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Hunde im Ersten Weltkrieg. Bedeutung, Rollen und Funktionen

Hausarbeit 2015 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Auswahl der Hunde

3. Ausbildung und Vorbereitung auf den Kriegsdienst

4. Aufgaben, Rollen und Funktionen an der Front

5. Der Verbleib der Hunde nach Kriegsende

6. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bisher war die Betrachtung von Tieren in den Geschichtswissenschaften ein eher exotischer Themenkomplex, welchem auch eher weniger Bedeutung beigemessen wurde. Da Tiere den Menschen allerdings stets begleitet haben und immer noch begleiten und gerade auch in Kriegszeiten eine wichtige Rolle gespielt haben, ist diesem Themenkomplex deutlich mehr Bedeutung zuzumessen. Schon aus der Antike sind berühmte Feldzüge bekannt, die ohne den Einsatz von Tieren so wahrscheinlich nicht möglich gewesen wären. Man denke hier zum Beispiel an Hannibals Feldzug im Zweiten Punischen Krieg, für den er mit Elefanten und 4000 Reitern die Alpen überquerte1.

Tiere spielen für den Menschen schon immer eine wichtige Rolle. 1984 stellte Edward O. Wilson in diesem Zusammenhang die Biophilie-Hypothese auf.2 „Menschen haben über 99% ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung in engem Kontakt zu Natur und Tieren gelebt und es ist ihnen ein Bedürfnis, Kontakt, ja sogar Beziehungen zu Tieren, herzustellen […] Die biophile Veranlagung des Menschen hat ihm möglicherweise einen Überlebensvorteil eingebracht […].“3 Dieser Überlebensvorteil gründet sich auf neun Aspekten, die 1993 von Kellert herausgestellt wurden. Der utilitaristische Aspekt beschreibt eine nützliche Verbundenheit, da Tiere beispielsweise als Nahrungsquelle dienen oder zur Nahrungsbeschaffung beitragen können. Nach dem naturalistischen Aspekt bringt eine natürliche Verbundenheit zwischen Mensch und Tier Entspannung. Durch die Analyse von Tieren und deren Leben wird Wissen geschaffen, was durch den ökologisch- wissenschaftlichen Aspekt beschrieben wird. Der humanistische Aspekt beschreibt eine tief erlebte emotionale Verbundenheit mit Tieren. Durch den moralischen Aspekt werden Ehrfurcht und Verantwortungsgefühl des Menschen angesprochen. Die Beherrschung der Natur drückt sich durch den Dominanz-Aspekt aus. Im negativistischen Aspekt manifestiert sich eine Angst vor bestimmten Aspekten der Natur. Schließlich gibt es auch noch einen ästhetischen und einen symbolischen Aspekt. Die dargestellte Hypothese zeigt verschiedene Gründe auf, warum Tiere im Leben von Menschen eine wichtige Rolle einnehmen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch oder sogar gerade in Kriegszeiten Tieren ebenfalls viel Bedeutung beigemessen wird und sie mit wichtigen Aufgaben betraut wurden. Im Krieg wurden verschiedenste Tiere für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt und ihnen kamen diverse Rollen zu, auf die im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch eingegangen werden soll.

Die erste Tiere, die Anerkennung und Verwendung im Kriegsdienst fanden, waren Pferde, Ponys, Esel und Maultiere, da sie schwere Lasten tragen konnten und den Soldaten im Kriegsgeschehen erhebliche Vorteile brachten. Auch als die Kriegsführung moderner wurde, wurden weiterhin Tiere als Lastentiere in unwegsamen Gelände oder als Reittiere eingesetzt, da dies für die damaligen Soldaten noch immer praktischer und günstiger war.4

Es dauerte allerdings nicht lange, bis eine Vielzahl anderer Tierarten neben dem bereits erfolgreich eingesetzten Pferd ebenfalls in den Kriegsdienst genommen wurden. Als Maskottchen begleiteten bereits vorher einige Tiere ihre Regimente auf Paraden. Doch bald wurden auch weitere Tierarten für den Krieg eingesetzt, die Loyalität, gute Arbeitseigenschaften und freiwillige Tapferkeit in der Arbeit mit den Soldaten zeigten.5

Zu den im Krieg häufig eingesetzten Arten gehört auch der Hund. Der erste Hund im Krieg, der die Aufmerksamkeit der britischen Bevölkerung auf sich lenkte, war ein Foxterrier namens Dick, der während des Angriffs der Zulu-Krieger 1879 tapfer an der Seite des Wundarztes Reynolds blieb.6

