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Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Eine Betrachtung der „Pippi Langstrumpf“ im pädagogischen Kontext

Hausarbeit 2015 11 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur
Einleitung
Was macht einen Klassiker zum Klassiker?
Darstellung der verschiedenen Positionen
Gegenüberstellung der Positionen
Zusammenfassung der Positionen
Phantastische Kinder- und Jugendliteratur
Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf
Figurenbeschreibung
Didaktische Analyse
Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf im pädagogischen Kontext

Fazit

Literaturverzeichnis

Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur

Einleitung

Die Geschichte kindgerechter Literatur reicht Jahrhunderte, wahrscheinlich sogar Jahrtausende zurück. Sie nimmt im frühpädagogischen Bereich eine sehr elementare Stellung ein. Dies ist nicht zuletzt dadurch bedingt, dass sie unabhängig von jeglicher Institution Einzug in die heimischen Kinderzimmer hält. Selbst bildungsferne Elternhäuser bedienen sich beispielsweise „Gute Nacht“ – Geschichten, um Kinder für die Nachtruhe einzustimmen.

Weiterhin ist es ebenso von Bedeutung, dass beinahe jede populäre Kindergeschichte sowohl moralische- als auch kulturelle Werte vermittelt und somit folglich die Heranwachsenden über ihre Kinder- und Jugendzeit hinaus prägt.

Eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste „Moral der Geschicht“ ist, in aller Regel, dass das Gute letztendlich obsiegt. Sei es das über lange Strecken sehr leidvolle Leben der Aschenputtel oder das der Schneewittchen: Auf lange Sicht gesehen wiederfährt dem guten Charakter stets ein gutes Ende. Selbst dem Laien drängt es sich nahezu auf, dass der moralische Aspekt von Kindergeschichten meist eine Durchhalteparole zu einem besonders moralischen und aufrichtigen Lebensstil beinhaltet.

In der nachfolgenden Analyse soll der Fokus jedoch auf eine aktuellere Kindergeschichte gelegt werden, als etwa die Werke der Gebrüder Grimm: Pipi Langstrumpf. Hierfür ist es zunächst notwendig herauszuarbeiten, welche Umstände und Eigenschaften einer Geschichte für Kinder dieser das Attribut eines Klassikers verleihen. Zusammenfassend soll im weiteren Verlauf der Ausarbeitung ergründet werden, ob und in wie fern Astrid Lindgrens Werk sich im pädagogischen Bereich nutzen lässt.

Was macht einen Klassiker zum Klassiker?

Darstellung der verschiedenen Positionen

Erwartungsgemäß hat sich mit dieser Frage eine ganze Reihe von Jugendliteraturforschern beschäftigt. Um einen gewissen Überblick über die Forschungsbestrebungen und –ergebnisse zu erlangen, ist es zunächst sinnvoll die Forschungen zu differenzieren in die der Vertreter der normativen Begriffsbestimmung des Klassik-Begriffs und diejenigen der deskriptiven Begriffsbestimmung.[1]

Ein bekannter und einflussreicher Anhänger der normativen Begriffsbestimmung ist Heinrich Wolgast, welcher mit seinem 1896 erschienen Werk „Das Elend unserer Jugendkultur. Ein Beitrag zur künstlerischen Erziehung der Jugend“ große Kritik an der damaligen Kinderliteratur übte.[2] Ihm zufolge bestand die Kinder- und Jugendliteratur seinerzeit zu großen Teilen aus Unterhaltungsliteratur und Tendenzschriften, welche primär moralisch, religiös und politisch bilden sollte. Diese Bestrebungen lehnte Wolgast entschieden ab, da es seines Erachtens pädagogisch wesentlich sinnvoller wäre den Fokus in der Bildung darauf zu legen, dass vor allem die unteren sozialen Schichten in der literarischen „Geschmacksbildung“ gefördert werden.[3] Dies sollte durch Literatur anerkannter Nationalschriftsteller gewährleistet werden, wie etwa die des Schriftstellers Hoffmann von Fallersleben.[4] Heinrich Wolgast tendierte somit mehr zu einer allumfassenden Bildung, um den Heranwachsenden in ihrem weiteren Leben die Möglichkeit zu bieten selbstständig zwischen lesenswerter und nicht lesenswerter Literatur zu unterscheiden, anstatt punktuell durch Kinderliteratur bestimmte Werte zu vermitteln.

Eine namenhafte Vertreterin der normativen Begriffsbestimmung in der Gegenwart ist Bettina Kümmerling-Meibauer. Anders als Wolgast versuchte Kümmerling-Meibauer nicht nur bestimmte Werke diverser Autoren zu „empfehlen“, sondern sie wollte allgemeingültige Kriterien schaffen, mit denen man Kinder- und Jugendliteratur eine literarischen Qualität unterstellen kann.[5] In ihrem 2004 erschienen Werk „Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Ein internationales Lexikon“ nennt sie „Innovativität, Repräsentativität, Ästhetische Gestaltung der Sprache, Einfachheit versus Komplexität, Darstellung der kindlichen Erlebniswelt, Phantasie und Crosswriting“ als Merkmale, die helfen sollen für Kinder wichtige und somit lesenswerte Literatur zu klassifizieren.[6]

Einen anderen Ansatz als Wolgast und Kümmerling-Meibauer verfolgt Klaus Doderer, welcher versucht den Begriff des „klassischen“ pragmatisch-deskriptiv zu ergründen. In seinem 1984 erschienen Buch „Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur“ definiert Doderer diejenigen Werke als klassisch, die durch ihre resistente Tradierung und fortdauernde Wertschätzung eine hohe gesellschaftliche und pädagogische Bedeutung aufweisen.[7] Eben jene Werke lassen sich demnach in drei Positionen bzw. Traditionslinien einordnen: kindgerechte Werke der als Klassiker anerkannten Nationalschriftsteller (vergleichbar mit den zuvor von Wolgast genannten)[8], von Kindern selbst als lesenswert eingestufte Werke (nach Paul Hazard, 1932)[9] und Werke, die sich aufgrund plebiszitärer Entscheidungen „durchsetzen“ (nach Doderer unterliegt es Raum und Zeit, ob ein Klassiker in der gegenwärtigen Gesellschaft auch als jener wertgeschätzt wird)[10].

Gegenüberstellung der Positionen

Zunächst fällt auf, dass sich sowohl Heinrich Wolgast, als auch Bettina Kümmerling-Meibauer sehr bemühen eine möglichst exakte Begriffsbestimmung für das „klassische“ zu definieren. Dies führt im Verlauf ihrer Ausführung dazu, dass sie sich, obwohl beide Vertreter des normativen Ansatzes sind, teilweise widersprechen. Bei konsequenter Nutzung der von Kümmerling-Meibauer postulierten Definitionsmerkmale findet beispielsweise Cornelia Funke keinen Eingang als „Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur“, dagegen jedoch weit weniger bekannte und vor allem weniger relevante Autoren, wie etwa Gloria Fuertes, deren Werke sich lediglich Lokal in ihrer spanischen Heimat entfaltet haben.[11] Dieser Umstand steht offensichtlich im Gegensatz zu den von Wolgast genannten Grundsätzen der bevorzugten Verwendung von heimischen Nationalschriftstellern als Verfasser von Kinder- und Jugendliteratur.

Klaus Doderer lässt mit dem Ansatz zur pragmatisch-deskriptiven Begriffsbestimmung weniger Spielraum für irritierende Widersprüche, da sein Definitionsansatz wesentlich breiter gefasst ist. So finden sich in jenem Ansatz beispielsweise sowohl Perspektiven Wolgasts, als auch gänzlich gegensätzliche wie etwa die von Paul Hazard. Doderer rundet seinen Begriffsbestimmungsansatz damit ab, dass er losgelöst von Wolgast und Hazard eine weitere Abstraktionsebene eröffnet, in der er die Bedeutung von Kinder- und Jugendliteratur in einen direkten Zusammenhang mit der gegenwärtigen „Mode“ setzt. Die von Wolgast abfällige Klassifizierung von bestimmten Werken als Tendenzschrift erlangt somit durch Doderer einen anderen Zusammenhang und auch eine größere Dimension. Während Heinrich Wolgast die Tendenzschrift an sich als nicht lesenswert erachtet, da sie lediglich eine Art Momentaufnahme des gesellschaftlichen Daseins wiederspiegelt und sich keine Allgemeingültigkeit einer Norm ableiten lässt, akzeptiert es Klaus Doderer in seinem Ansatz beinahe als Selbstverständlichkeit, dass die Definition des „klassischen“ abhängig ist von Ort und Zeit.

