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Fördern und Förderunterricht

Seminararbeit 2003 21 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen
2.1 Zum Begriff der inneren Differenzierung
2.2 Der Begriff der äußeren Differenzierung
2.3 Zum Begriff „Fördern“

3. Die Notwendigkeit von Fördermaßnahmen

4. Die Organisation von Förderunterricht

5. Die Wirksamkeit von Förderunterricht

6. Das entwicklungsorientiert-integrative Förderkonzept als eine Art der Förderung

7. Zielbezogene Differenzierung

8. Öffnung des Unterrichts
8.1 Drei Dimensionen qualitativ unterschiedlicher Öffnung
8.2 Die Lehrerrolle im offenen Unterricht
8.3 Strukturen im offenen Unterricht

9. Ein Beispiel aus der Praxis: Die Arbeit mit dem Förderbuch

10. Persönliche Stellungnahme

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In nachfolgender Hausarbeit bin ich den Fragestellungen „Wann sollen Fördermaßnahmen einsetzen?“ und „ Wie soll Förderunterricht gestaltet werden, damit er der Heterogenität einer Grundschulklasse gerecht wird?“ nachgegangen.

Dazu beginne ich mit einer Klärung der Begriffe „innere Differenzierung“, „äußere Differenzierung“ sowie „Fördern“, da sie für das weitere Verständnis notwendig sind. Anschließend gehe ich auf die Notwendigkeit von Fördermaßnahmen ein. Im darauffolgenden Kapitel beschreibe ich, nach welchen Kriterien Förderunterricht organisiert werden kann. Mit der Wirksamkeit von Förderunterricht sowie dem optimalen Zeitpunkt der Förderung habe ich mich ausführlich in Kapitel 5 beschäftigt. Damit verknüpft habe ich die Beschreibung des entwicklungsorientiert-integrativen Förderkonzepts als eine Art der Förderung. Das Konzept geht nochmals ausführlich auf den idealen Zeitpunkt von Fördermaßnahmen ein. In Kapitel 7 beschreibe ich, wie man mit dem Prinzip des zieldifferenten Lernens der Heterogenität einer Schulklasse gerecht werden kann. Über das Thema „zieldifferentes Lernen“ komme ich zur Begründung von offenem Unterricht, den ich auf die Grundschule beziehe. Um Fördermaßnahmen zu konkretisieren, gehe ich auf Karin Babbes´ Förderbuch ein, das ein Beispiel für die Öffnung von Unterricht darstellt. Abschließend erläutere ich, was mir die Diskussion im Seminar persönlich gebracht hat.

2. Begriffsklärung

2.1 Zum Begriff der inneren Differenzierung

Innere Differenzierung ist auf eine bestimmte Klasse gerichtet, in der im gleichen Raum und zur gleichen Zeit bei einem Lehrer Unterricht stattfindet. Sie bezieht sich auf didaktisch-methodische Maßnahmen des Lehrers und orientiert sich an den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler. Der unterrichtende Lehrer stimmt Lernziele, Inhalte, Methoden und Medien auf einzelne Schüler ab, um ihren Bedürfnissen, Begabungen, ihrer sozialen Herkunft und Entwicklung gerecht zu werden (vgl. Eberwein 1998, S.49). Innere Differenzierung verknüpft individuelles und soziales Lernen und wird hauptsächlich an Grundschulen praktiziert.

Sie hat den Anspruch, optimale Lernmöglichkeiten für alle Kinder zu schaffen und Chancengleichheit zu fördern (vgl. Eberwein 1998 , S.49). Primäres Ziel ist es, Schüler mit Lerndefiziten so zu fördern, dass sie die durch die Rahmenrichtlinien gesetzten Ziele der Grundschule erreichen (vgl. Meyer-Willner 2001, S.372). Innere Differenzierung kann zwar keine Homogenität einer Lerngruppe herbeiführen, ist aber eine Möglichkeit, den größten Teil der Schüler zur Erreichung der fundamentalen Lehrziele zu führen (vgl. Meyer-Willner 2001, S.371).

2.2 Zum Begriff der äußeren Differenzierung

Bei der äußeren Differenzierung handelt es sich um organisatorische Maßnahmen zur Bildung möglichst homogener Gruppen. Dies geschieht entweder durch eine interschulische Systemdifferenzierung (z.B. Hauptschule, Realschule, Gymnasium) oder durch intraschulische Differenzierung wie etwa die Aufteilung in Leistungskurse. Äußere Differenzierung basiert auf der Vorstellung, dass Schüler in leistungshomogenen Gruppen besser und erfolgreicher lernen als in heterogenen Gruppen. Ziel ist es, alle Kinder mit möglichst gleichen Mitteln und zur gleichen Zeit zu einem gemeinsamen Ziel führen (vgl. Meyer-Willner 2001, S.367).

