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Die militärische Restaurationspolitik Kaiser Justinians I. in Italien

Gründe für die gescheiterte nachhaltige Wiedereingliederung Italiens in das Oströmische Reich

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Gliederung

1. Die Situation im ehemaligen Weströmischen Reich nach der Völkerwanderung

2. Die außenpolitische Restaurationspolitik Kaiser Justinians I.
2.1 Nordafrika und Spanien
2.2 Die Gotenkriege in Italien
2.2.1 Erster Gotenkrieg 535 bis 540
2.2.2 Zweiter Gotenkrieg 541 bis 552/562

3. Das langfristige Scheitern der Wiedereingliederung Italiens in das Oströmische Imperium
3.1 Kriegsverheerungen und Bevölkerungsverlust
3.2 Die Ablehnung der überkommenen eingesetzten Verwaltungsstruktur
3.3 Verlust der Senatsaristokratie und der alten Strukturen
3.4 Überdehnung der militärischen Kräfte
3.4.1 Kriege und Aufstände auf dem Balkan, in Nordafrika und im Osten
3.4.2 Einfall der Langobarden in Italien

4. Das Ende der Restaurationspolitik und der alten Strukturen in Italien – Neubeginn und Umstrukturierung unter den Langobarden

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Die Situation im ehemaligen Weströmischen Reich nach der Völkerwanderung

Nach der Plünderung Roms durch den Westgotischen König Alarich am 24. Oktober 410 und der Absetzung des weströmischen Kaisers Romulus Augustus durch Odoaker im Jahr 476 war das Weströmische Kaisertum endgültig untergegangen. Bis 480 hielt sich noch der in Dalmatien herrschende Julius Nepos, dessen Absetzung Ostrom zunächst nicht anerkannte. Dies spielte jedoch keinerlei Rolle mehr, da das Weströmische Kaiserreich faktisch keine Existenzgrundlage mehr hatte.1 Viele Germanenkönige erkannten den Oströmischen Kaiser zwar formell als Oberhaupt an, herrschten jedoch faktisch als „rex“ in ihren eigenen Reichen.

In Spanien und Teilen Galliens war die Grundlage für das Reich der Westgoten jenes zugewiesene Land, das die Westgoten 418 als „föderati“ in Aquitanien von Rom erhalten hatten.2 In der Folgezeit versuchten die Westgoten immer wieder, ihr Einflussgebiet zu erweitern. Der westgotische König Eurich brach das Föderatenverhältniss mit Rom und betrieb eine weitaus expansivere Politik: Im Norden stießen die Westgoten bis zur Loire vor und im Süden unterwarfen sie bald den Großteil Spaniens und des Suebenreiches3. Im Osten gewannen sie mit dem Vertrag von 475 die Auvergne, nachdem sie bereits vorher die wichtigen Städte Arles und Marseille eingenommen hatten und 471 das letzte intakte römische Heer in Gallien zerschlagen worden war.4 In der ehemaligen römischen Provinz Africa hingegen entstand das Vandalenreich unter König Geiserich. Es bestand weitestgehend aus dem heutigen Tunesien und Teilen Algeriens sowie Libyens. Zum Herrschaftsbereich der Vandalen gehörten außerdem noch die Balearen, Korsika und Sardinien. Anders als die anderen germanischen Königreiche verfügten die Vandalen nach der Eroberung Karthagos 439 über eine beachtliche und schlagkräftige Flotte. Dies ermöglichte Ihnen eine breite Seeherrschaft, die die Kontrolle über den westlichen Mittelmeerraum und sogar Vorstöße bis nach Griechenland beinhaltete. Die Franken waren im Wesentlichen ein Zusammenschluss verschiedener germanischer Stämme. Sie waren 358 vom römischen Unterkaiser Julian als „föderati“ in Toxandrien angesiedelt worden.5 388 verwüsteten die Franken dann die Region um das heutige Köln, wurden jedoch von römischen Truppen zurückgeschlagen. In den nächsten Jahren nutzten die Franken die wirre Lage in der römischen Provinz Gallien geschickt aus und vergrößerten ihr Einflussgebiet. Im Bündnis mit dem römischen Heermeister Aëtius vollzog sich wahrscheinlich dann die fränkische Reichsbildung in Nordostgallien.6 In Italien selbst dagegen hatte Odoaker im Jahre 476 eine eigene Herrschaft errichtet. Diese fand aber schon nach wenigen Jahren ihr Ende. Im Spätsommer 489 fielen die Ostgoten unter Theoderich dem Großen in Italien ein und beendeten die Herrschaft Odoakers. Dieser wurde mehrmals besiegt, zog sich aber in das schwer befestigte Ravenna zurück. 493 ergab er sich, nachdem ein Kompromiss ausgehandelt wurde. Dieser beinhaltete, dass Odoaker an der der gotischen Herrschaft beteiligt werden sollte. Kurz darauf brach Theoderich jedoch dieses Abkommen und tötete ihn unter einem fadenscheinigen Vorwand. Theoderich führte eine kurze und blutige Säuberung gegen die Anhänger Odoakers durch und versuchte so, die gotische Herrschaft über Italien vorläufig zu sichern. Das Oströmische Reich hatte diese neuen veränderten Machtverhältnisse 497 faktisch anerkannt, zumal die Ostgoten die spätantiken Strukturen Italiens weitgehend unangetastet ließen und sich Ostrom formal unterordneten.7