Auch im Ersten Weltkrieg spielten Tiere weiterhin entscheidende Rollen und erfüllten wichtige Funktionen, obwohl die Kriegsführung moderner geworden war und Tiere außer als Lastenträger in den Planungen der Armeeführungen nicht mehr vorgesehen waren.7

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Hunden im Ersten Weltkrieg und beschreibt das Leben der Kriegshunde von der Auswahl über den Kriegsdienst bis zum Kriegsende und ihrem Verbleib danach. Die Bedeutung von Hunden im Ersten Weltkrieg wird stark unterschätzt. Keine andere Spezies konnte so vielfältig eingesetzt werden.8

Die Arbeit gliedert sich in Vorbereitung auf den Krieg, Kriegsdienst an der Front und Kriegsende. Darüber hinaus wird ebenfalls der Verbleib der Hunde nach dem Kriegsdienst untersucht. Zunächst soll demnach die Auswahl der Hunde für den Krieg betrachtet werden. Im Anschluss werden Ausbildung und Vorbereitung vor dem eigentlichen Kriegsdienst näher beleuchtet. Anschließend rücken die Rollen und Funktionen an der Front in den Fokus. Interessant ist ferner auch der Verbleib der Hunde nach Kriegsende, welcher anschließend Berücksichtigung findet. Interessant ist auch das Verhältnis der Menschen zu den Hunden in Kriegszeiten, weshalb dieser Aspekt in den einzelnen Kapiteln ebenfalls untersucht wird. Abschließend werden die wichtigsten gewonnenen Erkenntnisse und Aspekte noch einmal resümiert und zusammengefasst und ein Fazit gezogen. Darüber hinaus wird es noch einen Forschungsausblick geben.

Als Quelle dient eine anonyme Anleitung zur Verwendung von Meldehunden, die vom Chef des Nachrichtenwesens im November 1917 ausgegeben wurde.

Darüber hinaus sind vor allem die Arbeiten Tiere im Ersten Weltkrieg von Rainer Pöppinghege und Tommy’s Ark. Soldiers and their animals in the Great War von Richard van Emden und die von Neil R. Storey, einem englischen Sozial- und Militärhistoriker, verfasste Arbeit Animals in the First World War interessant. Ebenfalls berücksichtigt wird das zeitgenössische Werk British War Dogs von Edwin Hautonville Richardson, welcher der Gründer der British War Dog School war und während des Krieges zahlreiche Erfahrungen mit Kriegshunden und deren Ausbildung machte. Des Weiteren finden einige Zeitungs- und Onlineartikel zum Thema Berücksichtigung.

2. Auswahl der Hunde

Im Ersten Weltkrieg, der als erster industrieller und moderner Krieg bekannt wurde, waren ursprünglich von den meisten Armeeführungen keine Tiere außer als Lastenträger mehr vorgesehen. „Zu verlockend waren die technischen Möglichkeiten, die Militärangehörige immer schon fasziniert hatten.“9 Schon bald musste man allerdings einsehen, dass die technische Ausstattung bei Weitem noch nicht in ausreichendem Maß vorhanden war und auch noch nicht zuverlässig genug funktionierte, weshalb man wieder auf tierische Eigenschaften zurückgriff.10

Die Tiere, die im Krieg eingesetzt werden sollten, mussten ganz besondere Anforderungen erfüllen, um mit dem harten Kriegsalltag und den Bedingungen an der Front umgehen zu können. So wurden auch die eingesetzten Hunde nach strengen Kriterien ausgewählt. Nur geeignete Hunde, die dem Anforderungsprofil in hohem Maße entsprachen, fanden Verwendung im Kriegsdienst.

Die am Krieg beteiligten Staaten konnten bei Ausbruch des Krieges nur geringe Bestände an ausgebildeten Hunden für den Krieg vorweisen. Nur das Deutsche Reich konnte auf eine feste Anzahl trainierter Polizeihunde zurückgreifen, so dass ein gewisser Bestand für den Krieg gesichert war. In Großbritannien und Frankreich gab es 1914 so gut wie keine ausgebildeten Hunde für militärische Zwecke.11 Ironischerweise kaufte die deutsche Heeresführung einige Hunde geeigneter Rassen aus Großbritannien und hatte somit bei Kriegsausbruch 6000 Hunde bereit für den militärischen Einsatz.12

