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Auswirkungen sportlicher Bewegung auf die Psyche. Judo und Schulsportunterricht

Facharbeit (Schule) 2015 9 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Psychische Effekte sportlicher Bewegung an sich
2.1 Beobachtete Auswirkungen
2.2 Erklärungsansätze
2.2.1 Psychologisch
2.2.2 Neurobiologisch

3. Psychologische Betrachtung des Schulsportunterrichts

4. Psychologische Betrachtung des Judo

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis
6.1 Internetquellen
6.2 Literaturquellen

1. Einleitung

Vermutungen hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen Körper und Seele reichen bis in die Antike. So heißt es laut einem alten lateinischen Sprichwort „Mens sana in corpore sano“, was übersetzt „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ bedeutet. Auch Goethe vermochte den positiven Effekt des Sports auf poetische Weise in Form eines Reimes auszudrücken: „Was du dir abläufst auf dem Schuh, das fließt dir geistig doppelt zu!“ Inzwischen wird diese Wechselbeziehung zunehmend fachwissenschaftlich untersucht. Da ich grundsätzlich ein großes Interesse für das Fachgebiet der Psychologie habe, möchte ich mich in dieser Belegarbeit im Rahmen des Sportkurses mit dem Thema Judo intensiver mit den Auswirkungen sportlicher Bewegung auf die Psyche befassen.

Meine Ausarbeitung werde ich dabei voraussichtlich folgendermaßen aufbauen: Zunächst stelle ich die psychischen Effekte, welche dem Sport zugesprochen werden, vor, um mich darauf aufbauend mit den Ursachen dieser beschäftigen zu können. Ich differenziere dabei grob zwischen präventiven und therapeutischen Wirkungen. Um letztendlich auf das eigentliche Thema meines Sportkurses zurückzukommen, stelle ich folglich einen Bezug zum Sportunterricht im Allgemeinen und zum Judo her.

2. Psychische Effekte sportlicher Bewegung an sich

2.1 Beobachtete Auswirkungen

Die Auseinandersetzung mit den Auswirkungen sportlicher Bewegung auf die Psyche setzt zunächst eine zusammenfassende Beschreibung der allgemein beobachteten Effekte voraus. Schon nach einmaliger sportlicher Aktivität lassen sich angenehme Entspannung, Zufriedenheit und eine positivere Stimmung feststellen. Alltagsprobleme scheinen sich zu mäßigen. Des Weiteren konnte ein Rückgang von Zustandsängsten, d.h. von momentanen, zum Zeitpunkt der sportlichen Aktivität bestehenden Angstreaktionen, welche sich auf real existente Gegebenheiten beziehen, festgestellt werden.

Die im Folgenden dargestellten Erfahrungen beziehen sich auf eine sportliche Aktivität über einen Zeitraum von etwa einem Jahr, also längerer Dauer. Eine allgemein veränderte Wahrnehmung des eigenen Körpers und eine damit verbundene Verringerung der Schmerzempfindlichkeit lassen sich beobachten. Das Selbstbewusstsein sowie die Selbstachtung nehmen zu, woraus ein grundsätzlich besseres Wohlbefinden resultiert. Selbstachtung verkörpert dabei die wichtigste Voraussetzung für psychische Stabilität sowie Stressbewältigung und steht im engen Zusammenhang zu allgemeiner Lebenszufriedenheit und sozialer Anpassung. Stimmung wird definiert als Unterordnung der Gefühle, welche nicht bewusst wahrgenommen wird und beispielsweise Gelassenheit, Deprimiertheit und Ärger umfasst. Als Auswirkung sportlicher Betätigung wurde eine Steigerung der positiven sowie ein Rückgang der negativen Stimmung beobachtet. Dies trifft in besonderem Maße bei persönlichen Verbesserungen und dem Erreichen von gesetzten Zielen, also bei Erfolgserlebnissen zu. Bezüglich der Intensität der sportlichen Aktivitäten wurde beobachtet, dass sich die stärksten Effekte bei einer individuell gewählten zeigen. Überdies lässt sich zudem sagen, dass aerobe Aktivitäten größere positive Effekte zeigen als anaerobe.1

Sportliche Aktivität kann allerdings nicht nur alltägliche Stresssituationen erträglicher machen und somit psychische Erkrankungen z.B. als Folge von Dauerstress vorbeugen, sondern wirkt zudem auch positiv auf bereits bestehende Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen.2 So hat Sport als Therapieform ohne negative Nebenwirkungen in letzter Zeit immer mehr an Aufmerksamkeit gewonnen und wird als Alternative zu Psychopharmaka empfohlen. Ferner wird körperliche Aktivität als Strategie für den Umgang mit Stress geraten, denn die auftretenden Körperreaktionen wie Schwitzen und erhöhte Herzfrequenz ähneln sich, sodass eine Art Abhärtung und eine Verbesserung der psychologischen Anpassung herbeigeführt wird.3

2.2 Erklärungsansätze

Aus dem vorherigen Teilkapitel lässt sich folgern, dass sportliche Bewegung eine durchaus positive Wirkung auf die Psyche zu haben scheint. Eine eindeutige Erklärung dafür existiert noch nicht. Dennoch werde ich im Folgenden einige Ansätze vorstellen, welche in der Wissenschaft noch diskutiert werden.

