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Die Globalisierungsdebatte - Vor- und Nachteile der Globalisierung

Diplomarbeit 2004 70 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Bildverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Globalisierung im Kontext der Zeit

2 Definition, Messung und Ursachen der Globalisierung
2.1 Die Begriffe „grenzüberschreitender Handel“, „Internationalisierung“ und „Globalisierung“
2.2 Ursachen und Ausmaße der Globalisierung, dargestellt anhand verschiedener Kenngrößen
2.2.1 Entwicklung des Welthandelsvolumens
2.2.2 Die Rolle internationaler Direktinvestitionen im Rahmen zunehmender Globalisierung
2.2.3 Entwicklung des internationalen Portfolio- und Kreditverkehrs

3 Auswirkungen der Globalisierung
3.1 Auswirkungen des internationalen Handels
3.2 Vor- und Nachteile von Direktinvestitionen
3.3 Auswirkungen internationaler Kapitalströme

4 Abschließende Zusammenfassung, Fazit und Ausblick

5 Literatur- und Quellenverzeichnis

Bildverzeichnis

Abb. 1: Die Karriere des Wortes „Globalisierung“

Abb. 2: Weltweiter Export von Gütern und Dienstleistungen seit 1980

Abb. 3: Offizieller Themenkatalog der Runde von Uruguay (1986–1994)

Abb. 4: Weltweite Zuflüsse von Direktinvestitionen seit 1970

Abb. 5: Deutschlands Abflüsse und Zuflüsse an Direktinvestitionen

Abb. 6: Nettokapitalflüsse in aufstrebende Volkswirtschaften

Abb. 7: Regionale Verteilung arbeitender Kinder in der Welt

Abb. 8: Motive deutscher Unternehmen für Produktionsverlagerungen ins Ausland

Abb. 9: Entwicklung des nominalen Körperschaftsteuersatzes im internationalen Vergleich

Abb. 10: Entwicklung des Unternehmensteuersatzes im internationalen Vergleich

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Globalisierungskonzepte

Tab. 2: Dynamik der weltweiten Finanzmärkte 1990 bis 2000

Tab. 3: Zwölf Schlüsselstandards für solide Finanzsysteme

1 Globalisierung im Kontext der Zeit

Dezember 1999:

In Seattle, an der Westküste der USA, treffen sich rund 50.000 Globalisierungsgegner, um gegen ein Treffen der Welthandelsorganisation WTO zu protestieren. Dabei bleibt es nicht bei friedlichen Demonstrationen. Fenster werden eingeworfen und Mülltonnen in Brand gesetzt, es gibt etliche Verletzte. Nach schweren Ausschreitungen wird über die Stadt schließlich der Ausnahmezustand verhängt. In den Augen der Demonstranten gelten die Weltbank, der internationale Währungsfonds IWF und die WTO als Verhinderer einer gerechten Weltordnung.

September 2000:

Auf der gemeinsamen Jahrestagung des IWF und der Weltbank in Prag gibt es schwere Zusammenstöße zwischen den ca. 9.000 Demonstranten und der Polizei. Auch in Prag waren zahlreiche Festnahmen waren zu verzeichnen.

Juli 2001:

In Genua findet dieses Jahr der jährlich wiederkehrende G8-Gipfel statt, auf dem sich die Regierungschefs der acht mächtigsten Staaten der Welt treffen, um Themen mit globaler Reichweite zu diskutieren. In den bis dato größten Protesten der Anti-Globalisierungsbewegung beteiligen sich hunderttausende an den Aktionen gegen das Treffen der G8. Auch hier wird von scharfen Auseinandersetzungen von Randalierern mit der Polizei berichtet. Während der Proteste wird der italienische Aktivist und Globalisierungsgegner Carlo Giuliani von der energisch einschreitenden Polizei erschossen.

Juli 2003:

Nachdem der letztjährige G8-Gipfel im weiträumig abgesperrten und durch Polizei und Militär geschützten kanadischen Provinzstädtchen Kananaskis ruhig verlaufen ist, versammeln sich im Jahr darauf wieder rund 100.000 Demonstranten in Genf, um gegen das Treffen der mächtigen Acht im französischen Evian zu protestieren. Evian selber gleicht in diesen Tagen einer militärischen Festung, einzelne Zwischenfälle und Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten bleiben dennoch nicht aus.

Das Schlagwort der „Globalisierung“ ist derzeit kaum mehr aus den täglichen Nachrichten in der Medienlandschaft wegzudenken. Kaum ein anderes Thema fand in den vergangenen Jahren eine dermaßen große Beachtung wie dieses. Gerade während der jährlich stattfindenden G8-Gipfel und den mittlerweile regelmäßig parallel verlaufenden Großdemonstrationen, wird die Brisanz und Aktualität dieses Themas deutlich. Globalisierungsgegner stellen herausfordernd die Frage, ob acht Regierungschefs die Legitimität besitzen, Entscheidungen globalen Ausmaßes zu treffen und somit in das Leben von Milliarden von Menschen einzugreifen. Diese Auffassung unterstreicht auch ein gern verwendeter Slogan der G8-Protestbewegungen: „Ihr seid acht, wir sind acht Milliarden.“

