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Wie sehr profitieren Länder von der Mitgliedschaft in der Europäischen Union?

Seminararbeit 2016 19 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung

2 Schwierigkeiten bei der Messung ökonomischer Vorteile und deren Gründe

3 Methoden zur Messung ökonomischer Vorteile
3.1 Die synthetische Kontrollmethode
3.2 Die Differenz-von-Differenzen-Methode

4 Vorteile in der Ökonomie und Politik
4.1 Ökonomische Vorteile
4.2 Binnenhandel der EU
4.3 Politische Vorteile
4.4 Subventionszahlungen durch die EU

5 Ergebnisse

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Differenz-von-Differenzen-Methode

Abbildung 2: Spanien - reales BIP/Kopf

Abbildung 3: Griechenland - reales BIP/Kopf

Abbildung 4: Binnenhandel der EU

Abbildung 5: EU-Direktinvestitionsbestände

Abbildung 6: Haushaltssaldo EU

1 Einführung

Im Jahr 1951 ebneten die Gründungsmitglieder Luxemburg, Westdeutschland, Belgien, Italien, Frankreich und die Niederlande den Weg für die heutige Europä- ische Union, indem sie die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl grün- deten. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kam es zu sieben Erweiterungen, in deren Zuge die damalige EGKS zu der heutigen EU mit 28 Mitgliedsstaaten herangewachsen ist. Durch den Beitritt neuer Länder in die EU entstanden für die neuen wie auch für die alten Mitglieder völlig neue Rahmenbedingungen, wodurch ihre Ökonomie, Politik und das alltägliche Leben der Bürger nachhaltig beeinflusst wurden. Aus der EU-Mitgliedschaft resultieren viele Vorteile für die Mitgliedsländer. Die Staaten haben nun die Möglichkeit, besser zusammenzuar- beiten, um gemeinsame wirtschaftliche und politische Interessen zu verfolgen. Wirtschaftlich schwächere Länder werden von der EU subventioniert oder erhal- ten Hilfszahlungen für Bereiche, in denen sie strukturbedingte Entwicklungsdefi- zite aufweisen. Wirtschaftlich starke Länder hingegen erhalten die Möglichkeit, ihre Güter zollfrei in die anderen Mitgliedsländer zu exportieren.

Die folgende Arbeit untersucht die ökonomischen und politischen Vorteile einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union und zeigt die Korrelation zwischen vollständiger Integration der Wirtschaft und ökonomischem Wachstum auf.1 Hierfür werden verschiedene Länder vor und nach ihrem Eintritt in die EU anhand gängiger Kennziffern wie z. B. Bruttoinlandsprodukt, Wachstumsrate des BIP sowie Handelsvolumen analysiert. Für die Illustration der Messergebnisse werden sowohl die synthetische Kontrollmethode, die Differenz-von Differenzen-Metho- de und verschiedene Grafiken herangezogen.

2 Schwierigkeiten bei der Messung ökonomischer Vor-teile und deren Gründe

Um die ökonomischen bzw. monetären Vorteile einer EU-Mitgliedschaft darlegen zu können, bedarf es präziser Messungen, die nachvollziehbare und korrekte Wer- te liefern. Tatsächlich gibt es nur eine sehr geringe Anzahl wissenschaftlicher Ar- beiten, die sich mit der hier behandelten Fragestellung beschäftigen und verwert- bare Datensätze und Messungen liefern.2 Darüber hinaus warnt ein Großteil der Verfasser dieser Arbeiten vor der Validität der dargelegten Messergebnisse.3

Probleme, die bei der Messung auftreten, sind vor allem das Timing- bzw. Antizi- pationsproblem und das Problem der intertemporalen Vergleiche. Das Timing- bzw. Antizipationsproblem besagt, dass die Effekte der EU-Mitgliedschaft bereits vor dem Zeitpunkt des offiziellen Beitritts zur EU in dem betreffenden Land auf- treten, da Investoren versuchen, die Vorteile zu antizipieren, um daraus einen hö- heren Profit generieren zu können.4 Für die Frage, ob die Effekte positiv oder ne- gativ sind, hat dieses Problem jedoch nur geringe Bedeutung, da Antizipationsef- fekte lediglich die Bedeutung des offiziellen Eintrittsdatums des Landes in die EU, nicht aber die der Mitgliedschaft betrifft.5 Das zweite Problem beschreibt die Schwierigkeit, dass sich gleiche Ereignisse, die zu verschiedenen Zeitpunkten ein- treten, nur schwer miteinander vergleichen lassen, da bei jedem neuen Ereignis andere Rahmenbedingungen herrschen. Somit bietet sich der Beitritt unterschied- licher Länder zur EU nur bedingt zu einem Vergleich an, weil bei jeder Erweite- rung der EU neue Rahmenbedingungen entstanden sind, die die Effekte des Ein- tritts möglicherweise positiv oder negativ beeinflusst und verändert haben.6

Ungeachtet dieser Probleme braucht es ein von dem Treatment unbehandeltes, synthetisches Gegenstück (siehe Abschnitt 3.1) zu dem Land, das in die EU einge- treten ist, um die positiven oder negativen Effekte, die aus der Mitgliedschaft in der EU resultieren, zu messen. „Kontrafaktische Gegenstücke sind wichtig, um zeitliche Zusammenhänge identifizieren zu können“. Allerdings sind, wie Boldrin und Canova mahnen,7 „historische kontrafaktische Gegenstücke (was wäre pas-siert, wenn der Übertrag nicht stattgefunden hätte?) […] schwer zu erstellen.“8

Damit stellt sich die Frage, wie man die Vorteile misst, die einem Land, das der EU beitritt, entstehen, wenn doch dieses Land nur einmal vorhanden ist und sich somit keine Möglichkeit für eine Kontroll- und Experimentalgruppe ergibt? Diese Frage wird im nachfolgenden Abschnitt anhand von zwei Modellen erläutert.

3 Methoden zur Messung ökonomischer Vorteile

Dieses Kapitel gibt eine Übersicht über die Modelle, die für die Messung ökonomischer Vorteile durch eine Mitgliedschaft in der EU relevant sind und in dieser Arbeit Verwendung finden.

3.1 Die synthetische Kontrollmethode

Die synthetische Kontrollmethode für kausale Rückschlüsse in Vergleichsstudien haben Abadie und Gardeazabal im Jahr 2003 entwickelt.9 Mit ihr lässt sich die Wirkung einer bestimmten Intervention („treatment“) schätzen, indem die Ent- wicklung einer Kennzahl (BIP) des Landes, das dem „treatment“ unterzogen wur- de (Experimentalgruppe), mit der Entwicklung der gleichen Kennzahl eines syn- thetisch erzeugten Land (Kontrollgruppe) verglichen wird. Die Methode sucht nach einer gewichteten Kombination von Teilen anderer Länder (Kontrollländer), die so ausgesucht werden, dass die Summe der Teile so nahe wie möglich an das betrachtete Land herankommt, bevor die Wirkung der Intervention eintritt. Mit Hilfe dieser Methode ist es nun möglich, dynamische Effekte zu untersuchen und die Frage zu beantworten, wie sich die betreffende Variable (hier BIP) ohne die Intervention entwickelt hätte. Ein konkretes Beispiel folgt in Abschnitt 4.1.

3.2 Die Differenz-von-Differenzen-Methode

Ein weiteres Modell, das in dieser Arbeit Verwendung findet, ist die Differenz- von-Differenzen-Methode. Mit ihrer Hilfe lässt sich ein kausaler Effekt feststellen und dessen Intensität beschreiben. Wie schon die synthetische Kontrollmethode bedient sich die Differenz-von-Differenzen-Methode einer Kontroll- sowie einer Experimentalgruppe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Differenz-von-Differenzen-Methode, eigene Darstellung

Abbildung 1 zeigt ein Koordinatensystem mit einer beispielhaften Darstellung der Differenz-von-Differenzen-Methode. Im Zeitpunkt t' sind sowohl die Experimen- tal- als auch die Kontrollgruppe unbehandelt. Nun wird die Experimentalgruppe der Intervention ausgesetzt, was in unserem Beispiel zu einem Anstieg der Stei- gung der Strecke Et führt. Die rote Strecke E gibt an, wie sich die Experimental- gruppe entwickelt hätte, wenn sie dem „treatment“ nicht ausgesetzt gewesen wäre und somit dieselben Rahmenbedingungen genossen hätte wie die Kontrollgruppe. Dies zeigt sich an der identischen Steigung der beiden Strecken E und K. Im Zeit- punkt t lässt sich nun der tatsächliche Effekt der Intervention messen, indem man die Differenz aus den Abständen der Strecken Et-K und E-K bildet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Brou und Ruta, 2011, S. 1143.

2 Vgl. Campos, Coricelli und Moretti 2014, S. 2.

3 Vgl. Henrekson, Torstensson und Torstensson 1997, S. 1551.

4 Vgl. Campos, Coricelli und Moretti 2014, S. 3.

5 Vgl. Campos, Coricelli und Moretti 2014, S. 4.

6 Vgl. Campos, Coricelli und Moretti 2014, S. 4.

7 Campos, Coricelli und Moretti 2014, S. 2.

8 Boldrin, Canova 2001, S.7.

9 Vgl. Abadie, A. und Gardeazabal, J. 2003, S. 113-132.

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668217683
ISBN (Buch)
9783668217690
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322596
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Schlagworte
EU Wirtschaftspolitik Wirtschaftspolitik der EU ökonomische Vorteile Differenz in Differenz Methode synthetische Kontrollmethode Sven Buchholz Universität Trier Uni Trier 1.0 VWL Volkswirtschaftslehre BWL Betriebswirtschaftslehre Wirtschaftswissenschaften

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