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Das Interview als qualitative Erhebungsmethode

Hausarbeit 2015 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Methoden und Forschungslogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 DAS INTERVIEW
2.1 INTERNE FAKTOREN EINES INTERVIEWS
2.1.1 Form des Interviews
2.1.2 Die Interviewdurchführung
2.2 EXTERNE FAKTOREN EINES INTERVIEWS
2.2.1 Rolle des Interviewers
2.2.2 Rolle des Befragten
2.2.3 Einfluss der Befragungsumfeld

3 VOR- UND NACHTEILE DES INTERVIEWS ALS QUALITATIVE ERHEBUNGSMETHODE
3.1 VORTEILE DES INTERVIEWS ALS QUALITATIVE ERHEBUNGSMETHODE
3.2 NACHTEILE DES INTERVIEWS ALS QUALITATIVE ERHEBUNGSMETHODE

4 FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Verteilung der quantitativen Interviews der deutschen Marktforschungsinstitute in den Jahren von 2000 bis 2014 nach Befragungsart

1 Einleitung

„Es ist schon ein großer und nöthiger Beweis der Klugheit oder Einsicht, zu wissen, was man vernünftiger Weise fragen solle.“1

Immanuel Kant

Man unterscheidet in dem Erheben von Daten zwischen zwei Methoden, den qualitativen und den quantitativen Erhebungsmethoden. Die quantitativen Methoden sind darauf ausgerichtet möglichst viele Stichproben zu erheben, um somit ein empirisches Ergebnis zu erhalten und ein durchschnitts-Bild der Masse zu erzeugen. Die qualitativen Methoden befassen sich dahingegen eher individuell mit den Testpersonen um detailliertere Ergebnisse zu erhalten. Wie Salcher schon herausstellte beziehen sich „die Begriffe qualitativ und quantitativ dabei vor allem auf den Stichprobenumfang, der der jeweiligen Befragung zugrundegelegt wird.“2

In dieser Arbeit wird der Fokus auf die mündliche Befragung (das Interview) gesetzt, schriftliche Befragung sowie reine Computerbefragungen werden nicht berücksichtigt.3 Weitere qualitative Erhebungsverfahren sind Beobachtungen und Experimente, auf diese Methoden wird in dieser Arbeit unter Punkt 3 eingegangen.4

Ziel der Arbeit ist es herauszustellen welchen Wert das Interview als qualitative Erhebungsmethode repräsentiert. Dazu wird zu Beginn das Interview als solches mit seinen unterschiedlichen Formen und Einflüssen vorgestellt und erklärt, um anschließend die Vor- und Nachteile gegenüber zu stellen.

Auch wenn in dieser Arbeit die Rede von dem Interviewer oder dem Befragten ist, sind natürlich beide Geschlechter gleichermaßen bemessen.

2 Das Interview

Das Interview ist eine Befragungsform, und damit eine „Technik der Datenerhebung unter aktiver Mitarbeit von Auskunftspersonen, [mit der sich] nicht nur äußerlich sichtbare, sondern auch nicht sichtbare Sachverhalte der Gegenwart, der Vergangenheit und bedingt der Zukunft offenlegen.“5 Das Interview ist eine, im Regelfall, qualitative Erhebungsmethode, da sich intensiv mit Einzelfällen auseinandergesetzt wird und ein qualitativ wertvolles Ergebnis angestrebt wird. Es handelt sich hierbei um eine persönliche Befragung bei der die exakten Abläufe nicht vorformuliert sind. Die befragte Person wird von einem Interviewer mittels gezielten Fragen zum freien Erzählen bewegt.6

Abbildung 1 Verteilung der quantitativen Interviews der deutschen Marktforschungsinstitute in den Jahren von 2000 bis 2014 nach Befragungsart7

Anhand der Statistik kann man den Rückgang der Persönlichen Interviews, sowohl analog als auch digital unterstützt, seit dem Jahr 2000 in Deutschland nachverfolgen. Die Online-Interviews hingegen wachsen in diesem Zeitraum stetig.

2.1 Interne Faktoren eines Interviews

Unter diesem Punkt wird sich mit Aspekten von Interviews befasst, die nicht Abhängig von Interviewer, Befragungsumfeld oder Befragten sind.

2.1.1 Form des Interviews

Grundsätzlich werden mehrere verschiedene Arten von Interviews durchgeführt. Sie unterscheiden sich in der Teilnehmerzahl, den technischen Hilfsmitteln oder der allgemeinen Durchführung. In der allgemeinen Durchführung unterscheidet man im Wesentlichen zwischen Tiefeninterviews und standardisierten Interviews, jedoch gibt es auch weitere Interviewformen.

