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Welche Herausforderungen bringt eine Familiäre Bereitschaftsbetreuung mit sich?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 26 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Familiäre Bereitschaftsbetreuung
2.1 Definition
2.2 Rechtliche Einordnung
2.3 Aufgaben und Funktionen

3. Theoretischer Perspektiven in Bezug auf die familiäre Bereitschaftsbetreuung
3.1 Grundbedürfnisse von Kindern
3.2 Bindungstheoretische Aspekte
3.3 Trennungsprozesse im kindlichen Erleben
3.4 Kindliches Zeitempfinden

4. Herausforderungen in Hinblick auf die familiäre Bereitschaftsbetreuung

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Zuhause auf Zeit gesucht! [1] Aktuelle Zahlen zeigen, dass im Jahr 2014 6449 Minderjährige von einer Bereitschaftsfamilie aufgenommen wurden (vgl. Bundesamt für Statistik 2015). Jugendämter sind bundesweit kontinuierlich auf der Suche nach Familien, die in Obhut genommene Kinder für einen befristeten Zeitraum in die eigene Familie aufnehmen. Doch welche Veränderungen bringt dies mit sich? „Der Job umfaßt(!) die ganze Familie, ich stehe nicht alleine da. Die Kinder essen an unserem Tisch und schlafen in unserem Haus, in unserem Räumen. Sie sind hier integriert, als wären sie unsere eigenen, solange sie da sind. Und da kann keiner sich davonmachen von der eigenen Familie.“ (Lilling 2002, S.312).

In diesem Zitat beschreibt eine Bereitschaftsbetreuungsmutter die notwendige Beteiligung ihrer gesamten Familie an einer Familiären Bereitschaftsbetreuung und zeigt folglich auf, welche Veränderungen sich für die eigene Familie ergeben können.

Für die Aufnahme von in Obhut genommene Kindern darf es vor allem an Flexibilität, Spontanität und familiärer Offenheit in der Bereitschaftsfamilie nicht fehlen (vgl. Bergrath 2014, S.7). Von Zeit zu Zeit kann dies dazu führen, dass die eigenen Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder aufgrund von akuten Belangen der aufgenommenen Kinder in den Hintergrund geraten können. Dies erfordert von allen Familien-Mitgliedern ein hohes Maß an Bereitschaft zur Anpassung an unvorhersehbare Situationen (vgl. Lilling 2002, S.312). Somit wird schon an dieser Stelle deutlich, dass nicht nur die sogenannten Eltern auf Zeit sondern schlussendlich die gesamte Familie vor hohe Herausforderungen gestellt werden.

Ziel dieser Hausarbeit soll es daher sein, die Familiäre Bereitschaftsbetreuung als Hilfeform vorzustellen sowie für deren Besonderheiten zu sensibilisieren. Aus diesem Grund soll in der Hausarbeit mit folgender Fragestellung gearbeitet werden:

„Welche Herausforderungen bringt eine Familiäre Bereitschaftsbetreuung mit sich?“

Dabei soll das Augenmerk auf Säuglingen und Kleinstkindern liegen, da ein gesamtheitlicher Blick, aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Hausarbeit, nicht gerecht werden würde.

Zunächst soll neben einer Definition (2.2) eine rechtliche Einordnung (2.3) vorgenommen werden. Anschließend werden Funktionen und Aufgaben (2.4) der Bereitschaftsbetreuung thematisiert, in dem vor allem Anforderungen an die Bereitschaftsbetreuungsfamilien sichtbar werden sollen. An weiterer Stelle wird auf entwicklungspsychologische Aspekte eingegangen, die in Bezug auf eine Familiäre Bereitschaftsbetreuung bedacht werden müssen. Dazu zählen die Beachtung wichtiger Grundbedürfnisse von Kindern (3.1), die Relevanz von Bindung (3.2) sowie die Bedeutung von Trennungsprozessen (3.3). Gleichermaßen wird auch das Zeitempfinden von Kindern (3.4) thematisiert werden, da sich dies vom Zeitempfinden der Erwachsenen stark unterscheidet und somit zu berücksichtigen ist. Mithilfe dieses Hintergrund-wissens wird dann eine Verknüpfung vorgenommen, die die Herausforderungen der Familiären Bereitschaftsbetreuung (4) sichtbar machen sollen. Am Ende der vorliegenden Hausarbeit sollen die gesammelten Arbeitserkenntnisse und Ergebnisse zusammengefasst und bewertet werden, welche im Fazit (5) aufgezeigt werden und Grundlage für einen Ausblick bilden.