Die Globalisierungsdebatte ist also in vollem Gange. Egal ob von Vertretern aus Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Vereinigungen oder Interessensgemeinschaften - eine unüberschaubare Zahl von Personen und Wissenschaftlern hat das Thema bereits in Tages- und Fachpresse angegangen, kommentiert und kritisch beurteilt. Dabei werden die Chancen und Risiken der Globalisierung nicht selten äußerst unterschiedlich bewertet. So begrüßen z. B. liberal ausgerichtete Gruppen eine weltweite Gesellschaft mit möglichst geringen wirtschaftlichen Grenzen. Andere Gruppen sehen darin die nationale Wirtschaft und Politik gefährdet, nicht zuletzt auch auf Kosten von Arbeitnehmern und der Ökologie. In der Frage, ob denn nun die Vor- oder die Nachteile überwiegen, entstehen demzufolge ebenso viele gegensätzliche Standpunkte und Auffassungen. Die Komplexität des Themas und die vielschichtigen, oftmals nur schwer erfassbaren und messbaren Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche, machen eine Beurteilung unter Beachtung aller Interessen nur schwer möglich. Eine objektive Meinungsbildung erfordert deshalb übergreifende Betrachtungen und differenzierte Analysen verschiedener Ansichten.

Im Rahmen dieser Arbeit sollen gängige Thesen, sowohl von Befürwortern als auch von Gegnern der Globalisierung, aufgegriffen, analysiert und kritisch beurteilt werden. Zunächst wird versucht, die zunehmend international ausgerichteten Geld- und Handelsbewegungen anhand wirtschaftlicher Zahlen zu belegen und durch statistische Aufbereitung zu veranschaulichen. Mit Hilfe dessen sollen die Ursachen und die Konsequenzen dieser anhaltenden Entwicklung aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und diskutiert werden. Dies geschieht auf Grundlage von Recherchen und Auswertungen vertrauenswürdiger Daten und verschiedenen Auffassungen aus anerkanntem, fachspezifischem Schriftgut und Literatur.

2 Definition, Messung und Ursachen der Globalisierung

2.1 Die Begriffe „grenzüberschreitender Handel“, „Internationalisierung“ und „Globalisierung“

Häufig werden die Begriffe des „grenzüberschreitenden Handels“, der „Internationalisierung“ und der „Globalisierung“ weniger strikt getrennt und in Literatur und Fachpresse mehr oder weniger simultan verwendet. Dennoch soll an dieser Stelle zunächst versucht werden, eine Abgrenzung dieser Begriffe vorzunehmen, um den Begriff der Globalisierung näher umreisen zu können.

Grenzüberschreitender Handel liegt dann vor, wenn Güter oder Dienstleistungen aus dem Inland über die nationalen Grenzen hinweg ins Ausland exportiert oder im umgekehrten Falle aus dem Ausland importiert werden. Dies beinhaltet nicht ausschließlich den Handel zwischen benachbarten Nationen, sondern auch zwischen mehreren weltweit agierenden Ländern als Handelspartner. Der Schritt zum Zustand bzw. Prozess der Internationalisierung vollzieht sich nach Steger durch die Zunahme der weltwirtschaftlichen Verflechtung und mit der wachsenden Integration durch den internationalen Handel. Darunter ist nicht nur der Handel mit Gütern zu verstehen, sondern vielmehr sämtliche Bewegungen von Arbeit, Kapital und Know-how.[1]

Die Gruppe von Lissabon unterscheidet die Internationalisierung nochmals von der Multinationalisierung. Die Internationalisierung begründet sich demnach aus dem zunehmenden Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen Ländern, welche keineswegs erst eine Erscheinung der letzten Jahre ist. Schon seit Jahrtausenden findet dagegen ein Austausch zwischen Staaten statt, lediglich Änderungen in Form und Grad der Internationalisierung sind zu verzeichnen. Neue (koloniale) Großmächte entstanden, gleichzeitig aber wandelten sich auch die Interessen und Strategien der Staaten. Während die Internationalisierung durch die einzelnen Nationen und den Wettbewerb zwischen den Unternehmen vorangetrieben wird, sind es bei der Multinationalisierung auch soziale Akteure (z. B. Universitäten), Institutionen oder Systeme (z. B. Erziehungswesen), die sich in anderen nationalen Umständen zu etablieren versuchen. Hier spielen vor allem der Transfer und die Verlagerung von Ressourcen, besonders des Kapitals, sowie die Verlegung und Ausweitung von Produktionskapazitäten die entscheidenden Rollen. In diesem Zusammenhang fühlen sich nationale Regierungen oftmals zur Ergreifung protektionistischer Maßnahmen gezwungen, während gleichzeitig Unternehmen des eigenen Landes zur Durchsetzung einer effektiven und dauerhaften Multinationalisierung unterstützt werden.[2]

