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Rohstoffsicherung als Beschaffungsziel international agierender Unternehmen

Hausarbeit 2016 14 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

1 Einführung in die Rohstoffmarktthematik
1.1 Definition der Begriffe „Rohstoffe“ und „Energieträger“
1.2 Erklärung des Begriffes „Rohstoffmarkt“
1.3 Erklärung der Marktmechanismen auf den Rohstoffmärkten
1.4 Entwicklungstendenzen auf den internationalen Märkten für Rohstoffe und Energieträger
1.4.1 Tendenzen beim Rohstoffangebot
1.4.2 Tendenzen bei der globalen Rohstoffnachfrage
1.4.3 Tendenzen bei der deutschen Rohstoffnachfrage
1.4.4 Tendenzen bei den Rohstoffpreisen

2 Rohstoffsicherung als Beschaffungsziel deutscher Unternehmen
2.1 Definition der Begriffe „Beschaffungsziel“ und „Versorgungssicherheit“
2.2 Vorgehen bei der Beschaffungslogistik

3 Konsequenzen für die Beschaffung deutscher Unternehmen
3.1 Aktuelle Konsequenzen
3.2 Zukünftige Konsequenzen
3.2.1. Einkaufspartnerschaften und Beschaffungsnetzwerke
3.2.2 Verringerung der Zwischenhändler
3.2.3 Langfristigere Verträge und Multiple Sourcing
3.2.4 Allianz zur Rohstoffsicherung (ARS) und Deutsche Rohstoffagentur (DERA)
3.2.5 Rohstoffstrategie der Bundesregierung
3.2.6 Recycling, Substitution und Steigerung der Rohstoffeffizienz
3.2.7 Handelshemmnisse und spekulationsfreier Handel

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Gedruckte Quellen

Internet Quellen

Einleitung

In Deutschland sind etwa 23 % der Unternehmen im produzierenden Gewerbe[1] tätig. Die kontinuierliche, termintreue Rohstoff- und Energieversorgung ist für diese Unternehmen von entscheidender Bedeutung, um die Aufrechterhaltung der Produktion zu gewährleisten. Ein Produktionsstopp auf Grund eines Nachschubmangels hätte erhebliche finanzielle Auswirkungen. Ein Stillstand der Maschinen könnte z. B. in der Chemie-produktion die aktuell in der Produktionsanlage befindliche Charge unbrauchbar machen. Ziel des Assignments ist es, eine Rohstoffmarktimmanente Betrachtung in Bezug auf die Konsequenzen für das Beschaffungsziel der Rohstoffversorgungssicherheit deutscher Unternehmen zu durchzuführen. Zunächst werde ich die zugrunde liegenden Begriffe der Rohstoffthematik definieren und einen Überblick über die gegenwärtige Situation sowie der Tendenzen auf den internationalen Rohstoffmärkten geben. Danach werde ich die Begriffe der Beschaffungsthematik erläutern und, durch die Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse der Rohstoffmarkttendenzen, die Konsequenzen für die Beschaffungssituation deutscher Unternehmen aufzeigen. Eine Kurzfassung meiner Ergebnisse und die kritische Auseinandersetzung mit meiner Analyse folgt im Schlussteil.

1 Einführung in die Rohstoffmarktthematik

1.1 Definition der Begriffe „Rohstoffe“ und „Energieträger“

Rohstoff ist „Material, das unmittelbar in das zu fertigende Erzeugnis eingeht und dessen Hauptbestandteil bildet […].“[2] Eine Unterscheidungsmöglichkeit ist die in Hard- und Soft-Commodities. Soft-Commodities umfassen Viehzucht-, Ackerbau- und Forstwirtschaftsprodukte sowie erneuerbare Energien wie Sonnen-, Wind- und Wasserkraft. Als Hard-Commodities werden endliche Rohstoffe wie Industrie-, und Edelmetalle bezeichnet.[3] Energieträger sind u.a. fossile Brennstoffe, die durch einen Umwandlungsprozess in nutzbare Energie umgewandelt werden, und zur Herstellung eines Produktes dienen.