2.2.1 Psychologisch

Lässt man die neurobiologischen Ursachen erst einmal unberücksichtigt und beschränkt sich auf psychologische Aspekte, so ist die Ablenkung als Erklärung am naheliegendsten. Durch sportliche Betätigung kommt der Betroffene auf andere Gedanken, wird von den plagenden Sorgen und kreisenden Gedanken abgelenkt und bekommt einen freien Kopf. Auch werden persönliche Blockaden sowie Ermüdungszustände überwunden, was zur Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls und Selbstvertrauen beiträgt sowie die Stimmung hebt. Der Mensch lernt, dass er sein Leben selbst aktiv durch eigene Kompetenzen beeinflussen und so etwas erreichen kann, also handlungsfähig ist.4

Eine andere Theorie zur Begründung der positiven Auswirkung des Sports lässt sich auf die menschliche Evolution der „Jäger und Sammler“ zurückführen, nach welcher der Mensch auf körperliche Anstrengung angelegt ist. Der Jäger und Sammler verspürte Erfolg und Glücksgefühle, wenn seine Jagd erfolgreich war. Das Treiben von Sport sei demnach unmittelbar an die psychische Gesundheit gekoppelt. Der Mensch erfährt somit Glücksgefühle, wenn sein Körper spürt, dass er sich erfolgreich angestrengt hat.5

Ebenfalls verdächtigt für den stimmungsaufhellenden Effekt sportlicher Betätigung wird das sogenannte „Runner's High“. Dabei handelt es sich um einen euphorischen, rauschähnlichen Zustand, welcher nach einer gewissen Zeit des Laufens eintritt und mit dem Gefühl einhergeht, dass man vollkommen automatisch läuft und die Bewegung keinerlei Anstrengung mehr bedarf. Während der Aktivität wird ein Gefühl von innerer Ruhe und Entspanntheit ausgelöst, welches auch noch bis einige Zeit danach andauert.6 In der Psychotherapie werden Traumata mit der „EMDR“-Therapie7 behandelt, d.h., die Patienten werden gezielt mit bestimmten traumatischen Ereignissen konfrontiert, während sie ihre Augen ständig rhythmisch hin- und herbewegen. Als Effekt dieser Therapie wird angestrebt, dass sich das Gehirn neu ordnet und das traumatische Erlebnis somit einbezieht und als vergangen wahrnimmt. Vermutlich funktioniert dieses Phänomen der Stimulation durch rhythmische Bewegung auch bei der wiederholten Schrittfolge beim Laufen. Nach längerer Laufaktivität werden aktuelle belastende Probleme so plötzlich als weniger negativ als zuvor empfunden.8 Ferner wird der Zustand des „Runner's High“ in dem Ratgeber „Fitness für die Seele“ sehr zutreffend umschrieben: „Wir handeln genau in der Mitte zwischen Über- und Unterforderung, erleben ein Gefühl der Zeitlosigkeit, vergessen unsere Alltagssorgen, lösen uns von kreisenden Gedanken, sind hellwach und hochkonzentriert. Wir fühlen uns in Harmonie mit uns und unserer Umgebung.“9

2.2.2 Neurobiologisch

Biologisch betrachtet stellt der Konzentrationsanstieg körpereigener Morphine, der ß-Endorphine während sportlicher Aktivität einen denkbaren Erklärungsansatz für die positiven Auswirkungen des Sports auf das Wohlbefinden dar. So wird den Endorphinen eine schmerzlindernde und stimmungssteigernde Wirkung sowie ein positiver Einfluss auf das Immunsystem zugesprochen.9 Bezüglich der Auslösung von Glücksgefühlen ist diese Theorie jedoch umstritten und nicht nachweisbar, denn das Glücksgefühl entsteht nicht im Körper, sondern ausschließlich im Gehirn, in welches die Endorphine scheinbar nicht eindringen können. Ihre Wirkung als Schmerzstiller gilt jedoch als bestätigt. Endorphine sorgen demzufolge dafür, dass bei Verletzungen keine oder weniger Schmerzen wahrgenommen werden.10

[...]


1 vgl. Moser: Die Effekte des Sporttreibens auf die kognitive Leistungsfähigkeit im schulischen Kontext

2 vgl. Becker: Psyche und Sport. Zufrieden mit sich und seinem Körper

3 vgl. Lukowski: Sport und Psyche. Positive psychische Wirkung und wichtiger Therapiebaustein, S.21-24

4 vgl. Becker: Psyche und Sport. Zufrieden mit sich und seinem Körper; Moschke: Fitness für die Seele, S.32

5 vgl. Heinhold: Sport und Psyche. Den Sorgen davonlaufen

6 vgl. Moschke: Fitness für die Seele, S.37

7 Abk. Deutsch: Augenbewegungs-Desensibilisierung und Wiederaufarbeitung

8 vgl. Joung: Mythos Endorphine. Weshalb uns Sport glücklich macht

9 Moschke: Fitness für die Seele, S.37

9 vgl. Moser: Die Effekte des Sporttreibens auf die kognitive Leistungsfähigkeit im schulischen Kontext; Moschke: Fitness für die Seele, S.42

10 vgl. Joung: Mythos Endorphine. Weshalb uns Sport glücklich macht

Details

Seiten
9
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668237926
ISBN (Buch)
9783668237933
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v324063
Note
13 Punkte
Schlagworte
Sport Motivation Psychologie Psyche Judo Schulsport Kampfsport

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