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Sinnesübungen und Phantasiereisen in der Grundschule. Ruhephase im Hort und deren Auswirkung auf das soziale Verhalten der Kinder

Studienarbeit 2016 32 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Begründung der Themenwahl
1.2. Ziel der Facharbeit
1.3. Aufbau der Arbeit

2. Theoretischer Teil
2.1. Stress
2.2. Stille/Entspannung/Phantasiereisen
2.3. Soziale Kompetenz/soziales Verhalten:
2.3.1. Entwicklung der sozialen Kompetenz bei Kindern im 6. und 7. Lebensjahr

3. Praktischer Teil
3.1. Vorstellung der Gruppe
3.2. Bedingungen für die Durchführung einer Entspannungsphase
3.2.1. Eltern und Erzieherin
3.2.2. Raumgestaltung, Atmosphäre, Zeit
3.2.3. Material
3.2.4. Regeln
3.3. Aufbau der Entspannungsstunde
3.3.1. Ankommen der Kinder
3.3.2. Bewegungsteil
3.3.3. Entspannungsphase
3.3.4. Abschluss der Stunde
3.4. Auswertung

4. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Onlinequellen

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Begründung der Themenwahl

In den letzten Jahren hat sich die Lebenssituation der Kinder stark verändert. Die ständige Reizüberflutung durch den technischen und gesellschaftlichen Fortschritt, wie z. B. das Überangebot von Medien und der Konsumgesellschaft, bestimmt den Alltag unserer Kinder. Neben der Reizüberflutung sind die Kinder auch dem schulischen Leistungsdruck und Stress ausgesetzt.

Die veränderten Lebensbedingungen führen zu wachsenden Problemen in der Schule, Freizeit und Familie. Wenn man als Pädagoge das soziale Verhalten der Kinder während des Unterrichts oder im Spiel fördern möchte, beobachtet man immer wieder Kinder, die durch innere und motorische Unruhe, Angespanntheit, Hyperaktivität sowie Aggressivität auffallen. Da dies die Kinder selbst in ihrer Entwicklung hemmt, ist es wichtig, dass sie in ihren Alltagssituationen Zeit zur Entspannung finden können oder Hilfe erhalten, immer wieder zur Ruhe zu kommen.

Ich selbst arbeite zurzeit an einer Ganztagsgrundschule als Erzieherin und habe gemerkt, dass der Schulalltag oft durch einen viel zu vollen Terminkalender bestimmt ist und die Ruhe bzw. Entspannungsphasen in der Kindergruppe kaum stattfinden. Da die Entspannungs­übungen nicht erst dann eingesetzt werden sollten, wenn ein Problem auftaucht, sondern zu einer ausgewogenen Balance zwischen Aktivität und Ruhe beitragen und Wohlbefinden und Gesundheit unterstützen sollen, habe ich mich für das oben genannte Thema entschieden.

1.2. Ziel der Facharbeit

Im Mittelpunkt meiner Untersuchung stehen Grundschulkinder der 1. und 2. Klasse einer Ganztagsschule in Berlin, im Alter von 6 bis 7 Jahren. Aus pädagogischer Sicht interessiert mich, ob der Einsatz und die Erprobung der ausgewählten Entspannungs- und Ruheübungen die Kinder für die Stille sensibilisieren und eine ruhige und konzentrierte Atmosphäre fördern kann. Diese Übungen gewinnen in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung, da sie Entlastung versprechen und Möglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler eröffnen, mit dem Innehalten und Besinnen die Hektik des Schultags zu unterbrechen. Darüber hinaus kann die Stille das gemeinsame Leben und Lernen in der Schule bereichern und damit das Sozialverhalten der Kinder stärken. Dies zu beobachten und auszuwerten ist Ziel meiner vorliegenden Arbeit.

1.3. Aufbau der Arbeit

Die Facharbeit ist in einen theoretischen und einen praktischen Teil sowie in eine Zusammenführung der beiden Bereiche mit einer Auswertung und Zusammenfassung mit abschließendem Fazit gegliedert.