Die Hunde wurden hauptsächlich als Melde-, Schutz- und Wachhunde ausgebildet. Es gab aber auch Rettungs- und Zughunde. Sie wurden vor allem wegen ihrer bedingungslosen Loyalität, ihrer Entschlossenheit und ihrer Tapferkeit geschätzt. Jeder tierische Rekrut wurde sorgfältig getestet, tierärztlich untersucht und dann entschieden, ob er sich für eine der oben genannten Aufgaben eignete. Zunächst wurden die Hunde nach Größe, Stärke und Körperbau selektiert, da sie für den Dienst an der Front vor allem auch physisch besondere Anforderungen erfüllen mussten. Vorausgesetzt wurden Wendigkeit, Schnelligkeit und Ausdauer. Auch ein wärmendes Fell war zwingende Voraussetzung für die Kriegshunde, da sie mit jeglichen Witterungsbedingungen zurechtkommen mussten. Zudem wurde neben der weiteren Ausbildung und Gewöhnung an Gewehr- und Artilleriebeschuss eine gewisse Schussfestigkeit von vornherein vorausgesetzt. Hunde, die schnell zu Panik neigten, wurden direkt aussortiert. Rasch zeichnete sich eine Tendenz ab, welche Hunderassen am besten dem Anforderungsprofil entsprachen. Die bevorzugten Rassen unterschieden sich jedoch in den einzelnen Nationen, was auf Zuchtvorlieben in der Vorkriegszeit zurückzuführen ist. Schäferhunde und Dobermänner wurden von allen Armeen gleichermaßen geschätzt und eingesetzt. Im Deutschen Reich wurden neben dem Schäferhund vor allem Pudel und Schnauzer eingesetzt, die wiederum bei den Engländern eher unbeliebt waren. In Großbritannien wurden vornehmlich Hütehunde, Airedale Terrier und Lurcher, eine Kreuzung aus Windhunden und Terriern oder Hütehunden, eingesetzt. Dort wurden die Hunde zunächst aus Tierheimen ausgewählt. Da jedoch wider Erwarten mehr Hunde benötigt wurden, wurden schon bald Aufrufe an Polizeireviere im ganzen Land gestartet, um herrenlose Hunde verschiedener Rassen für den Kriegsdienst zu rekrutieren. Schon bald darauf rief das Kriegsministerium auch die zivile Bevölkerung auf, ihre Familienhunde der Armee als Geschenk zu übersenden. In den militärischen Hundeschulen angekommen wurden die Hunde auf ihre Eignung für eine der Aufgaben, für die sie eingesetzt werden sollten, überprüft. Entsprachen sie den Kriterien nicht, wurden sie wieder dorthin zurück geschickt, wo sie herkamen.13

Ebenfalls bevorzugt wurde eine dunklere Fellfärbung, da diese sich besser in die Umgebung einfügte und damit von Feinden nicht so schnell wahrgenommen wurde.14

Im Deutschen Reich wurden als Meldehunde vor allem „Deutsche Schäferhunde, Dobermannpinscher, Airedale-Terriers und Rottweiler“15 eingesetzt.

[...]


1 Vgl. Neil R. Storey: Animals in the First World War, Oxford/New York 2014, S. 5.

2 Vgl. Lydia Agsten: HuPäSch: Hunde in die Schulen - und alles wird gut!?, Norderstedt 2009, S. 31.

3 Andrea Beetz: Hunde im Schulalltag. Grundlagen und Praxis, München 22013, S. 90.

4 Vgl. Neil R. Storey: Animals in the First World War, S. 5.

5 Vgl. Neil R. Storey: Animals in the First World War, S. 7.

6 Vgl. ebd.

7 Vgl. Rainer Pöppinghege: Tiere im Ersten Weltkrieg. Eine Kulturgeschichte, Berlin 2014, S. 31.

8 Vgl. Rainer Pöppinghege: Tiere im Ersten Weltkrieg, S. 82.

9 Rainer Pöppinghege: Tiere im Ersten Weltkrieg, S. 31.

10 Vgl. ebd.

11 Vgl. Rainer Pöppinghege: Tiere im Ersten Weltkrieg, S. 43.

12 Vgl. Neil R. Storey: Animals in the First World War, S. 36.

13 Vgl. Neil R. Storey: Animals in the First World War, S. 36-40 und Rainer Pöppinghege: Tiere im Ersten Weltkrieg, S. 44 f. und 47-49.

14 Vgl. Richard van Emden: Tommy’s Ark. Soldiers and their Animals in the Great War, London 2010, S. 216.

15 (Anonym), Die Verwendung der Meldehunde, ausgegeben mit Genehmigung des Chefs des Generalstabes des Feldheeres vom Chef des Nachrichtenwesens, November 1917, http://wk1.staatsarchiv.at/kriegsalltag/tiere-im-krieg/ (19.08.2015), S. 5.

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668223783
ISBN (Buch)
9783668223790
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323258
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
10
Schlagworte
Hunde Tiere Krieg Funktionen

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Titel: Hunde im Ersten Weltkrieg. Bedeutung, Rollen und Funktionen