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Leistungsreduzierung im logischen Denken durch Lernen

Forschungsarbeit 2015 39 Seiten

Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einleitung
1.1 Theoretischer Hintergrund
1.2 Design und Hypothese

2. Methode
2.1 Stichprobe
2.2 Material
2.3 Ablauf

3. Ergebnisse

Literaturvereichnis

Anhang
Anhang A: Poster
Anhang B: weitere Tabellen
Anhang C: Test (Kartengruppe)
Anhang D: Zahlen-Aufschreibe-Test

Zusammenfassung

Die Studie befasst sich mit dem Widerspruch zwischen logischem Denken und der räumlichen Orientierung und damit insgeheim mit der (Ir-)Rationalität des Menschen. Vermutet wurde, dass das Vorwissen die Beurteilung von logischen Schlussfiguren (negativ) beeinflusst. Außerdem wurde als Nebenhypothese angenommen, dass sich der Einfluss des Belief Bias bei Männern und Frauen unterscheidet. Ein von uns selbstkonstruierte Fragebogen beinhaltete neben der allgemeinen Datenerfassung der Versuchspersonen, 32 konditionale Schlussfolgerungen auf Grundlage von räumlichen Informationen. Die 109 Versuchspersonen sollten diese falsifizieren oder verifizieren. Durch die Aufteilung der Proband*innen in eine Kartengruppe und eine Symbolgruppe (Kontrollgruppe) konnten statistisch signifikante Auswirkungen von Vorwissen - einer auswendig gelernten Stadtkarte - festgestellt werden. Bei der Nebenhypothese musste die Alternativhypothese verworfen werden, ein Geschlechterunterschied konnte sogar verneint werden.

1. Einleitung

Das Bild des Menschen als rationales Wesen gerät immer mehr ins Wanken. Einst wurde die Vernunft (E.Kant) dem Gefühl (D. Hume) als Grundlage von Entscheidungen gegenüber gestellt [vgl. Hartmann, 2012]. Heute ist offensichtlich, dass Gefühle und Vernunft keine Antagonisten sind. Wie rational ist der Mensch? Wie objektiv sein Entscheidungsprozess? Und wie sehr lässt er sich beeinflussen?

1.1 Theoretischer Hintergrund

Ständig sind wir mit Problemen unterschiedlichster Art konfrontiert: Wir müssen uns im Straßenverkehr als Fußgänger vor Autos und Radfahrern in Acht nehmen, während wirüber die Inhalte der anstehenden Klausur nachdenken und gleichzeitig ein heruntergefallenes Taschentuch aufheben. Sich dabei möglichst intelligent zu verhalten und Probleme angemessen und effizient zu meistern steht in Abhängigkeit zur 'Kognition', dem lateinischen oder griechischen Wort für Erkennen, Wahrnehmen und Wissen. Gegenstand der Kognitionswissenschaft ist nicht das Affektive oder Konative sondern Intelligenz, intelligentes Verhalten und der Problemlöseprozess [vgl. Stephan, Walter 2013, S.1]. Unsere Testung kann in der Kognitionswissenschaft verortet werden, verbindet die Logik jedoch mit der Psychologie, sodass der Entscheidungsprozess auch unter dem affektuellen Gesichtspunkt betrachtet wird. Das logische Denken, das durch das Arbeitsgedächtnis bereitgestellt wird [vgl. Eysenck & Keane 2010, S. 549], lässt sich in deduktives (vom Allgemeinen zum Speziellen) und induktives (vom Speziellen zum Allgemeinen) Schließen spezifizieren. Beim deduktiven Schließen wird aus vorhandenem Wissen ein logisch richtiger Schluss gezogen, während es sich beim induktiven Schließen eher um probabilistische Modelle handelt, das heißt 'wenn A, dann ist B wahrscheinlich' [Zimbardo 2008, S.307]. Der Mensch wird gerne als rationales Wesen gesehen, das langfristige konsistente Lebensziele durch bewusste Handlungen zu verwirklichen versucht. Dass Emotionen, das Verhalten anderer, Präferenzen und Ähnliches ebenso das Verhalten beeinflussen, weiß jeder, der schon einmal hungrig Einkaufen war oder die Hausarbeit der Freundin beurteilen sollte. In welchem Verhältnis diese unterschiedlichen Antriebsfedern stehen wollten wir in der Testung untersuchen. Dazu nahmen wir uns Aristoteles' Syllogismen zur Hilfe. Syllogismen bezeichnen streng genommen lediglich die Schlussfolgerungen durch Quantoren wie „alle“ oder „keiner“ und können von konditionalen (wenn...,dannFolglich...) und relationalen (werden auch kategorial bezeichnet; quantitative Aussagenüber Kategorien) Schlussfolgerungen unterschieden werden [vgl. Knauff 2005, S.2]. Aus Gründen der Vereinfachung werden im Folgenden alle deduktiven Schlussfolgerungen als Syllogismen bezeichnet. Gemein ist ihnen der Aufbau aus zwei in Beziehung stehenden Prämissen und einer Conclusio. Weiterhin lässt sich zwischen zwei regulären (Modus Ponens, Modus Tollens) und zwei logisch unbrauchbaren Schlussformen beziehungsweise Pseudoschlussformen ( Denial of Antecedent, Affirmation of the consequence) differenzieren, die durch folgende Beispiele veranschaulicht werden sollen: Modus Ponens (MP): Modus Tollens (MT): 1.Wenn die Sonne scheint, 1. Wenn die Sonne scheint, dann steigt die Temperatur. dann steigt die Temperatur. 2. Die Sonne scheint. 2. Die Temperatur steigt nicht. Conclusio: Die Temperatur steigt. Conclusio: Die Sonne scheint nicht. (1.Wenn A, dann B; 2. A; Folglich: B) (1.Wenn A, dann B; 2. nicht B; Folglich: Nicht-A)