1.2 Erklärung des Begriffes „Rohstoffmarkt“

Auf Rohstoffmärkten werden sowohl Soft- als auch Hard–Commodities, jeweils in einer spezifischen Handelseinheit, in ihrem Marktsegment gehandelt.[4] Somit gibt es keinen einheitlich zu betrachtenden Rohstoffmarkt sondern einzelne Marktsegmente die ihre Preis- oder Wertentwicklungen mit einer Kennzahl, dem Rohstoffindex, darstellen.

1.3 Erklärung der Marktmechanismen auf den Rohstoffmärkten

Man unterscheidet zwischen dem physischen Markt[5], auf dem die physischen Rohstoffe, meist auf Basis eines Warentermingeschäftes, gehandelt werden, und dem Indexmarkt. Anbieter und Nachfrager sichern sich gegen Preisschwankungen ab, indem der zu einem bestimmten Zeitpunkt zu zahlende Preis in Terminverträgen festgelegt wird. Hierdurch steigt bei beiden Gruppen die Planungssicherheit. Auf dem Indexmarkt[6] ist der physische Warenaustausch jedoch nicht das Ziel des Handels. Rohstoffoptionen bieten hier das Recht auf den Kauf eines Wertpapiers, mit oder ohne physische Lieferung des Stoffes. Der Optionshandel basiert auf einer Vorhersage, wie sich die Preise entwickeln. Derzeit steigt der Handel mit Derivaten[7], insbesondere mit Indexfonds, welche von Banken gehandelt werden, stark. Die Autoren Eich und Leonhard des Fach-buches „Umkämpfte Rohstoffe“ bemerken hierzu: „Der kometenhafte Aufstieg der Indexfonds hat dazu geführt, dass die Spekulanten an den Warenterminbörsen inzwischen in der Überzahl sind. Dies wiederum hat eine künstliche Nachfrage geschaffen, wodurch die Preise zeitweise nach oben getrieben wurden.“[8] Bei Agrarprodukten, deren Marktzyklus ein Jahr beträgt, führt dies zu besonders starken Preisschwankungen. Lebensmittelspekulationen, ohne physischen Warenaustausch, sind für ärmere Länder eine extreme Belastung, da die Bevölkerung unter der künstlichen Überteuerung leidet. Spekulationsgeschäfte an den Terminmärkten werden in Zukunft weiter zunehmen, da sich Rohstoffe vom Nutzwert zur Finanzanlage wandeln.

1.4 Entwicklungstendenzen auf den internationalen Märkten für Rohstoffe und Energieträger

Der fossile Brennstoff Kohle war maßgeblich zu Beginn der Industrialisierung. Durch die stetige Technologisierung in den Industrieländern wurden zunehmend Erdöl und Erdgas benötigt. Heute werden in den hoch entwickelten Wirtschaften zunehmend innovative Produktionstechnologien eingesetzt, die erneuerbare Energien wie Wind-, Wasserkraft und Sonnenenergie nutzen. In Schwellenländern[9] werden häufig noch veraltete Pro-duktionsanlagen mit fossilen Brennstoffen betrieben. Beide Produktionstechnologien werden derzeit parallel eingesetzt, wobei der Wandel zu umweltfreundlichen Produk-tionsanlagen, besonders in Ländern wie China oder Indien, aus Kostengründen sehr zögerlich erfolgt. Somit bleibt der weltweite Bedarf bei allen Rohstoffen, insbesondere bei Erdöl und Kohle, relativ hoch. Die Energiestudie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffen (BGR), vertreten durch den koordinierenden Autor Harald Andruleit, prognostizierte hierzu im Dezember 2015: „Zudem ist mit einem weiteren Anstieg der weltweiten Rohstoffnachfrage zu rechnen, insbesondere aufgrund des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums der Schwellenländer. Vor diesem Hintergrund ist ein steigender internationaler Wettbewerb um Energiestoffe zu erwarten. Auch für Deutschland ergibt sich […] eine wachsende Importabhängigkeit“.[10]