2. Die außenpolitische Restaurationspolitik Kaiser Justinians I.

Im Jahre 527 bestieg Kaiser Justinian I. in Konstantinopel den Kaiserthron. Er hatte sich ehrgeizige politische Ziele gesetzt und wurde zu der bestimmenden Gestalt der byzantinischen Geschichte im 6. Jahrhundert. „Zum letzten Mal herrschte ein römisch gesinnter Kaiser, der lateinisch sprach, und der lateinisch dachte am Bosporus.“8 Sein wohl bedeutendstes Ziel war ein Umfangreiches Restaurationsprogramm, um das alte Römische Reich wiederherzustellen. Dies beinhaltete die Wiedergewinnung und Rückeroberung sämtlicher an die Germanen verlorenen Gebiete und die Wiederherstellung der alten Ordnung und der alten Strukturen. Dazu war Justinian jedoch genötigt, zunächst die Kriegsgefahr aus dem Osten zu bannen und die vielen Grenzstreitigkeiten mit dem Perserreich zu klären. Nach dem Tod des Perserkönigs Kavadh und nach insgesamt drei Monaten Waffenstillstand wurde ein Friedensvertrag unterzeichnet. Dieser, im September 532 geschlossene „Ewige Friede“, war die Grundlage für Justinians Restaurationspolitik im Westen.9