Zusammenfassung der Positionen

Durch die genaue Betrachtung und den Vergleich der Positionen von Wolgast, Kümmerling-Meibauer und Doderer lässt sich erarbeiten, dass die gewiss sehr unterschiedlichen Ansichten der drei Literaturwissenschaft sich effektiv gegenseitig ergänzen können.

So kann man aus den Darstellungen und Ausführungen ableiten, dass 1. Ein Klassiker ein Text ist, den eine Kultur, eine kulturelle Gruppe oder eine Epoche für einen Klassiker hält und 2. Ein Klassiker sich dadurch auszeichnet, dass sich um ihn herum ein Medienverbundsystem etabliert hat.[12]

Phantastische Kinder- und Jugendliteratur

Die grundsätzliche Diskussion rund um phantastische Kinder- und Jugendliteratur hat in den vergangenen Jahrzehnten einen derartigen Umfang angenommen, dass es notwendig ist eine grundlegende Definition für dieses Genre anzuführen, um sich anhand dessen während der empirischen Arbeit orientieren zu können. Nach Rank[13] dient Phantastik als Oberbegriff für diverse Textgruppen, die zu diesem Genre gezählt werden können: Mythos, Märchen, Sage, Legende, Fantasy, Science-Fiction, (Anti-)Utopie, Schauerroman und phantastische Erzählung.[14] Der besondere Charakter der phantastischen Erzählung zeichnet sich demnach dadurch aus, dass sich ein primäres Modell einer realen Welt und ein sekundäres Modell einer phantastischen Welt kontrastiv gegenüberstehen.[15]

Ein zentrales Thema der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur ist die kindliche Welt, welche sich von der Welt der Erwachsenen scharf abgrenzt. Hier wird den Kindern die Möglichkeit geboten verschiedene Szenarien phantastisch auszuprobieren.[16] Eine besondere Kennzeichnung der phantastischen Literatur ist hierbei die Freude am Komischen, Witzigen, der Ironie und dem Wortspiel.[17] Eine starke Anregung der kindlichen Phantasie wird durch das Unbekannte hervorgerufen, welches in der phantastische Kinder- und Jugendliteratur demzufolge eine ebenso bedeutende Rolle einnimmt, da hierdurch tiefergehende Gedankenspiele ermöglicht werden.[18]

[...]


[1] Vgl. Pecher, Claudia Maria/ Schilcher, Anita (Hrsg.) (2012): „Klassiker“ der internationalen Jugendliteratur. Kulturelle und epochenspezifische Diskurse aus Sicht der Fachdisziplinen. 2Bde. 1. Teilband. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2012. S. 3.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Ebd., S. 4.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd., S. 6.

[8] Ebd.

[9] Ebd., S. 7.

[10] Ebd., S. 8.

[11] Ebd., S. 6.

[12] Vgl. Pecher (2012), S. 8.

[13] Vgl. Rank, Bernhard: Phantastik in der Kinder- und Jugendliteratur. In: Jörg Knobloch und Gudrun Stenzel (Hrgs.) (2006): Zauberland und Tintenwelt. Fantastik in der Kinder- und Jugendliteratur, Weinheim: Juventa Verlag. (=Beiträge Jugendliteratur und Medien; 17. Beiheft). S. 10ff.

[14] Vgl. Lange, Günther/ Petzold, Leander: Textarten- didaktisch. Grundlagen für das Studium und den Literaturunterricht, 6. Auflage überarbeitet und verändert. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2011, S.171.

[15] Ebd., S.171.

[16] Ebd., S. 174.

[17] Ebd.

[18] Ebd.

Details

Seiten
11
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668218284
ISBN (Buch)
9783668218291
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322680
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
klassiker kinder- jugendliteratur eine betrachtung pippi langstrumpf kontext

Autor

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Titel: Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Eine Betrachtung der „Pippi Langstrumpf“ im pädagogischen Kontext