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Die Attentate auf Walther Rathenau und Matthias Erzberger. Wie organisiert war der Rechtsterrorismus in der Weimarer Republik?

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Organisierter Rechtsterrorismus

III. Der Mord an Matthias Erzberger

IV. Der Mord an Walther Rathenau

V. Vergleich der beiden Attentate

VI. Schlussfolgerung

VII. Literatur

I. Einleitung

Im Zuge der Ermittlungen zu den Gewalttaten der rechtsradikalen Organisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) tauchen nach und nach immer neuere Erkenntnisse darüber auf, welchen Organisationsgrad die Gruppierung tatsächlich gehabt hat. Das Ermittlungsverfahren ist noch im vollen Gange und es ist demnach noch zu früh, um Aussagen über die Größe des Netzwerkes und die involvierten Akteure zu treffen. In der jüngeren deutschen Geschichte waren die Taten der NSU- Terrorzellen aber beileibe nicht das erste Auftreten vom politisch motivierten Terrorismus. Während über die Straftaten der linksradikalen „Roten- Armee- Fraktion“ (RAF) in den 1970er Jahren heute einiges bekannt ist, so scheint der rechtsradikale Terrorismus in den Anfangsjahren der Weimarer Republik fast in Vergessenheit geraten zu sein. Dabei wurde in dieser Zeit auf eine ganze Reihe von Repräsentanten der Weimarer Republik Attentate verübt und nur wenige entgingen dem Tod. In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, welchen Organisationsgrad der rechtsradikale Terrorismus in dieser Zeit tatsächlich gehabt hat. Im Genaueren soll untersucht werden, ob es sich bei den Attentaten um Einzeltäter gehandelt hat, die unabhängig voneinander agiert haben, oder ob es eine Verbindung zwischen den Anschlägen gab, die auf eine im Hintergrund treibende Kraft schließen lässt. Ein Fokus wird dabei auf die Attentate auf die Politiker Matthias Erzberger (1921) und Walther Rathenau (1922) gelegt. Beide eignen sich im besonderen Maße zur Untersuchung, da sie Politiker mit hohem Bekanntheitsgrad waren und bei den politischen Veränderungen, die das Ende des Kaiserreichs und die Gründung der Weimarer Republik mit sich brachten, eine maßgebliche Rolle gespielt haben. Als erstes werden die rechtsradikalen Organisationen zu dieser Zeit untersucht und anschließend die beiden Attentate detailliert dargestellt. Dabei wird insbesondere auf die Biographie der Opfer, den Tathergang und das Profil der Täter eingegangen. Anschließend soll die Frage geklärt werden, welche Gemeinsamkeiten es zwischen den beiden Attentaten gab und welcher Organisationsgrad hinter der Tat steckte. Da es sich um eine ganze Reihe von Attentaten in sehr kurzen Abständen gehandelt hat, noch dazu auf ausschließlich Repräsentanten des demokratischen Staates, wird angenommen, dass hinter den Taten wohl etwas „Größeres“ stecken muss. Die Literatur liefert zu den einzelnen Attentaten eine Fülle von Arbeiten, die jedoch nur die Tat an sich beleuchten und diese nur teilweise in einen größeren Zusammenhang stellen. Diese Arbeit soll den Beitrag leisten, ein umfassendes Bild über den Organisationsgrad des rechten Terrors zu dieser Zeit zu liefern.