1.4.1 Tendenzen beim Rohstoffangebot

Hard-Commodities werden als knapp angesehen. Die IHK München und Oberbayern erklärt, dass sich die Knappheit aus den Ressourcen und Reserven bestimmt[11] und als „weitverbreiteter Indikator für eine Rohstoffknappheit dient die „statistische Reichweite“. Dieser Indikator stellt das Verhältnis der derzeitigen Reserve und der aktuellen jährlichen Fördermenge dar[12] und wird in Jahren angegebene. Er sagt aus, „wie lange der Rohstoff beim momentanen Verbrauch noch vorhanden sein wird.“[13] Die BGR stellt hierzu fest, dass die Reserven und Ressourcen für Erdgas, Kohle und Kernbrennstoffe aus geologischer Sicht noch in großen bis sehr großen Mengen vorhanden sind und der derzeit erkennbare Bedarf über viele Jahrzehnte gedeckt werden kann.[14] Eine Aus-nahme bildet Erdöl. Hierzu stellte der BGR fest: „Erdöl ist der einzige nicht-erneuerbare Energiestoff, bei dem in den kommenden Jahrzehnten eine steigende Nachfrage wahrscheinlich nicht mehr gedeckt werden kann.“[15] Die Menge des Angebots am Rohstoffmarkt wird maßgeblich von der aktuell geförderten und der zu veräußernden Menge[16] bestimmt. Das Angebot auf den internationalen Rohstoffmärkten spiegelt diese geologischen Erkenntnisse wieder, wobei derzeit bei vielen Rohstoffen wie z.B. bei Stahl und Rohöl, ein Überangebot vorhanden ist, da die letzten Preisspitzen einen Abbauboom verursacht haben. Die Mengen in den Schattenlagern sind heute daher hoch. Ebenso wie die geologische Verfügbarkeit werden Handelsbeschränkungen die Angebotsmenge für deutsche Nachfrager zukünftig eingrenzen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in seinem Grundsatzpapier zur Rohstoffpolitik schreibt: „So führen Subventionen von Rohstoffimporten, prohibitiv hohe Exportsteuern oder diskriminierende Lizenzverfahren beim Export, mit denen die Rohstoffbasis für die eigene Industrie gesichert wird, zu Preisverzerrungen und Verknappungen für die Wettbewerber.“[17]

1.4.2 Tendenzen bei der globalen Rohstoffnachfrage

Bisher waren Erdöl, Erdgas und Kohle die weltweit am meisten verwendeten Rohstoffe. Die Nachfrage an den Rohstoffmärkten folgt einem zyklischen Turnus, der durch das globale Wirtschaftswachstum bestimmt wird. Zur Höhe des Verbrauches stellt die BGR fest: „Wirtschaftliches Wachstum und Energieverbrauch bedingen sich […] gegenseitig. So stieg die weltweite Nachfrage nach Energie seit Jahrzehnten nahezu ungebrochen an […].“[18] Jedoch seien die Anteile der genutzten Energieträger einem fortlaufendem Wandel unterworfen. Insbesondere sei, so die BGR, der Bedarf an Kernenergie am stärksten gesunken und nur die erneuerbaren Energien hätten sehr an Bedeutung hinzugewonnen.[19] Der derzeitige Rückgang des Nachfragewachstums aus Asien, insbesondere aus China, sorgt nur für eine temporäre Wettbewerbsentspannung. In den kommenden Jahrzehnten wird das weltweite Wirtschaftswachstum, gerade durch die Schwellenländer, zu einer weiteren Steigerung der globalen Nachfrage nach allen Roh- und Energiestoffen führen, und den Wettbewerb verstärken. Zwei Rohstoffe werden von besonders großem Interesse auf dem physischen Markt, dem Derivatmarkt und für das Produzierende Gewerbe sein. Es handelt sich einerseits um Seltenen Erden[20], deren Bedarf sich in den kommenden Jahrzehnten vermutlich verdreifachen wird. Andererseits wird der Bedarf an Agrarprodukten, insbesondere Lebensmitteln, durch das weltweit anhaltende Bevölkerungswachstum steigen. Schon jetzt ist absehbar, dass das Angebot durch Anbauflächen- und Wasserknappheit geringer wird.

[...]