Standardisiertes Interview

Ein standardisiertes Interview ist eine der am häufigsten durchgeführten Formen des Interviews. Ein Interviewer sitzt der zu befragenden Person, oder den zu befragenden Personen, gegenüber und konfrontiert diese mit einem bestimmten Thema. Es herrscht ein festes variationsloses Befragungsschema. Die Fragen in einem standardisierten Interview sind meist geschlossen und die Antwortmöglichkeiten können, je nach Art der Befragung, auch von dem Interviewer vorgegeben oder vorgeschlagen werden. Aufgrund der standardisierten abweichungsfreien Form, sowohl auf die Art der Fragestellung als auch auf die Antwortmöglichkeiten bezogen,8 bietet sich diese Form des Interviews besonders gut an, um Vergleiche bei empirischen Ergebnissen zu ziehen.9 Folglich bietet sich diese Methode für eine quantitative Erhebung an.10

Wenn ein standardisiertes Interview angepasst wird, um ein weniger geschlossenes Konstrukt und somit qualitativ wertvollere Ergebnisse zu erhalten, spricht man auch von teil- oder halbstandardisierten Interviews.11

Tiefeninterview

Anders als ein standardisiertes Interview soll ein Tiefeninterview in erster Linie qualitative Ergebnisse erbringen. Der Interviewer muss sich hier nicht ad hoc an eine feste Reihenfolge der Fragen halten und der Interviewte kann bei seinen Antworten umfassender ins Detail gehen.12 Wie der Name schon nahelegt wird in einem Tiefeninterview eine Thematik vertieft behandelt und intensiviert. Es wird gezielt nach den Konstellationen des Bekenntnisses gesucht und jedes Detail wird dokumentiert. Die Fragen des Interviewers sollen somit die Ursachen und Zusammenhänge von Gegebenheiten zu ergründen. Die Vorteile von Tiefeninterviews bestehen zum einen darin, dass gesellschaftlich umstrittene Themen und Fragen mit Vorsicht behandelt werden können und der Befragte langsam an das Thema herangeführt werden kann. Des Weiteren kann man mittels Tiefeninterviews auf tiefer liegende Erfahrungen und Meinungen der befragten Person zugreifen. In einer Interviewsituation kann es dazu kommen dass Testpersonen sich unter Druck gesetzt fühlen und gewichtige Fragen nur oberflächlich beantworten können. Der Interviewer hat hier die Gelegenheit näher auf den Befragten einzugehen und in Kooperation die Frage zu vertiefen.13

Ziel eines Tiefeninterviews ist „die Erhebung psychologischer, motivationaler Zusammenhänge“.14 Salcher definiert des Weiteren das Tiefeninterview als „ein langes und intensives Gespräch zwischen Interviewer und Befragtem über vorgegebene Themen, das der Interviewer in weitgehend eigener Regie so zu steuern versucht, dass er möglichst alle relevanten Einstellungen und Meinungen der befragten Person zu diesen Themen erfährt, auch wenn es sich um Aspekte handelt, die der befragten Person zu diesem Zeitpunkt selbst nicht klar bewusst waren.“15

Ebenfalls Salcher: „In seiner einfachsten Form ist das Tiefeninterview im Grunde nur eine erweiterte und intensivierte Warum-Frage, die über das Sammeln einfacher und beobachtbarer Verhaltensdaten hinausgeht und nach den Gründen für dieses konkrete Verhalten fragt.“16

Mehrpersonen-Interview / Gruppeninterview

Ein Interview von mehreren Personen zugleich empfiehlt sich dann, wenn die „Auskunftspersonen durch Diskussionen in der Gruppe dazu gebracht werden können, eigene Motive oder andere Verhaltensweisen offen zu legen, die man in der direkten Befragung nicht preisgeben würde.“17 Gruppeninterviews können im Anschluss an ein gemeinsames Erlebnis angeknüpft werden, so erhält man einen Erfahrungs- oder Meinungsschnitt der befragten Gruppe. Die Diskussion in der

Gruppe soll in „relativ kurzer Zeit ein möglichst breites Spektrum von Meinungen, Ansichten und Ideen von mehreren Personen (…) zutage fördern“.18 Der allgemeine Verlauf des Gruppeninterviews ist dem des Einzelinterviews gleich, es gibt einen Interviewer, der die Befragten dazu animiert ihre eigenen Erfahrungen preis zu geben. Anzahl der Befragten, Durchführungsort und -länge der Befragung sind bei dieser Form des Interviews variabel.

Telefoninterview

Der Grundlegende Unterschied von einem Telefoninterview zu einem herkömmlichen Interview findet sich darin, dass sich Interviewer und Testperson nicht sehen können und lediglich über einen Telefonapparat miteinander kommunizieren. Dies geschieht in der Regel entweder in der Privatwohnung oder am Arbeitsplatz der Testperson.19 Telefoninterviews sollen möglichst kurz und prägnant gehalten werden und sind auf etwa 10 bis 15 Minuten angesetzt.20 Für die telefonische Befragung gibt es mittlerweile vermehrt technische Hilfsmittel die bei der Interviewdurchführung behilflich sein können.21 Die Computer-Hilfen, unter dem Begriff CATI22 zusammengefasst, steuern viele parallel laufende Prozesse der Auswertung während des Telefoninterviews und sortieren die Telefonnummern der Zielpersonen.23

Über ein solches Interview lassen sich jedoch keine Produkte optisch präsentieren und längere Gespräche sind nur schwer durchzuführen.24 Aufgrund der vorrangig kurzen Befragungsdauer und des geringen Planungsaufwandes gewährt sich diese Methodik für empirische Befragungen und zählt somit in erster Linie zu den quantitativen Erhebungsmethoden.