Eine abstraktere Möglichkeit, das Wesen der Internationalisierung darzustellen, ist die Betrachtung derer aus zwei Perspektiven heraus, wie sie Kutschker vornimmt. Zum einen betrachtet er sie als ein Instrument der Unternehmensentwicklung, mit dessen Hilfe das Management eines Unternehmens versucht, seine gesteckten Ziele zu erreichen. Dieser Prozess, in dessen Verlauf das Unternehmen beispielsweise neue Auslandsmärkte betritt oder seine Standorte verlagert, kann entweder kontinuierlich und schrittweise verlaufen, sich schubweise vollziehen oder in eine langfristig angelegte Unternehmenspolitik eingebettet sein. Je nach Fall spricht Kutschker hier von einer evolutorischen, episodenhaften oder epochalen Internationalisierung. Die zweite Sichtweise beschreibt die Internationalisierung als eine Führungskonzeption oder Leitmaxime, an der ein Unternehmen alle unternehmerischen Entscheidungen ausrichtet. Dabei werden sowohl strategische Programme zur Erhöhung der internationalen Präsenz beeinflusst, als auch andere Bereiche der Unternehmensentwicklung. In Management-Development-Programmen etwa, können internationale Manager entdeckt werden oder EDV-Strukturen werden so gestaltet, daß eine bestmögliche Koordination zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften gewährleistet wird. Für jede dieser beiden Sichtweisen gilt, daß auch die Beherrschung der Dynamik der Internationalisierung und der Unternehmensevolution unter die Managementaufgabe fällt und diese gleichzeitig in Abhängigkeit von dem bereits erreichten Internationalisierungsgrad unterschiedlich zu definieren ist. Handlungsoptionen und Führungsaufgaben in schwach internationalisierten Unternehmen unterscheiden sich demnach von denen in stark internationalisierten Unternehmen.[3]

Der Begriff der Globalisierung wurde nach Meinung vieler Autoren mit Beginn des Trends zur wachsenden Internationalisierung und vor allem während der letzten beiden Jahrzehnte geprägt. Eine Untersuchung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags belegt, daß der Begriff gar erst mit Beginn der 90er Jahre medienwirksam geworden ist. So wurden die Nennungen des Wortes „Globalisierung“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung registriert und grafisch dargestellt (siehe Abb. 1). Während 1993 das Wort lediglich 34 mal fiel, waren es 2001 bereits 1.136 Nennungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Karriere des Wortes „Globalisierung“[4]

Die Globalisierung kann aus zwei Sichtweisen betrachtet werden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht beschreibt sie das weltorientierte Verhalten einer Unternehmung auf Absatz- oder Beschaffungsmärkten, während die gesamtwirtschaftliche Sichtweise auf ökonomische Folgen abzielt und sich auf politische Standpunkte ausweiten lässt.[5] Die Globalisierung spiegelt sich dabei nicht nur in der Entwicklung von monetären Größen, wie den Auslandsinvestitionen oder Importen und Exporten eines Landes wieder, sie tritt dagegen eher in vielfältigen Erscheinungsformen zu Tage. Häufig werden diese auch als „Ebenen“ oder „Dimensionen“ der Globalisierung bezeichnet. Darunter versteht man die unterschiedlichen Lebensbereiche, in denen sich tatsächlich stattfindende Prozesse der Globalisierung nachweisen lassen. Die Gruppe von Lissabon unterteilt in sieben Konzepte (siehe Tab. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Globalisierungskonzepte[6]

Uneinigkeit herrscht dagegen oftmals bei der Unterscheidung der Schlagworte „Globalisierung“ und „Internationalisierung“. Müller/
Kornmeier bestätigen eine mehr oder weniger synchrone Verwendung der beiden Begriffe, versuchen die Globalisierung jedoch als einen Endzustand der Internationalisierung einzuordnen.[7]

In der Fachliteratur werden auch häufig Begriffe wie „Liberalisierung“ und „Protektionismus“ oder „Privatisierung“ und „Deregulierung“ in engem Zusammenhang zueinander behandelt. Im Zuge weltweiter Liberalisierung während der letzten 20 Jahre verbesserten sich z. B. Transporttechnologien und vor allem Informations- und Kommunikationstechniken schlagartig. Protektionismus-Bestrebungen finden dagegen im gleichen Zeitraum immer weniger Beachtung. Die zunehmende Privatisierung wichtiger Sektoren seit Beginn der 70er Jahre stellte einen weiteren Motor der Globalisierung dar. Zum einen ermöglichen private Marktkräfte eine bestmögliche Allokation vorhandener Ressourcen zwischen Produzent und Verbraucher, zum anderen mobilisiert private Finanzierung und Investition die Fähigkeiten und Initiative der Menschen am besten. Die gleichzeitige Deregulierung bedeutet, daß die Rolle des Staates im Wirtschaftsleben kleiner wird und Staatsmonopole oder staatliche Eingriffe begrenzt werden.[8] All diese Kräfte tragen zu einer anhaltenden Globalisierungsentwicklung bei. Im folgenden Kapitel sollen daher Ursachen und Antriebskräfte näher untersucht werden.

2.2 Ursachen und Ausmaße der Globalisierung, dargestellt anhand verschiedener Kenngrößen

Globalisierungsbewegungen sind durchaus nicht erst ein Phänomen der letzten Jahre. Bereits die römisch dominierte Antike oder die Hanse des Mittelalters stellten Systeme dar, welche die internationale Zusammenarbeit vorantreiben sollten. Neu scheinen allerdings die Ausmaße der Globalisierung zu sein, die zum ersten mal wirklich als weltumspannend bezeichnet werden kann. Bea unterteilt in vier Arten von Ursachen, die globale Entfaltung begünstigen. Neben wirtschaftlichen Aspekten treiben auch politische, technische und gesellschaftliche Umstände die Entwicklung der letzten Jahre an.[9] Diese Felder sollten jedoch keinesfalls isoliert oder als unabhängig voneinander betrachtet werden. Wie die folgenden Ausführungen belegen, stehen vielmehr die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Bereichen im Vordergrund. Veränderungen in den Größenordnungen einiger wirtschaftlicher Kennzahlen und Indizes lassen zudem Trends zur Globalisierung belegen und mittels statistischer Aufbereitung veranschaulichen. Dazu gehört die Entwicklung des weltweiten Handels sowie der grenzüberschreitenden Investitionen und Finanzströme. Zudem lassen Vergleiche zwischen Europa und Amerika oder anderen Erdteilen, Rückschlüsse auf bestehende Strukturen oder vergangene Strukturveränderungen zu.

