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Der Wertewandel von 1950 bis heute - Begriffsdefinition und Problematik der Werterziehung

Seminararbeit 2002 19 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1. Moralerziehungsmodelle

3.1. Der Wertbegriff
3.2.1. Ziel - Definition
3.2.2. Norm - Definition
3.2.3. Wert - Definition und Geschichte
3.3. Werterziehung

4.1. Der Wertewandel
4.2. Werte in den 50er- und 60er-Jahren
4.3. Die 68er-Bewegung und ihre Folgen
4.4. Werte in den 70er- und 80er-Jahren
4.5. Werte in den 90ern und 2000ern

5. Werteverfall? Werte und ihre Tradierung in der Zukunft

6. Zusammenfassung

7.1. Quellenverzeichnis
7.2. Internet-Adressen
7.3. Forschungsliteratur

1. Einleitung

Die Menschheit orientiert sich seit ihrem Beginn an Normen und Zielen, die auf Werten beruhten. Aber mit dem Wandel der Zeit ändern sich auch die Wertvorstellungen. Ist es richtig, heute sogar von einem Werteverfall zu sprechen?

In meiner Seminararbeit befasse ich mich mit der Definition des Wertbegriffs, dem Wertewandel und der aktuellen Diskussion darüber.

Im ersten Teil meiner Arbeit erkläre ich ansatzweise (da wir im Seminar ausführlich darüber sprachen) die zwei Erziehungsmodelle von Kant und Kohlberg, um zu verdeutlichen wie wichtig Moralerziehung und damit die Vermittlung von Werten früher war und heute noch ist. Dann definiere ich den Wertbegriff, wozu ich größtenteils klassische Literatur aus der Pädagogik, spezifische zum Thema Sozialisation, sowie Lexika zur Hilfe genommen habe. Anschließend gehe ich näher auf die Problematik der Werterziehung ein und erkläre die Bezeichnungen Wertrelativismus und Wertneutralität.

Das Hauptthema meiner Seminararbeit, der Wertewandel seit der Nachkriegszeit, ist unterteilt in Abschnitte, die jeweils eine Zeitspanne von etwa 20 Jahren umfassen. Meine Ausarbeitung beschränkt sich auf die westlichen Industriegesellschaften, dabei vorwiegend auf Deutschland. Ich gebe partiell einen kurzen Einblick in die Geschichte, da sie oft (in-)direkten Einfluss auf die Werteverschiebung hatte. Schlagwörter wie Wertpluralismus und Globalisierung erläutere ich vor dem Hintergrund des aktuellen Wertewandels.

Anschließend versuche ich zu beantworten, ob die Betonung eines momentanen Werteverfalls gerechtfertigt ist. Für Informationen bezüglich dieses Themas habe ich mich u.a. an aktuelleren Medien wie Internet und Zeitschriften orientiert, um die größtmögliche Aktualität zu erlangen. Für einen spekulativen Blick in die Werte-Zukunft habe ich Literatur des Zukunftforschers H.W.Opaschowski verwendet.

2.1. Moralerziehungsmodelle

Aus sozial, kulturell und wirtschaftlich bedingten unterschiedlichen Wertorientierungen resultieren kontroverse Zielvorstellungen über die Wertevermittlung in der Erziehung. Sinn einer Moralerziehung ist es, sowohl Werte als auch Normen reflektieren zu lernen und sich so „mit den Grundlagen“ des „eigenen und des gesellschaftlichen Daseins überhaupt zu befassen“[1]. Immanuel Kant und Lawrence Kohlberg entwickelten zwei Moralerziehungsmodelle, die ich hier kurz vorstellen möchte.

Kant, ein Verfechter der Aufklärung, beschäftigte sich mit der Erziehung zur Sittlichkeit und stellte dazu Maximen auf (Kategorischer Imperativ). Demnach ist der Mensch sowohl Verstandswesen, das ihn zum vernünftigen Handeln treibt, als auch Sinneswesen, weil er Naturgesetzen unterliegt. Aufgabe einer Moralerziehung ist nach Kant, den Willen vernunftgemäß auszurichten, dann erst sei sittliches und moralisches Handeln möglich. Schwer nachvollziehbar bei seiner Theorie ist die Vorstellung, dass dieser Wille zum moralischen, guten Handeln aus eigenem Antrieb erfolgen solle – allerdings sei das erst möglich, wenn die Erziehung zur Disziplinierung, Kultivierung und Zivilisierung bereits erfolgt ist. Die Moralisierung stellt – da nicht erziehbar – die schwierigste seiner Erziehungsstufen dar und ist nur durch Selbstbestimmung und autonomes Handeln möglich.

Kohlberg hat - in Anlehnung an Piagets Analysen - ein „Stufenmodell der moralischen Entwicklung“ entworfen, indem er der Fragestellung nachging, wie Menschen „gesellschaftlich akzeptierte moralische Wertvorstellungen zu eigenen persönlichen Wertvorstellung machen“[2]. Nach Kohlbergs Beobachtungen von Heranwachsenden wird Moralentwicklung möglich durch das Sammeln von Erfahrungen, durch aktives Lernen, Erleben und Aneignen. Der Wille nach Gerechtigkeit, das Gute im Menschen, muss aber auch schon grundsätzlich vorhanden sein und kann nicht erst anerzogen werden. Die Kinder und Jugendlichen bzw. später Erwachsenen durchlaufen maximal sechs verschiedene Entwicklungsstufen, die vom sogenannten vorkonventionellen Stadium über das konventionelle Stadium zum postkonventionellen Stadium führen. Der Übergang erfolgt der Reihe nach, erst wenn eine Stufe abgeschlossen wurde, kann die nächste erlernt werden. Die höchste, am Schwersten erreichbare Stufe, die „Orientierung an universellen ethischen Prinzipien oder am Gewissen“ (a.a.O.), ist wie die vorletzte Stufe grundsätzlich nicht erziehbar – ähnlich wie bei Kant.