2.1 Nordafrika und Spanien

Der Krieg gegen das Reich der Vandalen in Nordafrika begann 533, als eine große Flotte mit 500 Transportschiffen, 92 leichten Kriegsgalleren und einer Streitmacht von ca. 18.000 Mann Konstantinopel verließ.10 Der dem Katholizismus gegenüber nicht feindlich gesinnte arianische König Hilderich war abgesetzt worden. Dieser wandalische König pflegte auch eine enge freundschaftliche Beziehung zu Kaiser Justinian und eine tiefe Verbundenheit zur römischen Kultur. Justinian hoffte sogar, mit Hilderich die römische Provinz Africa auf diplomatischem Wege wieder herstellen zu können.11 Statt seiner gelangte nun Gelimer auf den Thron. In der Folge kam es immer wieder zu Übergriffen und Deportationen von Katholiken. Zudem war der diplomatische Einfluss Konstantinopels in Karthago nun erheblich geschwächt. Denn „anders als die übrigen barbarischen Königreiche des Westens, lehnte der Staat der Wandalen eine formelle römische Oberherrschaft ab.“12 Justinian bestand vehement auf der Wiedereinsetzung Hilderichs, was von den Vandalen aber strikt abgelehnt wurde. Belisar, ein erfahrener Feldherr, der bereits im Osten an der Perserfront gekämpft hatte, übernahm nun das Kommando über den Feldzug gegen die Wandalen. „Es war eine bunt gemischte Armee. Neben den normalen, römischen Einheiten wurden auch barbarische Söldnerkompanien (foederati) und tausende von Söldnern in Diensten Belisars (bucellarii) eingeschifft.“13 Das Schicksal des Königs Hilderich diente Justinian dabei als Vorwand. Er gab vor, den rechtmäßigen König wieder einsetzen zu wollen. In der Forschung ist mittlerweile umstritten, ob der Feldzug von Anfang an als Rückeroberung Afrikas gedacht war oder ursprünglich nur als Strafexpedition diente und den Charakter einer Eroberungskampagnie erst im Nachhinein annahm.14 Es spielte Belisar dabei aber in jedem Fall unglaublich in die Hände, dass der Vandalenkönig die größten Teile seiner Streitkräfte nach Sardinien verlegt hatte, um eine dortige Revolte gegen die Wandalenherrschaft niederzuschlagen. Auch rechneten die Wandalen zu keinem Zeitpunkt mit einem Angriff Konstantinopels. ein weiterer Grund für den raschen und vollständigen Sieg war, dass die Flotte Belisars nicht entdeckt wurde und der Überraschungseffekt voll aufging. Gelimer ließ Hilderich zwar hinrichten, doch wurden die Wandalen in der Schlacht beim 10. Meilenstein bei Ad Decimum15 und in der Schlacht bei Tricamarum16 von Belisar vernichtend geschlagen. Am 15. September 533 fiel schließlich Karthago.17 Belisar nahm 534 auch den zunächst geflohenen Gelimer gefangen und führte ihn bei seinem „Triumphzug“ mit durch Konstantinopel. Nordafrika wurde 534 wieder in die reguläre kaiserliche Verwaltung übernommen; unter einem neuen praefectus praetorio per Africam standen sieben Statthalter für die neuen Provinzen, während auf militärischer Seite künftig ein magister militum per Africam das militärische Oberkommando über die Führer der Unterprovinzen Tripolitania, Byzacena, Numidia, Mauretania Caesariensis und Sardinia innehatte.18

In Spanien gelang es zudem dem weströmischen Senator Liberius, einem alten und erfahrenen Fachmann, im Auftrag Justinians 552 die südliche Region Spaniens um Córdoba und Gibraltar für das Oströmische Imperium in Besitz nehmen. Dies wurde ermöglicht, durch Streitigkeiten und inneren Wirren im Westgotenreich. Das von Liberius eroberte Gebiet entsprach im Wesentlichen der alten Provinz Baetica und wurde von Justinian als Spania auf eine ähnliche Art und Weise wie die Provinz Africa reorganisiert. Sie blieb knapp 80 Jahre oströmisch und unterstand einem eigenen magister militum. Die exakten Grenzen des Gebietes sind jedoch unklar.19

Angesichts des Erfolges in Afrika schien nun wohl auch die Rückeroberung Italiens möglich zu sein. Das Ostgotenreich war nun sowohl von Osten als auch von Süden bedroht und Justinian wartete nur noch auf einen geeigneten Anlass, um auch in Italien seine Verbände einmarschieren zu lassen.