II. Organisierter Rechtsterrorismus

Um sich dem rechten Terror in der Weimarer Republik zu nähern, ist es zunächst wichtig seine Herkunft zu untersuchen. Zum Ende des 1. Weltkriegs entstand ein neues Machtmittel in Deutschland, die Freiwilligenverbände, später „Freikorps“ genannt. Der Grundgedanke war dabei, möglichst viele Freiwillige für den Krieg zu gewinnen und diese Verbände militärisch zu strukturieren, d.h. in der Regel stand ein Offizier an ihrer Spitze. Nachdem der Krieg nun verloren war, wurde Deutschland durch den Versailler Vertrag diktiert, dass die Reichswehr nicht mehr als 100.000 Mann stark sein durfte. Für viele Mitglieder der Freikorps bedeutete dies Arbeitslosigkeit in der noch jungen Weimarer Republik. Im Folgenden soll nun die weitere Entwicklung des rechten Terrors zu Beginn der Weimarer Republik dargestellt werden. Ein Fokus liegt auf der Terrororganisation „Organisation Consul“ (O.C.) und dem „Germanenorden“, die bei der Ermordung von Rathenau bzw. Erzberger die Fäden im Hintergrund gezogen haben. In den frühen Jahren der Weimarer Republik zeichnete sich eine ganze Serie von politischen Morden auf Repräsentanten der Republik ab. Der Auftakt war 1919 gegeben, als Karl Liebknecht und Rosa Luxemburger von Soldaten und Offizieren der Garde- Kavallerie-Schützendivision umgebracht wurden, die damals zur Niederhaltung der Revolution in Berlin eingesetzt wurden. 1921 wurde der USD- Landtagsabgeordnete Karl Greiser von Mitgliedern des Freikorps Oberland ermordet, ebenso Matthias Erzberger und der bayerische USPD Abgeordnete Karl Gareis. Im Jahr darauf folgte die Ermordung Walther Rathenaus, und auch der erste Ministerpräsident der Republik Phillip Scheidemann entging nur knapp einem Blausäureanschlag. Das Profil der Täter war leicht einzugrenzen, die meisten traten, oft schon direkt nach der Schule mit siebzehn Jahren, freiwillig in den Krieg ein und standen nach Kriegsende ohne Berufsausbildung oder der Chance auf eine Anstellung als Soldat da. Dadurch waren sie voller Hass auf die junge Republik und waren „leichte Beute“ für die rechten Organisationen. Eine davon war die „Organisation Consul“. Sie ging aus der Brigade Erhardt hervor, die nach dem missglückten Kapp- Putsch 1920 aufgelöst werden musste. Ihr Kopf war der ehemalige Kapitänleutnant Hermann Ehrhardt, später in München unter dem Decknamen Consul Eichmann lebend. Im gelang es eine große Anzahl ehemaliger Freikorpskämpfer in die Organisation einzubinden. Ihr Hauptstützpunkt war München, dort wurde auch 1920 die Bayerische Holzverwertungsgesellschaft als Tarnung gegründet. Die Organisation erhielt tatkräftige Unterstützung durch den Münchener Polizeipräsidenten und konnte sich in München frei entfalten. Laut Satzung ist die Geheimorganisation für jeden nationalgesinnten Deutschen offen und schließt jeden Fremdrassigen und vor allem Juden aus. Ziel der Organisation war die ,,Bekämpfung der antinationalen Weimarer Verfassung mit Wort und Schrift". Was ihre militärische Stärke betrifft, so ist man noch heute im Unklaren. Es wird davon ausgegangen, dass die O.C. mit allen unterstellten Freikorps eine Stärke von 120.000 Mann besessen haben und damit der Reichswehr mindestens personell überlegen gewesen waren. Durch gezielte Anschläge sollte eine Revolution von links provoziert werden, die dann niedergeschlagen werden und den Weg zur Macht in Deutschland freimachen sollte.

Die Führer haben erklärt, einen Misserfolg wie in den Kapp - Tagen ein zweites Mal nicht erleben zu wollen. Darum soll die Gelegenheit eines Linksputsches abgewartet und ergriffen werden. " ( Sabrow 1994 ).

,, Man war also sehr darauf bedacht nicht zuerst loszuschlagen, sondern man wollte vielmehr verdeckt eine Revolution provozieren um sie dann gewaltsam niederzuschlagen. “Die Kommunisten müssen es tun [...] Man muss sie dazu zwingen. Man muss Scheidemann, Rathenau, Zeigner, Lipinski, Cohn, Ebert und die ganzen anderen November - Männer hintereinander killen. Dann wollen wir doch mal sehen, ob sie nicht hochgehen in Corona, die Rote Armee, die USPD, die KPD. " (Krüger 1971)

