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Sprechfertigkeit. Förderung der mündlichen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht

Hausarbeit 2013 19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Förderung der mündlichen Kommunikation im FSU
2.1 Sprechfertigkeit
2.2 Übungen
2.2.1 Dialogisches Sprechen
2.2.2 Monologisches Sprechen
2.3 Hemmungen

3. Hospitation
3.1 Unterrichtsprotokoll
3.2 Erläuterung des Unterrichtsprotokolls in Bezug auf die mündliche Kommunikation

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Sprechfertigkeit

Förderung der mündlichen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht

1. Einleitung

Für viele Menschen ist das Sprechen vor anderen ungewohnt. Häufig kommt es vor, dass durch Schüchternheit sowie Unsicherheiten und Ängste die Kommunikation oft verhindert ist. Andere verschiedene Faktoren können die mündliche Kommunikation ebenfalls hemmen. Diese können zum Beispiel Motivations- oder Konzentrationsprobleme sowie auch das fehlende Sprachwissen und –können der Fremdsprachenlerner sein. Storch beispielsweise betont, dass „den Lernenden […] oft die sprachlichen Mittel [fehlen], um ihre Gedanken in der Fremdsprache einigermaßen angemessen ausdrücken zu können.“ (Storch 2011: 217) Nun stellt sich die Frage, ob Fremdsprachenlerner nach dem Spracherwerb die kommunikative Kompetenz haben, die von ihnen im Alltag und im Beruf erwartet wird. So definieren Henrici und Riemer die kommunikative Kompetenz: „ Zur kommunikativen Kompetenz gehört die Fähigkeit, sich auf die Kommunikationssituation und auf den Kommunikationspartner einzustellen, eine Kommunikationsabsicht zu entwickeln und einen Kommunikationsplan zu erstellen, wie man seine Intentionen erreichen will“.

„Früher glaubte man, daß Lerner, die die Grammatik und den Wortschatz einer Fremdsprache beherrschten, in der Lage sein würden, diese Sprachelemente zu kombinieren, daß sie an einer Konversation teilnehmen könnten. Heute wissen wir, daß diese Annahme falsch war“. (Henrici/Riemer 1994: 63) Denn der Lernende muss hauptsächlich in der Lage sein, seine Wünsche und Absichten verbal ausdrücken zu können. Die Sprechfertigkeit wird zwar im Fremdsprachenunterricht gefördert, jedoch ist dabei wichtig, dass dies durch authentische Wege vermittelt wird. Der Lernende muss das Gelernte im Alltag nutzen können und ebenfalls frei sprechen können. Hierbei sind Aufgabenstellungen erforderlich, die das selbständige Lernen in den Vordergrund stellen, sich inhaltlich an den Lebenswelten der Lerner orientieren und sie damit in die Lage versetzen, im Unterricht in möglichst authentischen Situationen zu interagieren (URL: Goethe-Institut; Graßmann; Kaufmann 2008: 13f.). Es stellt sich die Frage, inwiefern das Auswendiglernen im Fremdsprachenunterricht fördernd ist, worauf ich im Folgenden zum Teil eingehen werde.

Der Schwerpunkt meiner Hausarbeit liegt auf der Förderung der mündlichen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht. Da die Förderung ein Teilgebiet der Sprechfertigkeit ist, möchte ich die Sprechfertigkeit Revue passieren lassen und dann auf die Förderung eingehen. Ich werde die zwei Haupttechniken der Sprechfertigkeit einführen, diese sind einmal das „dialogische Sprechen“ und das „monologische Sprechen“. Hieraus ergibt sich die Frage, durch welche Mittel die Förderung der mündlichen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht erfolgt und damit einer Steigerung der Sprachpraxis dienen kann. So wie es Faktoren gibt, die das Sprechen fördern, so gibt es auch Faktoren, die es hemmen. Diese Hemmungen können individuell, aber auch kulturell bedingt sein. Dieses Thema möchte ich in meiner Hausarbeit auch deswegen anbringen, weil ich es als erforderlich betrachte, Faktoren der Förderung sowie dessen Hemmungen gegenüberzustellen.