2.2 Die Gotenkriege in Italien

2.2.1 Erster Gotenkrieg 535 bis 540

Nach dem Tod des Ostgotenkönigs Theoderichs gelangte sein Enkel Athalarich auf den Thron. Dieser war jedoch noch minderjährig. Daher regierte für Ihn seine Mutter Amalasuntha.20 Diese war sehr römerfreundlich eingestellt und hatte den oströmischen Truppen 533 bereits ostgotische Häfen auf Sizilien als Basen für den Kampf gegen die Vandalen zur Verfügung gestellt. Sie geriet nun aber geriet aber in Gegensatz zum ostgotischen Adel und ihrem Vetter Theodahad, der nach dem überraschenden Tod Athalarichs im Jahr 534 Mitherrscher des Ostgotenreiches wurde. Diese zunehmende Rivalität und Feindschaft eskalierte 535, als Theodahad Amalasuntha einsperren und schließlich am 30. April ermorden ließ.21 Justinian sah diese Ereignisse nun als willkommene Gelegenheit, in Italien einmarschieren und seine Restaurationspolitik weiter voranzutreiben. Der Kaiser plante einen Zweifrontenkrieg: Von Illyrien aus marschierte der Feldherr Mundus nach Dalmatien ein. Zwar gelang ihm die Einnahme von Salona, jedoch ging der oströmische Vormarsch hier nur langsam voran. Umso erfolgreicher eröffnete Belisar die zweite Front auf Sizilien gegen die Ostgoten.22 Mit einer Armee von ungefähr 7.000 Mann, konnte er rasch Sizilien in Besitz nehmen und landete schon wenig später bei Rhegium.23 Die Stadt fiel nach kurzem Kampf und kurze Zeit später rückte Belisar auf Neapel vor, das er ebenso nach einigen Kämpfen erobern konnte.24 Ehe die Ostgoten eine effiziente Verteidigung organisieren konnten, stand Belisar bereits vor den Toren Roms. Er nahm die Stadt am 9. Dezember 536 ein.25 Nach diesem Schlag stand das Ostgotenreich kurz vor dem Zusammenbruch. Für diese katastrophale Entwicklung machten die Ostgoten ihren König Theodahad verantwortlich. Dieser wurde wenig später abgesetzt. Sein Nachfolger war der nichtadelige Wittigis. Dieser ließ seinen Vorgänger töten und setzte alles daran, nun eine Gegenoffensive ins Rollen zu bringen.26 Seine Legitimität sicherte er sich durch die Heirat von Matasuentha, die als Tochter von Amalasuntha dem amalischen Königshaus entstammte. Vor Rom gelang es Wittigis nun tatsächlich, die Initiative zurückzugewinnen. Es entbrannten nun wiederholt heftige Kämpfe um die Stadt. Rom wurde von Januar 537 bis März 538 von den Ostgoten belagert27 und konnte erst dann allmählich durch oströmische Verstärkungen wieder entsetzt werden.28 Die Ostgothische Armee war jedoch zermürbt und durch die Belagerung ebenfalls entscheidend geschwächt worden, sodass sich Wittigis mit den Resten seiner Truppen nach Ravenna zurückzog. Die Stadt Mailand war unterdessen ebenfalls aufs heftigste zwischen Truppen Belisars und Wittigis umkämpft. Dem oströmischen Feldherren Mundilas gelang zwar die Einnahme der Stadt, aber bald darauf wurde diese wegen dem zögernden Vorgehen der Römer von den Ostgoten wieder zurückerobert.29,30 In der Zwischenzeit entschied sich Justinian dafür, in Italien den Feldherren Narses als Verstärkung einzusetzen. Dieser geriet allerdings bald in Rivalität zu Belisar geriet und wurde nach mehreren, durch Unstimmigkeit hervorgerufenen Rückschlägen wie in Mailand wieder abgezogen.31 Belisar eroberte Stück für Stück die ostgotischen Außenposten in Mittelitalien und an der Adriaküste gelang den Oströmern im Jahr 538 der Vormarsch bis Rimini.32 Die Hauptstadt und Residenz Ravenna fiel im Mai 540 nach Belagerung durch Belisar. Wittigis wurde gefangen genommen und von Belisar bei seiner Rückkehr nach Konstantinopel mitgeführt. Der erste Gotenkrieg war entschieden.33 Der neu gewählte Ostgotische Hildebad setzte zwar den Widerstand fort, doch war dieser zunächst vergleichsweise schwach. Jedoch begann das Ostgotenreich nördlich des Po allmählich wieder zu erstarken.34 Allerdings gingen die oströmisch-ostgotischen Kämpfe nun erheblich zurück, da Justinian einen Großteil seiner Streitkräfte für den erneut ausgebrochenen Krieg mit den Persern im Osten abziehen musste.35

2.2.2 Zweiter Gotenkrieg 541 bis 552/562

541 wurde Hildebad bei einem Bankett ermordet. Sein Nachfolger wurde zunächst der Rugier Erarich, der zwar den Kampf gegen Ostrom wieder aufnahm, aber vom ostgotischen Adel nicht anerkannt wurde. Anfang 542 wurde er von Totila, dem Neffen Hildebads, abgelöst.36