2.2.1 Entwicklung des Welthandelsvolumens

Das Welthandelsvolumen beinhaltet alle Exporte und Importe von Gütern oder Dienstleistungen sämtlicher Nationen der Welt. Bereits in der Vergangenheit gab es zeitliche Epochen, die – zum Teil durch politische, zum Teil durch wirtschaftliche Entwicklungen motiviert - eine zunehmende Internationalisierung von Unternehmen begünstigten und somit die Globalisierung der Wirtschaft hervorbrachten. In einem historischen Rückblick ist zu beobachten, daß bereits in früherer Zeit ganze Völker oder Bevölkerungsgruppen entstanden, die es verstanden, den internationalen Handel zu ihren Vorteilen zu nutzen und sich durch materiellen Reichtum von anderen absetzten. Auch wirtschaftliche und politische Interessensgemeinschaften, wie z. B. heute die EU oder die WTO, sind durchaus keine Erfindung der letzten Jahrzehnte. Bereits vor mehreren hundert Jahren bildeten sich Zusammenschlüsse von Händlern, die untereinander einen grenzüberschreitendenden Austausch von Waren betrieben.

Erste Ansätze internationaler Unternehmenstätigkeit sieht Dülfer bereits in Zeiten der Antike, wo erste Handelsbeziehungen mittels Wägen oder Seefahrt aufgebaut wurden. Später, in der kulturgeschichtlichen Epoche des Hellenismus, wurde durch die Schaffung einer neuen Silberwährung ein einheitlicher Weltwirtschaftsraum hergestellt. Im frühen Mittelalter entwickelten sich nach der arabischen Handelspraxis bereits Finanzierungsmodelle für grenzüberschreitenden Karawanenhandel, deren Grundsätze auch noch heute im islamischen Bereich Anwendung finden. Eine herausragende wirtschaftliche Aktivität mit grenzüberschreitendem und interkulturellem Charakter entwickelten später die Mauren, die sowohl Künstler als auch Handwerker aus anderen Ländern beschäftigten. Mit Beginn des 12. Jahrhunderts entwickelten schließlich norddeutsche, holländische und russische Kaufleute mit der Hanse ein bis dato einmaliges privatwirtschaftliches Unternehmensnetzwerk, dessen Zweck ausschließlich der grenzüberschreitende und gewinnbringende Handel war. Durch politische Vereinbarungen und vertragliche Regelungen wurde dieses Netzwerk durch eine Vielzahl von Mitgliedsstädten erweitert, wodurch neue Handelsräume erschlossen wurden. Die Phase der Renaissance war durch den Handel italienischer Küstenstädte mit dem Orient geprägt, wodurch sich bald auch nördlich der Alpen das Patriziertum bildete – ein durch wirtschaftliche Kontakte herausgebildeter Geld- und Finanzadel.[10]

Das frühe Kolonialzeitalter führte wiederum über den Handel der großen Seefahrer-Nationen zu einem Höhepunkt der internationalen Unternehmenstätigkeit. Im 18. und 19. Jahrhundert ermöglichten revolutionäre Umwälzungen der politischen und gesellschaftlichen Ordnung die Ausweitung des deutschen Banken- und Kreditgewerbes zur internationalen Unternehmenstätigkeit. Die koloniale Aufteilung der außereuropäischen Welt führte zudem zu einer starken Intensivierung des mittlerweile liberalisierten Handelsverkehrs innerhalb der verschiedenen Kolonialsysteme. Größere Firmen schlossen sich zu privatwirtschaftlichen und „überseeischen“ Netzwerken zusammen, um inländische Produktionsüberschüsse abzusetzen und billige Rohstoffe aus den Kolonialländern zu beziehen. Die industrielle Revolution Ende des 18. Jahrhunderts und die damit einsetzende fabrikmäßige Produktion eröffnete ein neues Zeitalter unternehmerischer Tätigkeit, in der vor allem technisch innovative Produkte zunächst in Europa und bald auch in Übersee, vermarktet wurden. Die Firmen verstärkten ihre internationalen Unternehmenstätigkeiten weiter bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, dessen Folgen in der Weltwirtschaftskrise 1929-1931 und im Zusammenbruch vieler Betriebe gipfelten. Erst nach der Währungsreform 1948 und einer Reihe zwischenstaatlicher Maßnahmen, wie z. B. dem European Recovery Program (ERP), konnte seit den 50er Jahren von einer echten Neuentwicklung internationaler Unternehmenstätigkeiten gesprochen werden.[11]