Negation des Antezedenz(DA): Affirmation der Konsequenz(AC): 1. Wenn die Sonne scheint, 1. Wenn die Sonne scheint, dann steigt die Temperatur. Dann steigt die Temperatur. 2. Die Sonne scheint nicht. 2. Die Temperatur steigt. Conclusio: Die Temperatur steigt nicht. Conclusio: Die Sonne scheint. (1.Wenn A, dann B; 2. Nicht-A; Folglich: Nicht-B) (1. Wenn A, dann B; 2. B; Folglich: A)

Logisch wahr ist eine Aussage dann, wenn sie aus logischen Gründen wahr ist. Logisch falsch wenn sie aus logischen Gründen falsch ist.

Während Modus Ponens und Modus Tollens logisch richtig sind, ist die Negation des Antezendenz (Denial of Antecedent; DA) und die Affirmation der Konsequenz (Affirmation of the consequence; AC) falsch. Der Mensch, der sich bekanntlich durch seine Intelligenz von anderen Lebewesen unterscheidet, müsste eigentlich in der Lage sein, die richtige Entscheidung bezüglich der Annahme oder Verwerfung der Conclusio zu treffen. Das bedeutet MP und MT annehmen, DA und AC als Pseudoschlussformen verwerfen. Dem ist aber häufig nicht so. Die bekannteste fehlerhafte Anwendung des Modus Tollens stellt die Wason'sche Auswahlaufgabe ('Wason selection task') dar, die der gleichnamige Psychologe 1966 erdachte. Den Versuchspersonen wurden hierbei vier Karten vorgelegt, auf denen folgende Symbole sichtbar waren: E, K, 4 und 7. Außerdem wurde den Teilnehmer*innen der Forschungsreihe mitgeteilt, dass jede Karte auf der vorne eine Zahl stand, auf der Rückseite einen Buchstabe habe und umgekehrt. Aufgabe der Versuchspersonen war es nun, diese Regel zu beurteilen. Die Mehrheit aller Versuchspersonen versuchte nun, Fälle zu sammeln, in denen die Regel eingehalten wird und wählte dementsprechend E und 4 aus. Damit unterliefen den Teilnehmer*innen zwei logische Fehler:

Erstens ließen sie sich von der logischen Korrektheit des AC trügen, indem sie die 4 umdrehten und zweitens scheiterten sie bei dem Versuch des Modus Tollens, indem sie nicht die 7 umdrehten. Die richtige Kombination, das heisst E und 7, wählten bei der Experimentenreihe von Oaksford und Chater 1994 lediglich 10% - ein „Armutszeugnis für das menschliche logische Denken“ [Anderson 2013, S.372; vgl. auch Hermann 2012, S. 29f.].

