Schließen der Nahtstelle zwischen den einzelnen Gliedern einer Komposition“ (Lohde 2006: 21).

Im Deutschen gibt es sieben verschiedene Fugenelemente, die die Konstituenten miteinander verbinden: -e (Hund-e-spielzeug), -s (Kommunikation-s-problem), -es (Tag-es-zeit), -n (Bauer-n-hof), -en (Nerv-en-bündel), -er (Kind-er-tagesstätte), -ens (Schmerz-ens-schrei). Sie sind semantisch leer und müssen immer dem Erstglied der Komposition zugeordnet werden (vgl. Klos 2011: 16). Dabei hängen „die Fuge und ihre Variation […] grundsätzlich vom Charakter des Erstgliedes der Komposition, dem Bestimmungswort, ab“ (Lohde 2006: 22). Obwohl die Fugenelemente eigentlich keine Bedeutung tragen, können sie hin und wieder eine semantische Funktion innehaben, um Unterschiede anzuzeigen. Lohde (2006: 22) nennt dazu die Beispiele „Storchschnabel“ (Zeichengerät) und „Storchenschnabel“ (Schnabel eines Storches) sowie die stilistische Differenzierung „Waldrand“ (normal-sprachlicher Stil) und „Waldesrand“ (gehobener Stil).

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Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668199262
ISBN (Buch)
9783668199279
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320637
Note
1,7
Schlagworte
Wortbildung Komposition Jugendsprache

Autor

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Titel: Wortbildung durch Komposition. Typen, Wortklassen und Ausblick auf die Jugendsprache