Durch die Hospitation in einem Allgemeinen Integrationskurs konnte ich die Sprachvermittlung beobachten. Insbesondere habe ich mir die Förderung der mündlichen Kommunikation beobachtet. Dabei habe ich zwei Techniken der Vermittlung festgestellt, diese ich in der vorliegenden Hausarbeit herausgearbeitet habe. Die von mir besuchte Sprachinstitution werde ich nicht vorstellen sowie Informationen über den besuchten Sprachkurs nicht beachten, da ich mich hauptsächlich auf den Unterrichtsverlauf konzentrieren möchte. Zuletzt folgt noch die Erläuterung des Unterrichtsprotokolls, wobei ich den von mir beobachteten Kurs anhand von herausgearbeitetem Thema der Hausarbeit in Bezug setzen werde.

2. Förderung der mündlichen Kommunikation im FSU

2.1 Sprechfertigkeit

„Das Sprechen gehört neben dem Hören, Lesen und Schreiben zu den klassischen ‚vier Fertigkeiten‘, die im Sprachunterricht ausgebildet werden sollen“ (Krumm et al. 2010: 983), jedoch „gilt [d]as Sprechen […] [heutzutage] als eine der wichtigsten Zieltätigkeiten (Fertigkeiten)“ (Henrici/Riemer 1994: 53) im Fremdsprachenunterricht. Gemeinsam mit dem Schreiben wird das Sprechen den produktiven bzw. aktiven Fertigkeiten [Hervorhebung im Original] zugerechnet, denen die rezeptiven bzw. passiven Fertigkeiten [Hervorhebung im Original] Hören und Lesen gegenübergestellt werden (Krumm et al. 2010: 983).

Die in den 60er/70er Jahren aktuellen audio-lingualen sowie audiovisuellen Methoden, die durch ständige Wiederholungen (Pattern Drill) von musterhaften Satz- und Strukturmodellen (Patterns) funktionieren und daraufhin „zu festen Gewohnheiten automatisiert werden“ (Henrici/Riemer: 1994: 54), erfüllen nicht die Bedingungen der zu erwartenden mündlichen Kompetenz der Fremdsprachenlerner. Der kommunikative Fremdsprachenunterricht fordert viel mehr als das Auswendiglernen von Dialogen, denn es hat sich gezeigt, dass dieser Ansatz keine Erfolge brachte. In der Literatur wird häufig festgestellt, dass mitteilungsbezogene Kommunikation im Fremdsprachenunterricht oft nicht berücksichtigt wird (Storch 1999: 216). Der Grund ist u.a. darin zu sehen, dass die Forderung nach einem möglichst intensiven freien Gebrauch der Sprache im Unterricht auf viele Schwierigkeiten stößt, z.B. die kommunikative Künstlichkeit und Unnatürlichkeit der Unterrichtssituation (ebd.: 216-217) Das Ziel des Unterrichts ist die Fähigkeit und Bereitschaft zur sprachlichen Kommunikation, indem Lernende im Unterricht „immer wieder die Gelegenheit erhalten, sich spontan und frei in der Fremdsprache zu äußern“ (ebd.: 217). Ebenfalls ist „ist das Sprechen ein wesentliches Mittel zur Aneignung der fremden Sprache“ (Henrici/Riemer 1994: 53), somit wird die Wichtigkeit der Sprechfertigkeit im Fremdsprachenunterricht nochmal hervorgehoben.