Im theoretischen Teil wird nachfolgend auf die begriffliche Klärung eingegangen. Unter anderem gehe ich grundlegend auf die Entwicklung des Kindes ein, wobei das 6. und 7. Lebensjahr und die Entwicklung der sozialen Kompetenz/des Sozialverhaltens von Grundschulkindern im Vordergrund steht. Die soziale Kompetenz ist meiner Meinung nach unabdingbar, wenn Kinder in eine intensivere Selbstwahrnehmung mit sich kommen sollen, wie es bei der Entspannung/Ruhephase der Fall ist.

Im praktischen Teil wird die Umsetzung der Ruhephasen/Entspannung im Hort dargestellt. Zweimal wöchentlich jeweils 30-40 Minuten wird ein abwechslungsreiches und kindergerechtes Programm aus Bewegungsspielen, Wahrnehmungsübungen, Stille-Momenten, Fantasiereisen, Kreativitätsübungen, sowie aus Elementen der Progressiven Muskelentspannung durchgeführt.

Das abschließende Fazit fasst meine Beobachtungen und Ergebnisse zusammen.

2. Theoretischer Teil

Begriffsklärung

An dieser Stelle werden die Schlüsselbegriffe definiert, die als relevant für die vorliegende Arbeit gelten.

2.1. Stress

„Stress ist ein Muster spezifischer und unspezifischer Reaktionen eines Organismus auf Reizereignisse, die sein Gleichgewicht stören und seine Fähigkeiten zur Bewältigung strapazieren oder überschreiten. […]“[1]

Tausch[2] beschreibt Stress als seelische und körperliche Vorgänge, die eintreten, wenn etwas für das eigene Wohlbefinden als eingeschränkt oder schädigend wahrgenommen, bewertet oder eingeschätzt wird.

Stress lässt sich weitgehend als eine Wechselwirkung zwischen der Situation und der Person beschreiben, die die Situation bewältigen muss. Er entsteht dabei vor allem durch die Art und Weise, wie die Person diese Situation einschätzt. Wird die Situation als gefährlich eigeschätzt bzw. fühlt man sich den in einer Situation gestellten Anforderungen überfordert, stellt sich Stress ein. Dieser löst im Körper eine Reihe von neurologischen und biochemischen Vorgängen aus wie Beschleunigung des Herzschlags und Atmung, Schweißausbruch, Einengung der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung und des Bewusstseins.[3]

Meiner Meinung nach können diese Definitionen gleichermaßen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gelten, da Kinder ähnliche Stresssymptome wie zum Beispiel Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen zeigen wie Erwachsene. Unterschiede gibt es nur in der Art der Äußerungen von Stress. Erwachsene können sich sowohl verbal als auch non-verbal, die Kinder dagegen oft nur non-verbal über Stresssymptome äußern. Der Stress von Kindern wird von äußeren Bedingungen, wie zum Beispiel der Familiensituation oder Anforderungen in der Schule, ausgelöst bzw. mitbedingt. Dieses Umfeld wird von den Kindern selten direkt beeinflusst. Sie sind eher als „Opfer“, im Sinne von Ausgelieferten, oftmals ungünstigen Lebensumständen gesehen. Dementsprechend (re)-agieren Kinder auf Stress, sie schaffen ihn selten selbst. In eine stressige Situation wie zum Beispiel Übernahme zahlreicher Arbeitsaufträge bringen sich Kinder eher selten.

Stress kann verschiedene Ursachen haben, Trennung von Lebenspartner bzw. von Bezugspersonen, Krankheit, Überforderung in Familie, Schule und Beruf, Enttäuschungen und Ängste von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit Leistungsdruck, Streben nach Annahme und Wertschätzung sowie negative und grübelnde Gedanken über Lebensperspektiven und Zukunft.