2.3 Zum Begriff „Fördern“

Fördern bedeutet zum einen „weiter nach vorn bringen“, d.h. Stärken unterstützen und weiterentwickeln, zum anderen „fort-, wegschaffen“, also Schwächen bzw. das Hemmende eliminieren (vgl. Günther 2002, S.102).

Eine Hauptaufgabe der Grundschule ist es, Kindern das Lesen, Schreiben, Rechtschreiben sowie Rechnen zu vermitteln, damit alle Kinder beim Eintritt in weiterführende Schulen über diese Fertigkeiten verfügen. Einige Kinder haben jedoch Lernschwierigkeiten und benötigen besondere Hilfestellungen während der Grundschulzeit. „Aus dem Verfassungsauftrag, jedes Kind in seinen Kräften und Fähigkeiten bestmöglichst zu fördern, leitet sich der Rechtsanspruch auf ein alters- und entwicklungsgerechtes Förderangebot ab.“ (Burk 1993, S.8) Somit ist jeder Unterricht zugleich auch Förderunterricht.

Angesichts der hohen Heterogenität einer Schulklasse kann der Anspruch eines jeden Kindes auf Förderung nur eingelöst werden, wenn Schule berücksichtigt, dass

- Kinder unterschiedlich lernen,
- sie unterschiedlich viel lernen,
- sie die Schule sehr verschieden erleben und verarbeiten,
- sie gleiche Ziele zu unterschiedlichen Zeitpunkten erreichen und
- die einen mehr, die anderen weniger Hilfe bedürfen. (Burk 1993, S.8).

Die Grundschule muss sich auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen und Leistungspotentiale ihrer Schüler einstellen und Kinder anderer Muttersprachen sowie Kinder mit Lernbehinderungen integrieren.

Fördern findet nicht nur als individuelle Förderung statt (Orientierung an individuellen Bedürfnissen, Anknüpfen an vorhandene Erfahrungen und Wissen), sondern in enger Abstimmung mit sozialem Lernen. In der Gruppe wird Integration für Kinder erfahrbar: Es wird von- und miteinander gelernt, jeder wird mit seinen eigenen Stärken und Schwächen akzeptiert und Selbstbewusstsein aufgebaut. Erfolgreiche Förderung ist somit nicht allein ein Ergebnis der optimalen Passung zwischen Kind und Lernziel bzw. Lerngegenstand, sondern auch Ergebnis sozialer Interaktion. Heterogenität soll bejaht und als Chance für lernförderlichen Unterricht begriffen werden (vgl. Burk 1993, S.9).

Empirische Befunde sprechen für eine möglichst frühe Förderung: Forschungen zur Persönlichkeitsentwicklung haben gezeigt, dass sich negative Einschätzungen der eigenen schulischen Leistungsfähigkeit von Schulversagern bereits in der Grundschule entwickeln und sich im Laufe der Jahre eher noch stabilisieren. Eine Vorverlegung von Fördermaßnahmen in die Grundschule scheint effektiver, als beispielsweise erst im 5./6. Schuljahr Lerndefizite aufzuarbeiten (vgl. Sandfuchs 2001, S.293). Förderung kann in verschiedenen Lebensphasen des Kindes stattfinden und bereits im Kindergarten als präventive Maßnahme ansetzen.

3. Die Notwendigkeit von Fördermaßnahmen

Mit dem Wandel in unserer heutigen Gesellschaft haben sich auch die Aufgaben der Grundschule verändert. Unsere Gesellschaft wird immer multikultureller, die Anzahl von Scheidungskindern vergrößert sich und der Anteil der Familien, die an der Armutsgrenze leben, nimmt immer mehr zu. Durch die veränderte Kindheit sind die Eingangsbedingungen von Schulanfängern unterschiedlicher als je zuvor. Auch der Anteil von Kindern mit Lernschwierigkeiten hat sich erhöht. Die Grundschule muss sich auf diese Veränderungen einstellen und Aufgaben wie z.B. die Integration von Kindern anderer Herkunftssprachen und von Sonderschülern übernehmen sowie die Schulfähigkeit von allen Kindern herstellen. Nicht die Kinder sind es, die beim Schuleintritt über Schulreife verfügen müssen, sondern die Schule hat die Aufgabe, die Schulfähigkeit bei den Kindern zu entwickeln (vgl. Burk 1993 1998, S.18). In den KMK-Empfehlungen zur Arbeit in der Grundschule (1994) heißt es, dass es Aufgabe der Grundschule sei, „Kinder mit unterschiedlichen individuellen Lernvoraussetzungen und Lernfähigkeiten so zu fördern, dass sich Grundlagen für selbständiges Denken, Lernen und Arbeiten entwickeln.“ (Sandfuchs 2001, S.293)

Die Notwendigkeit von Fördermaßnahmen ergibt sich aus der Aufgabe der Grundschule, Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln und dafür ein auf das Alter und die Entwicklung abgestimmtes Förderangebot bereitzustellen. Da die Beherrschung von Lesen, Schreiben und Rechnen Voraussetzung für den Erfolg in anderen Schulfächern ist und somit das Leben jedes Menschen entscheidend beeinflusst, ist die Förderung aller Kinder unverzichtbar.