2.2 Übungen

„Eine Sprache kann einwurzeln, wenn sie als Mittel zur Weltbemächtigung erlebt wird“ (Storch 1999: 216), so stellt Storch fest, dass Fremdsprachenlerner in die Lage versetzt werden sollen, in der sie Situationen sprachlich angemessen bewältigen können. Somit lässt sich daraus schließen, dass „optimale Lernbedingungen […] überall dort [herrschen], wo die Lernenden die Zielsprache extensiv unter möglichst authentischen Bedingungen zu Zwecken der ‚Weltbemächtigung‘ verwenden können“ (ebd.). In gleicher Weise heißt es, dass „ [d]ie Übungssituationen […] grundsätzlich den Realsituationen so ähnlich wie möglich sein [sollten]“ (Berthold 1997: 11). Zudem sollen „Übungen im mündlichen Gebrauch der Sprache […] möglichst in einen situativen Zusammenhang gestellt werden“ (Henrici/Riemer 1994: 67), um dadurch „Praxisnähe und Verständlichkeit [zu] erhöhen“ (ebd.). Aufgrund dessen steigt die Sprechmotivation und alle echten oder relativ echten Gesprächssituationen sind im Unterricht zu nutzen (ebd.). „Oft wird auch kritisiert, dass sprachliches Handeln im Fremdsprachenunterricht zu künstlich ist und nur selten Merkmale authentischer Kommunikation aufweist“ (Storch 1999: 232). Lehrbuchdialoge und mündliche Äußerungen von Lernenden klingen im Gegensatz zu authentischem Sprechen oft steril und unnatürlich (ebd.). Bolte ist der Meinung, dass „in vielen Lehrbuchdialogen der gesamte Gesprächsaufbau und die dafür erforderlichen Redemittel häufig unzulänglich wiedergegeben [werden]“ (Storch 1999: 232; zit. n. Bolte 1996: 11).

Im Folgenden werde ich die zwei wichtigen Techniken der Sprechfertigkeit vorstellen, das monologische sowie das dialogische Sprechen im Fremdsprachenunterricht. Diese sind deswegen sehr fördernd, weil „[m]ündliche Stilübungen […] die Wahrnehmungsfähigkeit für sprachlichen Ausdruck schärfen und die Ausdrucksfähigkeit steigern“ (Berthold 1997: 54)

Beim dialogischen Sprechen spielen die Interaktion und die sprachlichen Reaktionen auf den Kommunikationspartner eine wichtige Rolle, was eine gewisse Spontaneität im sprachlichen Handeln erfordert. Beim monologischen Sprechen ist hingegen die gut strukturierte und zusammenhängende sprachliche Darstellung eines Sachverhalts wichtig; deshalb ist monologisches Sprechen oft auch stärker geplant. (Storch 1999: 234)

2.2.1 Dialogisches Sprechen

„Im Anfängerunterricht wird vor allem das situationsbezogene dialogische Sprechen […] gefördert“ (Storch 1999: 220), denn „[d]ialogische Lerntexte eignen sich besonders im Anfangsunterricht gut als Ausgangspunkt zur Förderung der Sprechfertigkeit“ (ebd.). Ein zentrales Ziel des DaF-Unterrichts besteht darin, den Lernenden Redemittel für die angemessene Versprachlichung von Sprechintentionen zu vermitteln: wie man sich begrüßt, nach dem Befinden fragt, Zweifel ausdrückt usw. (ebd.) Nach Henrici und Riemer stellen „diese einzelnen Abschnitte […] Bausteine dar, die wegfallen oder durch andere ersetzt werden können“(Henrici/Riemer 1994: 67). Der Lernende muss möglichst viele dieser Bausteine beherrschen, um seine kommunikative Kompetenz erweitern zu können. Zudem ist es wichtig, dass „[d]ie Dialoge […] in angemessener vereinfachter Form das Sprachmaterial enthalten, das man benötigen würde, um Alltagssituationen in der außerschulischen Wirklichkeit zu bewältigen“ (ebd.: 68). Denn Ziel dabei ist es, die Lerner zu befähigen, die verschiedensten kommunikativen Absichten zu verwirklichen (ebd.: 73. Hierbei ist es sehr wichtig, dass „situationsadäquates Sprachmaterial“ (ebd.) ausgewählt wird, „ das in Alltagssituationen gebraucht werden könnte, ausgewählt wird“ (ebd.). Storch ist ebenfalls der Auffassung, dass auf diese Art und Weise den Lernenden die Funktion der Redemittel bewusst gemacht wird und somit zugleich ihr Gebrauch geübt werden kann (Storch 1999: 221). Ein angemessenes sprachliches Verhalten im Alltag setzt die Beherrschung solcher Redemittel voraus, die der Muttersprachler schon quasi automatisch verwendet. Redemittel versprachlichen verschiedene Redeintentionen, deshalb müssen diese im Unterricht systematisch vermittelt und intensiv geübt werden. Lehrbücher ermöglichen eine direkte Verbindung zur Sprachverwendung, da in diesen Auflistungen von Redemitteln nach Redeintentionen geordnet sind (ebd.). Die Lernenden sollen „angemessene Redemittel verwenden“ (Storch 1999: 232), dadurch werden „der Wortschatz und die interaktiven Redemittel eingeübt und allmählich in den freien sprachlichen Ausdruck überführt“ (ebd.).