Die Stressursachen können von zweierlei Umständen abhängen, und zwar von persönlichen und von außen an eine Person herangetragenen Erwartungen.[4] Persönliche Bewertungen oder Gefühle diesen Umständen gegenüber entscheiden, ob Personen Stress empfinden oder nicht. Das belastende Fühlen und somit Stressempfinden hängt hauptsächlich von jedem Menschen selbst ab:

Gefühle werden also durch unsere Bewertungen, Gedanken und wahrgenommene Bedeutungen hervorgerufen, nicht durch die Ereignisse selbst.“[5]

Darüber hinaus hängt das Stressempfinden mit dem eigenen Selbstbewusstsein zusammen. Durch ein geringeres Selbstbewusstsein schätzt man die Umwelt als eher bedrohlich, schwierig oder als kaum zu bewältigend ein. Der bewusste Umgang mit dem eigenen Selbstbewusstsein spielt eine große Rolle im Meistern von Schwierigkeiten und damit mit Umgang mit dem Stress.[6]

Im Folgenden soll auf die Frage näher eingegangen werden:

„Was stresst unsere Kinder?“

Ein Kind kann sich zum Beispiel ärgern, wenn es ein bestimmtes Spielzeug nicht bekommt oder dass es in einer bestimmten Gruppe nicht mitspielen darf. Kann das Kind die Gefühle nicht nach außen tragen, wird es zunehmend gereizter reagieren und seine eigenen Gedanken werden immer enger um den Ärger kreisen. Dies bedeutet für ein Kind Stress. Dies sind die Probleme der Kinderwelt. Auf der anderen Seite entstehen Druck und Probleme durch die veränderten Lebensbedingungen der Kinder, die im Vergleich zum Leben unserer Eltern anders aussehen.

Ein größeres Maß an Unabhängigkeit, Konsum- und Komfortgesellschaft sowie Bequemlichkeit und freie Entscheidungsmöglichkeit im Freizeitbereich sind die Vorteile des „modernen“ Lebens. Doch neben den vielen Vorteilen ergibt sich für Kinder eine gewisse und merkwürdige Spannung. Die Lockerung von sozialen und kulturellen Bindungen ist mit einer zunehmenden sozialen und kulturellen Ungewissheit, mit Widersprüchlichkeit von Moral- und Wertmaßstäben und einer erheblichen Zukunftsunsicherheit verbunden.[7] Auch die Beziehung zum eigenen Selbst wird vernachlässigt und Kinder machen immer weniger Erfahrungen mit Verbindungen zu den ursprünglichen Dingen des Lebens. Der Kontakt zur Natur wird immer weniger, dagegen erhöht sich der Zugang zu Medien (Fernsehen, Computer, Handy usw.).

Unter anderem müssen sich Kinder heute vielen Anforderungen stellen. Schule, Auseinandersetzung mit Freunden oder Eltern, sowie Lärm und Hektik sind Faktoren, die Stress auslösen können. Der Zeitdruck spielt vermutlich im Leben der Kinder auch eine entscheidende Rolle. Die zeitlichen Bedingungen der Kinder, die primär den Gesetzen der Ökonomie und Effektivität unterliegen und oft nicht deren Bedürfnissen und Wünschen entsprechen, sind sehr an die Erwachsenenwelt angepasst. Sie sind von Zeitplanung der Betreuungs- bzw. Förderinstitutionen, wie Kindergarten, Schule, Kinderhort und der privaten Lebensführung ihrer Eltern und deren Berufstätigkeit, betroffen. Kinder können häufig ihr Spiel nicht beenden, weil sie durch nachfolgende Termine zur Eile angetrieben werden.

Die Spitzenposition von Stress bei Kindern nimmt die Schule ein.[8] Denn mit dem Eintritt in die Schule wird den Kindern plötzlich viel abverlangt. Eine zentrale Rolle spielen Beurteilungen und Noten, damit entsteht der Leistungs- und Prüfungsdruck. Vergleiche mit den Leistungen anderer Klassenkameraden werden gezogen, ungerechtes Behandeln seitens Lehrers, aber auch Diskriminieren, Ablehnen sogar Mobbing unter den Mitschülern belastet die Kinder schwer. Zu wenig Freizeit aufgrund der langen Schulwege, zu viel Hausaufgaben, sowie Fremdbestimmung des Verhaltens von Schülern durch die Inhalte, Ziele oder Zeitpläne seitens der Schule ergänzen den Schulstress. Die engen, überfühlten Klassenräume, keine Möglichkeit sich zurückziehen zu können, ständige Lärm in der Gruppe sowie ständige Wechsel der Bezugspersonen sind keine idealen Rahmenbedingungen dem Stress zu entkommen. Dies alles bringt Unruhe und Druck mit sich.