[1] Der Ausdruck ‚produzierendes Gewerbe’ ist ein Begriff der „amtl. Statistik in Deutschland; er umfasst den Bergbau, das verarbeitende Gewerbe das Baugewerbe und die Elektrizitäts-, Gas-, Fernwärme und Wasserversorgung.“ Grill, S. 286.

[2] Olfert / Rahn (2011), Abs. 602.

[3] Andere Rohstoffklassifizierungen sind ebenfalls gebräuchlich und erfolgen nach der Art ihrer Bearbeitung in Primär- und Sekundärstoffe oder nach ihrer Regenerierbarkeit, der Herkunft oder den Verwendungszwecken. Die Einteilung in Soft- und Hard-Commodities wird in diesem Assignment benutzt, da diese Begriffe im internationalen Handel und an den Rohstoffbörsen verwendet werden.

[4] Auf Agrarmärkte wird z.B. Getreide wie Hafer in Bushel (entspr. 35,2391 Liter), auf Ölmärkten wird u.a. Rohöl in Barrel (entspr. 142 Liter), auf Edelmetallmärkten z.B. Gold in Unzen (entspr. 28,34 Gramm) und auf den Industriemetallbörsen z.B. Kupfer in Tonnen-Einheiten (entspr. 500 Kilogramm) gehandelt.

[5] Der physische Markt wird auch als Spotmarkt, Kassamarkt oder Effektivmarkt bezeichnet.

[6] Der Indexmarkt wird auch Optionsmarkt oder Derivatmarkt genannt.

[7] Derivate sind „Finanzinstrumente deren Wert sich ableitet […] von künftigen Preisen anderer Handelsgüter wie Rohstoffe oder Wertpapiere. Sie werden für Finanztermingeschäfte verwendet und dienen als Wette auf Preis-veränderungen auch der Spekulation.“ Eich / Leonhard (2013), S. 197.

[8] Eich / Leonhard (2013), S. 129.

[9] Der Begriff Schwellenländer bezeichnet „eine Gruppe relativ fortgeschrittener Entwicklungsländer, die aufgrund ihrer hohen wirtschaftlichen Eigendynamik an der Schwelle zu den Industriestaaten stehen.“ Vgl. Eich / Leonhard (2013), S. 201.

[10] Andruleit (2014), S. 9.

[11] Als Ressource definiert die IHK München und Oberbayern die „nachgewiesene sowie vermutete Menge eines Rohstoffes in der Erdkruste“[11], die Reserve stellt eine Teilmenge dieser Ressourcenmenge dar. Vgl. o.V., IHK München und Oberbayern (2015), Abs. 2.

[12] Vgl. o.V., IHK München und Oberbayern (2015), Abs. 2.

[13] Vgl. o.V., IHK München und Oberbayern (2015), Abs. 3.

[14] Andruleit (2014), S. 11 f.

[15] Andruleit (2014), S. 11.

[16] In der Angebotsmenge sind nicht die bereits geförderten Mengen, meist Überschüsse oder Rohstoffe die erst bei günstigeren Marktpreisen aus den so genannten Schattenlagern auslagert werden, enthalten. Diese Lager können in einem registrierten Lagers liegen, der Inhalt steht jedoch noch nicht dem Markt als Angebot zur Verfügung.

[17] o.V., Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) (2015), S. 17.

[18] Andruleit (2014), S. 14.

[19] Vgl. Andruleit (2014), S. 19.

[20] Als Seltene Erden werden chemische Elemente bezeichnet die in der Vergangenheit kaum in der Industrie verwendet wurden. Diese Elemente sind nicht separat abbaubar und kommen nur in kleinen Mengen (wenige Gramm pro Tonne) in Gestein und Metallen vor, aus denen diese ausgelöst werden müssen. Seltene Erden sind mittlerweile unentbehrlich für die Produktion von High-Tech Produkten wie z.B. Smartphones. Hauptabbaugebiet ist China.

Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668214897
ISBN (Buch)
9783668214903
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322320
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
Rohstoffmarkt Beschaffungsziele Rohstoffsicherung Beschaffung Rohstoffe Versorgungssicherheit Seltene Erden

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