Dieser ging entschlossen daran, dem Kampf der Ostgoten gegen Konstantinopel neuen Schwung zu geben. Er begann sogar, eine Flotte zu bauen und verstand es die richtige militärische Taktik zu wählen und die Ressourcen der Ostgoten genau einzuschätzen und einzusetzen. Während das Oströmische Reich durch eine Ende 541 ausgebrochene große Pestepidemie und durch die schweren Kämpfe gegen die sassanidischen Perser militärisch geschwächt und gebunden war, begann nun der zweite Gotenkrieg.37 Dieser war wesentlich erbitterter und blutiger als der erste und zunächst waren die Goten auch sehr erfolgreich. Totila. Ihm gelangen Vorstöße bis weit nach Süden, bei denen er 543 Neapel zurückeroberte38 und zahlreiche weitere Städte belagerte und eroberte. Schließlich gelang ihm im Dezember 546 nach einer großen Hungersnot auch Rom die Wiedereroberung Roms.39 544 war auch Belisar, der zuvor mit mäßigem Erfolg gegen die persischen Sassaniden gekämpft hatte, wieder auf dem italienischen Kriegsschauplatz erschienen. Es gelang ihm, die Belagerung von einigen Italienischen Städten aufzuheben und auf Rom marschieren. Er schaffte es auch 547 die Stadt zurückzuerobern.40 Aber sie blieb hart umkämpft und wurde schon 549 nach langer zermürbender Belagerung erneut von den Ostgoten durch Verrat zurückerobert.41 Da die meisten und besten kaiserlichen Truppen aber nach wie vor an der Perserfront standen, verfügte Belisar nicht über ausreichende Ressourcen und Nachschub um die entscheidenden Vorstöße in Italien zu starten. Die wechselseitigen und äußerst verlustreichen Kämpfe in ganz Italien nahmen nun sehr an Härte und Grausamkeit zu und führten zu enormen Hungersnöten. Angesichts vieler Einfälle anderer Germanenvölker in Oberitalien und auf dem Balkan sowie der generellen militärischen Lage in Italien, sah sich Justinian genötigt aufgrund der zunehmenden Rückschläge, Belisar endgültig abzuberufen.42 Er wurde nun wieder an der Perserfront eingesetzt. Letzten Endes übernahm der Eunuch Narses den Oberbefehl in Italien.43 Narses genoss das volle Vertrauen des Kaisers, hatte eindringlich das Kriegshandwerk studiert und war ein brillanter und scharfsinniger Stratege.44

Um 550/51 entspannte sich auch die militärische Lage an der Perserfront. Dadurch wurde der größte Teil der Oströmischen Armee wieder frei und Justinian konnte seine Aufmerksamkeit nun wieder voll Italien zuwenden. Narses ging entschlossen gegen die Ostgoten vor, mit dem Ziel, den Krieg in einer Entscheidungsschlacht endgültig zu beenden.45 551 marschierte er mit einer Streitmacht von ca. 30.000 Mann über Illyrien nach Norditalien ein.46 Auch brachte Narses genügend Geld mit, um den längst überfälligen Sold den restlichen in Italien kämpfenden kaiserlichen Truppen auszubezahlen.47 Diesem Aufgebot hatten die Goten nach den Verlusten der vergangenen Jahre kaum noch Gleichwertiges entgegenzustellen. Narses umging geschickt die Verteidigungsstellungen und stieß sofort von Venetien aus nach Mittelitalien vor.48 Totila mobilisierte alles, was er hatte und postierte sich mit knapp 20.000 Mann in einem engen Tal bei Taginae, um den weiteren Vormarsch der Oströmer zum stoppen zu bringen.49 Schließlich kam es am 1. Juli 552 zur entscheidenden Schlacht von Busta Gallorum, die die Oströmer trotz der besseren Ausgangsstellung der Goten für sich entscheiden konnten. Totila starb an den in der Schlacht erlittenen Verwundungen und Narses konnte ungehindert weiter südwärts ziehen.50 Rom fiel erneut in oströmische Hände und wechselte ein letztes Mal seinen Besitzer. Die überlebenden ostgotischen Krieger wählten Teja zum neuen König.51

[...]