Dauert der Druck lange an, verlernt der Körper sich zu entspannen. Die tägliche Ereignis- und Reizüberflutung kann von Kindern nicht richtig verarbeitet werden und wirkt unbewusst weiter, wodurch die Kinder in innere Unruhe und Orientierungslosigkeit geraten, die sich durch motorische Unruhe, mangelnde Konzentration, ständiges Reden, Aggression und Gewalt äußern kann.

2.2. Stille/Entspannung/Phantasiereisen

Was bedeutet überhaupt Stille und Entspannung?

Mit Stille im Sinne der Entspannung ist nicht Geräuschlosigkeit gemeint, sondern eher die Chance etwas zu entdecken, was sonst nicht wahrgenommen wird. Sie dient den Kindern dazu, ihre Fantasiewelt zu erweitern und schafft einen Erlebnisraum für das Kind. Entspannungs- oder Stilleübungen helfen dem Kind zur Ruhe zu kommen. Sie ermöglichen ihm, sich zu sammeln, sich zu konzentrieren. Durch diese Übungen, die jeweils einen der Sinne ganz besonders ansprechen – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen – können die Kinder ihren Körper, ihre Sinne vorbereiten, sowohl aufmerksam darauf zu werden, was gerade im bestimmten Moment passiert, als auch sensibel und tätig zu sein.[9]

Entspannungsübungen sind Verfahren, die einerseits zu einer Entspannung von Körper und Geist führen und andererseits auf der biologischen Ebene einen notwendigen Ausgleich für Anspannung und Erregung bieten. Sie sorgen gerade in der hektischen Gegenwart für eine ganzheitlich-harmonische Lebensentfaltung.[10]

Die Übungen der Entspannungsverfahren sind durch regelmäßiges/ritualisiertes Wiederholen der mit einer bestimmten Zeitdauer festgelegten Übungsphasen, durch eine bestimmte Körperhaltung und durch eine Vorgabe für die Konzentration auf bestimmte Vorstellungen oder Empfindungen gekennzeichnet.[11]

Phantasiereisen sind imaginative Verfahren, bei denen es sich um gelenkte Tagträume handelt, in denen zum Beispiel von einem sonnigen, warmen Sandstrand detailliert erzählt wird, so dass sich eine Person das Bild genau vorstellen, imaginieren kann. Hierzu werden Bilder gewählt, die geeignet sind, Gefühle von Wohlbefinden und Entspannung zu erzeugen.[12] Untersuchungen zeigen, dass diese Entspannungstechniken für Kinder am geeignetsten sind und die beste Wirkung erzielen. Dies liegt unter anderem daran, dass imaginative Phantasiebilder der Phantasietätigkeit von Kindern sowie der Vorliebe zu Tagträumen entgegenkommen.[13] Doch die Auswahl der gewählten Methode hängt sowohl von räumlichen und institutionellen Bedingungen als auch von den persönlichen Voraussetzungen des Kindes ab.[14]

Entspannung kann auf drei Ebenen ablaufen:

- kognitive Ebene: Autogenes Training – eine Person instruiert sich selbst (kognitiv) mit den Formeln der Grundübungen z. B.: „Mein Arm ist schwer!“, „Meine linke Hand ist warm!“ usw.
- sensorische Ebene: Progressive Muskelentspannung – bei diesen Übungen wird aktiv und körperbezogen (sensorisch) vorgegangen, indem eine Muskelgruppe nach der anderen systematisch angespannt und wieder entspannt/gelockert wird.
- imaginative Ebene: z. B. Phantasiereisen[15]

