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Stoa und Epikur. Ein Vergleich ausgewählter Aspekte

Hausarbeit 2006 10 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Philosophien
2.1 Stoa
2.2 Epikureismus

3. Tertium comparationis
3.1 Ethik: Gleiches Interesse aber unterschiedliche Grundannahmen
3.2 Das höchste Gut und dessen Begründung
3.3 Der Weise: Gemeinsamkeit
3.4 Das richtige Handeln
3.5 Die Götter
3.6 Der Tod

4. Zusammenfassung

5. Literatur

1. Einleitung

Die Philosophie der Stoiker und die der Epikureer gehören zum Bereich der hellenistischen Philosophie, die in etwa von Alexander dem Großen bis zum Kaiserreich des Augustus reicht. Somit liegen diese Philosophischen Richtungen bereits mehr als 2000 Jahre zurück, dennoch besitzen sie immer noch eine starke Aktualität. Dies liegt daran, dass sie den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung setzten und für ihn, als Individuum, Gesetze schafften. Epikur und die Stoiker schafften es, Antworten auf die Fragen der Zeit zu geben. Es ging ihnen um die Kunst, ein gutes Leben zu führen. Das glückliche Leben sei Folge einer gewissen Diätetik und Selbstbeherrschung. Es wurden weniger die großen Fragen wie das Streben nach Ruhm, Wahrheit und Schönheit diskutiert, sondern praktische Hinweise gegeben, wie ein ausgeglichenes Leben zu führen sei (vgl. Ruffing, 2004, S. 60f.).

Es ist bekannt, dass sich die Stoiker und Epikureer als Widersacher sahen. In der folgenden Arbeit soll nun zuerst ein kurzer Überblick über die beiden Philosophien gegeben werden und danach auf einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Philosophien eingegangen werden. Im Anschluss daran folgt eine kurze Zusammenfassung mit den Ergebnissen dieser Arbeit.

2. Philosophien

2.1 Stoa

Begründer der Stoa war Zeno von Citium. Er begann um 300 Vorlesungen in der Stoa Poikile, der bunten Säulenhalle, zu halten. Nach diesem Standort wurde die Schule und die Lehre benannt.

Die Stoiker waren der Überzeugung, dass es dem Menschen möglich sei, sich von falschen Werten ganz zu befreien durch die sittliche Vernunft, die die Triebe kontrollieren sollte. Das Glück, also die Eudaimonia ist in der Tugend zu finden, denn ein tugendhaftes Leben befreit einen von allen Bedürfnissen des Lebens (apatheia) und führt so letztlich zur Glückseeligkeit. Um dies zu erreichen ist die vernünftige Einsicht nötig (vgl. HOSSENFELDER, 1985, S.44f).

2.2 Epikureismus

Epikur wurde ca. 341 auf der Insel Samos geboren. Mit Anfang 30 begann er in Athen zu lehren. Er kaufte dort ein Haus mit Garten in dem er bis zu seinem Tod (271) lehrte. Epikur selbst genoss die fast göttliche Verehrung seiner Anhänger. Seine Schüler schworen Epikur zu gehorchen und ganz nach seinen Vorschriften zu leben. Seine Grundlehre wurde deshalb in Katechismen zusammengefasst und musste auswendig gelernt werden. Die Lehre des Epikur ist über die ganze Zeit des Bestehens gleich geblieben, so dass es im Epikureismus, nicht wie in der Stoa, verschiedene Epochen gibt.

Epikur geht von den denselben Voraussetzungen wie die Stoiker aus. Ihm geht es auch um die Entwertung alles Unverfügbaren. Jedoch glaub er nicht, dass alle falschen Wertungen durch die Vernunft beseitigt werden können, sondern er gesteht ein, dass es unvermeidbare Wertungen gibt, von denen man sich nicht befreien kann nämlich in den Gefühlen der Lust und Unlust. Er möchte diese unfreiwilligen Wertungen in seiner Lehre begründen und rechtfertigen (vgl. HOSSENFELDER, 1985, S.100ff).

3. Tertium comparationis

Im Folgenden sollen nun die beiden Philosophien unter den Punkten Ethik, das höchste Gut und dessen Begründung, der Weise, das richtige Handeln, die Götter und der Tod miteinander verglichen und so Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufgezeigt werden.