Die deutsche Regierung musste auf den rechten Terror natürlich reagieren, um zu verhindern, dass sich linke Gruppen provozieren ließen. 1922 wurden die „Verordnung zum Schutz der Republik“ und das „Gesetz zum Schutz der Republik“ verabschiedet und ein Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik geschaffen. Durch diese Maßnahmen kam es zu keinem Aufstand der linken Arbeiterschaft und der Plan der O.C. war gescheitert. In den darauffolgenden Jahren spielte die O.C. keine bedeutende Rolle mehr, es begann der Siegeszug der NSDAP, deren Strategie darin bestand legal durch Wahlen an die Macht zu kommen. Letztendlich wurde die O.C. und ihre Anhänger 1933 in die SS integriert. Eng verknüpft mit dem O.C. war der Germanenorden, ein Elitebund, der die Wahrung und Veredelung des Germanentums und Verbreitung des nationalen Gedankens zum Ziel hatte (Sabrow 1994). Zur Zeit des Erzberger - Mordes 1921 besteht der Germanenorden aus ungefähr 1500 Mitgliedern und bekämpft vor allen Dingen die " jüdische " Beeinflussung des deutschen Volkes. In Flugblättern empört man sich darüber, " dass ein Fremdvolk es wagt, sein Wirtsvolk im eigenen Lande zu besudeln und in seinen heiligsten Empfindungen zu verletzen". Als Konsequenz wird die Bildung eines „Schutz- und Trutzbündnisses [...], um den hypnotischen Einfluss der Hebräer allmählich zu überwinden und auszuschalten“ gefordert (Sabrow 1994). Die genaue Beziehung zwischen der O.C. und dem Orden lässt sich aus heutiger Sicht nicht mehr exakt rekonstruieren, immerhin bestanden innerhalb des Ordens enorme Geheimhaltungsvorschriften. Einige Autoren gehen davon aus, dass der Orden den Kern der O.C. stellte, andere sehen den Orden lediglich als Tarnung, um Mitglieder zu rekrutieren (Jasper 1962 / Goodrick-Clarke 1997). Das Schicksal der Ordensmitglieder wird dasselbe, wie das der O.C. Mitglieder gewesen sein und sie werden sich wohl den Nationalsozialisten nicht unfreiwillig angeschlossen haben.

III. Der Mord an Matthias Erzberger

Matthias Erzberger ist am 20. September 1875 in Buttenhausen auf der Schwäbischen Alb geboren worden. Er ist Sohn des Schulmeisters und Postboten Josef Erzberger. 1895 gewinnt Erzberger bei der Reichstagswahl für das Zentrum den Wahlkreis Biberach und wird mit 27 Jahren jüngster Abgeordneter Deutschlands. 1904 wird er Mitglied der Budgetkommission des Reichstages und entwickelt sich zum Spezialisten für Haushaltsfragen. In den Jahren 1905/06 widmet Erzberger sich dem Kampf gegen die Missstände in der deutschen Kolonialpolitik, womit er zur Auflösung des Reichstages 1907 erheblich beträgt. Ab diesem Zeitpunkt ist er zum ersten Mal der öffentlichen Kritik ausgesetzt, die ihm vorwirft zur Schädigung des Reichsansehens beizutragen. Hier kommt es auch zur ersten Auseinandersetzung Erzbergers mit Karl Helfferich, der zu jener Zeit im Auswärtigen Amt beschäftigt ist (Cord 1995). Es war der Beginn einer persönlichen Feindschaft zwischen den beiden, die Erzbergers Leben stark beeinflusste. Im August 1914 wird ihm die Leitung der deutschen Propaganda für das neutrale Ausland übertragen. Erzberger lässt sich von der Kriegsbegeisterung, die in Deutschland herrscht, anstecken und wird ein Verfechter des " Siegfriedens ". Dies geht sogar so weit, dass er in einem Zeitungsartikel am 18.2.1915 eine rücksichtslose Kriegführung gegenüber England und die Bombardierung ziviler Ziele fordert. Im Verlauf des Krieges wird Erzberger, durch seine herausgehobene Stellung, die hoffnungslose militärische Situation Deutschlands bewusst und er schlägt, anstelle des bis dahin geforderten Siegfriedens, nun einen politisch-diplomatischen Verständigungsfrieden vor.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668242340
ISBN (Buch)
9783668242357
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322384
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Rechtsterrorismus Weimarer Republik Attentate Terrorismus Matthias Erzberger Walther Rathenau

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Titel: Die Attentate auf Walther Rathenau und Matthias Erzberger. Wie organisiert war der Rechtsterrorismus in der Weimarer Republik?