Entspannung kann die Lebensbedingungen der Kinder nicht verändern sowie keine familiären, schulischen oder sonstigen Schwierigkeiten lösen. Sie kann aber dazu beitragen, dass Stressfaktoren besser verarbeitet und emotionale Spannungen abgebaut werden.[16] Sie führt zur Verbesserung der Körperwahrnehmung und des Körperbewusstseins. Den eigenen Körper als positiv zu erleben ist außerdem ein wichtiger Bestandteil eines positiven Selbstkonzepts. Durch die verbesserte Körperwahrnehmung kann man spüren, was angenehm ist und was nicht. Eine solche intensive Beobachtung der eigenen Gefühle, Gedanken und Körpersignale sowie die erhöhte Achtsamkeit für das Geschehen in der Umgebung stellt die zentrale Vorrausetzung für empathisches Verhalten anderen gegenüber dar. Wenn man sich selbst gut spürt und wertschätzt, fällt es einem leichter, andere mit ihren Empfindungen und Bedürfnissen wahrzunehmen und zu achten. Darüber hinaus führen Entspannungsübungen zu einem physiologischen und psychologischen Erregungsabbau, wie Blutdrucksenkung, Entspannung der Skelettmuskulatur, Verminderung von Emotionen wie Wut und Angst, Erhöhung der Konzentrationsfähigkeit und Informationsverarbeitung.[17]

Bei den Übungen geht es nicht darum, Stille und Entspannung als Ideal anzustreben, sondern genauso wichtig ist Aktivität für Kinder. Deswegen sind sie durch den Wechsel von Bewegung und Ruhe gekennzeichnet. Sie dienen als ein Alternativangebot, das dazu beiträgt, die Gruppe als eine Gemeinschaft zu erleben, in der sich Kinder wohl fühlen und Spaß haben. Es ist wichtig, die Fähigkeit zu entwickeln, zwischen Aktivität und Entspannung pendeln zu können und dabei immer das Maß an Anspannung zu finden, das die Situation verlangt.

Insgesamt kann man die Ziele der Entspannung wie folgt zusammenfassen:

- Förderung der Selbsterfahrung
- kognitive Förderung (Assoziationsfähigkeit und das logische Denken werden geschult)
- Förderung der Phantasie und des Ausdrucks
- Schulung der Sinne
- Schulung des Gefühlsausdruckes
- Entspannungserfahrung als Bewältigungsstrategie von Stress und chronischer Anspannung

2.3. Soziale Kompetenz/soziales Verhalten:

Die soziale Kompetenz wird in der Literatur auf verschiedene Art und Weise definiert.

Laut Riemann & Allgöwer[18] wird „soziale Kompetenz Personen zugesprochen, die in der Lage sind, so mit anderen Personen zu interagieren, dass dieses Verhalten ein Maximum an positiven und ein Minimum an negativen Konsequenzen für eine der an der Interaktion beteiligten Personen mit sich bringt. Darüber hinaus muss das Interaktionsverhalten mindestens als sozial akzeptabel gelten.“

Petermann[19] beschreibt das Sozialverhalten als ein auf einen Sozialpartner ausgerichtetes Handeln, das mit einer bestimmten Absicht verbunden ist, einerseits mit jemanden in Kontakt zu kommen, zu kooperieren, zu helfen, eigene Bedürfnisse zu befriedigen (z. B. nach Nähe oder sozialem Anschluss), andererseits aber auch zu schädigen, seinen Vorteil zu suchen. Dementsprechend unterscheidet man angemessenes oder unangemessenes Sozialverhalten.[20] Doch näher darauf einzugehen, würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen.