1 Martin, Jochen: Spätantike und Völkerwanderung, Oldenbourg-Grundriss der Geschichte, Band 4, München 1987, S. 48.

2 Herwig, Wolfram: Geschichte der Goten. Entwurf einer historischen Ethnographie, 1. Aufl., C.H. Beck, München 1979, S. 207ff.

3 Kampers, Gerd: Geschichte der Westgoten, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2008, S. 180ff.

4 Herwig, Wolfram: Geschichte der Goten. Entwurf einer historischen Ethnographie, 1. Aufl., C.H. Beck, München 1979, S. 219ff.

5 Reinhold Kaiser: Das römische Erbe und das Merowingerreich. 3. erweiterte Aufl., München 2004.

6 Art. Franken. In: Herbert Jankuhn, Heinrich Beck u. a. (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. de Gruyter, Berlin, New York, 1995, S. 417.

7 Herwig, Wolfram: Geschichte der Goten. Entwurf einer historischen Ethnographie, 1. Aufl., C.H. Beck, München 1979, S. 346ff.

8 Baynes, Norman H. ; Moss, Henry St. L. B.: Byzanz. Geschichte und Kultur des Oströmischen Reiches, München 1964, S.35, Z.29f.

9 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.90ff.

10 vgl. Evans, J.A.S.: The age of Justinian. The circumstances of imperial power, London, New York, 1996, S.127, Z.19ff.

11 vgl. vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.129, Z.38ff.

12 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.129, Z.11ff.

13 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.130, Z.18ff.

14 vgl. Meier. Mischa: Das andere Zeitalter Justinians. Kontingenzerfahrung und Kontingenzbewältigung im 6. Jh. n. Chr.,Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003.

15 vgl. Evans, J.A.S.: The age of Justinian. The circumstances of imperial power, London, New York, 1996, S.129, Z.12ff.

16 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.137, Z.25ff.

17 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.132, Z.15ff.

18 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.140, Z.5ff.

19 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.209.

20 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, I 2 (S.15ff ).

21 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, I 4 (S.29ff ).

22 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.151, Z.1ff.

23 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, I 5 (S.37ff ).

24 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, I 10 (S.75ff ).

25 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.152, Z.9ff.

26 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, I 11 (S.85ff ).

27 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, I 19 ff (S.145ff ).

28 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.152, Z.18ff.

29 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.161, Z.5ff.

30 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, II 21 (S.359ff ).

31 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, II 22 (S. 369f).

32 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.162, Z.4-9.

33 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, II 29 (S. 425 ff).

34 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.176, Z.42ff.

35 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.171, Z.21ff.

36 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, III 2 (S. 451 ff).

37 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.181 Z.27 –S.182 Z.42.

38 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, III 7 (S. 479ff).

39 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, III 20 (S. 567 ff).

40 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, III 24 (S. 593 ff).

41 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, III 36 (S. 675 ff).

42 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, III 35 (S. 669 ff).

43 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, IV 21 (S. 879 ff).

44 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.200, Z.33f.

45 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.200, Z.46f.

46 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.202, Z.43 f.

47 vgl. Browning, Robert: Justinian und Theodora. Glanz und Größe des byzantinischen Kaiserpaares, Deutsch von Diether Eibach. Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S.202, Z.50 f.

48 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, IV 26 (S. 921 ff).

49 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, IV 29 (S. 941 ff).

50 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, IV 32 (S. 959 ff).

51 vgl. Prokop: Gotenkriege, Griechisch-Deutsch ed. Otto Veh, Ernst Heimeran Verlag, München, 1966, IV 33 (S. 971 ff).

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668202078
ISBN (Buch)
9783668202085
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320998
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Department für Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
restaurationspolitik kaiser justinians italien gründe wiedereingliederung italiens oströmische reich

Autor

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