2. Familiäre Bereitschaftsbetreuung

Bereitschaftspflege, Übergangspflege oder auch Familiäre Bereitschaftsbetreuung (vgl. Blandow 2004, S.175) sind drei wesentliche Begrifflichkeiten, die in der Literatur zu finden sind und grundsätzlich Gleiches meinen. Um eine genauere Vorstellung zu erhalten, soll im folgenden Abschnitt geklärt werden, was unter der Familiären Bereitschaftsbetreuung zu verstehen ist.

2.1 Definition

Wenn von Bereitschaftspflege, Übergangspflege oder Familiärer Bereitschafts-betreuung gesprochen wird, handelt es sich grundlegend immer um eine kurzfristige familienähnliche Lebensgemeinschaft von Erwachsenen und deren nicht leiblichen Kindern (vgl. Bergrath 2014, S.7). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Begrifflichkeiten bundesweit sehr unterschiedlich verwendet werden, was sich folglich auch in der Ausgestaltung widerspiegelt. Dies lässt sich auf die verschiedenen Jugendhilfestrukturen der Bundesländer zurückführen. (Vgl. Spanke; Petri 2014, S.10) Allgemein kann die Familiäre Bereitschaftsbetreuung aber als „eine Pflegeform (beschrieben werden), bei der Kinder für einen kurzen begrenzten Zeitraum, in dem sie in ihrer Herkunftsfamilie nicht (angemessen) versorgt werden können, in einer Pflegefamilie untergebracht sind.“ (PFIFF 2008, S.5).

Diese Definition macht deutlich, dass das Spektrum der Maßnahmen, die als familiäre Bereitschaftsbetreuung gelten, sehr vielfältig ist, so dass an dieser Stelle kurz auf einzelne zentrale Aspekte eingegangen werden sollen.

Bereitschaft

Der Aspekt der Bereitschaft bezieht sich zum einen auf die uneingeschränkte Erreichbarkeit der Betreuungsstellen. Die Fremdunterbringung eines Kindes kann innerhalb kürzester Zeit verlangt sein, so dass von aufnehmenden Familien höchste Flexibilität gefordert wird (vgl. Bergrath 2014, S.7). Andererseits wird unter Bereitschaft auch der Wille zur Anpassung an unvorhersehbare Situationen, Offenheit im Umgang mit in Obhut genommenen Kindern sowie Geduld in schwierigen Situationen verstanden (vgl. Blüml; Helming; Lilling 2003, S.5).

Zielgruppe

Eine Familiärere Bereitschaftsbetreuung ist insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern im Alter zwischen null bis vier Jahren angedacht (vgl. PFIFF 2008, S.4). Adressaten sind dabei Familien, die zum einen selbst eine vorübergehende Unterbringung ihrer Kinder wünschen, um mit unterschiedlichen Problemlagen, wie Ehe- und Partnerproblemen, Erkrankungen und Überforderungen zurecht zu kommen (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002, S.15). Dementgegen sind aber auch Kinder aus Familien betroffen, die aufgrund von Vernachlässigung und Misshandlung einen Betreuungsrahmen außerhalb der Familie benötigen (vgl. ebd.) Gerade jüngere Kinder haben ein starkes Bedürfnis nach Nähe und Bindung, so dass die Hilfeform vor allem in dieser Alterspanne unmittelbaren Gebrauch findet und auf eine Heimunterbringung weitgehend verzichtet wird. Ziel ist es, Auffälligkeiten in der Entwicklung der Kinder zu vermeiden (vgl. Spanke; Petri 2014, S.11).

Zeit

Die Fortdauer kann stark variieren. Sie ist abhängig von der familiären Problemlage sowie dem Alter der Kinder. In der Regel ist eine Familiäre Bereitschaftsbetreuung als „eine auf bis zu sechs Monate befristete Vollzeitpflege“ (PFIFF 2008, S.7) konzipiert. Diese Zeitspanne kann jedoch nicht immer eingehalten werden. Eine Fremdunterbringung kann sich daher auf einige Tage bis hin zu einigen Monaten oder sogar auf einige Jahre belaufen (vgl. Blandow 2004, S.175). Grundsätzlich gilt allerdings die Faustregel „so kurz wie möglich, so lange wie notwendig“ (Schattner 2002, S.126 ff.).

Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass es sich bei einer Familiären Bereitschaftsbetreuung um eine Fremdunterbringung handelt, welche sich im Kontext eines privaten familiären Lebensumfeldes gestaltet und bevorzugt bei Kindern im Alter zwischen null und vier Jahren Verwendung findet (vgl. Bergrath 2014, S.7).

2.2 Rechtliche Einordnung

Neben einer begrifflichen Einordnung muss auch auf die relevanten gesetzlichen Bestimmungen eingegangen werden, da sich die Familiäre Bereitschaftsbetreuung im Schnittpunkt zweier unterschiedlicher Aufgabenkategorien des Kinder- und Jugendhilfegesetzes verorten lässt. Dies bedeutet, dass zwei verschiedene Ausgangslagen in Betracht kommen können. Dies kann zum einen die Bereitschaftsbetreuung als Maßnahme in Folge einer Inobhutnahme von Kindern oder die Bereitschafts-betreuung als Form der Hilfen zur Erziehung sein. Erstere zählt zu den sogenannten Leistungen der Jugendhilfe (vgl. §2 Abs.2 SGB VIII), die zweite zu den sogenannten anderen Aufgaben (vgl. §2 Abs.3 SGB VIII).

Zwar dienen beide Ausgangslagen dem Schutz des Kindes, werden allerdings rechtlich unterschiedlich eingeordnet, so dass sich die Befugnisse des Jugendamtes und die Rechte der Eltern grundlegend unterscheiden. Aus diesem Grund soll sich mit beiden Ausgangssituationen kurz befasst werden.

Familiäre Bereitschaftsbetreuung im Kontext der Inobhutnahme (§42 SGB VIII)

Eine Bereitschaftsbetreuung kommt in Betracht, wenn Eltern mit der Erziehung, Versorgung und/oder Betreuung ihres Kindes überfordert sind. Die Familiäre Bereitschaftsbetreuung lässt sich daher oftmals nah an der Schwelle zur Kindeswohlgefährdung verorten (vgl. Küfner 2011, S.50). Grundsätzlich wird in diesen Problemlagen versucht mittels Hilfen zur Erziehung (§27 SGB VIII), eine Besserung herbeizuführen. Reichen diese jedoch nicht aus, ist die Kinder- und Jugendhilfe anderweitig gefordert. Ist das Wohl des Kindes in akuter Gefahr, muss eine Inobhutnahme der Kinder vollzogen werden, bei der es sich um eine Herausnahme aus dem elterlichen Haushalt handelt. Dies bedeutet gemäß §42 SBG VIII:

„das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn … . 2. eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen die Inobhutnahme erfordert … .“

An dieser Stelle bewegt sich das Jugendamt im Eingriffsbereich, so dass die Inobhutnahme auch ohne Einverständnis des Personensorgeberechtigten durch-zuführen ist (vgl. Trenczek 2008, S.189). Was in solchen Fällen als eine „dringende Gefahr“ definiert wird, lässt sich mithilfe vom §1666 BGB ermitteln, welcher als Maßstab dient. Dort wird im Absatz 1 des §1666 BGB geschrieben „Wird das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes (…) gefährdet und sind die Eltern nicht gewillt oder nicht in der Lage, die Gefahr abzuwenden, so hat das Familiengericht die Maßnahmen zu treffen, die zur Abwendung der Gefahr erforderlich sind.“

Grundsätzlich ist die Inobhutnahme daher als letzte Maßnahme zu wählen, um bei akuter Kindeswohlgefährdung einen aktiven Kinderschutz zu gewährleisten (vgl. Blüml 1998, S.5f.). Der Schutz des Kindes ist somit immer vorrangig und schnellst-möglich gefordert.

Familiäre Bereitschaftsbetreuung im Spektrum der Hilfen zur Erziehung (§33 SBB VIII)

Auch wenn die Bereitschaftsbetreuung grundsätzlich rechtlich als Folge einer Inobhutnahme (§42) einzuordnen ist, ist sie in ihrer tatsächlichen Ausgestaltung zunehmend auch im Rahmen der Hilfen zur Erziehung wiederzufinden. Dies soll im folgenden Abschnitt aufgezeigt werden.