Eine Leistungsverbesserung der Versuchspersonen kann sich einstellen, wenn das zu beurteilende Material in einen nachvollziehbaren Kontext untergebracht wird und damit näher an der Lebenswirklichkeit der Versuchspersonen liegt [vgl. Pollard & Evans 1987, S. 42f.; vgl. auch Schurz 2011, S. 366-368].

Vorwissen und Erfahrungen beeinflussen die Urteilsfähigkeit jedoch nicht ausschließlich positiv. Sie können ebenso dazu führen, dass wahre Syllogismen als falsch beurteilt werden und vice versa.

Das Erfahrungswissen, das eigentlich nichts mit der logischen Beurteilung der Konditionalaussagen zu tun hat, mischt sich dabei widerrechtlich und unauffällig ein und beeinflusst den Entscheidungsprozess. Dieser Effekt der „glaubhaftigkeitsbasierten Urteilsneigung“ [Zimbardo 2008, S. 307] wird Belief Bias genannt.

Schon Wiliam James teilte 1907 das Denken in assoziatives Denken (also aus früheren Erfahrungen reproduzierendes Denken) und 'wahres' , problemlösendes Denken ein [ vgl. James 1907]. Auf diese Theorie aufbauend legt der englische Psychologe Jonathan Evans dem logischen Denken zwei Systeme zu Grunde. System 1 beschreibt logisches Denken als unbewussten automatischen Prozess unabhängig von der allgemeinen Intelligenz. Im Gegensatz dazu ist das logische Denken des Systems 2 regelbasiert, findet bewusst statt und ist mit der allgemeinen Intelligenz verbunden [vgl. Eysenck & Keane 2010, S. 550]. Ersteres ist unkontrolliert, schnell und erlernt, letzteres kontrolliert, langsam und deduzierend. Die Vermischung von regelbasiertem logischem Denken und erfahrungsgemäßem, intuitivem logischen Denken drückt sich durch den Inhaltseffekt 'Belief Bias' aus. Zwar ist man sichüber das Vorhandensein der Inhaltseffekte auf Grundlage der Aktivierung von Vorwissen weitgehend einig, gezielt vorhersagen lassen sich dieser trotz umfangreicher Studien dennoch nicht. Lediglich post hoc Analysen sind möglich. Daher war unsere Neugier zu Beginn der Untersuchung groß. Zudem wurde in unserer Forschung erstmals die Beeinflussung durch das Vorwissen bei der Beurteilung von konditionalen Syllogismen auf Grundlage räumlicher Informationen untersucht, während sich bisherige Untersuchungen vorrangig mit dem Einfluss von Emotionen auf das logische Schließen beschäftigten.

„Mood and Emotional problem content negatively affect logical reasoning performance“ [Jung et al. 2014, S. 2], Versuchspersonen mit neutraler Grundhaltung schnitten weitgehend am Besten ab [ebenda, S. 4], was mit der­ Kapazitätsgrenze des Arbeitsgedächtnisses und Evans' Theorie der dualen Systeme erklärt wird [ebenda, S. 7]. In einer Studie verglich man die Leistungen von Depressiven mit Nicht-depressiven beim Lösen von relationalen Schlussfiguren. Erstere schnitten hier signifikant schlechter ab [ebenda, S.2]. Auch Studien mit Teilnehmer*innen, die unter Angststörungen litten zeigten die Beeinflussung durch Emotionen beim logischen Denken. Arachnophobische Teilnehmer schnitten zum Beispiel wesentlich schlechter bei der Wason'schen Auswahlaufgabe ab, wenn statt der Zahlen und Buchstaben Sätze benutzt wurden, die sich auf die Angststörung bezogen, zum Beispiel: 'When a person sees a toy spider, then the person is scared witless' [ebenda, S. 7f.] Da das emotionale Geschlecht laut allgemeinem Konsens weiblich ist und schon Aristoteles behauptete: „Die Frau ist mitfühlender als der Mann, eher zu Tränen geneigt, gleichzeitig aber neidischer, eher zum Zank aufgelegt, schamloser, schneller mutlos und betrügerischer. Der Mann ist mutiger und hilfsbereiter“, lag es nahe, neben dem Belief Bias einen Geschlechterunterschied in unserer Testung zu untersuchen [Debold 2014].