Da authentische Kommunikation in der Fachdidaktik aus kommunikativen, motivationalen und spracherwerblichen Gründen als sehr wichtig für das Sprachenlernen betrachtet wird, muss das authentische dialogische Sprechen frühzeitig im Unterricht geübt werden (ebd.: 230). Authentisches dialogisches Sprechen findet überall dort statt, wo die Lernenden untereinander oder mit dem Lehrer als sie selbst [Hervorherbung im Original] sprachlich interagieren (ebd.). Denn „[i]ch-nahe und zeitnahe […] Themen eignen sich besonders gut für […] Anfangsübungen“ (Berthold 1997: 58). Bei solchen Themen haben die Lernenden kaum Schwierigkeiten, Redestoff zu finden. Ich-nahe Themen und Selbstdarstellung werden im Allgemeinen als angenehm empfunden und bauen Ängste ab (ebd.).

Der Grund, weshalb die kommunikative Kompetenz im Fremdsprachenunterricht nicht effektiv erworben wird, ist „die Unnatürlichkeit unterrichtlichen Sprechens“ (Storch 1999: 232; zit. n. Bolte 1996: 11). Sprachliche Aufgaben sind im Unterricht oft nicht zielgerichtet und stellen keinen echten Informationsaustausch dar. „Die simulierte Wegauskunft z.B. sei so lange unnatürlich, wie beide Sprecher denselben Stadtplan vor sich hätten und somit dem Fragenden die Lage des erfragten Gebäudes bekannt sei.“ (ebd.)

2.2.2 Monologisches Sprechen

Im DaF-Unterricht wir freieres monologisches Sprechen hauptsächlich im Fortgeschrittenenunterricht gefördert, da es sich dabei um themenbezogene Äußerungen handelt, in denen Sachverhalte dargestellt werden sowie auch mittels dessen Meinungsäußerung und – Erörterung, Stellungnahme usw. vermittelt werden kann. (Storch 1999: 235) „Das monologische Sprechen dient in der sprachlichen Kommunikation zur Weitergabe zusammenhängender Informationen, die entweder vom Kommunikator übernommen worden sind oder als Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der außersprachlichen Umwelt von ihm selbst sprachlich produziert werden.“ (Storch 1999: 234; zit. n. Hellmich 1977: 328)

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Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668223455
ISBN (Buch)
9783668223462
Dateigröße
922 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323114
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Universität Bielefeld
Note
2,0
Schlagworte
DAF Sprachförderung Spracherwerb Fremdsprachenerwerb Kommunikation

Autor

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Titel: Sprechfertigkeit. Förderung der mündlichen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht