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Leasing als Finanzierungsmöglichkeit für mittelständische Familienunternehmen. Chancen und Risiken verschiedener Leasingmodelle

Hausarbeit 2015 18 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in die Thematik
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise

2 Theoretische Grundlagen von Finanzierungsmöglichkeiten: definitorische Abgrenzung relevanter Begriffe
2.1 Der Begriff des Familienunternehmens
2.2 Finanzierung
2.2.1 Differenzierung von Finanzierungsmöglichkeiten
2.2.2 Innen- und Außenfinanzierung
2.2.3 Leasing als Sonderform der Finanzierung

3 Praktizierte Leasingmodelle
3.1 Finanzierungsleasing
3.2 Operating Leasing
3.3 Voll- und Teilamortisation
3.4 Rückgabe des Leasinggutes

4 Unternehmensrelevante Auswirkungen von Leasing
4.1 Auswirkungen auf die Liquidität des Unternehmens
4.2 Steuerrechtliche Behandlung des Leasings
4.3 Chancen
4.4 Risikopotenzial des Leasing
4.5 Flexibilitätskriterium
4.6 Risikoverteilung

5 Abschließende Gesamtbetrachtung und Handlungsempfehlung

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einführung in die Thematik

Bei vielen deutschen Marktführern verschiedenster Marktsegmente handelt es sich um Familienunternehmen. Häufig zeichnen diese sich durch ihre führende Marktposition, betriebliche Größe und deutschlandweite Bekanntheit aus. Bis dieses Stadium eines Marktführers jedoch erreicht ist, muss ein langer wirtschaftlicher Prozess durchlaufen werden.

Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit soll erläutert werden welchen Problemen mittelständische Familienunternehmen in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gegenüberstehen. Der Fokus wird hierbei auf ihre eingeschränkte Kapitalsituation und die Möglichkeit des Leasings als Fremdfinanzierung gelegt. Leasing gibt es in Deutschland seit etwa den 1960er Jahren. Die Entstehung des Leasings lässt sich auf das Jahr 1877 zurückführen, als die Firma Bell Telephone Company beschloss, ihre Telefone nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu vermieten.[1] Sie schaffte es so durch ein absolut neuartiges Geschäftskonzept ihre finanzielle Situation zu stärken und legte den Grundstein für eine neue Art der Finanzierung: das Leasing.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Leasing ist als Finanzierungsmöglichkeit von elementarer Bedeutung für die Liquidität und Rentabilität von Familienunternehmen. Besonders Familienunternehmen mittelständischer Größe verfügen häufig nur über eingeschränktes materielles sowie monetäres Kapital und sind auf Leasing als Möglichkeit der Fremdfinanzierung angewiesen. Ziel dieser Arbeit soll es sein, Leasing als Finanzierungsmöglichkeit näher zu betrachten und zu erörtern, welchen Nutzwert es für Familienunternehmen mit sich bringt.

1.2 Vorgehensweise

Zu Beginn wird erst einmal auf die theoretischen Grundlagen von Finanzierungsmöglichkeiten eingegangen. Mit dem daraus entstehenden Begriffsverständnis werden die Chancen und Risiken des Leasings kritisch gegenüber gestellt und somit seine unternehmensrelevanten Auswirkungen thematisiert. Basierend auf dem daraus gewonnenen Wissenszuwachs wird im Fazit eine abschließende Gesamtbetrachtung vorgenommen, die es ermöglicht, eine Handlungsempfehlung für mittelständische Familienunternehmen zur Erhaltung ihrer Wirtschaftlichkeit zu geben.

2 Theoretische Grundlagen von Finanzierungsmöglichkeiten: definitorische Abgrenzung relevanter Begriffe

Im folgenden Kapitel wird genauer auf die theoretischen Grundlagen von Finanzierungsmöglichkeiten in mittelständischen Familienunternehmen eingegangen. Der Fokus liegt hierbei auf der genauen Definition relevanter Begriffe und der Abgrenzung bedeutender Finanzierungsformen.

2.1 Der Begriff des Familienunternehmens

Obwohl Familienunternehmen seit Jahrzehnten Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre sind, liefert die Forschung bis jetzt kein einheitliches Begriffsverständnis dieses Begriffes. Deswegen wird auf den folgenden Seiten eine für diese wissenschaftliche Arbeit passende Definition erarbeitet. Man spricht dann von Familienunternehmen, wenn sich die Mehrheit der Entscheidungsrechte im Besitz der eigentlichen Gründer des Unternehmens befindet, oder in Händen derer, die das Unternehmenskapital erworben haben. Letzteres ist der Fall, wenn sie im Besitz von Verwandten ersten und zweiten Grades oder eines im Unternehmen involvierten Ehepartners sind. Ebenfalls ist dies der Fall, wenn ein Mitglied der Familie oder auch der Angehörigen in der Leitung des Unternehmens offiziell tätig ist.[2] Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen in Deutschland ist immens. Deutlich mehr als zwei Millionen Familienunternehmen fungieren hier zu Lande.[3] Groben Schätzungen nach zu urteilen, lassen sich 50% des Bruttosozialprodukts auf Familienunternehmen zurückführen und dabei werden 60% der arbeitenden Bevölkerung beschäftigt.[4] Hinzu kommt das die meisten Auszubildenden in Deutschland von Familienunternehmen unterhalten werden.[5] Nicht umsonst bezeichnet man Familienunternehmen daher als „ Rückgrat der Wirtschaft “.[6]

2.2 Finanzierung

Um das Bestehen eines Unternehmens zu gewährleisten, ist es von Nöten über ausreichend Kapital zu verfügen. In der Regel reichen die anfänglichen Ersparnisse nur für die Unternehmensgründung und einen kurzen Zeitraum darüber hinaus. Sobald aber der Einstieg in den Markt geschafft ist, wachsen die Ansprüche und Anforderungen und es ist unmöglich, eine Kapitalbeschaffung durch Dritte zu umgehen. Der Begriff Kapitalbeschaffung wird gemeinhin auch als Finanzierung bezeichnet.

2.2.1 Differenzierung von Finanzierungsmöglichkeiten

Es gibt eine Vielzahl von praktikablen Finanzierungsmöglichkeiten für mittelständische Familienunternehmen. Dabei ist erstmal zwischen Innen- und Außenfinanzierung zu differenzieren und innerhalb der Außenfinanzierung nochmals zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung. Da das Gebiet sehr weitläufig ist, wird sich im Folgenden auf die wesentlichen und für diese Arbeit relevanten Punkte beschränkt.

2.2.2 Innen- und Außenfinanzierung

Die Innenfinanzierung grenzt sich zur Außenfinanzierung durch die Eigenerwirtschaftung des benötigten Kapitals durch den Unternehmer ab. Hierbei werden keine unternehmensfremden Kapitalgeber benötigt. Man spricht auch von Selbstfinanzierung.[7] Kapital kann hierbei zum Beispiel durch angefallene Kapitalrücklagen, Gewinnrücklagen oder Jahresüberschüsse anfallen.[8]

Das Gegenstück zur Innenfinanzierung stellt die Außenfinanzierung dar.

Diese Form ist ebenfalls eine Art der Kapitalbeschaffung, allerdings werden die finanziellen Mittel von Gläubigern, also Kreditgebern, gestellt. Da das Kapital von außen zugeführt wird, spricht man auch von Kreditfinanzierung. Gläubiger sind zwar nicht am Gewinn des Unternehmens beteiligt, bekommen allerdings Zinsen für die Überlassung des Geldes und haben somit Anspruch auf Rückzahlung des Kredites.[9]

Eine elementare Frage ist, warum sich ein Unternehmen überhaupt fremd finanzieren muss. Am Anfang einer jeden Unternehmung ist es nötig, über genügend finanzielle Mittel zu verfügen. Da das Eigenkapital diese aber meist nicht deckt, wird eine Außenfinanzierung zur Hilfe herangezogen. Es gibt diverse Möglichkeiten, sich Kapital oder Güter, die zum Bestehen eines Unternehmens essentiell sind, anzueignen. Solche sind beispielsweise Bankkredite, Anleihen, Mitarbeiterkapitalbeteiligungen oder Darlehen von Angehörigen. Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt auf dem Konzept des Leasings, welches als Sonderform der Finanzierung im folgenden Kapitel thematisiert wird.

2.2.3 Leasing als Sonderform der Finanzierung

In dem folgenden Teil wird der Begriff Leasing definiert, sowie erläutert warum das Leasing eine Sonderform der Finanzierung darstellt. Der Begriff Leasing kommt ursprünglich aus dem Englischen und wurde in Deutschland einfach übernommen. Leasing bedeutet übersetzt so viel wie verpachten oder vermieten. Das Leasing stellt eine Sonderform der Finanzierung dar, weil es in Deutschland gesetzlich nicht festgehalten ist. Da es eine Kombination aus Kauf und Miete bzw. Pacht ist, ist es zwischen diesen Punkten gesetzlich zu finden. Deswegen kann bei dem Leasing auch von einer Vermietung gesprochen werden.[10] Leasing ist im weitesten Sinne ein Vertrag zwischen dem Unternehmen und einem Dritten, sprich Leasingnehmer und Leasinggeber. Bei diesem Vertrag werden über eine festgelegte Dauer, Wirtschaftsgüter gegen Bezahlung geleast bzw. vermietet.[11]

3 Praktizierte Leasingmodelle

Da das Leasing eine immer häufiger in Anspruch genommene Außenfinanzierungsmethode ist, ist es wichtig zwischen den zwei folgenden Hauptmodellen zu unterscheiden, wenn es um die Vertragsdauer, sowie die Kündigungsmöglichkeit geht.[12]

3.1 Finanzierungsleasing

Das Finanzierungsleasing, auch „Financial-Leasing‟ oder „Finance Leasing‟ genannt, ist ein mittel- bis langfristiger Vertrag zwischen einem Leasingnehmer und einem Leasinggeber.[13] Hierbei wird ein Leasinggut (bspw. eine Fertigungsanlage) gegen ein Entgelt geleast. Im Vergleich zum Operating Leasing besteht hier eine feste und unkündbare Grundmietzeit. Wichtig ist zudem, dass die Vertragslaufzeit niemals die Lebensdauer eines Leasinggutes überschreiten darf.[14] Allerdings gibt es die Möglichkeit, nach Ablauf des Vertrages das Leasinggut anzukaufen oder weiter zu leasen. Eine weitere Eigenschaft des Finanzierungsleasings ist, dass das Risiko der Beschädigung, oder sogar der komplette Ausfall des Leasinggutes, der Leasingnehmer trägt. Anders als beim Operating Leasing, hat der Leasingnehmer für eventuelle Wartungs- oder Reparaturaufwendungen Sorge zu tragen.[15]

3.2 Operating Leasing

Bei dieser Form des Leasings ist die Mietdauer unbefristet. Die Dauer kann kurzfristiger, aber auch langer Natur sein. Von Seiten des Leasinggebers, aber auch von Seiten des Leasingnehmers, kann der Mietvertrag jederzeit aufgelöst werden. Nach Beendigung des Vertrages wird lediglich das Leasinggut an den Leasinggeber zurückgegeben.[16]

Meist beinhalten Operating Leasing Verträge Leasinggüter, die kurzfristig und für kurze Dauer benötigt werden, wie zum Beispiel Fahrzeuge.

Anders als bei dem Finanzierungsleasing trägt der Leasinggeber die Verantwortung und somit auch das Risiko für anfallende Wartung und Versicherung des Leasinggutes. Bei dieser Form des Leasings wird nicht darauf abgezielt, die Anschaffungskosten des Leasinggutes durch die zu entrichtenden Raten zu decken, da in der Regel die Mietzeit von kurzer Dauer ist und so eine weitere Vermietung gewährleistet wird.[17]

Als kurze Zusammenfassung und zum abschließenden Verständnis soll die nachfolgende Tabelle dienen.

Tabelle 1: Zusammenfassung und Gegenüberstellung von Operating- sowie Finanzierungsleasing[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Voll- und Teilamortisation

Der Begriff der Amortisation ist beim Leasing bedeutend. Amortisation bedeutet grundsätzlich, dass der Leasingnehmer alle Kosten zu tragen hat, die mit dem Leasingobjekt in Zusammenhang stehen. Dabei handelt es sich um die Herstellungskosten des Leasingobjektes und alle Nebenkosten. Beide Kostenarten zusammen werden auch als Investitionskosten bezeichnet. Man unterscheidet zwei Arten von Amortisation, nämlich zum einen die Vollamortisation und zum anderen die Teilamortisation.

Beim Vollamortisationsvertrag werden die Anschaffungs- und sonstigen Kosten durch die kalkulierten Leasingraten gedeckt, oder übersteigen diese sogar. Da der Leasingnehmer, gemessen an einer oft kurzen Grundmietzeit, 100 % des Aufwands bezahlt, sind diese Verträge eine teure Art der Finanzierung. Über eine Weitervermietung des Leasinggutes muss sich der Leasinggeber somit keine Gedanken machen. Diese Vertragsausgestaltung trifft man häufig bei der Vermietung von Leasinggütern, die einer starken Abnutzung unterliegen oder deren Wert unter der schnellen technologischen Entwicklung leidet, an.