Auf Grundlage dieser theoretischenüberlegungen wurde folgende Untersuchung durchgeführt:

1.2 Design und Hypothese

In der Testung wurde ein selbstkonstruierter Fragebogen (Paper-Pencil-Test) in einer Gruppentestung verwendet, der die Datenerfassung der Proband*innen, deren Selbsteinschätzung im logischem Denken, einen Test zum Arbeitsgedächtnis und Logikaufgaben auf Grundlage von konditionalen Schlussfolgerungen mit räumlichen Informationen beinhaltete. Diese Vorgehensweise wurde gewählt um eine möglichst breite Untersuchung potenzieller Einflussfaktoren zu gewährleisten. Relevant für diese Studie ist allerdings nur die Datenerfassung zur Person der Teilnehmerin/des Teilnehmers sowie der Test zum logischen Denken. Dennoch können Störvariablen durch die großflächige Informationslage, die durch die anderen Testteile gegeben ist, vermindert beziehungsweise besser bewertet werden. Die Haupthypothese bestand in dem Beweis der Abhängigkeit von Wissen und Vorerfahrung bei der Beurteilung von logischen Schlussfolgerungen. Dafür wurden die Versuchspersonen in eine 'Kartengruppe' (Interventionsgruppe) und eine 'Symbolgruppe' (Kontrollgruppe) eingeteilt (between design). Die unabhängige Variable war die Gruppenzugehörigkeit, die abhängige die erreichte Punktzahl bei der Beurteilung der Syllogismen. Durch dieses Design lässt sich die vorliegende Studie als quantitative Querschnittsstudie klassifizieren.

Die Nebenhypothese befasste sich mit dem Geschlechterunterschied. Hierbei vermuteten wir, dass Frauen und Männer sich unterschiedlich stark durch den Belief Bias beeinflussen lassen würden. Die abhängige Variable bleibt also die gleiche, während die unabhängige Variable nun das Geschlecht ist.

2. Methode

2.1 Stichprobe

109 Studierende nahmen an der Testung teil, davon 14 Männer und 95 Frauen. Die Versuchspersonen waren zwischen 18 und 36 Jahre alt mit einem Mittelwert von 22,01 Jahren (Standardabweichung= 2,93). Die erste Testung fand am 10.12.2014 um 12 Uhr statt, die zweite Testung um 13 Uhr, die dritte am 17.12.2014 um 12 Uhr, die letzte um 13 Uhr und dauerte jeweils 50 Minuten. Die Versuchspersonen teilten sich folgendermaßen auf die Testungstermine auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Versuchspersonenanzahl in Abhängigkeit vom Erhebungsdatum und -Uhrzeit

Zu Beginn der Testung wurden die Versuchspersonen in unterschiedliche Räume und damit in verschiedene Gruppen eingeteilt: Insgesamt waren 53 Versuchspersonen in der Kartengruppe (Interventionsgruppe) und 56 in der Symbolgruppe, die als Kontrollgruppe bezeichnet werden kann (Tabelle I im Anhang). Da man von einer geringeren Anzahl an Männern ausging, wurden die vorhandenen Teilnehmer gleichermaßen auf die Gruppen aufgeteilt. Somit befanden sich 7 Männer in der Kartengruppe, 7 in der Symbolgruppe; 46 Frauen in der Kartengruppe und 49 in der Symbolgruppe. Die meisten Versuchspersonen waren zwischen 20 und 23 Jahren alt, die genaue Verteilung findet sich in Tabelle II im Anhang wieder. Die Teilnehmer*innen unserer Studie studierten alle im Zweifachbachelor an der Universität Koblenz (mit Ausnahme einer Kulturwissenschaftsstudentin), meist mit der Fächerkombination Psychologie und Soziologie (55 Versuchspersonen) oder Psychologie und Management (40 Versuchspersonen), was aus Tabelle III im Anhang entnommen werden kann.

2.2 Material

Das Material bestand aus einem neunseitigen Dokument in Papierform und je nach Gruppenzuordnung einer Stadtkarte oder einer 'Symbolkarte' mit acht abgebildeten Symbolen. Das geheftete-Stapel-Konzept setzte zwar einige Disziplinierungsmaßnahmen voraus (z.B durfte bei Beendigung eines Testteils nicht selbständig umgeblättert werden), vereinfachte aber den Versuchsablauf und die Auswertung. Außerdem konnte durch die große Seitenzahl (rechts oben)überprüft werden, auf welcher Seite die Teilnehmer*innen waren. Unterschiedlich farbige Testteile hätten dies noch mehr erleichtert, schieden aber aufgrund der höheren Kosten und dem Gütekriterium Ökonomie aus.