Kohlberg entwickelte daraus für Schulen das „Konzept der Just Community, [...] einer >gerechten Gemeinschaft<, in der Gerechtigkeit durch die moralische Atmosphäre gemeinschaftlichen Lebens zu einem Leitprinzip werden soll“[3].

Fürsorglichkeit und Rücksichtnahme, die Berücksichtigung der

kontextuellen Umstände bei moralischen Entscheidungen und der

besonderen Bedürfnisse und Verletzlichkeit anderer Menschen sind Aspekte der Moral, die gerade im zwischenmenschlichen Umgang nicht vernachlässigt werden dürfen.[4]

Moral- und Werterziehung, die der Entwicklungsstufe des Kindes unbedingt angepasst sein muss, ist also unerlässlich, um moralisches Urteilen, Denken und Handeln zu ermöglichen. Es erfolgt keine passive Aneignung von Werthierarchien. Das Kind/der Jugendliche lernt das kritische Hinterfragen von Werten und Normen und bereichert das durch eigenständige Erfahrungen im Bereich des moralischen Handelns. „Moralische Werte müssen rekonstruiert und verstanden werden, bevor sie handlungsleitend werden können“[5]. Wer moralisch urteilen (=bewerten) gelernt hat, kann „über die Priorität eines sozialen Wertes vor einem anderen“[6] entscheiden. Aber was genau sind eigentlich moralische Werte? Wie lässt sich der Begriff Wert, ohne den Moralentwicklung gar nicht möglich wäre, definieren?

3.1. Der Wertbegriff

Um Werte zu benennen, lassen sich viele charakteristische Sinnorientierungen, wie z.B. Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden zuordnen. Die Schwierigkeit einer genauen Beschreibung liegt darin, dass die Auslegungen des Wertbegriffs grundsätzlich subjektiv behaftet sind. Es können zwar für jede Gesellschaft gleiche Wertvorgaben existieren, trotzdem erfolgt eine Orientierung an diesen Werten von Person zu Person und von Kulturkreis zu Kulturkreis völlig unterschiedlich.

Der Begriff Wert lässt sich zunächst einfacher definieren, wenn man ihn in den Zusammenhang mit Normen und Zielen setzt. Diese drei Bezeichnungen haben für die (Moral-)Erziehung eine große Bedeutung: Erziehung „beruht auf Normen und Zielen und [...] legitimiert sich durch Werte“[7].

3.2.1. Ziel - Definition

Ziel ist - nicht nur im Erziehungssinne - eine praktische Handlungsintention, also etwas, das durch eine Handlung oder Denkweise zu erreichen versucht wird. Ein Ziel schreibt - ähnlich der Norm - „einen gewünschten Zustand oder eine Fähigkeit“ vor, gilt aber vereinzelt „nur für Untergruppen“ (z.B. eine Schulklasse) und „nicht für den gesamten Kulturkreis“[8] wie es bei der Norm der Fall ist.

3.2.2. Norm - Definition

Normen sind „hinter den Zielen liegende Überzeugungen/Soll-Vorstellungen, die sich in längeren Zeitabschnitten entwickelt haben und für einen größeren Kulturkreis gelten“(a.a.O.), beispielsweise die Menschenrechte. Sie werden durch die Gemeinschaft festgelegt, in der wir leben, und sind generell veränderbar. Normen werden „aus Werten abgeleitet bzw. auf diese zurückgeführt“ und „stellen eine Präzisierung der gesellschaftlichen Werte dar“[9]. Werte liegen also Normen zu Grunde.

3.2.3. Wert - Definition und Geschichte

Die Vorstellung des Wertes war im „wirtschaftlichen Sinne schon bei Aristoteles vorhanden“, in der abendländischen Geistesgeschichte wird „der Begriff des Guten (griech. agathon, lat. bonum) als dem W.-Begriff entsprechend verstanden“[10]. Der Wertbegriff leitet sich ab aus dem früheren Ausdruck der Tugend. Bei Platon beispielsweise umfasste dieser Begriff Charaktereigenschaften wie „Tapferkeit und Besonnenheit“, später „Lern- und Arbeitsfleiß“, im neueren Dialog steht er für „Verantwortlichkeit, Kooperations- und Solidaritätsfähigkeit“[11]. Tugenden sind die Eigenschaften, mit deren Hilfe wir den Werten entsprechen und uns ihrer versichern.

[...]


[1] Kron 2001, S.57/58

[2] Zimmermann 2000, S.40/41

[3] Oser/Althof 1994, S. 87

[4] Oser/Althof 1994, S.329

[5] Oser/Althof 1994, S.99

[6] Oser Althof 1994, S.35

[7] Kron 2001, S.280

[8] Gudjons 1999, S.191

[9] Kron 2001, S.280

[10] Brockhaus 1974, S. 241

[11] Gudjons 1999, S. 192

Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638330107
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32239
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2
Schlagworte
Wertewandel Begriffsdefinition Problematik Werterziehung Mittelseminar

Autor

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