In der Kinder- und Jugendhilfe gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, Eltern sogenannte Hilfe zur Erziehung (vgl. §§27-35 SGB VIII) zu gewähren, demnach in ihren Erziehungskompetenzen zu unterstützen. Diese Hilfeformen befinden sich im Freiwilligenbereich, so dass ein Rechtsanspruch an mehrere Voraussetzungen gebunden ist. Dies bedeutet, dass der Personensorgeberechtige selbst einen Antrag stellen muss, ein erzieherischer Bedarf gegeben und die Hilfe geeignet und notwendig für die Entwicklung des Kindes sein muss (vgl. §27 SGB VIII). Wichtig ist an dieser Stelle, dass ein erzieherischer Bedarf nicht erst dann besteht, wenn die Schwelle zur Kindeswohlgefährdung überschritten ist, sondern bereits dann, wenn eine Hilfe zur Gewährleistung des Kindeswohls geeignet und notwendig erscheint. Der Präventionsgedanke spielt hierbei eine entscheidende Rolle (vgl. Küffner; Schönecker 2011, S.50). Hilfe zur Erziehung ist daher auch nach dem Prinzip der Subsidiarität aufgebaut Die Angebote der Hilfen zur Erziehung reichen somit von ambulanten, teilstationären bis hin zu stationären Formen, welche auch als familienunterstützende, familienergänzende und familienersetzende Hilfen deklariert werden können. (Vgl. Wachtler 2008, S.27) Die Familiäre Bereitschaftsbetreuung ist als Form der familienersetzenden Hilfen zu verstehen. Ein entsprechendes Angebot bietet dabei die Vollzeitpflege (vgl. §33 SBG VIII). Wachtler (2008, S. 32) beschreibt die Vollzeitpflege gemäß §33 SGB VIII als, „Unterbringung eines Kindes über Tag und Nacht bei einer Pflegeperson, die die Betreuung und Erziehung des Kindes übernimmt. Das Pflegeverhältnis kann zeitlich begrenzt sein oder eine für das Kind auf Dauer angelegte Lebensform darstellen … .“

Hinter dem Begriff der Vollzeitpflege verbirgt sich somit eine Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten, die von der kurzfristigen Aufnahme eines Kindes bis hin zur langfristigen Lebensperspektive für das Kind reichen kann (vgl. Seidenstücker; Mutke 2007, S.13). Die Familiäre Bereitschaftsbetreuung ist als eine zeitlich begrenzte Form der Vollzeitpflege eingeordnet und kann als Alternative zur stationären Heimunterbringung gesehen werden. Ziel ist es, Erziehungsdefizite, die seitens der Eltern aus eigener Kraft nicht bearbeitet werden können, außerfamiliär zu beseitigen (vgl. ebd.).

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Familiäre Bereitschaftsbetreuung durch die unterschiedlichen Voraussetzungen im Schnittfeld von Leistung und anderer Aufgabe des §2 SGB VIII anzusiedeln ist. Dies bedeutet, dass sie entweder als Maßnahme in Folge einer Inobhutnahme (vgl. §42 SGB VIII) oder als Form der Vollzeitpflege (vgl. §33 SGB VIII) im Rahmen der Hilfen zur Erziehung denkbar ist. Grundsätzlich lässt sich für beide rechtlichen Ausgangslagen jedoch folgendes feststellen: „Bereitschaftspflege soll Kindern, Jugendlichen und ihren Herkunftsfamilien, die in Krisen sind, in risikobehafteten Lebensumständen leben, marginalen Lebensbedingungen ausgesetzt sind, helfen.“ (Martin 1998, S.12). Entscheidend ist in diesen Situationen, dass versucht werden sollte auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Kinder bekommen dabei die Möglichkeit in einem familiären Rahmen eine individuelle Betreuung zu erfahren, die in akuten Krisen von besonderer Bedeutung sind (vgl. Wiemann 2009, S.22).

Für den weiteren Verlauf der Hausarbeit ist diese rechtliche Unterscheidung daher unmaßgeblich, da der Schwerpunkt dieser Hausarbeit auf den Herausforderungen in der Arbeit als Bereitschaftsbetreuungsstellen liegt.