Nach Ablauf der Grundmietzeit wird dem Leasingnehmer oftmals eine Kaufoption eingeräumt, wobei der Kaufpreis schon bei Vertragsabschluss feststeht. Andere Verträge sind mit einer Mietverlängerungsoption versehen. Dabei kann der Leasingnehmer das Objekt zu einer deutlich reduzierten Mietzahlung weiterhin nutzen. Bei beiden Optionsmodellen hat er das Recht aber nicht die Verpflichtung, diese einzugehen. Wird keine solche Vereinbarung getroffen, geht das Wirtschaftsgut nach Ablauf der Grundmietzeit an den Leasinggeber zurück.[19]

Teilamortisationsverträge sind in der Praxis wesentlich häufiger anzutreffen. Die Höhe der Leasingraten ist so bemessen, dass sie die Gesamtkosten des Leasinggebers nicht abdecken, sondern sich vielmehr am Wert des Leasinggutes nach Ablauf der Grundmietzeit orientieren. Je höher dieser Betrag am Ende noch ist, desto niedriger fallen diese Raten aus. Um eine Vollamortisation bei solchen Verträgen zu erzielen, gibt es für den Leasinggeber zwei Gestaltungsformen nach Ablauf der Grundmietzeit. Häufig wird ihm ein Verkaufsrecht des Objektes zu einem vorher festgelegten Preis an den Leasingnehmer eingeräumt. Eine zweite und sehr verbreitete Möglichkeit ist die vorherige Vereinbarung eines Fremdverkaufs, wobei die Vertragspartner einen eventuellen Mehrerlös hieraus unter sich aufteilen. Sollte der Verkauf zu keiner Deckung des Gesamtaufwands führen, besteht für die Leasingnehmer eine Nachschusspflicht (Abschlusszahlung).[20]

3.4 Rückgabe des Leasinggutes

Grundsätzlich erfolgt am Ende des Leasingvertrages eine Rückgabe des Leasinggutes durch den Leasingnehmer an die Leasinggesellschaft. Diese ist für die Verwertung des Leasinggutes verantwortlich. In der Praxis verfügen Leasinggesellschaften, aufgrund langjähriger Kontakte zu Herstellern und Händlern, über sehr gute Verwertungsmöglichkeiten. Je besser die Beziehungen der Leasinggesellschaft ist, desto höher können die aus der Verwertung erzielten Erlöse sein. Aus Sicht der Leasinggesellschaft sollte im Falle des Teilamortisationsleasing bei der Verwertung zumindest der beim ausgelaufenen Leasinggeschäft nicht amortisierte Restwert erzielt werden. In der Praxis kommt es auch vor, dass die Drittverwertung nicht durch einen Verkauf erfolgt, sondern durch Vereinbarung eines neuen Leasingvertrages mit einem neuen Leasingnehmer.

[...]


[1] Vgl. Kuhnle, Kuhnle-Schadn 2005 S.22

[2] Vgl. www.familienunternehmen.de Stand: 05.11.2015

[3] Vgl. Schielke 2007 S.70

[4] Vgl. Voigt 2005 S.161

[5] Vgl. Schlembach, Schlembach 2004 S.14

[6] Vgl. Hennerkes 2004 S.415

[7] Vgl. Bea et al. 2009 S.157

[8] Vgl. Fischl 2011 S.14

[9] Vgl. Bea et al. 2009 S.119

[10] Vgl. Maus 1996 S.21

[11] Vgl. Bea et al. 2009 S.216

[12] Vgl. Kuhnle, Kuhnle-Schadn 2005 S.29

[13] Vgl. Kuhnle 2005 S.29

[14] Vgl. Schrepper 2009 S.54

[15] Vgl. Kuhnle 2005 S.30

[16] Vgl. Schrepper 2009 S.54

[17] Vgl. Kuhnle 2005 S.30 f.

[18] Vgl. http://www.wege-zum-bioenergiedorf.de/fileadmin/_processed_/csm_
Bioenergiedoerfer_2Auflage_Tab.7-3_a6e1c890bc.jpg Stand: 29.11.15

[19] Vgl. Maus 1996 S.34

[20] Vgl. Maus 1996 S.34

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668257658
ISBN (Buch)
9783668257665
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323044
Institution / Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln
Note
1,3
Schlagworte
leasing finanzierungsmöglichkeit familienunternehmen chancen risiken leasingmodelle

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Titel: Leasing als Finanzierungsmöglichkeit für mittelständische Familienunternehmen. Chancen und Risiken verschiedener Leasingmodelle