4. Die Organisation von Förderunterricht

„Als Förderunterricht werden schulorganisatorische und didaktische Maßnahmen zur Behebung oder Verringerung von schulischen Leistungsrückständen und Lerndefiziten bezeichnet, die im Regelunterricht durch innere Differenzierung nicht mehr aufgearbeitet werden können.“ (Sandfuchs 2001, zit. nach Günther 103)

Dabei wird eine langfristige Förderung einzelner Schüler innerhalb der Klasse von einer räumlich getrennten, aber kontinuierlichen Förderung in einer Fördergruppe unterschieden.

Förderunterricht kann man danach systematisieren, ob seine Inhalte am Regelunterricht ausgerichtet sind oder nicht. Zu den am Regelunterricht ausgerichteten Formen zählen voraus- und nacharbeitender Unterricht, Unterricht in Doppelbesetzung sowie schulergänzende Maßnahmen. Vorausarbeitender Förderunterricht versucht, potentielle Lernschwierigkeiten im voraus zu erkennen und aufgabenrelevante Vorkenntnisse zu vermitteln. Nacharbeitender Förderunterricht arbeitet Lernschwierigkeiten auf, die im Regelunterricht aufgetreten sind. Unterricht in Doppelbesetzung ist eine Form von Team- Teaching, bei der zwei Lehrkräfte gleichzeitig in einer Klasse arbeiten und eine davon gezielt lernschwache Kinder betreut. Zu den schulergänzenden Maßnahmen zählen die Hausaufgabenhilfe und Nachhilfeinstitute, die Einzelförderung bieten und immer häufiger in Anspruch genommen werden. Vom Regelunterricht relativ unabhängig sind Fördermaßnahmen, die in geschlossenen Lehrgängen Lerndefizite abbauen und Lernvoraussetzungen für den Regelunterricht schaffen. Beispiele hierfür sind Alphabetisierungskurse, Intensivkurse in Rechtschreibung sowie Sprachkurse für Kinder nicht-deutscher Herkunft („Deutsch als Zweitsprache“ oder „Deutsch für Ausländer“). Relativ unabhängig vom Regelunterricht ist auch Förderunterricht mit eigenen kleinen Projekten, um Schüler wieder für den Regelunterricht zu motivieren und ihr Selbstkonzept zu verbessern (vgl. Sandfuchs 2001, S.294f.).

Des weiteren kann man zwischen internen und externen Fördermaßnahmen unterscheiden. Interne Förderung findet im Sinne der inneren Differenzierung statt und umfasst alle in den Klassenunterricht eingebauten besonderen Lernhilfen für Einzelschüler oder Gruppen. Sie hat den Vorteil, dass schwache Kinder nicht ausgegliedert werden und Lernschwächen direkt und unmittelbar vermindert werden können. Externe Förderung im Sinne der äußeren Differenzierung erfolgt außerhalb des Klassenunterrichts in Förderkursen. Er soll Schülern über einen längeren Zeitraum helfen, Lernrückstände aufzuarbeiten und ihnen auf Dauer wieder die erfolgreiche Teilnahme am Regelunterricht ermöglichen (vgl. Sandfuchs 2001, S.294). Im Idealfall unterrichtet die Klassenlehrerin diese Gruppe, damit eine enge Anbindung an den Regelunterricht gegeben ist und gezielt auf die individuellen Stärken und Schwächen der Kinder eingegangen werden kann (vgl. Günther 2002, S.104).

Zu den externen Fördermaßnahmen zählen zum Beispiel auch Kleinlerngruppen mit etwa zehn bis fünfzehn Schülern. Die Schüler werden über einen längeren Zeitraum außerhalb vom Klassenverband unterrichtet und erhalten einen auf ihre Lernschwäche zugeschnittenen Unterricht. Ein Beispiel hierfür sind die in einigen Bundesländern eingerichteten LRS-Klassen, die die Lernziele eines Schuljahres auf zwei Jahre verteilen und gleichzeitig versuchen, Lese- und Rechtschreibschwächen abzubauen (vgl. Sandfuchs 2001, S.294).

Förderung kann aber auch innerhalb der Schule durch externe Lerntherapeuten (z.B. Sonderpädagoge und Schulpsychologe), die über zusätzliche Qualifikationen für die Förderung verfügen, stattfinden. Unterstützend können die Eltern durch häusliche Lese- und Rechtschreibübungen an der Förderung mitwirken (vgl. May 2001, S.281).

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Details

Seiten
21
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638331371
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32411
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe
Note
2
Schlagworte
Fördern Förderunterricht

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Titel: Fördern und Förderunterricht