Die verheerenden Kriege bis Mitte des Jahrhunderts brachte die europäischen Staatsmänner zu der Überzeugung, daß nur die wirtschaftliche und politische Einigung zwischen den Nationen einen dauerhaften Frieden sichern könne. 1951 bildete sich hieraus die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), die zunächst aus den Gründungsmitgliedern Belgien, Deutschland, Luxemburg, Frankreich, Italien und der Niederlande bestand. Der Erfolg der EGKS führte sechs Jahre später zur Integration weiterer Bereiche und vollzog sich in der Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Schon 1957 wurden die Ziele der Mitgliedsstaaten in der Beseitigung von Handelshemmnissen und der Bildung eines gemeinsamen Marktes beschrieben.[12] Die sogenannte Einheitliche Europäische Akte (EEA), die seit dem Jahr 1987 den damaligen Vertrag der Europäischen Gemeinschaft (EG) ergänzte, hatte neben der Bildung eines Binnenmarktes auch die enge politische Zusammenarbeit und verbesserte Entscheidungsmechanismen zwischen den Mitgliedsländern zum Ziel. Die Realisierung dessen erfolgte innerhalb von fünfeinhalb Jahren bis zum 31. Dezember 1992 und endete mit der Umwandlung der EG in die Europäische Union (EU).[13] Der Vertrag von Maastricht führte durch die Einbeziehung regierungsübergreifender Kooperation laut der EU zu neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen den Regierungen der Mitgliedsstaaten. Durch die wirtschaftliche Integration der Mitgliedsstaaten, sind diese dazu verpflichtet, gemeinsame Beschlüsse in verschiedenen Bereichen zu fassen und einheitliche Politiken zu entwickeln, z. B. in den Bereichen Kultur, Verbraucherschutz, Wettbewerb, Umweltschutz, Energie, Verkehr oder Handel. Bestrebungen zur Bildung eines Binnenmarktes, in dem freier Waren-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalverkehr gewährleistet wird, machten sich während der 90er Jahre auch an den Grenzen bemerkbar, da die meisten Pass- und Zollkontrollen abgeschafft wurden. Bereits 1992 beschloss die EU die Gründung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU), was die Einführung einer einheitlichen europäischen Währung für zwölf der fünfzehn Mitgliedsstaaten, unter Aufsicht der europäischen Zentralbank, bedeutete.[14]

Beim Betrachten der Zeitreihen wird schnell klar, daß der internationale Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen den Nationen während den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen hat. So haben sich die weltweiten Exporte im Jahr 2002 gegenüber dem Jahr 1980 von 2,4 Billionen auf 7,9 Billionen US-Dollar mehr als verdreifacht. Dieser Trend ist sowohl bei den Waren- als auch bei den Dienstleistungsexporten nachzuweisen (siehe Abb. 2). Während die Ausfuhr von Waren in diesem Zeitraum um 216% gewachsen ist, haben sich die Transfers von Dienstleistungen sogar um 322% erhöht. Die Nationen werden also immer mehr vom zunehmenden Welthandel abhängig. Einen großen Bestandteil des Welthandels stellt dabei der Intra-Konzern-Handel dar, also der Handel zwischen den Niederlassungen transnational agierender Unternehmen, der statistisch wie Handel zwischen Staaten (Außenhandel) erfasst wird.[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Weltweiter Export von Gütern und Dienstleistungen seit 1980[16]

Der Welthandel wird dabei zu einem großen Teil von den führenden Industrienationen bestimmt. Allein die Warenexporte der USA machten im Jahr 2001 mehr als ein Zehntel des Gesamtvolumens aus. Zusammen mit Deutschland, Japan, Frankreich, Großbritannien und fünf weiteren führenden Nationen, teilten sie sich rund 57% der weltweiten Exporte an Gütern.[17] Daß dies allerdings kein Phänomen des neuen Jahrtausends ist, belegen Blicke auf Exportzahlen vergangener Jahre. Bereits 21 Jahre zuvor, im Jahr 1980, verteilten sich 58% der weltweiten Warenexporte auf lediglich zehn Nationen. Drastischere Veränderungen zeigten sich dagegen in der regionalen Aufteilung der Güterexporte. Während die Länder des mittleren Ostens 1980 noch einen Anteil von 10,5% hatten, waren es 2001 nur noch 3,7%. Das gleiche gilt für die Nationen Afrikas und Zentral- bzw. Osteuropas. Diese Regionen der Erde scheinen ihre Anteile während der letzten zwei Jahrzehnte an die asiatischen Länder verloren zu haben, die im Jahr 2001 einen Anteil von 27,9% der weltweiten Güterexporte hatten, gegenüber 15,9% in 1980.[18] Vorangetrieben wurde diese sprunghafte Entwicklung vor allem durch Japan und die asiatischen Schwellenländer. Schrauben wir das Vergleichsjahr weiter auf 1948 zurück, erweisen sich vor allem Nordamerika, Lateinamerika und Afrika als Verlierer mit großen Anteilsverlusten in den Exportstatistiken, darunter auch ein großer Teil der ärmsten Entwicklungsländer.[19]