2.3 Aufgaben und Funktionen

Die Aufgaben und Funktionen der Familiären Bereitschaftsbetreuung können sich von einem aufgenommenen Kind zu einem anderen aufgenommen Kind sehr stark unterscheiden. Einige wesentliche Aspekte lassen sich jedoch zusammenfassend beschreiben. Um den Gedanken hinter den Aufgaben und Funktionen verstehen zu können, soll vorweg kurz auf die Ausgangslagen betroffener Kinder eingegangen werden. Grundsätzlich gilt „Kinder die in Pflegefamilien vermittelt werden, haben eine Vergangenheit; sie sind keine „unbeschriebenen Blätter““ (Blandow 2004, S.124). Oftmals lässt es sich nur erahnen, welche einschlägigen Erfahrungen Kinder in ihren bisherigen Leben machen mussten. In der Regel stammen Kinder aus schwierigen, problematischen Familienkonstellationen, in denen nicht selten Mehrfachprobleme gegeben sind. (Vgl. ebd.) Die betroffenen Familien befinden sich zumeist in Unterversorgungslagen in Hinblick auf Einkommen, Arbeit, Wohnung, Bildung und Gesundheit. Weitere Faktoren können psychische Erkrankungen, Alkohol- und Drogenprobleme, Vernachlässigungen, Misshandlungen oder auch sexueller Übergriffe auf die Kinder sein (vgl. Ritzmann; Wachtler 2008, S.69). Es wird deutlich, dass es sich bei diesen Risikofaktoren für die kindliche Entwicklung, um komplexe familiäre Problemlagen handelt (vgl. Blandow 2004, S.125). Heugel (2014, S.17) schreibt dazu:

„Die Aufnahme eines Pflege- oder Adop­tivkindes ist eine sehr umfassende Lebens­entscheidung, eine komplexe Aufgabe und eine große Herausforderung. Die Kinder bringen häufig besondere Belastungen mit und befinden sich in einem speziellen recht­lichen Kontext. Diese Ausgangssituation ist nicht mit dem Beginn einer leiblichen El­ternschaft zu vergleichen.“

Für die Aufgaben und Funktionen der Familiären Bereitschaftsbetreuungsstellen bedeutet dies, dass Kinder nicht selten mit langjährigen Leideserfahrungen aufgenommen werden und mit Schwierigkeiten und Belastungen gerechnet werden muss. Dem familiären Kontext der Bereitschaftsbetreuung wird somit eine hohe Erwartung zugeschrieben (vgl. Sauer 2008, S.29). Die Idee dahinter ist, dass Familie grundsätzlich der Ort ist, an dem die persönliche Entfaltung stattfindet. Es handelt sich hierbei um die Herausbildung der personalen sowie sozialen Identität eines Menschen (vgl. 3. Familienbericht 1979, S.13f.) Im Kontext einer Familiären Bereitschaftsbetreuung ist das Ziel demnach Kinder mit Familienfunktionen vertraut zu machen. Daher soll an dieser Stelle auf zwei Funktionen eingegangen werden, die in diesem Zusammenhang als wichtig erachtet werden. Dazu zählt zum einen die Haushaltsfunktion. Die aufgenommenen Kinder sollen hierbei die Erfahrung machen, dass die eigenen Bedürfnisse, wie beispielsweise Nahrung, Kleidung oder ein angemessenes Wohnumfeld gegeben und befriedigt werden können (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2006, S.8). Es geht schlussendlich um eine angemessene materielle Versorgung. Daneben kommt vor allem der Sozialisationsfunktion eine zentrale Rolle zu. Die Kinder sollen die Familie als eine sensible Gemeinschaft kennenlernen, die emotionale Bedürfnisse, Anerkennung und Zuneigung befriedigt (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2009, Absatz Aufgaben und Leistungen). Dabei können Kinder mit Werten und Normen in Kontakt gebracht werden, indem ihnen Verhaltensmuster, soziale Rollen und gesellschaftliche Strukturen vorgelebt werden (vgl. ebd.). Grundsätzlich geht es hierbei um das Kennenlernen einer familiären Erziehung und Sozialisation der Kinder, welche für die Entwicklung der Persönlichkeit unabdingbar ist (vgl. Sauer 2008, S.29). Es soll ermöglicht werden, günstige Sozialisationsbedingungen zur Verfügung zu stellen, in denen den Kindern Raum für den eigenen persönlichen Wachstum und Entwicklung von Kompetenzen gegeben ist (vgl. ebd.).

[...]


1 Öffentlichkeitsarbeit der Familiendienste, Jugendämter sowie der ASD, um auf die Familiäre Bereitschaftsbetreuung aufmerksam zu machen (vgl. Thielmann 2010, o.S.)

Details

Seiten
26
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668215764
ISBN (Buch)
9783668215771
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322358
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kiel
Note
1,3
Schlagworte
Familiäre Bereitschaftsbetreuung Hilfen zur Erziehung Inobhutnahme Fremdbetreuung Familiäre Bereitschaftspflege

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Titel: Welche Herausforderungen bringt eine Familiäre 
Bereitschaftsbetreuung mit sich?