Auf der Stadtkarte befanden sich 4 symmetrisch angeordnete Gebäude: Schloss, Bahnhof, Fernsehturm und Kirche. Diese wurden durch die Straßen Goethestraße, Antonstraße, Kaiserstraße und Lutherstraße miteinander verbunden. Außerdem befand sich auf dem querliegenden Dokument eine Windrose. Auf der horizontalen 'Symbolkarte' befanden sich 8 aufgemalte Symbole: Eine Blume, eine Kerze, eine Sonne, ein Fahrrad, ein Stift, ein Apfel, ein Baum und ein Hund.

Grafik 1: Stadtkarte und Symbolkarte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alle weiteren Testteile der zwei Gruppen waren annähernd gleich. Auf der ersten Seite standen neben der Danksagung an die Proband*innen einige Verhaltensregeln, an die sich diese während der Testung halten mussten. Darunter das Verbot des Abschreibens oder lautem Kommentieren der Testaufgaben. Außerdem dürfe nur nach Aufforderung der Versuchsleiter*innen umgeblättert werden. Diese und alle weiteren Instruktionen wurden von den Versuchsleiter*innen laut vorgelesen. Nach jedem neuen Testteil hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, Fragen zu den Aufgaben zu stellen, wobei die Versuchsleiter*innen meist dazu gezwungen waren, diese ausschließlich mit der gegebenen Instruktion zu beantworten, um das Verhalten der Versuchspersonen und damit das Testergebnis nicht zu beeinflussen. Testteil A auf Seite 2 des Pencil-Paper-Tests beinhaltete einige allgemeine Fragen zur Person der Versuchsteilnehmer*innen, darunter Geschlecht (klassifiziert in männlich, weiblich und andere), Alter, Studienfach sowie der Selbsteinschätzung des logischen Denkens und der Orientierung in einer fremden Stadt mit Hilfe einer 10-stufigen Likert-Skala. Testteil B unterschied sich je nach Gruppenzugehörigkeit. Die Stadtkartengruppe bekam die Aufgabe sich innerhalb einer Minute (dieser Zeitraum wurde nach dem Pretest für gut befunden) den vor ihr liegenden Kartenausschnitt einzuprägen. Dieser sollte im Testteil E grob skizziert werden können, dabei kam es nicht auf die Bilder der Gebäude sondern lediglich auf deren Anordnung sowie die der Straßen an. Die Symbolgruppe bekam die Aufgabe sich die acht Objekte und ihre Anordnung zu merken. Diese Aufgabe entstand aus der Notwendigkeit, die „Nicht-Karten-Gruppe“ zu beschäftigen, während die Kartengruppe mit der Stadtkarte in Verführung gebracht werden sollte, das Erlernte auf die Logikitems anzuwenden. Letztendlich konnte die Merkleistung der Symbolgruppe, die ebenfalls im Testteil E erfragt wurde, als Arbeitsgedächtnisleistung mit den Logikitems korreliert werden.

Testteil C beinhaltete den Zahlenaufschreibtest, eine für Gruppentests geeignete Form des Zahlennachsprechtests (z.B als Untertest in HWI, WIE, WAIS oder PET), der die Arbeitsgedächtnisleistung widerspiegeln sollte. Beim Zahlennachsprechtest gab es 14 Aufgaben mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Aufgabe 1 beinhaltete lediglich 3 Zahlen, die nach dem Vorsprechen des Versuchsleiters/ der Versuchsleiterin und dessen/deren Aufforderung aufgeschrieben werden sollten. Die letzte Aufgabe bestand aus einer Zahlenreihe von 9 Zahlen (Zahlenreihe in Anhang D). Daraufhin folgten die Logikaufgaben als zentraler Teil des Tests, Testteil E. Für dessen Bearbeitung hatten die Versuchspersonen 20 Minuten Zeit (Zeitaufwand durch Pretests festgelegt). Aufgabe war es, die 32 Logikaufgaben daraufhin zuüberprüfen, ob die gegebene Schlussfolgerung eine logische Schlussfolgerung aus den Prämissen ist oder ob sie logisch falsch ist. Da die Instruktion entscheidend für den Ablauf beziehungsweise die Aufgabenlösung der Versuchsteilnehmer*innen ist und damit das Ergebnis maßgeblich beeinflusst, hier ein