[...]


1 Kant, Immanuel (1787): Kritik der reinen Vernunft, 2. Auflage, S.79

2 Salcher, Ernst F. (1995): Psychologische Marktforschung: (Marketing Management, Band 4), 2. Auflage, S.31

3 Siehe Abb. 3.2: Formen der Befragung in: Hammann, Peter; Erichson, Bernd (2006): Marktforschung: Grundwissen der Ökonomik. Betriebswirtschaftslehre, 4. Auflage, Stuttgart, S. 97

4 Vgl. Diller, Hermann (2007): Grundprinzipien des Marketings, 2. Auflage, Nürnberg, S.350 S. 1 / 16

5 Rogge, Hans-Jürgen (1992): Marktforschung: Elemente und Methoden betrieblicher Informationsgewinnung, 2. Auflage, S. 283

6 Berekoven, Ludwig; Eckert, Werner; Ellenrieder, Peter (2004): Marktforschung: Methodische Grundlagen und praktische Anwendung, 10. Auflage, Wiesbaden, S. 97

7 Statista (2016): Quantitative Marktforschungsinstitute - Befragungsformen bis 2014, http://de.statista.com/statistik/daten/studie/152363/umfrage/befragungsformen-der-marktforschungsinstitute- in-deutschland/, Abruf: 14.04.2016 S. 2 / 16

8 Salcher, Ernst F. (1995): Psychologische Marktforschung: (Marketing Management, Band 4), 2. Auflage, S.16

9 Hammann, Peter; Erichson, Bernd (2006): Marktforschung: Grundwissen der Ökonomik. Betriebswirtschaftslehre, 4. Auflage, Stuttgart, S. 99

10 Im Folgenden Vgl. Salcher, Ernst F. (1995): Psychologische Marktforschung: (Marketing Management, Band 4), 2. Auflage, S.28

11 Berekoven, Ludwig; Eckert, Werner; Ellenrieder, Peter (2004): Marktforschung: Methodische Grundlagen und praktische Anwendung, 10. Auflage, Wiesbaden, S. 101 S. 3 / 16

12 Vgl. Diller, Hermann (2007): Grundprinzipien des Marketings, 2. Auflage, Nürnberg, S.350

13 Vgl. Lamnek, Siegfried (1993): Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken, 2. Überarbeitete Auflage, Weinheim, S. 81 f.

14 Koch, Jörg (1997): Marktforschung: Grundlagen und praktische Anwendungen, 2. Auflage, München, S.62

15 Salcher, Ernst F. (1995): Psychologische Marktforschung: (Marketing Management, Band 4), 2. Auflage, S.34

16 Salcher, Ernst F. (1995): Psychologische Marktforschung: (Marketing Management, Band 4), 2. Auflage, S.28

17 Hammann, Peter; Erichson, Bernd. (2006): Marktforschung: Grundwissen der Ökonomik. Betriebswirtschaftslehre, 4. Auflage, Stuttgart, S. 351 S. 4 / 16

18 Berekoven, Ludwig; Eckert, Werner; Ellenrieder, Peter (2004): Marktforschung: Methodische Grundlagen und praktische Anwendung, 10. Auflage, Wiesbaden, S. 96; 98

19 Rogge, Hans-Jürgen (1992): Marktforschung: Elemente und Methoden betrieblicher Informationsgewinnung, 2. Auflage, S. 82

20 Berekoven, Ludwig; Eckert, Werner; Ellenrieder, Peter (2004): Marktforschung: Methodische Grundlagen und praktische Anwendung, 10. Auflage, Wiesbaden, S. 111

21 Hammann, Peter; Erichson, Bernd (2006): Marktforschung: Grundwissen der Ökonomik. Betriebswirtschaftslehre, 4. Auflage, Stuttgart, S. 351

22 Computer Assisted Telefon Interviewing

23 Berekoven, Ludwig; Eckert, Werner; Ellenrieder, Peter (2004): Marktforschung: Methodische Grundlagen und praktische Anwendung, 10. Auflage, Wiesbaden, S. 111 f.; s.a. Salcher, Ernst F. (1995): Psychologische Marktforschung: (Marketing Management, Band 4), 2. Auflage, S.17

24 Salcher, Ernst F. (1995): Psychologische Marktforschung: (Marketing Management, Band 4), 2. Auflage, S.16 S. 5 / 16

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668230132
ISBN (Buch)
9783668230149
Dateigröße
907 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323702
Institution / Hochschule
Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft – Hochschule
Note
2,0
Schlagworte
Interview Erhebungsmethode qualitative Erhebung Befragung

Autor

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