Nach den Argumentationen von Globalisierungsgegnern werden zahlreiche Probleme und Missstände – z. B. in Entwicklungsländern - auf wirtschaftliche Fehlentwicklungen vergangener Jahre zurückgeführt. In der Kritik finden sich vor allem regionale und internationale (Handels-) Organisationen, die Entscheidungen immensen Ausmaßes treffen und auf möglichst grenzenlosen Handel hinarbeiten. Diese dienen den Staaten als Forum, in dem Normen und Regeln bezüglich des grenzüberschreitenden Handels untereinander vereinbart werden. Der seit den siebziger Jahren anhaltende Trend zur regionalen und globalen Kooperation kann deshalb auch als „internationaler Regionalismus“ bezeichnet werden. Die Machtverhältnisse zwischen den einzelnen Organisationen sind dabei sehr verschieden. So ist die Europäische Union als eigenständiger und einflussreicher Akteur durchaus in der Lage auch nach außen zwischenstaatliche Vereinbarungen zu treffen und somit sowohl Spielregeln als auch Gleichgewichts- und Machtverschiebungs-mechanismen auf internationaler Ebene zu gestalten. Die Association of Southeast Asian Nation, kurz ASEAN, tritt zumindest im eigenen regionalen Umfeld als aktiver Gestalter auf. Afrikanische Ansätze zu regionaler Kooperation, wie die Organization of African Unity (OAU), haben dagegen kaum globale Bedeutung.[20]

Der Zugang zu internationalen Märkten ist vor allem durch den Abbau von Handelsschranken und zunehmendem Freihandel vereinfacht worden. Die Gruppe von Lissabon bezeichnet die „Öffnung der nationalen Märkte für Freihandel und freie Güter-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalbewegungen“ als „eine der heiligen Kühe des Marktkapitalismus.“[21] Die Marktliberalisierung spielt dabei die entscheidende Rolle bei der Gestaltung der weltweiten Handelsbeziehungen. Die Spielregeln werden dabei durch die World Trade Organization (WTO) bestimmt, welche im Jahr 1995 aus der Vorläuferorganisation General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) hervorging. Die WTO beschreibt sich selbst und ihre Aufgabe wie folgt: „[...] the world trade organization is the only international organization dealing with the global rules of trade between nations. Its main function is to ensure that trade flows as smoothly, predictably and freely as possible.”[22] In mittlerweile acht Runden internationaler Handelsverhandlungen wurden in den letzten fünfzig Jahren Zoll- und andere Handelshemmnisse abgebaut. Von Regierungs-vertretern der mittlerweile 144 Mitgliedsländer werden Übereinkommen ausgehandelt, die sowohl Exporteuren als auch Importeuren weltweit einen umfassenden und zuverlässigen Regelungsrahmen vorgeben soll.[23]

Die Entstehung der WTO basiert auf Verhandlungen der sogenannten Runde von Uruguay, die wohl größte Konferenz mit Gegenstand des Welthandels. Vom Beginn im Jahr 1986 bis zur Unterzeichnung der Abkommen 1994 vergingen mehr als sieben Jahre. Obwohl die Verhandlungen mehrere Male zu scheitern drohten, brachte die Runde von Uruguay die umfassendsten Reformen im Welthandelssystem seit der Einführung des GATT hervor. Der offizielle Themenkatalog umfasste 15 Fragen und Gegenstände des internationalen Handels (siehe Abb. 3). 1994 wurden die Abkommen von den 123 teilnehmenden Nationen unterzeichnet, im darauffolgenden Jahr traten die neuen Regelungen schließlich offiziell in kraft.[24] Der Uruquay-Runde ging die bereits 1979 abgeschlossene Tokio-Runde voraus, deren Ergebnisse allerdings bereits Anfang der 80er Jahre eine weitverbreitete Unzufriedenheit zur Folge hatte. Zahlreiche Herausforderungen konnten nicht gemeistert werden, wie z. B. das Aufkommen neuartiger nichttarifärer und diskriminierender Formen des Protektionismus.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Offizieller Themenkatalog der Runde von Uruguay (1986–1994)[26]

Während des Auftakts zur Uruquay-Runde im Rahmen der gemeinsamen Erklärung von Punta del Este, wurden die globalen Verhandlungsziele durch die Handelsminister der GATT-Vertragsparteien festgelegt. Vor allem sollte das GATT-System in seiner Funktionsfähigkeit verbessert, die Spielregeln für den Welthandel gestärkt und ergänzt sowie der Marktzutritt erleichtert werden. Die ehrgeizigen Zielsetzungen der Mitgliedsländer spiegelten vor allem die Entschlossenheit derer wider, die Defizite der Tokio-Runde abzutragen.[27] Die Abmachungen und Regelungen der Uruquay-Runde beziehen sich sowohl auf Güter und Dienstleistungen als auch auf geistiges Eigentum. Sie beinhalten die Verpflichtungen für bestimmte Nationen, die Handelszölle zu senken, weitere Handelsbarrieren abzubauen und die Dienstleistungsmärkte zu öffnen bzw. offen zu halten. Zudem werden Vorgehensweisen zur Beseitigung von Streitfragen sowie zur speziellen Behandlung von Entwicklungsländern vorgegeben. Die einzelnen Regierungen werden aufgefordert, ihre Handelspolitik offen darzulegen, indem die WTO über bestehende Gesetze und ergriffene Maßnahmen informiert wird.[28]

Im Bereich der Zölle will die WTO vor allem Beständigkeit und ein Level nahe Null erreichen. In den entwickelten Ländern wurde bereits eine Senkung der Zölle um 40% von durchschnittlich 6,3% auf 3,8% erreicht. Ab dem Jahr 2000 gilt zudem die Zollfreiheit für Importe von Produkten aus dem Bereich der Informationstechnologie. Höhere Marktsicherheit für Händler und Investoren, insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich, soll durch „gebundene“ Zölle geschaffen werden, die auf eine bestimmte Höhe festgelegt und nur schwer zu erhöhen sind.[29]