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausschnitt der realen Testinstruktionen:

Bei Rückfragen von Teilnehmer*innen wurde im Vorfeld durch Herr Dr. Neuf eine Antwort der Versuchsleiter*innen erarbeitet: „Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihnen die Karte nützen kann, dann verwenden Sie die Karte. Wenn Sie der Meinung sind, sie nützt bei der Lösung nichts, dann verwenden Sie die Infos der Karte nicht.“ Die 32 Logikitems waren vor der Randomisierung in acht Quartetten angeordnet. Die ersten vier beinhalteten direkte Wege, Quartett fünf bis acht die vermutlich logisch schwierigeren Abbiegewege. In den ungeraden Quartetten (1,3,5,7) waren die gegebenen Informationen der Items mit der Karte abgestimmt, was wir zunächst voreilig als Belief Support bezeichneten aber eigentlich nur Kartenkongruenz meint. Die Informationen der geraden Quartette (2,4,6,8) stimmten nicht mit der Karteüberein, zum Beispiel:

1.Wenn Ulla vom Schloss zum Fernsehturm will, dann fährt sie die Antonstraße nach Süden .
2. Anna will vom Schloss zum Fernsehturm.

Folglich: Anna fährt die Antonstraße nach Süden.

Rein logisch betrachtet ist diese Schlussfolgerung korrekt, da Modus Ponens. Benutzen die Versuchspersonen zur Beantwortung der Frage die Karte und verzichten auf die 'innere' Logik des Syllogismus, sind sie geneigt, diesen (fälschlicherweise) zu falsifizieren. Das erste Item eines Quartetts (X.1) war Modus Ponens, das zweite Modus Tollens, das dritte die Negation des Antezedenz (DA) und das letzte die Affirmation der Konsequenz (AC). Damit waren die ersten beiden Items immer logisch richtig, die letzten beiden logisch falsch. Um die Testgütekriterien Objektivität und Reliabilität zu gewährleisten und das Antwortverhalten der Versuchspersonen durch diese Struktur nicht zu manipulieren, wurde die Anordnung der unterschiedlichen Items durch Losverfahren entschieden (Zufällige Anordnung der Items: 7.2, 3.3, 1.2, 2.1, 6.1, 8.3, 1.3, 1.1, 7.1, 6.2, 4.1, 4.3, 5.3, 4.4, 2.2, 6.3, 3.2, 2.3, 8.2, 7.4, 2.4, 5.2, 6.4, 1.4, 3.1, 7.3, 5.1, 3.4, 5.4, 8.1, 4.2, 8.4). Das Strukturierungsmuster hatte vor allem bei der Auswertung mittels SPSS entscheidende Bedeutung. Die Basis des Itemsatzes wurde von Herr Dr. Neuf konstruiert, da der Itemsatz experimentalpsychologisch einige Balance-Kriterien (z.B 50% Abbiegewege, 50% einfache Wege oder 25% MT, 25%MP, 25% DA, 25%AC) erfüllen musste, die in einer größeren Gruppe schwer zu beachten sind. Einige Korrekturen (z.B das Einfügen von 4 männlichen Namen: Lars, Gerd, Paul und Hans und die 4 weiblichen Namen: Ulla, Pia, Anna und Dora) wurden im Anschluss im Plenum bestimmt. Außerdem wurde die Stadtkarte von Herrn Dr. Neuf von 6 auf 4 Straßen reduziert. Im Plenum wurde vereinbart, dass die Karte lediglich zu Beginn im Testteil B zur Verfügung stehen, beziehungsweise hier auswendig gelernt werden sollte und nicht während der ganzen Testung offen liegen durfte. Außerdem wurde ausführlich an der Formulierung der Instruktion des Testteils D gefeilt. Folgende hätte das Ergebnis in komplementäre Richtungen verzerrt:

[...]

Details

Seiten
39
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668217621
ISBN (Buch)
9783668217638
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v321902
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,7
Schlagworte
leistungsreduzierung denken lernen

Autor

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Titel: Leistungsreduzierung im logischen Denken durch Lernen