3.1 Ethik: Gleiches Interesse aber unterschiedliche Grundannahmen

Sowohl den Stoiker, als auch den Epikureer geht es in ihrer Ethik um die „Entwertung alles Unverfügbaren“ (Hossenfelder, 1985, S. 102). Beide gehen davon aus, „daß es dem Menschen grundsätzlich möglich sei, sich von allen falschen Wertvorstellungen vollständig zu befreien“ (Hossenfelder, 1985, S. 45). Jedoch gehen die Philosophien von unterschiedlichen Voraussetzungen aus; während die Stoiker die Lösung in „der Herrschaft der sittlichen Vernunft über die Triebe“ (Hossenfelder, 1985, S. 45) sehen, haben die Epikureer eine realistischere Einschätzung der menschlichen Möglichkeiten, da sie glauben, dass es unvermeidbare Wertungen gibt, von denen wir uns nicht befreien können, auch nicht mit Hilfe der Vernunft; nämlich in den Gefühlen der Lust und der Unlust (vgl. Hossenfelder, 1985, S. 102) .

3.2 Das höchste Gut und dessen Begründung

Sowohl die Stoiker, als auch die Epikureer strebten nach einem Leben in vollkommener Glückseligkeit an (vgl. Hossenfelder, 1985, S. 47). Um diesen Zustand zu erreichen, hatten sie unterschiedliche Wege. Die Stoiker setzten dafür die Notwendigkeit voraus, dass man mit sich selbst in Einklang lebt. Dafür müssen „das Wollen und Können“ (Hossenfelder, 1985, S. 46) in Einklang stehen. D. h. man soll sich nur solche Zwecke setzten, von denen man sicher sein kann, dass man sie auch erreichen kann. Erst wenn dies erreicht ist, tritt jener Friede ein, der das Glück ausmacht (vgl. Hossenfelder, 1985, S. 46). Aus diesem Grundsatz leitet Zenon folgende Grundformel ab: “Damit wir können, was wir wollen, müssen wir wollen, was wir können“ (Hossenfelder, 1985, S. 46). Erreicht im Umkehrschluss, der Mensch seine Zwecke nicht, so wird er unglücklich, da sich dadurch die Spannung des Strebens sich nicht lösen kann und der Mensch dadurch innerlich erregter und aufgewühlter wird. Die Stoiker fassten diesen Zustand mit dem Begriff „Affekt“. Die angestrebte Glückseligkeit bestand somit für sie in der Apathie, der Affektfreiheit (vgl. Hossenfelder, 1985, S. 46). Um sämtliche Affekte zu vermeiden und somit die Apathie zu gewährleisten bedarf es tugendhaftes Leben. Unter dem Wesen der Tugend verstanden die Stoiker die Beherrschung des Affekts durch die Vernunft (vgl. Hossenfelder, 1985, S. 47).

Die Epikureer sehen die Glückseligkeit darin, dass man sich in einem Zustand der Lust befindet und somit frei von Unlust ist (vgl. Hossenfelder, 1985, S. 102). Epikur unterscheidet zunächst die beiden Zustände und setzt sie nicht gleich. Er vergleicht die Zustände mit den Zuständen des Meeres, wobei dem sturmgepeitschten Meer die Unlust und der glatten Dünung die Lust entspricht. Es handelt sich zwar beides Mal um Lust, aber im einen Fall um Lust in Bewegung, im anderen um zuständliche Lust (vgl. Hossenfelder, 1985, S. 102f). Somit hätte man aber zwei höchste Güter, die Lust und die Unlustfreiheit. Epikur gelingt es aber, die beiden Begriffe wieder zu vereinen, indem er klar macht, was er unter Lust versteht: „Lust ist gleich Seelenruhe und damit gleich Freiheit von Unlust“ (Hossenfelder, 1985, S. 105). Aus dieser Aussage lässt sich erahnen, dass die beiden Philosophien gar nicht so weit auseinander liegen, wie man zunächst annimmt. Verstärkt wird diese These bei der Betrachtung der praktischen Konsequenzen und der Lebensregeln der epikureischen Philosophie, da „sie sich von denen der lustfeindlichen Stoikern fast gar nicht unterscheiden, dass nur ihre Begründung eine andere ist“ (Hossenfelder, 1985, S. 104). Im Gegensatz zu den Stoikern schließt Epikur die Vernunft zur Schaffung von absoluten Werten aus. Nach ihm haben „die Gefühle der Lust und der Unlust unmittelbare Wertungen, die jedermann vollzieht und die er nicht vermeiden kann. Sie lassen sich in ihrer Unmittelbarkeit durch keine Vernünftelei beseitigen“ (Hossenfelder, 1985, S. 104). Die Vernunft kann zwar einen Wert aus einem anderen ableiten, aber sie kann keine absoluten Werte schaffen - dies kann nur die Sinnlichkeit (vgl. Hossenfelder, 1985, S. 105).

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Details

Seiten
10
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783668224469
ISBN (Buch)
9783668224476
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323426
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Institut für Sportwissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
Ethik Philosophie Stoa Epikur Stoiker Epikuräer

Autor

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