Der landwirtschaftliche Sektor soll durch eine Reihe weiterer Übereinkommen gestärkt und gesichert werden. So wird der Marktzugang durch verschiedene Handelsbeschränkungen erschwert und die heimischen Erzeuger durch Subventionen und andere Programme unterstützt. Andererseits werden auch die Exporte durch Gelder und weitere Maßnahmen gefördert, um die Wettbewerbsfähigkeit der Güter zu gewährleisten. Weitere Vereinbarungen zielen auf die Bildung von Standards in Bezug auf Nahrung und Verpflegung eines Landes sowie im Tier- und Pflanzenschutzbereich ab. Internationale Normen und allgemeine Richtlinien können, soweit vorhanden, als Vorgaben dienen. Zwar können die Standards untereinander variieren, dennoch sind die Nationen dazu verpflichtet, bestimmte Kontroll-, Inspektions- und Zulassungsverfahren durchzuführen. Technische Regulierungen und industrielle Standards sind dagegen von Land zu Land noch sehr verschieden. In der Frage, ob ein Produkt den Anforderungen eines Landes entspricht, soll mit gerechtem Maße gemessen werden, wobei insbesondere eine generelle Bevorzugung inländischer Produkte ausgeschlossen werden soll. Ähnlich wie die Landwirtschaft ist auch die Sparte der Textilien ein häufig diskutierter Bereich innerhalb der WTO. Um die inländischen Industrien zu schützen, wurden in der vergangenen Zeit oft Einfuhrquoten festgelegt, was als Ausnahme zum Grundsatz der Gleichbehandlung der Handelspartner anerkannt wurde. Mit Einführung der WTO soll auch dieser Bereich bis ins Jahr 2005 vollständig den allgemeinen Regeln unterliegen, wodurch einer Diskriminierung zwischen Exporteuren vorgebeugt werden soll.[30]

In Anbetracht der wachsenden Bedeutung von Dienstleistungen, bleibt auch dieser Bereich nicht unbeachtet. Im Rahmen des General Agreement on trade in services (GATS) wurden Regeln bezüglich des internationalen Handels mit Dienstleistungen eingeführt. Innerhalb der „Most-favoured-nation“-Übereinkunft wurde festgelegt, daß alle Handelspartner einer Nation nach den Prinzipien der Nicht-Diskriminierung behandelt werden müssen. Duldet ein Land ausländische Wettbewerber innerhalb eines Marktsektors, ist gleichzeitig auch anderen Dienstleistungsanbietern diese Chance zu bieten. Handelsbeschränkende Maßnahmen dürfen nur nach gerechten und unparteiischen Grundsätzen beschlossen werden. Spezielle Richtlinien betreffend des Transfers von Personen sowie Finanz-, Transport- und Telekommunikationsleistungen unterscheiden den Dienstleistungssektor von den Regelungen im Bereich des Güterhandels.[31]

Ein weiteres Abkommen der Runde von Uruguay gilt dem Schutz des geistigen Eigentums (z. B. Ideen, Wissen), das eine immer wichtigere Rolle im internationalen Handel einnimmt. Den Erschaffern wird das Recht eingeräumt, Erfindungen oder Designs gegen den Gebrauch anderer zu schützen oder dieses Recht an diese zu verkaufen. Für Bücher, Gemälde oder Filme geschieht dies z. B. in Form des Copyrights, Erfindungen erhalten Patente, und Markennamen bzw. –logos werden als Trademarks registriert. Da die Gegebenheiten bezüglich des Schutzes und der Durchsetzung dieser Rechte in den Ländern äußerst unterschiedlich ausfielen, ist die WTO derzeit auch hier um die Einführung gemeinsamer internationaler Regeln bemüht. Der intensivierte Schutz geistigen Eigentums soll Entwicklungen und Erfindungen vorantreiben und der Gesellschaft so langfristige Vorteile verschaffen. Weitere WTO-Regelungen der Runde von Uruquay gelten unter anderem der Verhinderung von Dumping-Preisen, der missbräuchlichen Handhabung von Subventionen und der Einführung von Importbeschränkungen, um Schaden von der einheimischen Industrie abzuwenden.[32]

Durch neue Abkommen und regelmäßige Verhandlungen innerhalb der WTO soll vermieden werden, daß die Beschlüsse einen starren Charakter beziehen. Auch aktuell werden Themen im Rahmen der Entwicklungsagenda von Doha/Qatar seit November 2001 diskutiert.[33] Alle Beschlüsse der World Trade Organization orientieren sich nach deren Prinzipien des Handelssystems: Ein Handel ohne Diskriminierung, durch Verhandlungen schrittweise den Weg zum freieren Handel finden, Vorhersehbarkeit und Stabilität durch Verpflichtungen und Transparenz, Förderung des fairen Wettbewerbs sowie Ermutigung zu Entwicklung und wirtschaftlichen Reformen.[34]