Die soziale Kompetenz umfasst einerseits prosoziales Verhalten – die Fähigkeit, sich anderen gegenüber in einer positiven Art zu verhalten, das heißt, Mitgefühl zu zeigen, zu helfen, zu trösten oder Rücksicht zu nehmen, andererseits gegenseitige Abwehr – die Fähigkeiten, die eigenen Interessen gegenüber anderen zu vertreten, sich durchzusetzen, Rücksicht nehmen und die Emotionen zu regulieren, sowie das Wissen darüber, wann man im Umgang mit anderen besser aufgeben, Kompromisse eingehen oder verzichten sollte.[21]

Petermann & Wiederbusch[22] bezeichnen die soziale Kompetenz/Verhalten als Verknüpfung der persönlichen Fähigkeiten (Selbst- und Fremdreflexion, eigene Gefühle regulieren zu können sowie Umgang mit negativen Gefühlen) und der individuellen Zielen mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe ( wie z. B. soziale Regeln respektieren, Rücksicht nehmen zu können, den anderen das gleiche Recht zugestehen wie sich selbst).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die soziale Kompetenz als gelungene soziale Interaktion beschrieben werden kann und dass allen Definitionen zwei Komponenten zu Grunde liegen: Konfliktfähigkeit und Kooperationsbereitschaft. Sozial kompetente Menschen verfügen über die Fähigkeit, diese zwei eher gegensätzlichen Kompetenzen situativ zu steuern, so dass es ihnen gelingt, eigene Bedürfnisse und Bedürfnisse anderer zu berücksichtigen.[23]

[...]


[1] Zit. nach Gerrig, R. J.; Zimbardo, P. G.: Psychologie, 2008, S. 470.

[2] Vgl. Tausch, Reinhard: Hilfen bei Stress und Belastung, 1993, S. 17.

[3] Vgl. Friebel, Volker: Das Anti-Stress-Buch für den Kindergarten, 2012, S. 12ff.

[4] Vgl. Tausch, Reinhard: Hilfen bei Stress und Belastung, 1993, S. 27f.

[5] Zit. nach ebenda, S. 43.

[6] Ebenda, S. 48ff.

[7] Vgl. Bornhaupt, Bettina von; Hurrelmann, Klaus: Kinder im Stress?!, 1991, S. 50.

[8] Vgl. Bornhaupt, Bettina von; Hurrelmann, Klaus: Kinder im Stress?!, 1991, S. 54ff.

[9] Reichgeld, Manfred: Wege zur Stille, 1997, S. 11ff.

[10] Vgl. Entspannung, Definition in Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Entspannungsverfahren, Zugriff am 24.01.2016

[11] Ebenda.

[12] Petermann, U. & Petermann, F.: Entspannungsverfahren bei Kindern und Jugendlichen, 2000a, S. 393ff.

[13] Ebenda, S. 397.

[14] Vgl. Petermann, U. & Petermann, F.: Entspannungsverfahren bei Kindern und Jugendlichen, 2000a, S. 408.

[15] Vgl. Petermann, U. & Petermann, F.: Entspannungsverfahren bei Kindern und Jugendlichen, 2000a,

S. 405f.

[16] Vgl. Zimmermann, R.-K.: Theorie und Anwendung von Entspannungsübungen mit Kindern im Rahmen der Gesundheitsförderung in der Grundschule, 1997, S. 15.

[17] Ebenda, S. 17ff.

[18] Zit. nach Riemann, R. & Allgöwer, A.: Eine deutschsprachige Fassung des „Interpersonal Competence Questionnaire“ (ICO). Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 14, 1993, S. 153.

[19] Vgl. Petermann, Ulrike: Sozialverhalten bei Grundschülern und Jugendlichen, 1987.

[20] Ebenda, S. 17.

[21] Malti, Tina; Perren, Sonja: Soziale Kompetenz bei Kindern und Jugendlichen, 2016, S. 16.

[22] Vgl. Petermann, F.; Wiederbusch, S.: Emotionale Kompetenz bei Kindern, 2008, S. 13ff.

[23] Vgl. Asendorpf, J.: Psychologie der Persönlichkeit. Berlin, 2004, S. 23ff.

Details

Seiten
32
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668223028
ISBN (Buch)
9783668223035
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v321705
Institution / Hochschule
Evangelisches Oberlin-Seminar – Fachschule für Sozialpädagogik
Note
1,8
Schlagworte
Entspannung Grundschulkinder Ganztagsschule Resilienz Kinder Ruhe soziales Verhalten

Autor

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