Der zunehmende Welthandel wird allerdings nicht nur durch den Abbau handelshemmender Maßnahmen begünstigt. Auch technische Entwicklungen und Innovationen werden häufig als Ursachen für den zunehmenden Welthandel genannt. Da hochtechnologische Produkte, Patente und Lizenzen eine immer größer werdende Rolle im Welthandel einnehmen, sind die Staaten darauf bedacht, diese zur Sicherung relevanter Wettbewerbspositionen stetig weiter zu entwickeln. Der Politik kommt dabei die Aufgabe zu, in Forschung und Entwicklung zurückgefallenen Branchen und Unternehmen beim Ausbau für strategisch erachtete Schlüsselpositionen zu helfen.[35] Denn Kennzahlen wie Arbeitsproduktivität und Realeinkommen einer Volkswirtschaft stehen in direktem Zusammenhang mit deren Fähigkeit, neues technisches Wissen zu produzieren, nutzbar und in der Produktion anwendbar zu machen. Produkt- und Prozessinnovationen spielen dabei eine wichtige Rolle.[36] Staudt nennt in diesem Zusammenhang einige Ursachen für forschungs- und technologiepolitischen Aktivismus von Regierungen, Unternehmen oder einzelnen Personen:

Zum einen sollen durch Modernisierung Wachstumsschwächen im eigenen Land, etwa gegenüber Entwicklungs- und Schwellenländern, aufgefangen werden. Besonders in wachstumsträchtigen Bereichen wird dadurch ein Innovationswettbewerb geschaffen, der allerdings auch Bremswirkungen, z. B. infolge von kurzen Produkt-Lebenszyklen, zur Folge haben kann. Als zweiter Aspekt kommt das Marktversagen von Unternehmen zur Sprache, die den Einstieg in neue Technikfelder oder den technologischen Anschluss verpasst haben. Subventionen zur Förderung dieser Unternehmen aus der Technologiepolitik des Staates bergen hier die Gefahr, daß in großem Umfang technisch zurückgebliebene Betriebe gefördert werden, während technologisch weiter entwickelte Unternehmen dabei leer ausgehen. Als weitere Ursache nennt Staudt Autarkiebestrebungen einzelner Personen oder Parteien, die technische Fehlentwicklungen oder Rückstände in bestimmten Industriezweigen ansprechen. Auch das Streben von Politikern nach einer Imagebildung, die hohe technologische Sachkompetenz oder Innovationsraten ausweist, kann Ursache für forschungs- und technologiepolitischen Aktivismus sein.[37]

[...]


[1] Vgl. Steger, S. 6.

[2] Vgl. Gruppe von Lissabon, S. 44ff.

[3] Vgl. Kutschker, S. 47f.

[4] Quelle: Enquete-Kommission (2002): Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten, S.49.

[5] Vgl. Bea, S. 419.

[6] Quelle: Gruppe von Lissabon (1998): Grenzen des Wettbewerbs, beruhend auf Ruigrok, W. und Van Tulder, R., S. 49.

[7] Vgl. Müller/Kornmeier, S. VII

[8] Vgl. Gruppe von Lissabon, S. 63ff.

[9] Vgl. Bea, S. 419.

[10] Vgl. Dülfer, S. 73ff.

[11] Vgl. Dülfer, S. 73ff.

[12] Vgl. Europäische Union, abrufbar unter http://europa.eu.int/abc/history/ index_de.htm.

[13] Vgl. Eggert, S. 8f.

[14] Vgl. EU, abrufbar unter http://europa.eu.int/abc/history/index_de.htm.

[15] Vgl. Rode, 43.

[16] Datenquelle: World Trade Organization: Langzeitstatistiken, abrufbar unter www.wto.org/english/res_e/statis_e/its2002_e/its02_toc_e.htm.

[17] Vgl. World Trade Organization: International Trade Statistics 2002, S.25.

[18] Vgl. World Trade Organization: Langzeitstatistiken, abrufbar unter www.wto.org/english/res_e/statis_e/its2002_e/its02_toc_e.htm.

[19] Vgl. Enquete-Kommission, S. 119.

[20] Vgl. Dreis-Lampen, S. 26f.

[21] Gruppe von Lissabon, S. 63.

[22] World Trade Organization: The World Trade Organization in brief, S. 1.

[23] Vgl. Europäische Union, S. 9.

[24] Vgl. World Trade Organization: Understanding the WTO, S. 18.

[25] Vgl. Hauser/Schanz, S. 50.

[26] Quelle: World Trade Organization (2003): Understanding the WTO, S. 18.

[27] Vgl. Hauser/Schanz, S. 51f.

[28] Vgl. World Trade Organization, Understanding the WTO, S.18.

[29] Vgl. World Trade Organization, Understanding the WTO, S. 23f.

[30] Vgl. World Trade Organization: Understanding the WTO, S. 25ff.

[31] Vgl. World Trade Organization: Understanding the WTO, S. 33ff.

[32] Vgl. World Trade Organization: Understanding the WTO, S. 39ff.

[33] Vgl. World Trade Organization: Understanding the WTO, S. 22.

[34] Vgl. World Trade Organization: Understanding the WTO, S. 9ff.

[35] Vgl. Staudt, S. 133f.

[36] Vgl. Ohr, S. 63.

[37] Vgl. Staudt, S. 135ff.

Details

Seiten
70
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638329583
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32170
Institution / Hochschule
Hochschule Aschaffenburg
Note
2,0
Schlagworte
Globalisierungsdebatte Vor- Nachteile Globalisierung Thema Globalisierung

Autor

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Titel: Die Globalisierungsdebatte - Vor- und Nachteile der Globalisierung